Diffuser Haarausfall: Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Fast jede dritte Frau hat im Laufe ihres Lebens mit Haarausfall zu kämpfen. Der Leidensdruck ist groß. Auch lichteres Haar ist mit zunehmendem Alter keine Seltenheit. Dauert der Haarausfall mehrere Wochen und gehen täglich mehr als hundert Haare aus oder es entstehen haarfreie Stellen, liegt Haarausfall vor. Diffuser Haarausfall ist eine häufige Form des Haarausfalls, bei der das Haar gleichmäßig über die gesamte Kopfhaut hinweg ausdünnt. Betroffene leiden unter einer merklichen Reduzierung der Haardichte, was zu einer sichtbaren Veränderung des Haarvolumens führen kann.

Unter diffusem Haarausfall (Alopecia diffusa) versteht man einen Haarverlust, der nicht auf einzelne Kopfhautzonen beschränkt ist. Vielmehr betrifft er die gesamte Haarwuchszone: „diffus“ stammt vom lateinischen diffusum = ausgegossen, verstreut. Der medizinische Fachbegriff für die Erscheinung lautet Alopecia diffusa.

Die gute Nachricht: Diffuser Haarausfall ist oft reversibel, wenn die Ursachen erkannt und behandelt werden.

Die besten Tipps gegen Haarausfall | Dr. Johannes Wimmer

Ursachen von diffusem Haarausfall

Diffuser Haarausfall kann viele verschiedene Ursachen haben. So können beispielsweise hormonelle Schwankungen, wie sie etwa in der Schwangerschaft, nach der Geburt, in den Wechseljahren oder bei einer Schilddrüsenunterfunktion auftreten, diffusen Haarausfall auslösen.

Ein weiterer wichtiger Faktor für diffusen Haarausfall ist psychischer oder physischer Stress. Er kann die Haarwachstumsphasen negative beeinflussen, was wiederum in verstärktem Haarverlust resultiert.

Es gibt verschiedene Faktoren, Einflüsse und Erkrankungen, die diffusen Haarausfall auslösen können. Bei einem Teil der betroffenen Menschen ist die Ursache unklar.

  • Akute Stress-Situationen. Dazu zählen schwere Operationen, Verletzungen oder psychische Belastungen.
  • Geburt. Während bei vielen Schwangeren die Haare vermehrt wachsen und dichter werden, passiert nach der Geburt das Gegenteil: Die Haare fallen stärker aus als üblich.
  • Wechseljahre. In den Wechseljahren nimmt die Menge am weiblichen Geschlechtshormon Östrogen ab. Dies kann sich durch Haarausfall bemerkbar machen.
  • Empfängnisverhütung mit Hormonen. Frauen, die mit der Anti-Baby-Pille verhüten und die Einnahme beenden, beobachten manchmal einen verstärkten Haarausfall.
  • Infektiöse und entzündliche Erkrankungen der Kopfhaut. Sie können Ursache für diffusen Haarausfall sein. Dazu zählen zum Beispiel Kopfpilz (Tinea capitis), bakterielle Infektionen der Kopfhaut wie eine Haarbalgentzündung (Follikulitis), das seborrhoische Ekzem oder Schuppenflechte (Psoriasis).
  • Erkrankungen des Hormonsystems. Dazu gehören zum Beispiel die Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion kann es neben vielen anderen Symptomen wie trockener Haut zu stumpfem, brüchigem Haar oder Haarausfall kommen. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann sich zusätzlich zu Symptomen wie warm-feuchter Haut mit weichem, dünnem Haar und diffusem Haarverlust zeigen.
  • Fieberhafte Infektionskrankheiten. Durch Viren verursachte Erkrankungen wie Grippe oder Covid-19 können mit Haarausfall einhergehen.
  • Chronische Erkrankungen. Zum Beispiel der Leber oder des blutbildenden Systems.
  • Einnahme von Medikamenten. Haarausfall kann als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten. Dazu gehören zum Beispiel Blutverdünner, Cholesterinsenker oder bestimmte Mittel gegen Bluthochdruck. Bei einem Verdacht sollte man die Medikamente niemals selbstständig absetzen, sondern immer mit dem Arzt oder der Ärztin besprechen, ob es eine Alternative gibt.
  • Nährstoffmangel. Ein Mangel an Nährstoffen kann Haarausfall auslösen. Mögliche Gründe sind zum Beispiel eine schnelle Gewichtsabnahme, einseitige Ernährung, Diät, Essstörung, ein Eisen- oder Zinkmangel.

Es gibt immer ein auslösendes Ereignis, das für die Störung in den einzelnen Phasen des Haarzyklus verantwortlich ist, wie z.B. eine Chemotherapie.

Es gibt jedoch noch eine Vielzahl weiterer Ursachen:

  • Stress
    Emotionaler Stress, etwa der Verlust eines geliebten Menschen, kann diffusen Haarausfall verursachen. Doch auch Schwierigkeiten auf der Arbeit oder Probleme im Umgang mit der Familie und Freunden können zu einem erhöhten Stresslevel führen, welches den Ausfall von Haaren bedingt.
  • Hormonumstellung
    Hormone sind eine der häufigsten Ursachen für diffusen Haarausfall bei der Frau. Der weibliche Körper macht durch die Einnahme von empfängnisverhütenden Mitteln, eine Schwangerschaft und die Wechseljahre viele Phasen durch, die den Hormonhaushalt stark beeinflussen. Fast die Hälfte aller Frauen klagt beispielsweise über diffusen Haarausfall nach der Schwangerschaft, weil der Östrogenspiegel sinkt und Haarverlust begünstigt wird. Auch das Absetzen der Pille und das Einsetzen der Wechseljahre führt zu einem Hormonumschwung und kann die Ursache für diffusen Haarausfall sein.
  • Nährstoffmangel
    Eine gesunde Ernährung ist die Basis für gesundes Haar. Kommt es aufgrund einer Mangelernährung, etwa durch eine Essstörung, eine Diät oder ein alternatives Ernährungskonzept, wie Veganismus, zu einer Unterversorgung bestimmter Nährstoffe, kann dies zu diffusem Haarausfall führen. Speziell Eisenmangel wurde als Ursache für Haarausfall von der Wissenschaft ausgemacht.
  • Physikalischer Stress
    Gerade diffuser Haarausfall bei Frauen ist nicht selten durch mechanische Reize an der Kopfhaut bedingt. Heißes Föhnen, chemische Reize durch Tönungen und Färbungen, heiße Glätteisen und Dauerwelle sowie Flechtfrisuren und zu enge Zöpfe stressen die Haare und die Kopfhaut und können zu Haarverlust führen.
  • Pflegefehler
    Falsche Pflegeprodukte, wie unverträgliche Shampoos oder Spülungen, führen ebenfalls zu diffusem Haarausfall bei Mann und Frau. Nutzen Sie am besten milde Shampoos ohne unnötige Zusatzstoffe.
  • Medikamente und Krankheiten
    Ist der Körper aufgrund einer Erkrankung angeschlagen, kann sich das auch auf den Haarzyklus auswirken und für Haarausfall sorgen. Eine Schilddrüsenfehlfunktion oder Erkrankungen der Kopfhaut wie Pilze, Ekzeme und Schuppenflechten bedingen nicht selten Haarverlust. Darüber hinaus haben viele Medikamente Haarausfall als Nebenwirkung im Beipackzettel stehen.

Medikamente, die Haarausfall auslösen können:

  • Antibiotika
  • Heparin ("Blutverdünner")
  • ACE-Hemmer und Betablocker (u. a. gegen hohen Blutdruck)
  • Lipidsenker (Arzneimittel, die die Blutfette senken)
  • Retinoide (Vitamin-A-Abkömmlinge wie der Wirkstoff Acitretin)
  • Schilddrüsenmedikamente (sog. Thyreostatika)
  • Schmerzmittel (Analgetika)

Einige Dermatologen konnten in der Vergangenheit einen Zusammenhang zwischen diffusem Haarausfall und der Jahreszeit erkennen. Manche Frauen verlieren demnach im Herbst oder im Frühjahr mehr Haare, als im Rest des Jahres.

Für diffusen Haarausfall kann es viele Gründe geben. Besonders Frauen bereitet er häufig Sorge.

Ist die Ursache für den diffusen Haarausfall einmal erkannt, stehen verschiedene bewährte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

In manchen Fällen lässt sich diffuser Haarausfall bei Frauen auch auf keine bestimmte Ursache zurückführen.

Mögliche Gründe für diffusen Haarausfall

Diagnose von diffusem Haarausfall

Um die Ursache des diffusen Haarausfalls zu bestimmen, sind verschiedene Diagnosemethoden hilfreich:

  • Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss über eventuelle Nährstoffmängel, Hormonstörungen oder Erkrankungen geben.
  • Trichogramm: Mit dieser Methode lässt sich der Zustand der Haarwurzeln beurteilen, indem eine bestimmte Anzahl Haare analysiert wird.
  • Dermatoskopie: Durch eine Untersuchung der Kopfhaut mit einem speziellen Mikroskop lassen sich Anzeichen für eine Entzündung oder andere Auffälligkeiten erkennen.
  • Anamnese: Ein ausführliches Gespräch über Lebensstil, Ernährung und mögliche Stressfaktoren ist essenziell, um die Ursache des Haarausfalls einzugrenzen.

Bei der Untersuchung fragen Ärztin oder Arzt ausführlich nach der Vorgeschichte der Patientin, bisherigen Untersuchungen und Therapien sowie Symptomen. Dann werden die Haare unter der Lupe betrachtet und geprüft, ob sie brüchig sind. Ein Zupftest zeigt, ob sich die Haare schnell lösen. Anschließend wird die Haarwurzel untersucht. Ein sogenanntes Trichogramm zeigt, in welcher Wachstumsphase die Haare ausfallen. Weitere Erkenntnisse kann eine computergestützte Haaranalyse liefern.

Diffuser Haarausfall beginnt bei Männern und Frauen typischerweise mit einem gleichmäßigen, unspezifischen Ausdünnen der Haare über die gesamte Kopfhaut hinweg, ohne erkennbare kahle Stellen.

Der Facharzt beginnt die Diagnostik mit einer ausführlichen Anamnese. Bei dieser sind genaue Nachfragen zu möglichen Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahmen, Ernährungsgewohnheiten und gehäuften Erkrankungen in der Familie besonders wichtig. Daraufhin folgt dann die körperliche Untersuchung, in der vor allem die Inspektion der Kopfhaut und -haare im Vordergrund steht. Um die Verdachtsdiagnose diffuser Haarausfall zu erhärten, können verschiedene klinische Tests angewandt werden. Ein bekannter Test ist der sogenannte Epilationstest.

Der Arzt greift dabei ein Büschel Kopfhaare im Bereich des Scheitels und zieht einige Male daran, er darf aber nicht an den Haaren reißen. Lösen sich dabei Haare, werden diese anschließend sofort unter dem Mikroskop untersucht. Der Haarexperte kann dann erkennen, in welcher Wachstumsphase sich die Haare befinden und so Rückschlüsse auf die Form des Haarausfalls ziehen. Je nach dem, welche Faktoren der Facharzt als Ursache für den Haarausfall in Betracht zieht, folgen dann weitere Tests wie Blutentnahmen oder Gentests.

Behandlungsmöglichkeiten von diffusem Haarausfall

Die Behandlung des diffusen Haarausfalls hängt stark von der jeweiligen Ursache ab. Zu den gängigen Maßnahmen gehören:

  • Anpassung der Ernährung: Bei Nährstoffmangel können Nahrungsergänzungsmittel oder eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung helfen.
  • Hormonelle Therapie: Bei hormonellen Störungen kann eine gezielte Therapie, etwa mit Schilddrüsenhormonen oder Antiandrogenen, sinnvoll sein.
  • Stressbewältigung: Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder progressive Muskelentspannung können helfen, stressbedingten Haarausfall zu reduzieren.
  • Medikamentöse Behandlung: In einigen Fällen können Haarwuchsmittel wie Minoxidil oder spezielle Shampoos den Haarausfall stoppen.
  • Haarwachstumsstimulation: Spezielle Behandlungen wie PRP (Platelet-Rich Plasma) oder Mesotherapie können das Haarwachstum anregen.

Je früher die passende Behandlung eingeleitet wird, umso größer ist die Erfolgschance der Therapie. Zunächst muss aber die genaue Ursache des Haarausfalls gefunden sein, erst dann erstellt der Arzt einen individuellen Therapieplan.

Wie diffusen Haarausfall stoppen? Die Ursache für den diffusen Haarausfall ermitteln: Das ist der Ausgangspunkt jeder Behandlung.

  • Mit einer Haarpigmentierung (Scalp Micro Pigmentation) können ganz natürlich wirkende Farbpigmente so in die Kopfhaut eingebracht werden, dass sich eine merkliche optische Verdichtung ergibt.
  • Eine Haarwurzelbehandlung versorgt Ihre Kopfhaut mit plättchenreichem Blutplasma, das Wachstumsfaktoren und gehaltreiche Stammzellen aktivieren kann.
  • Die Mesohair-Therapie setzt auf sehr feine Nadeln, über die ausgesuchte Wirkstoffe in Ihre Kopfhaut gegeben werden. So können die Blutzirkulation und die Gewebeversorgung oft verbessert werden.

Ist ein bestimmtes Medikament für Haarausfall verantwortlich, kann möglicherweise ein alternatives Präparat ausprobiert werden.

Medikamente gegen Haarausfall

  • Minoxidil: Der Blutdrucksenker Minoxidil lässt bei erblich bedingtem Haarausfall in einigen Fällen neue, kräftigere Haare nachwachsen. Allerdings kann das Medikament Nebenwirkungen wie Kreislaufbeschwerden und Haarwuchs im Gesicht verursachen.
  • Koffein-Präparate: Bei diagnostiziertem Haarausfall können Hautärzte als Therapie die Injektion koffeinhaltiger Präparate in die Kopfhaut verschreiben.
  • Anti-Androgene: Gegen hormonbedingten Haarausfall verschreiben Dermatologinnen und Dermatologen Tabletten, die Anti-Androgene enthalten.
  • Haartransplantation: Dafür werden Haare am Hinterkopf entnommen. An den kahlen Stellen setzt der Arzt Mikroschlitze und verpflanzt die Transplantate. Dabei bestimmt er auch die Dichte und Richtung, in der die Haare in Zukunft wachsen sollen. Das Ganze geschieht in Millimeterarbeit.

Ob Öle, Seren oder Pulver zum Einnehmen: Im Einzelhandel werben viele Produkte damit, Haarverlust "aktiv" zu bekämpfen - mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Bambus oder Basilikum. Expertinnen und Experten zweifeln jedoch an der Aussagekraft von oft kleinen und über einen kurzen Zeitraum durchgeführten Herstellerstudien. Auch Nahrungsergänzungsmittel versprechen mitunter eine hohe Wirksamkeit bei Haarausfall, ihre Wirksamkeit ist oft jedoch nicht belegt.

Die Produkte enthalten neben Vitaminen häufig auch Spurenelemente oder Extrakte, manchmal in sehr hohen Dosen. Diese sind per se nicht schädlich, jedoch kann der Körper beispielsweise zu viel Vitamin A - dessen Tagesbedarf einige der Vitaminkapseln vollständig decken - nicht ausscheiden. Eine langfristig zu hohe Aufnahme von Vitamin A kann zu trockener Haut und Haarausfall führen.

Grundsätzlich gilt: Wer sich ausgewogen und ausreichend ernährt, muss in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel gegen Haarausfall einnehmen.

Dennoch gibt es einige Tipps und Tricks, wie Frauen dünne Haare pflegen und kaschieren können. Mittlerweile haben sich einige Friseurinnen und Friseure darauf spezialisiert. Beim Fönen - und auch bei starker Sonneneinstrahlung - ein Hitzeschutzspray auftragen. Für mehr Volumen Haarspray und Styling-Schaum für den Haaransatz verwenden.

Behandlungsmöglichkeiten bei diffusem Haarausfall

Vorbeugung von diffusem Haarausfall

Mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung können Sie dem diffusen und durch Mangelerscheinungen hervorgerufenen Haarausfall in einem gewissen Umfang vorbeugen. Meditation, Yoga und regelmäßiger Sport sind für die Ausgeglichenheit und Stressreduktion förderlich und tragen somit auch dazu bei, dem stressbedingten Haarausfall vorzubeugen.

Bei der Haarpflege ist es wichtig, das Haar nicht zu häufig und zu grob zu kämmen und zu bürsten, besonders im nassen Zustand. Auch eine übermäßige Belastung durch Hitze (z. B. durch Fön oder Glätteisen) sollte vermieden werden, da hier durch Haarstrukturschäden verursacht werden können. Ebenso kann ein zu straffer Pferdeschwanz zu Haarausfall führen.

Diffuser Haarausfall kann beunruhigend sein, ist jedoch oft gut behandelbar. Mit der richtigen Diagnose und einer zielgerichteten Behandlung lassen sich die Ursachen beheben und das Haarwachstum fördern.

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