Yayoi Kusama und David Garrett: Perücken, Kunst und Haarverwandlungen

Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama hat die Kunstwelt mit ihren Punkten erobert: gepunktete Riesenkürbisse, Bilder mit zahllosen Punkten und Pünktchenkleidung. Inzwischen ist die japanische Künstlerin, die stets eine signalrote Perücke trägt, 95 Jahre alt - und doch scheint der Hype um sie ungebrochen zu sein.

Yayoi Kusama mit ihrer roten Perücke (Quelle: Wikimedia Commons)

Yayoi Kusama: Mehr als nur Punkte

Die umfassende Werkschau in Basel vermittelt ein völlig anderes Bild, als viele es von Yayoi Kusama haben, die laut britischem „Guardian“ sogar als beliebteste Künstlerin der Welt gilt. Ihre Punkte sind keineswegs so spaßig, wie es die Socken oder Kleider vermuten lassen, die auch von Kunstfernen getragen werden. Die Ausstellung führt im Gegenteil in tiefste Abgründe der Künstlerin, die sich in die Kunst flüchtete, um Angstzuständen und Schmerzen zu trotzen.

Kindheit und Jugend

Geboren wurde sie 1929 im japanischen Matsumoto. Der Vater war ein notorischer Fremdgeher, die gewalttätige Mutter ließ ihre Frustration an der sensiblen Tochter aus. Schon als Kind entwickelt Kusama eine Zwangsstörung und hatte Halluzinationen. Sie glaubte, dass Tiere und Pflanzen mit ihr sprechen würden; dann wieder schienen zahllose Punkte in ihrer Umgebung verstreut zu sein. Glücklich war diese Kindheit und Jugend sicher nicht. Mit 19 Jahren durfte Yayoi Kusama für ein Jahr in Kyoto Kunst studieren, musste den Eltern aber zusagen, im Gegenzug Unterricht in Etikette und gutem Benehmen zu nehmen.

Künstlerischer Werdegang

Schon damals rettete sie sich mit extremer Produktivität. Bis heute malt Yayoi Kusama alle zwei, drei Tage ein Bild, und welche Massen an Werken in diesen mehr als siebzig Jahren zusammengekommen sind, kann man nur erahnen in der Baseler Ausstellung. Es ist eine kleine Auswahl aus der Serie „My Eternal Soul“ zu sehen, die aus fast 900 Gemälden besteht, bunten Bildern mit Punkten und Ornamenten, Gesichtern oder organisch anmutenden Formen, die mitunter an die Kunst der Aborigines erinnern. Auch wenn Yayoi Kusama zweifellos als die Frau mit den Punkten in die Geschichte eingehen wird, so ist das nur eine Seite ihres Werkes, das erstaunlich uneinheitlich ist und mit ganz unterschiedlichen Stilen und Techniken aufwartet.

New York und die Hippie-Szene

Mit Ende zwanzig zog sie nach New York. Wie besessen malte sie gegen die Halluzinationen und Panikattacken an und brachte in einer Art meditativem Akt „Infinity Nets“ auf die Fläche, Netze, zahllose Punkte oder winzige Bögen. Als sie diese in einer Galerie ausstellte, bekam sie begeisterte Kritiken. Es war der Anfang einer steilen Karriere. In den 1960ern war Yayoi Kusama in der Hippieszene aktiv - und Videos in der Ausstellung erinnern daran, wie sie bei ihren Performances mit Kimono und blumengeschmücktem Sonnenschirm durch New York lief oder in Sonnenblumenfeldern umherstreifte.

Es gibt aber auch eine große Auswahl ihrer Objekte, die sie mit Makkaroni beklebte, um ihre Probleme mit dem Essen zu überwinden. Dann wieder fertigte sie „Soft Sculptures“, Objekte und Möbel, an denen zahllose Stoff-Phalli hängen. „Viele Leute glaubten, ich sei verrückt nach Sex, weil ich so viele Sexobjekte herstellte“, sagte sie einmal. „Aber ich habe begonnen, Penisse zu gestalten, um mich von meiner Aversion und Furcht zu heilen.“

Rückkehr nach Japan

1972 kehrte Kusama zurück nach Japan, wo sie sich nach mehreren Selbstmordversuchen schließlich selbst in eine psychiatrische Klinik in Tokio einwies, in der sie bis heute lebt und malt. Viele Arbeiten von Yayoi Kusama sind dagegen eher selbstbezüglich und machen den Zugang schwer, weil sie in erster Linie gemacht wurden, um mit der eigenen fragilen Psyche fertig zu werden. Oder wie sie es sagt: um der eigenen dunklen Seele in die Weite des Universums zu entfliehen. So hängt auch über den vielen bunten Punkten in der Fondation Beyeler letztlich bleischwere Traurigkeit.

Und man sieht es der Künstlerin nach, dass ihre Botschaft etwas einfach klingt: Sie wolle Liebe, Frieden und Hoffnung teilen und der jungen Generation „Love forever“ hinterlassen. Das klingt naiv, ist bei Yayoi Kusama aber durchaus existenziell gemeint.

Haarspenden für Echthaarperücken

Valentina Staringer nimmt an einem sonnigen Freitag Platz in einem Friseursalon in Freising. Neben ihr sitzt ihre Schwester Kiara, 12, die das Ganze recht unaufgeregt beobachtet, sie kennt das ja bereits. Kiara Staringer hat schon vor drei Jahren große Teile ihrer Haare für einen guten Zweck gespendet, seitdem war sie nicht mehr beim Friseur. Was nachgewachsen ist, kommt auch bei ihr heute noch ab.

Ihre Spenden gehen an Organisationen wie den Verein "Haarfee" in Wien, dort werden diese dann weiterverarbeitet und an die Bedürfnisse der jungen Empfänger angepasst. Die Kinder haben schwere Schicksalsschläge hinter sich, etwa Krebs, schwere Verbrennungen oder die Krankheit Alopecia areata, ein kreisrunder Haarausfall, von dem auch Kinder betroffen sein können. Mit den Haaren verlieren sie häufig auch ihr Selbstwertgefühl, das eigene Leiden wird für jeden sichtbar, auch Hänseleien auf dem Schulhof sind keine Seltenheit.

Eine Echthaarperücke kann diese Nöte zumindest ein Stück weit lindern, sie sind aber oft unerschwinglich für die Eltern kranker Kinder. Mehr als 90 000 Haare sind für ein Exemplar notwendig, eine Perücke aus Echthaar wird handgeknüpft und kostet daher oft mehrere Tausend Euro. Die Krankenkassen übernehmen aber meistens nur Kosten von ein paar Hundert Euro, weshalb häufig auf Kunsthaarperücken zurückgegriffen werden muss. Diese bleiben aber als Perücke zu erkennen, ein Fremdkörper, der sich auch so anfühlt.

Beim Verein Haarfee gibt es die Echthaarperücken umsonst, die Herstellung wird finanziert durch Geldspenden. Insgesamt haben schon 170 kranke Kinder welche erhalten - und das meist ohne Wartezeit, wie der Vorsitzende Yochai Mevorach hervorhebt: "Nach einer solchen Diagnose müssen sich Eltern um viele wichtige Dinge kümmern", sagt er, "deshalb versuchen wir, sie in dieser schwierigen Phase zu unterstützen". Rund drei Monate dauert die Herstellung einer Perücke, derzeit würden zwei bis drei pro Woche fertiggestellt. Der Bedarf könne deshalb derzeit gut gedeckt werden, sagt Mevorach.

In Freising bei München flechtet Friseur Fabio Calagno jetzt dicke Zöpfe in Valentinas Haar, fährt mit der Hand mehrfach hindurch und kämmt es glatt. "Perfekt", sagt er, "unbehandelt und füllig bis in die Spitzen". Mutter Daniela Staringer nimmt ihr Handy aus der Tasche und zeigt ihm noch einmal ein Bild der Frisur, die ihre Tochter bekommen soll, ein Bob mit Mittelscheitel und Stufenschnitt. In der anderen Hand hält sie einen Schuhkarton. Es macht schnipp, es macht schnapp, und schon liegen die Zöpfe darin.

Mindestens 30 Zentimeter sollten die Haare für schulterlange Perücken sein, weil bei der Fertigung etwas Länge verloren geht. Blondes und qualitativ hochwertiges Haar wie das von Valentina Staringer hat auf dem internationalen Markt einen hohen Geldwert. Bis zu 2000 Euro pro Kilo würden dafür in Asien gezahlt, sagt Rainer Seegräf, der Vorsitzende des Bundesverbands der Zweithaar-Spezialisten (BVZ). Qualifizierte Perückenmacher gibt es in Deutschland kaum, die Echthaarindustrie ist vor allem in Südostasien angesiedelt.

Die Folge: Menschenhaare werden massenhaft nach Asien transportiert und dort zu Perücken verarbeitet. Ein Millionengeschäft. "Aber nicht in Deutschland", sagt Seegräf, "hier bekommt man maximal 20 Euro, und das auch nur, wenn der Friseur gut gelaunt ist."

Auch weil immer mehr Friseure auf diese Weise mithelfen, steigt die Zahl der Haarspenden in Deutschland Jahr für Jahr. "Eine tolle Sache", findet der BVZ-Vorsitzende Rainer Seegräf, "es leiden ja nicht nur Kinder, sondern vor allem Erwachsene darunter." Und das nicht nur aufgrund von Krankheiten: Bei etwa 95 Prozent der Männer, die unter Haarausfall leiden, ist die Ursache genetisch. Erblich bedingten Haarausfall gibt es aber auch bei Frauen.

Laut eines Urteils des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen ist ein teilweiser Haarverlust bei Frauen als Behinderung zu werten, die Kosten für ein maßgefertigtes Haarteil sind deshalb von der Krankenkasse zu erstatten. Männer hingegen gehen komplett leer aus. "Das verstehe ich nicht", sagt Rainer Seegräf, "auch Männer leiden psychisch sehr unter lichtem Haar."

Wem Valentina und Kiara Staringer mit ihrer Spende helfen, werden sie wohl nicht erfahren. Die meisten betroffenen Kinder wollen anonym bleiben. "Ein bisschen schade", sagt Kiara, "aber ich kann das schon verstehen". Ihr neuer Haarschnitt ist inzwischen fertig, es ist derselbe wie nach ihrer ersten Haarspende.

Haarspende: So geht's

David Garrett: Vom Wunderkind zum Star-Geiger mit Markenzeichen

Mitte der Zweitauserjahre nahm David Garretts Karriere so richtig Fahrt auf. Dank seiner Crossover-Musik hagelte es Gold- und Platinschallplatten und bald kannte ihn ganz Deutschland. Während er neben der Musik-Branche auch die TV-Landschaft eroberte, prägte sich ein ganz bestimmtes Bild von ihm ein, zu dem neben seiner Geige auch seine langen, blonden Haare meist mit Pferdeschwanz gehören.

David Garrett jung und mit kurzen Haaren

Bilder von früher - etwa aus dem Jahr 1997 - zeigen uns ein vollkommen anderes Bild von David Garrett. Damals war er süße 17 Jahre alt und seine Haare waren kurz und noch nicht blondiert. Das Foto entstand bei der Talkshow "Boulevard Bio" - bereits in den Neunzigerjahren war Davids Können an der Geige außergewöhnlich und er hatte den ein oder anderen TV-Auftritt.

Auch ein paar Jahre später, im Jahr 2002, war von dem heutigen haarigen Markenzeichen des Star-Geigers noch nichts zu erkennen.

Jahr Alter Haarstil
1997 17 Kurz, nicht blondiert
2002 22 Kein Markenzeichen erkennbar
Mitte 2000er - Lang, blond, meist mit Pferdeschwanz
David Garrett im Wandel der Zeit (Quelle: MDR)

"The Lost City": Eine Parodie mit Genderumkehr

In einem engen fuchsiafarbenen Glitzeroverall zu stecken, ist nicht jederfraus Sache. „Ich fühle mich wie eine nerdige Eiskunstläuferin“, schimpft die Abenteuerautorin Loretta Sage (Sandra Bullock) und rückt ihre Nerdbrille zurecht. Doch ihre Verlegerin Beth (Da’Vine Joy Randolph) kennt kein Pardon: Um Lorettas neuesten Roman zu promoten, schickt sie die zurückgezogene Schriftstellerin ausstaffiert wie einen Discoflamingo auf die Comic-Con-Bühne. Dort soll Loretta sich den Fans stellen - die wollen allerdings lieber den Mann sehen, der auf den Buchcovern Lorettas Protagonisten verkörpert: Alan (Channing Tatum), ein braungebranntes Muskelmodel mit David-Garrett-Perücke.

Ihr chaotischer Zusammenstoß ist erst der Anfang in „The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt“. Kurz darauf wird Loretta, deren Bücher auf ihren eigenen archäologischen Forschungen basieren, von einem irren Millionär (Daniel Radcliffe) gekidnappt und auf eine Dschungelinsel im Atlantik verfrachtet. Dort soll sie ihm bei der Suche nach einem legendären Schatz assistieren. Alan eilt zur Rettung, in Begleitung von Jack Trainer (Brad Pitt), einer fleischgewordenen Actionfigur. Wer hier allerdings wen rettet, steht noch lange nicht fest.

Der Witz dieser herzerfrischend albernen Indiana-Jones-Parodie liegt auf der Hand: Die Heldin ist ein praktisch veranlagter Bücherwurm, dessen männliche Retter zwar aussehen, als ob sie eine Hundert-Kilo-Grabplatte nur anschauen müssten, um diese zu bewegen. Die aber aus verschiedenen Gründen mit Pauken und Trompeten scheitern: Jack fällt mit seiner viril-kaugummikauenden Selbstsicherheit einem Widersacher zum Opfer. Und Alan ist eben ein Model, kein Kämpfer. Seinen Überlebensrucksack hat er darum statt mit Messer und Seil mit Schönheitsmasken gegen trockene Haut gepackt. Und prügeln kann er sich erst recht nicht.

So kämpfen Loretta und Alan nicht nur gegen die ungastliche Umgebung und den tödlichen Millionär mit Minibar im Panzer, sondern vor allem gegen Genre- und Genderklischees. Da klingen atmosphärisch schon komödiantische Vorbilder wie „Auf der Jagd nach dem Grünen Diamanten“ an, aber die Regie-Brüder Aaron und Adam Nee sind geradezu obsessiv auf eine Genderumkehr fokussiert. „Bin ich etwa die Damsel-in-Distress?“, fragt Alan irgendwann verdattert. Selbst die Kamera hat konsequent einen female gaze: Der Einzige, der seinen Körper ungeniert und unbekleidet zur Schau stellen darf, ist der freigiebige Tatum, dem regelmäßig Blutegel vom durchtrainierten Hintern gezupft werden.

Die Zielgruppe ist dabei höchst interessant: ein Ü40-Publikum, mehrheitlich Heterofrauen, die mit Harrison Fords Sprüchen groß geworden sind und die Nase voll davon haben, immer nur die Love Interest im Khakikleid als Identifikationsfigur präsentiert zu bekommen. Bullock und Tatum füllen ihre Rollen mit gehörig Selbstironie und großer Spielfreude aus. Schade nur, dass man Bullock ihr Alter dann doch überhaupt nicht ansieht: Ihren sichtbaren Falten nach zu urteilen, wäre sie 25. Das machen wahrscheinlich Alans Schönheitsmasken.

tags: #David #Garrett #Perücke

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