Falscher Schnurrbart selber machen – Eine Anleitung

Bärte sind nicht nur im Trend, sondern auch ein beliebtes Kostüm-Accessoire. Ob als Vampir, Zorro oder Bösewicht - mit einem gekonnten Kostümbart kann man sich in jede Rolle schmeißen. Manchmal passiert es - egal wo man sucht, man findet nicht das richtige Teil, um das Kostüm zu komplettieren, an dem man arbeitet. Besonders bei Charakteren, die mit einem ausgefallenen oder bunten Bart bestückt sind, ist es schier unmöglich, einen vergleichbaren Bart in Kostümshops zu finden.

Viele kennen die Backstage-Bilder von manchen Theaterproduktionen, wo man aufgereiht die Köpfe mit Haarteilen von Perücken bis hin zu Bärten und Augenbrauen bewundern kann. Doch all diese Haarteile wurden in mühsamer Handarbeit gefertigt. Am besten vergleichen kann man das Knüpfen mit dem Nähen per Hand. Besonders bei den ersten Versuchen wird dieser Handgriff noch etwas wackelig und langsam sein, doch mit zunehmender Übung geht einem die Bewegung nach und nach ins Handgelenk über und spart mehr und mehr Zeit. Trotzdem: Um ein kleines Haarteil wie einen Kinnbart zu knüpfen, benötigt man Stunden und muss Geduld beweisen.

Zu den größten Vorteilen des Selbstknüpfens zählen vor allem die schier unendlichen Möglichkeiten, die man damit erschaffen kann. Man kann perfekt abgestimmte Bärte mit derselben Farbe der Perücke knüpfen, in allen möglichen Formen. Die Technik kann ebenfalls verwendet werden, um den Haaransatz einer Lace-Front-Perücke zu verändern und in eine neue Form zu verwandeln. Im Grunde sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ein weiterer Vorteil ist die Nachhaltigkeit eines Haarteils, da man es ohne große Sorgen immer wieder und wieder verwenden kann.

Materialien für einen selbstgemachten Schnurrbart

Bevor man sich voller Motivation und Tatendrang an das Knüpfen begibt, sollte man sich bewusst machen, dass diese Technik seine Zeit braucht und allen voran viel Übung benötigt. „Übung macht den Meister“ ist das wohl passendste Sprichwort, um das Bartknüpfen zu beschreiben.

  • Einen Untergrund zum Knüpfen - Vorzugsweise einen Perückenkopf aus Stoff, der dieselbe Größe hat wie der Kopf der Person, für welche das Haarteil geknüpft wird.
  • Swiss Lace - Als Swiss Lace wird der tüllähnliche, in verschiedenen Hautfarben erhältliche Stoff genannt, der den Untergrund eines Haarteils stellt. Sehr wichtig ist, die Swiss Lace nicht mit einfachem Kleidertüll zu verwechseln! Swiss Lace hat eine weichere Haptik und eine andere Webstruktur, die man benötigt, um die Haare mit Knoten ordentlich zu befestigen.
  • Knüpfnadel und Knüpfnadelhalter - Eine Knüpfnadel, die in eine speziell dafür ausgelegte Halterung gespannt wird, ist neben der Lace das wichtigste Werkzeug. Wichtig ist, dabei eine Nadel zu nehmen, die einen flachen, aber tiefen Haken besitzt. Denn nur durch eine so flache und spitze Form ist es möglich, dass der Haken nicht in der Lace hängenbleibt.
  • Haare - Echthaar oder Kunsthaartressen. Es lohnt sich, je nach Projekt eine oder zwei Tressen passend zum Perückenhaar zu bestellen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Knüpfen eines Haarteils

Bevor es nun ans Eingemachte geht und losgeknüpft wird, muss zunächst der Untergrund vorbereitet werden, auf dem geknüpft wird. Je nach Form eines Haarteils, lohnt es sich, zuvor ein Schnittmuster auf Papier vorzubereiten, es am Gesicht mit der Größe zu prüfen und dann auf dem Perückenkopf festzustecken. Diese Orientierung kann helfen, nicht zu viel zu knüpfen und hinterher nichts abschneiden zu müssen. Über das Schnittmuster wird mit Stecknadeln die Lace angebracht, die größer als das Schnittmuster sein sollte, damit die festgesteckten Kanten beim Knüpfen nicht im Wege stehen. Die Lace wird so stramm wie möglich auf dem Perückenkopf befestigt, es dürfen keine Falten entstehen, genauso wie die Lace nicht rutschen darf.

Wie natürlich und ordentlich ein Haarteil aussieht, hängt davon ab, wie viele Haare pro Knoten an der Lace befestigt werden. Eine perfekte Menge sind 1 - 2 Haare pro Knoten. Haarteile Knüpfen ist ein Prozess des nach und nach aufeinander Aufbauens. Am besten nimmt man den Perückenkopf und befestigt ihn direkt vor sich an der Tischkante mithilfe eines Perückenhalters. Man kann den Perückenkopf jedoch auch auf den Schoß nehmen, was allerdings nach längerem Arbeiten zu Nackenschmerzen führen kann.

Für den Anfang nimmt man sich die 1 - 2 Haare in die eine Hand und formt eine Schlaufe, diese wird mit Daumen und Zeigefinger an der Schnittstelle festgehalten. Diese Schlaufe wird daraufhin mit dem Haken so gezogen, dass sie unter den Faden der Lace und auf der anderen wieder hochkommt. Nun ist Fingerspitzengefühl gefragt. Die Nadel wird so nach oben geneigt, dass die Schlaufe aus dem Harken heraus über die Ecke der Nadel rutscht. Das andere Ende, welches noch immer mit Daumen und Zeigefinger gehalten wurde, wird nun einmal um die Krümmung der Nadel gewickelt.

Wichtig ist beim ganzen Prozess, dass das Haar an beiden Enden stramm gehalten wird. Nun wird die Nadel einmal gedreht, sodass der Haken nicht mehr nach oben, sondern nach unten zeigt. Die zweite, neu kreierte Schlaufe, die nun in der Krümmung der Nadel liegt, rutscht dadurch in den Haken der Nadel. Nun wird die Schlaufe, die im Haken festgehalten wird, durch die erste Schlaufe gezogen, indem man die Nadel hindurch nach hinten zieht. Ob man alles richtig gemacht hat, erkennt man einfach dadurch, wenn sich ein Knoten gebildet hat, den man nun durch das Ziehen festzieht.

Die Technik, einen haltenden Knoten zu knüpfen, ist letztendlich alles, was man zum Thema Knüpfen können muss. Hat man den Handgriff erstmal gemeistert, ist nur noch Geduld gefragt. Man wiederholt und wiederholt, solange bis sich wie bei einem Ölbild das Motiv nach und nach erkennbar macht. Das heißt, dass die Haare wie beim Toupieren eine andere Struktur annehmen und sie voluminöser wirken lassen. Ein einfacher Trick, um gleichzeitig die Knoten ein wenig zu verstärken, ist, mit einem Haarföhn auf heißester Stufe die Haare zu glätten.

Möchte man nun seine neu kreierte Haarpracht im Gesicht anbringen, gibt es letzten Endes nur eine Möglichkeit: Hautkleber. Jedoch kann der beißende Geruch des klassischen Mastix für einige störend sein, so manch andere reagieren sogar allergisch auf den Hautkleber. Es gibt auch extra Allergiker-Hautkleber, der wasserbasiert ist. Neben dem Kleber ist auch ein Hautklebe-Lösungsmittel eine gute Investition. Nicht nur, um die eigene Haut schnell und unkompliziert von allen Kleberückständen zu reinigen, sondern auch, um ab und zu die Lace des Haarteils damit zu säubern.

Alternativen zum Knüpfen

Es gibt verschiedene Techniken, mit denen man sich Haarteile in individuellen Formen und Größen fertigen kann. Diese reichen von kostengünstig bis teuer, von schnell bis zeitraubend oder von Stangenkauf bis individuelle Anpassung. Einige Möglichkeiten lassen sich wiederverwenden, andere wiederum nicht. Doch am Ende hängt die Entscheidung, für welche Technik man sich entscheidet, individuell vom Projekt ab, welches verwirklicht werden soll. Doch genau dafür braucht es zunächst einen Überblick, welche Methoden zur Auswahl stehen.

  • Bart aufmalen: Sich einen Bart aufzumalen erscheint wohl als die einfachste und schnellste Methode, dem Gesicht etwas männlichen Touch zu verleihen. Am besten nutzt man dafür einen angespitzten Kajalstift in der gewünschten Farbe. Mit dem Kajalstift werden kleine Striche in Haarrichtung gezogen, je dünner, desto besser, und je mehr, desto besser. Es lohnt sich, vor dem Tragen des Cosplays ein paar Mal das Aufmalen eines Barts zu üben, damit man am Ende zufrieden ist und unnötiges Abwischen von vermasselten Stellen am Tag der Convention vermeidet.
  • Gekaufter Bart: Wer nicht gerade ein unnatürlich anmutendes Kunsthaargebilde aus dem Karnevalsshop zur Hand nehmen will, der findet genug Angebote im Fachhandel, oder im Internet von freischaffenden Maskenbildnern, sowie spezialisierte Kostümshops. Ein Haarteil einfach zu kaufen spart viel Zeit, die man mit dem Knüpfen oder Kleben verbringen würde. Zudem sind nahezu alle Bärte, die man kaufen kann, geknüpft und somit wiederverwendbar. Bei von der Stange gekauften Produkten ist eine individuelle Anpassung nicht möglich. Zudem kann der Preis für einen gekauften Bart je nach Art die 50-Euro-Marke knacken. Bei individuell gefertigten Auftragsarbeiten muss man sich wiederum je nach Größe und Aufwand auf eine höhere dreistellige Summe einstellen.
  • Wollkrepp-Bart: Eine günstige, aber dafür zeitaufwendige Methode nutzt das ebenfalls aus dem Maskenbildner-Bereich stammende Wollkrepp. Mit Wollkrepp zu arbeiten erfordert viel Zeit, Geduld und Fingerspitzengefühl, da man sich mehr oder weniger Strähne für Strähne voran arbeitet. Zum Befestigen der Haarsträhnen verwendet man am besten Mastix oder einen anderen handelsüblichen Hautkleber, der an die Stellen gestrichen wird, an denen die Haare haften sollen. Mit Wollkrepp ist man freier als bei anderen Methoden, verschiedene Stile umsetzen, vom langen Zaubererbart bis zu haarigen Hobbitfüßen. Man hat deutlich mehr Farbauswahl als bei einem gekauften Bart und kommt auch wesentlich billiger weg. Neben der langen Zeit, die man bei jedem Schminken damit zubringt, die Barthaare nach und nach anzukleben, ist ein Wollkrepp-Bart immer nur einmalig verwendbar.
  • Geklebter Bart auf Basis: Zwischen dem Kleben von Einzelsträhnen und dem Knüpfen, liegt die Technik des Klebens eines Haarteils auf eine Basis, die man wiederverwenden kann. Bei dieser Methode kann man mithilfe eines Schnittmusters eine Basis aus Tüll oder ein vorgefertigtes Latexstück verwenden und Haarsträhnen aus Wollkrepp, toupierten Perückenhaaren oder Wolle nach und nach mit Flüssiglatex zu einem Haarteil kleben. Man kann den geklebten Bart wiederverwenden und spart somit Zeit und Geld.

Anleitung: Stoppelbart/Dreitagebart schminken

Bei Theater, Film oder Karneval gehört der Stoppelbart oft zur Karaktere. Bei einem Gangster, Cowboy oder einem Bettler gehört ein Dreitagebart zum Erscheinungsbild.

Für das Schminken benötigen Sie folgende Schminke:

  1. Die gewünschte Farbe Wollkrepp in dünne Schnipsel feinschneiden.
  2. Entfetten und reinigen Sie die zu bearbeitenden Hautbereiche zuerst mit Mastix Remover.
  3. Trocknen Sie mit einem Papiertuch nach.
  4. Malen Sie mit einem dunklen Ton Lidschatten den Ansatz eines Bartschattens.
  5. Tragen Sie über den Bartschatten direkt vom Stick aus die Stoppelpaste auf und verteilen Sie die Stoppelpaste gleichmäßig mit den Fingern über die Haut.

#stayathomeandbecreative - Anne-Kathrin Hartmann

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