Die Berliner Dichterin Sünje Lewejohann widmet sich in ihren Werken der totalen Hingabe und dem Verfallen einer Leidenschaft, wobei sie diese gleichzeitig ironisiert und die Verwunderung darüber zum Ausdruck bringt. Es ist eine Art Trotzreaktion, die sich auf das eigene Ich und Wesen zurückbesinnen will.
Lewejohann versucht, der Versuchung nicht zu widerstehen und bei sich zu bleiben, ist aber schon längst einen Schritt zu weit gegangen. Ihre Werke werfen Fragen nach der Balance zwischen Begehren und der Angst vor Kontrollverlust auf. Zudem wird untersucht, inwieweit alltägliche Formen von Leidenschaft, Sexualität und Sexismus die Wahrnehmung der eigenen Weiblichkeit oder die Wahrnehmung von Weiblichkeit im Allgemeinen prägen.
In ihren Texten gelingt es Lewejohann, schwebende Momente zwischen "Honigmund, Hysterie und Herzbestie" in pulsierender Sprache einzufangen.
Wimpern können eine überraschende Wirkung haben.
Nach ihrem erfolgreichen Band "die idiotische wucht deiner wimpern" veröffentlichte Sünje Lewejohann "als ich noch ein Tier war". Der Titel deutet auf eine Rückbesinnung auf Instinkte und geschärfte Sinne hin, wie sie Tieren zugeschrieben werden. Doch es geht nicht um Regression oder die Sehnsucht nach einer Existenz vor dem Anthropozän.
Die Gedichte handeln von Liebe, Begehren und Sex. Es wird um Abstand gebeten, um ein kurzes Innehalten in den geschlechtlichen Kämpfen und Kriegen der Liebe, in denen alle Mittel erlaubt sind.
Bedrohung und Gewalt spielen ebenfalls eine Rolle: "ein skorpion in deiner brust. eine natter in / meinem hals." Tierbilder tauchen wiederholt auf, ebenso wie in der Kapitelüberschrift "krallen und zähne und pelz".
Die Augen und Wimpern im Fokus.
Der Titel "die idiotische wucht deiner wimpern" verleiht dem Reflex des Lidschlags eine dynamische und elektrisierende Aufladung. Der Gedichtband enthält Liebesgedichte, doch wer hier ausschließlich eine erotische Hommage erwartet, wird überrascht sein.
Die Gedichte sind temperamentvoll, eine Mischung aus Anmache und Anklage, Wut, Sex, Leidenschaft, Zärtlichkeit, Gewalt, Trauer, Grenzüberschreitung, Melancholie, Sinnlichkeit und Raserei. Lewejohann hält diese auseinanderstrebenden Elementarteilchen in der poetischen Schwebe ihrer Sprachbilder.
Die Unmittelbarkeit der Sprache ist bestechend. An jedem Satz brennt eine Lunte, es sind Brandsätze im wahrsten Sinne des Wortes. Die Membran zwischen lyrischem und tatsächlichem Ich ist äußerst dünn.
In Gedichten wie "WAS DU NOCH ÜBER MICH WISSEN SOLLTEST" präsentiert sich die Dichterin ungeschützt mit ihren Stärken, Schwächen und Unsicherheiten. Es sind Facetten und Bausteine eines lyrischen Ichs.
Auch die Gedichte mit ausgeschriebenen Zahlen im Titel wie "ZWEIUNDVIERZIG" oder "SIEBENUNDZWANZIG" verfügen über schonungslose Direktheit. Sie handeln von den Erfahrungen eines weiblichen Subjekts mit Liebe, Gewalt, Rausch, Zudringlichkeit und Ekel.
Wenn Sünje Lewejohann "Ich" sagt, meint sie "Ich". Selbst wenn sie in verschiedene Identitäten und Phänomene schlüpft, verschränken sich erotische Offensive und schonungslose Psychogramme in ihren Gedichten in einer Direktheit, die ihre Sprache unberechenbar und überraschend macht.
Die Gedichte von Sünje Lewejohann vibrieren vor Lebendigkeit. Als Leser weiß man nie, was einen hinter der Biegung des nächsten Satzes erwartet.
Das Cover des Gedichtbands zeigt in Selfie-Optik die Beine einer sitzenden Frau inmitten einer banalen Sitzgruppe mit Kaffeetasse und Bierflasche auf dem Couchtisch. Diese Szenerie verleiht dem Ganzen eine gewisse Alltags-Sexyness, die jedoch ambivalent ist, da sie Begehrlichkeit und Verletzlichkeit gleichermaßen zeigt.
Lewejohanns Gedichte sind Liebesgedichte von einer wilden, ungebändigten Zärtlichkeit, fordernd, offensiv, dunkel und sexy zugleich.
| Aspekt | Beschreibung |
|---|---|
| Themen | Hingabe, Leidenschaft, Weiblichkeit, Begehren, Kontrollverlust |
| Sprache | Pulsierend, unmittelbar, unberechenbar |
| Stil | Mischung aus Anmache und Anklage, Wut, Sex, Leidenschaft, Zärtlichkeit, Gewalt, Trauer, Grenzüberschreitung, Melancholie, Sinnlichkeit und Raserei |
| Wirkung | Vibriert vor Lebendigkeit, überraschend |
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