Dieter Rams und das revolutionäre Design der Braun Rasierer

Es gibt ein paar Dinge, bei denen US-Amerikaner neidisch auf uns Deutsche werden - und zwar, wenn es um Luxusautos wie Mercedes oder BMW geht, um gutbürgerliche Küche mit Brot, Bier und Sauerkraut - und bei den Produkten der Marke Braun. Vor 100 Jahren in Frankfurt gegründet, wurde Braun ab den 1950er-Jahren bekannt für seine Rasierer, Phono- und Küchengeräte, Filmkameras und Uhren in einem radikal-sachlichen Stil.

Die sachlich gestalteten Rasierer, Phono- und Küchengeräte, Filmkameras und Uhren stehen par excellence für deutsches Design - ganz gemäß des von der Firma geprägten Mottos "Weniger, aber besser". Braun-Geräte finden sich in Designsammlungen rund um den Globus wie etwa im New Yorker Museum of Art.

Drehen wir die Uhr etwas zurück und schauen auf diese einzigartige Erfolgsstory und ihr Design-Geheimnis.

Im Jahr 1921 gründete der aus Ostpreußen stammende Ingenieur Max Braun in Frankfurt eine Werkstatt. Erstes Produkt seiner Firma war der Treibriemenverbinder „Trumpf“. Schon bald verlegte sich Braun auf die Fertigung von Rundfunkempfängern und entsprechenden Bauteilen. Er konstruierte erstmals 1923 ein Radio und belieferte in den Folgejahren seine Mitbewerber mit Komponenten, wie etwa Röhrensockeln. Ab 1933 bot BRAUN mit den Modellen „Mozart 2“ und „Edelsuper“ komplette Radiogeräte an und zählte ab 1936 zu den ersten Herstellern, die Radio und Plattenspieler in einem Gehäuse zu einem Kombigerät vereinten.

Im Zweiten Weltkrieg fertigte das Unternehmen Funkgeräte für die Wehrmacht. 1944 wurden beide BRAUN -Fabriken durch Bombenangriffe zerstört. Trotzdem wurde schon 1945 die Fertigung wieder aufgenommen, zunächst mit der Dynamotaschenlampe „Manulux“ - einem in der entbehrungsreichen Wiederaufbauzeit sehr sinnvollen Produkt. Ab 1947 konnte das Unternehmen auch wieder Radios herstellen und Max Braun erweiterte sein Sortiment um zwei neue Produktbereiche: Er entwickelte den elektrischen Trockenrasierer mit Scherfolie, für den er 1949 ein Patent erhielt, und dessen Vermarktung noch im gleichen Jahr begann, und wagte sich 1950 mit der Küchenmaschine „Multimix“ auf den Hausgerätemarkt.

Ab 1950 stiegen Max‘ Söhne Erwin und Artur ins Unternehmen ein und übernahmen bereits im Folgejahr die Unternehmensleitung, nachdem ihr Vater unerwartet im Alter von 61 Jahren gestorben war. Die beiden Söhne sahen sich als Unternehmer nicht nur in einer betriebswirtschaftlichen, sondern in einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung und fühlten sich beispielsweise in besonderem Maße für Gesundheit und Wohlergehen ihrer Angestellten verantwortlich. Insbesondere Erwin Braun, sah das Unternehmen als ganzheitliches Projekt und wirkte auf eine positive Unternehmenskultur hin. Darin besteht eine Parallele zwischen Erwin Braun und dem befreundeten Unternehmer Philip Rosenthal, mit dem er in entsprechendem Gedankenaustausch stand.

Wie für Rosenthal war auch für BRAUN eine moderne und wiedererkennbare Designsprache in der Tradition des Bauhauses ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur. 1952 stellte BRAUN den Grafiker Wolfgang Schmittel ein, der unter anderem das 1934 von Max Braun selbst entworfene Logo behutsam überarbeitete. Der bis heute weitgehend identische Schriftzug zeigt den Namen BRAUN im Versalsatz, wobei das A als mittlerer Buchstabe überhöht ist. Somit überragt es die anderen Buchstaben und verleiht dem Logo Symmetrie.

Erst in den Nachkriegsjahren, als 1951 die beiden Söhne von Max Braun nach dessen frühen Tod die Firma übernahmen, schwang sich Braun zum Design-Olymp empor. Es war Erwin Braun, der extrovertierte Kosmopolit, der in den Wiederaufbaujahren nicht nur zurückschauen, sondern eine neue Phase einleiten wollte. Während andere sich nach den dunklen, schweren Wohninterieurs der 1920er Jahre zurücksehnten, kamen neue Strömungen aus den USA und Skandinavien, deren modernes, leichtes und unbeschwertes Design von Alltagsgegenständen wie Möbel, Mode bis hin zu Autos auch einherging mit einer Sehnsucht nach einer neuen Idee von Lebensgestaltung, die die düstere Vergangenheit hinter sich lassen sollte. Erwin Braun suchte Gleichgesinnte, und so engagierte er den Kunsthistoriker und Bühnengestalter Fritz Eichler, den er im Krieg kennengelernt hatte, und machte ihn verantwortlich für das äußere Erscheinungsbild der Firma und deren Produkte.

Eichler brachte Braun in Kontakt zur damaligen Avantgarde der Architektur- und Gestalter Szene - neben Herbert Hirche und Wilhelm Wagenfeld fand man schnell eine gemeinsame Haltung in der nach dem Krieg etablierten Hochschule für Gestaltung in Ulm. Unter anderen gegründet von Inge Scholl, der älteren Schwester der Geschwister Scholl, wollte man dort an das von den Nazis aufgelöste Bauhaus anknüpfen und auf ähnliche Weise mit Hilfe von Gestaltung Mensch und Gesellschaft prägen. Wie das Bauhaus war auch Ulm sozialdemokratisch ausgerichtet und interessierte sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der breiten Masse. Es entspann sich fortan zwischen braun und der HfG Ulm bis zu ihrer Schließung im Jahre 1968 eine fruchtbare Zusammenarbeit, die mit Hans Gugelot, dem Leiter der Designabteilung anfing und viele weitere Ulmer, auch Otoo "Otl" Aicher, den Mitgründer der HfG, einband.

Aus dieser Kooperation gingen eine Reihe Produktentwicklungen hervor, die technisch auf dem neuesten Stand - und vor allem auf das Wesentliche reduziert - waren.

1953 folgte der Kunsthistoriker Fritz Eichler, der als Leiter der neugegründeten Abteilung Formgestaltung Kontakt zu den Bauhausschülern Wilhelm Wagenfeld und Herbert Hirche, sowie zur Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm herstellte. Die HfG gilt als legitimer Nachfolger des Bauhauses im Westdeutschland der Nachkriegszeit, und führte die moderne und funktionalistische Entwurfsauffassung des Bauhauses fort. Wie Wagenfeld und Hirche, erhielten auch Lehrende und Studenten der HfG Ulm mehrfach Gestaltungsaufträge von Braun - besonders herauszustellen sind hierbei Otl Aicher und Hans Gugelot. Eine wichtige Rolle spielten außerdem die bei BRAUN angestellten Designer Dietrich Lubs und Dieter Rams. Letzterer übernahm 1961 die Leitung der Abteilung Formgestaltung und wird heute mehr als jeder andere mit dem typischen BRAUN-Design assoziiert.

Der neue Hausstil, der sich in Abstimmung auf die technisch dominierte Produktpalette von BRAUN entwickelte, ist geprägt von dem Wunsch, die Bedienung eines Geräts so intuitiv und einfach wie möglich zu machen und die Anzahl an Bedienelementen zu reduzieren. Gleichzeitig sollte aber die zugrundeliegende Technik nicht trivialisiert werden. Dieter Rams brachte diese Gratwanderung auf den Punkt: „Das beste Design ist so wenig Design wie möglich.“ Verpackt wurden die derartig konzipierten Geräte meist in Gehäusen mit matten Metalloberflächen und schwarzen oder weißen Akzenten - eine nüchterne Optik, die auf den technischen Charakter des jeweiligen Produkts verwies.

Als beispielhaft für den BRAUN-Stil können die Radios „SK 1“ und „SK 2“ gelten, die - entworfen von Fritz Eichler und Artur Braun - 1955 vorgestellt wurden. Ihre Bedienelemente sind auf eine Frequenzanzeige und zwei Drehregler reduziert: einen für die Frequenz und einen für die Lautstärke. Auf einen Hauptschalter konnte verzichtet werden, weil seine Funktion vom Lautstärkeregler erfüllt wird. Dreht man die Lautstärke vollständig nach unten und überwindet dann noch einen leichten Widerstand, schaltet man das Gerät aus. Diese schlüssige Lösung, die mittlerweile weit verbreitet ist, war damals eine Innovation.

Anfangs stieß BRAUN mit seiner neuen Designsprache noch auf Unverständnis und Ablehnung. So äußerte etwa der Konkurrent Max Grundig, Artur und Erwin Braun würden mit der stilistischen Neuausrichtung das Erbe ihres Vaters verspielen. Schon bald war die Öffentlichkeit jedoch überzeugt und aus heutiger Sicht lässt sich die Designsprache als wegweisend für die Gestaltung von Technikprodukten bezeichnen. Insbesondere Apple hat die Braun-Tradition aufgegriffen und führt sie bis heute fort.

Als tragende Säule des Unternehmens erwies sich in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die Herstellung von Elektrorasierern. 1967 wurde BRAUN von Gillette übernommen. Die in kontinuierlichem Niedergang befindliche HiFi-Sparte - der historische Kern der Marke - wurde 1981 ausgegliedert und 1990 eingestellt; 2019 wurde sie unter dem Namen BRAUN Audio wiederbelebt und bietet heute unter anderem die LE Lautsprecher wieder an, die ursprünglich 1959 vorgestellt wurden.

Wenn man hierzulande von Design spricht, denkt man zunächst natürlich an das Bauhaus oder den Werkbund. Aber der Begriff „Design“ oder aber auch „funktionales Design“ wird auch mit einigen Qualitätsfirmen in Verbindung gebracht. An vorderster Stelle steht in diesem Zusammenhang die Firma Braun.

Im Jahre 1921 gründete Max Braun in Frankfurt a. M. eine kleine Firma für Apparatebau. Mit dieser Werkstatt, in der er sich zunehmend der Entwicklung von Radios widmete, war der Grundstein für den späteren Weltkonzern gelegt. Meilenstein war für die Firma die Idee von Max Braun, kompakte Empfangsgeräte zu konzipieren, so zum Beispiel den Empfängerteil mit dem Lautsprecherteil in einem Gerät zu integrieren. Wenig später gelang es ihm zusätzlich, auch noch den Plattenspieler mit dem Radio zusammenzuführen. Hiermit war die Voraussetzung für die in den Folgejahrzehnten so beliebten Musiktruhen geschaffen. Bereits ein Jahrzehnt nach seiner Gründung war Braun in die erste Riege der deutschen Rundfunkbauer aufgestiegen. Das heute noch einprägsame Logo mit den den Familiennamen bildenden gleich hohen Buchstaben, aus denen lediglich das mittlere A, dessen oberer Teil nach oben gezogen wurde, herausragt, wurde 1934 kreiert und war meiner Meinung schon eine Glanztat für sich. Durch die Form des Logos wurde sogar der Allerweltsname Braun unverwechselbar!

Nach dem Krieg zu Beginn der 50er Jahre erweiterte die Firma Braun, die nun auch auf die Söhne Erwin und Artur setzen konnte, das Sortiment der Firma. Sie steigen in die Segmente Küchenmaschinen, Haushalt und Rasierer ein. Bekannt und beliebt sind zum Beispiel der „S 50“ für die Trockenrasur; bis dato kannte man nur die Nassrasur mit Pinsel und Rasierklinge. Der „S 50“ war der erste elektrische Trockenrasierer; er wurde 1950 dem Publikum vorgestellt.

Einer der damals führenden Designer war der ehemalige Bauhaus-Schüler Wilhelm Wagenfeld (1900 - 1990), der ab 1954 in Stuttgart eine Industriedesigner-Werkstatt betrieb. Mit ihm geriet Erwin Braun Anfang der 50er Jahre im Darmstädter „Institut für Neue Technische Form“ in Kontakt.

Gutes Design kannten wir bereits vom Bauhaus und vom Werkbund. In diesem Sinne wurde auch an der 1953 gegründeten Ulmer Hochschule für Gestaltung gedacht, gehandelt und gelehrt. Sie nahm die Ansätze des während des Nationalsozialismus verbotenen Bauhauses auf galt während der 50er und 60er Jahre als eine der fortschrittlichsten Hochschulen für Design und Umweltgestaltung. Auch für diese junge Hochschule interessierte sich Erwin Braun, immer auf der Suche nach hervorragenden Designern. Eine Reihe der dortigen kreativen jungen Wilden sollten in den nachfolgenden Jahren für die Firma Braun arbeiten.

Der Durchbruch des funktionalen Designs bei Braun war sicherlich die Düsseldorfer Funkausstellung im Jahre 1955. Die zusammen mit der Ulmer Hochschule entwickelten und dort ausgestellte Rundfunkgeräte erfuhren dort erstmals hohe internationale Anerkennung, was Braun dazu animierte, in der Firma eigens eine Abteilung für Produktgestaltung, für die „Gute Form“ anzusiedeln. Dies war die Geburtsstunde des heute bei Sammlers so beliebten „Braun-Designs“. Der oben erwähnte Fritz Eichler wurde Leiter der neuen Abteilung.

Ein entscheidender Schritt war aber der Eintritt des genialen 1932 geborenen Dieter Rams in die Firma. Er und die Designer hoben das Braun-Design auf eine höhere Stufe, als im Jahre 1958 mehrere Produkte im berühmten New Yorker „Museum of Modern Arts“ aufgenommen wurden. Weiter ging es auf der Weltausstellung in Brüssel im selben Jahr. Braun-Erzeugnisse wurden als beste Beispiel der deutschen Nachkriegsindustrie gepriesen.

Ab 1961 übernahm dann Dieter Rams die Leitung der Abteilung für Produktgestaltung, wurde damit wichtigster Designer bei Braun. Er stand der Abteilung bis 1991 vor, bis 1996 Peter Schneider sein Nachfolger wurde.

Dem „Braun-Design“ erging es zunächst wie vielen Innovationen. Es dauerte einfach seine Zeit, bis diese Produkte beim Volk „ankamen“. In den USA waren zum Beispiel die Trockenrasierer von Braun Verkaufsschlager, währenddessen sich halb Deutschland noch nass rasierte. Dies mag etwas übertrieben sein, aber die Nachkriegswirklichkeit in deutschen Wohnräumen war doch geprägt von diesen klumpigen unförmigen schweren und dunklen Holzmöbeln, die zwar handwerklich hervorragend gearbeitet, aber heute auch unter Sammlern noch immer nach Anerkennung ringen. Jedenfalls, für die dunkle Wohnwirklichkeit in der damaligen Bundesrepublik waren die Braun’schen Produkte wie eine Revolution. Diesen Produkten musste sich erst einmal vorsichtig genähert werden.

Heute sehr gesucht sind die Phonosuper SK4 und SK5. Der Phonosuper war ein Kombigerät aus Radio und Plattenspieler; das Bahnbrechende an seiner Entwicklung war natürlich die Plexiglashaube, unter welcher sich sichtbar Plattenteller und Tonarm sowie die Radiobedienung befanden. Alle Bedienknöpfe befanden sich also oben unter der Haube, keiner mehr irgendwo an der Seite. Die helle Farbgebung mit dem Auftreten von Kunststoff, die Einbeziehung etwa der Lüftungsschlitze in die Gestaltung machten das Design aus und schufen natürlich einen absoluten Kontrapunkt zur bisherigen Wohnwelt. Entwickelt wurde der Phonosuper von Dieter Rams und Hans Gugelot.

Noch in den 50er Jahren folgte der Heizlüfter „H 1“, der erste tragbare Plattenspieler „TP 1“ sowie die erste Musikanlage in HIFI-Qualität „studio 2“. Die Musikanlage bestand wie so viele noch während der 60er und 70er Jahre aus Einzelelementen. Dies ist heute nur noch bei Exponaten mit hoher Qualität anzutreffen wie im Profibereich. alle in einem einzigen Plastikgehäuse.

Die 60er Jahre begannen, viele aus meinem Jahrgang werden sich noch an die Reklame in Fernsehen, Kino, Radio oder an Litfaßsäulen erinnern, mit dem Trockenrasierer „Braun Sixtant“. Die Produktpalette von Braun reichte in den 60ern schließlich von Küchen- und Rundfunkgeräten, HiFi-Anlagen, Kaffeemaschinen, Rasierer, Uhren bis hin zu Feuerzeugen und Filmkameras. An die schon erwähnten Ehrungen schlossen sich im Laufe der Zeit weitere an; auf Ausstellungen und Messen wurde das „Braun-Design“ herausgestellt und prämiert, so auf der Industriemesse Hannover durch den „Corporate Design Award“ für ihr Produktdesign.

Wenn man auf die Design-Leistungen der deutschen Industrie zu sprechen kommt, wird das „Braun-Design“ eine herausragende Rolle einnehmen. Heute konzentriert sich der weiter sehr erfolgreiche Konzern auf wesentlich vier Bereiche, wobei weiterhin ein Hauptmerkmal auf der guten Form, dem funktionalen Design liegt.

Dieter Rams, ehemaliger Chefdesigner von Braun, wohnhaft in Kronberg im Taunus und selbst mit 89 Jahren immer noch an allem interessiert, gilt als der unangefochtene Hero des internationalen Produktdesigns. Groß wurde Braun in den Nachkriegsjahren - kaum ein anderes Unternehmen prägte die deutsche Konsumgüterindustrie in dieser Zeit mehr als dieses.

Dieter Rams - in den USA nur "Mr. Braun" genannt - verkörperte die Braun-Haltung wie kein Zweiter und formulierte die "10 Thesen für gutes Design" - ein Klassiker, an dem sich heute noch Design-Studierende orientieren.

Die 10 Thesen für gutes Design nach Dieter Rams:

  1. Gutes Design ist innovativ.
  2. Gutes Design macht ein Produkt brauchbar.
  3. Gutes Design ist ästhetisch.
  4. Gutes Design macht ein Produkt verständlich.
  5. Gutes Design ist unaufdringlich.
  6. Gutes Design ist ehrlich.
  7. Gutes Design ist langlebig.
  8. Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail.
  9. Gutes Design ist umweltfreundlich.
  10. Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.

Seit der Geburt des iPhones im Jahre 2007 ist bekannt, dass sich der damalige Apple-Chefdesigner Jonathan Ive von den Produkten des Elektrotechnikherstellers aus Kronberg hat inspirieren lassen - und zwar nicht nur für das iPhone, auch für den iPod und den iMac. Auch Apple hat sich an den Entwürfen von Dieter Rams, dem langjährigen Designchef der Firma, orientiert.

Es ist die Spitze eines Kults um Braun-Produkte, der in den 1960er-Jahren begann und der heute nicht nur von Liebhabern im klassischen Sinne betrieben wird, sondern auch immer mehr von jungen designaffinen Menschen. - u.a. der Nachkriegszeit.

Diese taugten aufgrund ihres Preises nicht für den Massenmarkt, polierten aber um so mehr das Renommee des Unternehmens auf. Dies sollte die zweite prägende Designphase werden, unter der vor allem die Hi-Fi-Geräte herausstachen - zur damaligen Zeit ein Must-have.

Diente dem Apple iPod als Vorlage: Miniradio "T3" (Design: Dieter Rams, 1958).

Was das Design betrifft, hat inzwischen Apple das Erbe von Braun angetreten. Die avantgardistischen Entwürfe von Dieter Rams und seinen Kollegen leben unübersehbar im iPod, im iPhone oder in den Computerbildschirmen fort, daraus macht auch Jonathan Ive keinen Hehl. Er schenkte Dieter Rams seinerzeit einen iPod, weil es seinem Tischradio SK1 nachempfunden ist. Dieter Rams soll sich gefreut haben.

Mit Fokus auf das Kerngeschäft von Braun mit Rasierern und elektrischen Zahnbürsten leitet heute der gebürtige Mittelhesse Oliver Grabes die Designgeschicke von Braun, der mit seinem Team das Gestern mit dem Heute zu verbinden weiß. So kam 2014 eine Re-Edition der ikonischen Küchengeräte heraus, 2019 eine Wiederauflage der Lautsprecher. Zum Jubiläum hat man neben einer einer speziellen Produktrange in Schwarz auch den US-Künstler Virgil Abloh eingeladen, die absolute Stilikone des Unternehmens, die Audio Wandanlage von Dieter Rams, neu zu interpretieren. Dieses Kultgerät aus dem Jahr 1961, das an der Wand montiert wie ein Gemälde wirkt, glänzt nun in Chrom - so wie die "Grillz", die verchromten Zähne von Rappern.

Braun Design unter Dieter Rams

Die zentralen Personen hinter dem Braun Design:

Name Funktion Beitrag zum Braun Design
Max Braun Gründer Legte den Grundstein für das Unternehmen und seine Designausrichtung.
Erwin und Artur Braun Söhne von Max Braun, Unternehmensleitung Führten das Unternehmen in eine neue Designära und engagierten wichtige Designer.
Fritz Eichler Leiter der Abteilung Formgestaltung Brachte Braun in Kontakt zur Avantgarde der Architektur- und Gestalterszene.
Dieter Rams Leiter der Abteilung Formgestaltung Prägte das typische BRAUN-Design und formulierte die "10 Thesen für gutes Design".
Peter Schneider Leiter des Braun-Designs Versuchte, mit der Marke aus dem sehr klar definierten Designstil auszubrechen.
Oliver Grabes Leiter von Braun Design Vorreiter des neuen Designansatzes von Braun: „Strength of Pure - klares, puristisches Design“.

Geliebter Flop: Die Atelier-Serie von Braun war eine hochpreise Hi-Fi-Anlage im Baukastensystem - mit geringem Markterfolg, aber vielen Liebhabern. 1990 wird die Produktion eingestellt.

1967 verkauften die Brüder Braun die Mehrheitsanteile ihrer Firma an den US-amerikanischen Konzern Gillette. 1991 wurde die Hi-Fi-Sparte eingestellt, da sie sich gegen die Konkurrenz aus Asien nicht mehr durchsetzen konnte. Seit 2005 gehört Braun zu dem US-amerikanischen Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble. 2012 wurde die Küchengeräte in Lizenz an den italienischen Haushaltsgeräte-Konzern De'Longhi vergeben.

Dabei ließ man sich nie abbringen von der am Schlichten orientierten Designhaltung, die auf den drei Pfeilern "einfach", "funktional" und "langlebig" gründete. Parallel zur Zusammenarbeit mit unabhängigen Gestaltern baute man eine eigene Designabteilung auf und - ebenso ein Novum jener Zeit - gründete einen Braun-Preis (1968), mit dem man den Nachwuchs prämierte und auch rekrutierte.

Dieter Rams, ein studierter Architekt aus Wiesbaden, wurde 1961 der Leiter der Designabteilung - und blieb es bis 1995.

Firmenjubiläum, u.a. "Die Designgeschichte der Marke Braun dient als Inspiration, muss aber in die heutige Zeit übersetzt und weiterentwickelt werden. Dafür haben wir den Ausdruck 'Past Forward - der Blick zurück und nach vorn' geprägt. "MR.

Das Unternehmen wuchs in den 1950er- und 1960er-Jahren rasant, getrieben von den Erfolgen vor allem im Bereich der Rasierer, speziell in den USA. Man hatte international knapp 5.000 Mitarbeiter (zum Vergleich: heute sind es rund 3.800).

Wenn man auf die Design-Leistungen der deutschen Industrie zu sprechen kommt, wird das „Braun-Design“ eine herausragende Rolle einnehmen.

Dieter Rams about logo sizes

tags: #dieter #rams #rasierer #design

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