Die Festung Kłodzko (Glatz) ist eine beeindruckende militärische Anlage in der gleichnamigen Stadt in Polen. Sie thront auf dem 369 Meter hohen Burg- bzw. Schlosshügel westlich der Glatzer Neiße und über dem Glatzer Ring (Rynek). Die Festung ist nicht nur ein prachtvolles Denkmal, sondern auch ein Zeugnis wechselvoller Geschichte.
Die Festung Glatz (Kłodzko)
Die Burg wurde erstmals im Jahr 981 erwähnt. Das „castellum Cladsko“ wurde vom böhmischen Chronisten Cosmas von Prag erwähnt. Es war eine Grenzburg gegen Polen, errichtet vom böhmischen Fürsten Slavnik, dem Vater des heiligen Adalbert von Prag. Im Jahr 1129 wurde diese Burg unter Herzog Soběslav I. verstärkt, um die wichtige Straße Prag-Pass von Nachod-Hummelpass-Wartha-Breslau zu sichern.
Vermutlich um diese Zeit entstanden auf dem Burgberg der sogenannte Heidenturm und die Marienkapelle (Heidenkirchlein), die erstmals 1194 urkundlich belegt ist. Am Abhang des Burgberges erbaute 1349 der erste Prager Erzbischof Ernst von Pardubitz ein Augustinerkloster-Chorherrenstift.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die gotische Burg mehrmals zu einem Schloss umgebaut. Die ehemals gotische Burg wurde im Laufe der Zeit zu einem Schloss umgebaut, auf dem die Burggrafen von Glatz, die Glatzer Landeshauptleute und ab 1477 auch die Grafen von Glatz residierten. Im 15. und 16. Jahrhundert entstand das Renaissanceschloss mit mehreren zusätzlichen Gebäuden. Erster regierender Graf von Glatz war Heinrich I. von Münsterberg und Oels, ein Sohn des böhmischen Königs Georg von Podiebrad.
Während der Regentschaft des Glatzer Pfandherrn Ernst von Bayern wurde das Schloss 1557 vom Hofarchitekten Lorenz Krischke im Renaissancestil umgebaut. Außerdem wurde das untere Schloss, das auch als „Niederschloss“ bezeichnet wurde, errichtet und die ältere Festung um mehrere Gebäude erweitert.
Im 18. Jahrhundert erlangte die Festung eine neue strategische Bedeutung. 1742 wurde die Festung im Ersten Schlesischen Krieg von Preußen erobert. König Friedrich II. veranlasste 1743 die Modernisierung und Verstärkung der Glatzer Festung und die Errichtung einer weiteren Festung östlich der Glatzer Neiße auf dem Glatzer Schafberg. Der Hauptentwurf stammt vom Festungsbaumeister Gerhard Cornelius von Walrave. Mit der weiteren Durchführung wurde Major Christian von Wrede beauftragt und der königliche Statthalter Heinrich August de la Motte Fouqué zum Kommandanten der Festung ernannt.
Da die Festung im Siebenjährigen Krieg eine große Bedeutung erlangte, wurde sie auf Initiative des Königs nach Beendigung des Krieges modernisiert. Obwohl die Entwürfe bereits im Mai 1763 vorlagen, begann die grundlegende Modernisierung durch den Piemonteser Militäringenieur Franz Ignatz von Pinto erst im Jahre 1770.
Im 19. Jahrhundert verlor die Festung ihre militärische Bedeutung und wurde anderweitig genutzt. Im 19. Jahrhundert wurde die Festung als Gefängnis und Lagerhaus genutzt. Im Deutschen Krieg 1866 spielte die Glatzer Festung keine Rolle mehr. 1877 wurde sie aufgehoben und 1930 die Burgberghänge mit Beton verstärkt. Bis 1938 diente die Festung als Haftanstalt. Die im Haftvollzug gehaltenen Personen wurden nach Ingolstadt verbracht. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Glatzer Festung zu einem Wehrmachtsgefängnis umgewandelt. Dieses wurde in den letzten Kriegsmonaten auf die Nebenfestung am Glatzer Schäferberg verlegt.
Heute ist die Festung Glatz eine der wichtigsten Touristenattraktionen Polens. Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Glatz zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Polen. Die Festung Glatz wurde wörtlich in Twierdza Kłodzko umbenannt. Sie gehört zu den wichtigsten Touristenattraktionen und wird vom Glatzer Ring aus erreicht. Der Rundweg führt durch einige Bastionen, Höfe und Kasematten. Der höchste Punkt der Festung bietet einen Blick auf den südlichen Glatzer Kessel.
Besucher können die unterirdischen Tunnel nur mit einem Guide besichtigen. Diese Touren durch das Labyrinth können auch extra gebucht werden. Teilweise sind die Gänge nur 1,75 Meter oder 1,65 Meter hoch, an manchen Stellen sogar noch viel niedriger und man muss etwas gebückt gehen.
Ein weiteres Highlight ist die Veranstaltung "Schlacht um die Festung", ein historischer Markt mit Ständen vom Spätmittelalter bis zum 2. Weltkrieg, die jährlich am 8. und 9. August stattfindet.
Ein interessanter Aspekt der Festung Glatz ist ihre Rolle in der Bierproduktion. Eien weitere Besonderheit: In der Festung Glatz gab es Brauereien, in denen Alkohol hergestellt wurde. Jeder preußische Soldat erhielt täglich zwei Liter Bier und musste sie trinken, weil das Wasser damals vergiftet sein konnte. Ein Hit in der Festung war die preußische Biersuppe. Nach dem Morgenappell bekamen die Soldaten Brot und Gemüse.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 981 | Erste Erwähnung als "castellum Cladsko" |
| 1129 | Verstärkung der Burg durch Herzog Soběslav I. |
| 1557 | Umbau des Schlosses im Renaissancestil durch Lorenz Krischke |
| 1742 | Eroberung durch Preußen im Ersten Schlesischen Krieg |
| 1743 | Modernisierung und Verstärkung durch Friedrich II. |
| 1877 | Aufhebung als Festung |
| 1945 | Übergang an Polen und Umbenennung in Twierdza Kłodzko |
Die Festung Glatz ist ein faszinierendes Denkmal, das die Geschichte Schlesiens und Polens widerspiegelt. Ein Besuch lohnt sich, um die beeindruckende Architektur und die spannende Vergangenheit dieser Anlage zu erleben.
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