Die DDR-Frisuren der Männer waren ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklungen, der Mangelwirtschaft und des individuellen Stils. Von den Einflüssen westlicher Trends bis hin zu kreativen Lösungen im Friseursalon - die Haarpracht der Männer in der DDR erzählt eine interessante Geschichte.
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Frisuren der Männer in der DDR, die Herausforderungen der Friseure und die kreativen Lösungen, um trotz Mangelwirtschaft modisch zu sein.
Mitte der 60er-Jahre sollte in Leipzig der größte und modernste Friseursalon der DDR entstehen - mit fast 1.000 Quadratmetern Fläche. Über die Eröffnung des Salons PGH Astoria International am 4. Dezember 1967 berichtet sogar die Aktuelle Kamera. In Leipzig war Rolf Fischer der Star des Astoria International - viele kamen seinetwegen. In Berlin entwickelte sich Frank Schäfer, der Sohn des Schauspielers Gerd E. Schäfer, zum Kultfriseur.
Die Friseursalons waren nicht nur Orte, um sich die Haare schneiden zu lassen, sondern auch wichtige gesellschaftliche Treffpunkte. Manchmal waren Friseurinnen auch Kummerkasten, manchmal sogar die beste Freundin. Sie kannten ihre Kunden oft besser als die Ehefrau zu Hause. "Eine Kollegin koordinierte Termine immer so geschickt, dass Ehefrau und Geliebte nie zusammen im Salon waren", schmunzelt Voigt.
Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Schon bald setzt Kalk die Rohre zu, es fließt kein warmes Wasser. Mit Tauchsiedern wurde also in großen Eimern Wasser erhitzt. Wenn das Haarspray knapp war, wurde eben mit Zuckerwasser fixiert. Solche Tricks kennt auch Cornelia Scheuer-Barthel, ehemalige Landesinnungsmeisterin des sächsischen Friseurhandwerks und Obermeisterin der Friseurinnung in Zwickau.
Sie erzält im Interview mit MDR ZEITREISE, dass Bier statt Festiger oder Spülungen aus Olivenöl und Eigelb in der DDR zum Alltag vieler Kundinnen gehört habe. Aber auch in den Friseurgeschäften musste der Mangel kreativ ausgeglichen werden. Das gelang den Mitarbeitern erstaunlich gut. So erzählt Scheuer-Barthel, dass es immer ein Problem gewesen sei, Ware und Zubehör zu bekommen. Das Farbsortiment sei vor allem sehr klein gewesen.
Man musste daher nehmen, was es gab. Es waren zum Beispiel oft keine Wasserstoffperoxydtabletten erhältlich, also wurde flüssiges Wasserstoffperoxyd in der Apotheke gekauft. Ein Klassiker war die fehlende Strähnchenhaube. Weil es die nicht gab, sei eine Badekappe genommen worden und die Strähnen wurden mit der Häckelnadel herausgezogen.
Trotz der Mangelwirtschaft wollte niemand beim Modeschnitt Abstriche machen. Eine Preisliste aus den 1970er-Jahren enthüllt, wie vergleichsweise günstig Haareschneiden damals war: Männer zahlten für einen Haarschnitt (kurz) 60 DDR-Pfennige, bei halblangen Haaren 90 DDR-Pfennige.
Wer auch das noch sparen wollte, legte zu Hause selbst Hand an die Haare an - freilich ohne Expertise und Ausrüstung der Haarexperten. Kein Festiger zur Hand? In diesem Fall wurde einfach Bier zum Haarstabilisator. Spülungen wurden mithilfe von Eigelb und Olivenöl selbst zusammengemixt. Panthenol-Spray, das eigentlich bei Sonnenbrand auf die Haut gesprüht wurde, diente auch schon mal als Haarspray-Ersatz. Weichspüler für die Waschmaschine musste als Conditioner herhalten.
In den 1970er Jahren waren lange Haare bei Männern modern. Lange Haare waren nicht verboten, hatte selber welche. Als die langen Haare für Männer Mode wurden, waren sie nicht nur in der DDR, sondern auch im Westen unerwünscht. Man sprach von "Gammlern" und im Osten auch von "langhaarigen Haschtypen" (wenn man den Westen meinte). Vor allem die Friseure störten sich daran.
Bei Diskussionen im Jugendmagazin "Neues Leben" argumentierten junge Männer: "Marx hatte doch auch lange Haare und einen Bart!" Dagegen ließ sich natürlich nichts einwenden, denn Karl Marx war eine Ikone. Also - die langen Haare setzten sich auch in der DDR durch, man konnte sie gar nicht verbieten (aus welchem Grund auch?). Und was die Haarschnitte angeht - man sagte, was man haben wollte, und das bekam man auch.
Nein, lange Haare bei Männern waren nicht verboten; lediglich bei der Armee mussten die Männer ihr Haar kurzgeschnitten halten.
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Weil es noch keine Influencer gab, waren Schauspieler, Sänger und Sportler die Frisurenmodelle ihrer Zeit. Ideen für eine mehr oder weniger stylische Haarpracht flimmerten nicht selten vom Klassenfeind über die Mattscheiben in die Köpfe und später als Trendfrisuren auf die Köpfe der DDR-Bürger.
Frauen wollten plötzlich so frisiert werden wie Mireille Mathieu (78). Männer standen auf den Vokuhila (vorne kurz, hinten lang) von Fußballheld Toni Schumacher (71). Wer's besonders ausgefallen mochte und die entsprechende Haarfülle aufweisen konnte, ließ sich den Starschnitt von Angela Davis (81) kopieren.
Doch auch die heimische TV- und Filmbranche setzte haarige Trends. Spätestens nach dem Musikfilm "Heißer Sommer" (1968) liebäugelte die halbe DDR mit der Kurzhaarfrisur von Chris Doerk (83). Bei der tollen Tolle von Tamara Danz (†43) - Frontfrau der Band Silly - war immer die Frage: schon Löwenmähne oder noch Frisur? Schlagersängerin Bärbel Wachholz (†46, "Das kann ich niemals vergessen") war für ihre Blondierungen bekannt, Volksbildungsministerin Margot Honecker (†89) für ihre lila Spülungen.
| Jahrzehnt | Frisuren-Trends bei Männern |
|---|---|
| 60er Jahre | Pilzkopf (bekannt durch die Beatles), kurze Haare |
| 70er Jahre | Lange Haare, Koteletten, Vollbart, erste Punker mit Irokesenschnitt |
| 80er Jahre | Vokuhila (vorne kurz, hinten lang), Bandana im Haar, zweifarbige Haare, Dauerwelle, Schnurrbart |
Die DDR-Frisuren der Männer waren ein Ausdruck von Individualität und Kreativität in einer Zeit der Mangelwirtschaft. Trotz begrenzter Ressourcen und politischer Einflüsse gelang es den Männern in der DDR, ihren eigenen Stil zu finden und modische Trends zu setzen.
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