Brustkrebs und Haare färben: Was sagt die Forschung?

Viele Menschen in Deutschland färben regelmäßig ihre Haare. Laut Statistiken aus dem Jahr 2021 tun dies etwa zwei Drittel der Frauen und 19 Prozent der Männer mindestens halbjährlich. Mindestens einmal pro Monat greifen immer noch 23 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer zu Haarfärbemitteln.

Doch wie sicher ist das Haarefärben wirklich? Immer wieder gibt es Bedenken hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Risiken, insbesondere in Bezug auf Krebs. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Forschungslage und gibt Hinweise, worauf man achten sollte.

Die Inhaltsstoffe von Haarfärbemitteln

Damit Haarfarben zuverlässig färben und die vorherige Haarfarbe vollständig abdecken, enthalten sie eine Vielzahl teilweise bedenklicher Chemikalien. Die heutigen permanenten Haarfärbungen, auch bekannt als Oxidationshaarfarben, ermöglichen es, die Haarfarbe dauerhaft zu ändern. Sie enthalten meist Ammoniak, ein Färbemittel und Wasserstoffperoxid. Durch das Ammoniak quillt das Haar auf und die anderen Stoffe können ins Haarinnere eindringen. Das Wasserstoffperoxid hellt durch eine chemische Reaktion die natürlichen Farbpigmente auf, sodass die Pigmente des Färbemittels besser zu sehen sind.

Studienlage zum Thema Haarefärben und Krebsrisiko

Haarfarben stehen immer wieder im Verdacht, krebserregend zu sein. Doch die umstrittenen Inhaltsstoffe, die mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht wurden, sind längst verbannt. Mitte der 1980er-Jahre wurde eine Vielzahl an Haarfarben verboten. Damals bestand der Verdacht, dass diese Produkte das Risiko für Blasenkrebs oder Brustkrebs erhöhen. Zweifelsfrei belegen konnten Forscher den Verdacht allerdings nicht. Die Verbote dienten daher dem vorbeugenden Verbraucherschutz.

Heutzutage regelt die Europäische Kosmetikverordnung, welche Stoffe in Haarfärbemitteln erlaubt sind und welche nicht. Die Sicherheit von Kosmetika wird auch von verschiedenen Institutionen überprüft. Laut Analysen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind die heutzutage verwendeten chemischen Haarfarben demnach sicher und nicht krebserzeugend.

Neuere Untersuchungen liefern jedoch gemischte Ergebnisse:

  • Eine Studie der Rutgers University aus dem Jahr 2017 deutete darauf hin, dass regelmäßiges Haarefärben das Brustkrebsrisiko steigen lassen könnte.
  • Eine Studie der National Institutes of Health (NIH) vom Dezember 2019 bestätigte diese Ergebnisse teilweise. Bei afrikanischstämmigen Frauen, die ihr Haar regelmäßig alle fünf bis acht Wochen oder öfter färbten, stieg das Risiko sogar um 60 Prozent. Wer nur ab und zu sein Haar färbte oder Farben verwendete, die nicht dauerhaft halten (Tönungen), hat offenbar kein erhöhtes Risiko.
  • Eine Analyse im »British Medical Journal« auf Basis von Daten aus den USA ergab, dass Frauen, die färbten, insgesamt nicht häufiger an Krebs starben als Frauen, die ihr Leben lang bei ihrer natürlichen Haarfarbe blieben. Allerdings fand das Team ein leicht erhöhtes Risiko für Basalzellkarzinome der Haut, Eierstockkrebs und Rezeptor-negative Brustkrebsformen.

Es ist wichtig zu beachten, dass viele Faktoren zur Entstehung einer Krankheit beitragen und die Studienlage nicht immer eindeutig ist.

Warum färben sich unsere Haare grau? | #trivialgenial | DAK-Gesundheit

Besondere Risikogruppen

Einige Personengruppen sollten besonders vorsichtig sein:

  • Menschen mit hellem Hauttyp: Sie haben ohnehin ein deutlich erhöhtes Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Wenn sie sich die Haare färben, sollten sie umso größeren Wert darauf legen, regelmäßig zur Hautkrebsvorsorge mit Auflichtdermatoskopie zu gehen.
  • Afrikanischstämmige Frauen: Die NIH-Studie zeigte, dass bei ihnen das Brustkrebsrisiko bei häufigem Haarefärben stärker anstieg.
  • Frauen mit genetischer Vorbelastung für Brustkrebs: Eine Studie des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums und der Universität von North Carolina deutete darauf hin, dass bei Frauen mit einer Schwester, bei der bereits Brustkrebs diagnostiziert worden war, die Verwendung permanenter Haarfärbemittel das Brustkrebsrisiko erhöhen könnte.

Allergische Reaktionen und Hautreizungen

Auch wenn das Krebsrisiko durch eine Haarfärbung nach den aktuellen Erkenntnissen nicht erhöht wird, sind Haarfärbemittel dennoch nicht ganz unbedenklich. Einige Stoffe können bei veranlagten Personen schwere allergische Reaktionen auslösen oder Hautreizungen hervorrufen. Insbesondere para-Phenylendiamin (PPD) oder para-Toluenyldiamin (PTD) - häufige Inhaltsstoffe in Haarfärbemitteln - sind laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund als Auslöser für Kontaktallergien bekannt.

Eine PPD-Allergie, die zu Schwellungen und Juckreiz führen kann, tritt vergleichsweise häufiger bei dunklen als bei hellen Farben wie etwa Blondierungen auf. Die Beschwerden können auch erst zwei Tage nach dem Färben beginnen. Achten Sie deshalb auch ein paar Tage danach auf mögliche Allergiesymptome.

Alternativen zu chemischen Haarfärbemitteln

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann auf natürliche Produkte zurückgreifen. Pflanzliche Haarfärbemittel enthalten oft die natürlichen Farbstoffe Henna oder Indigo und verzichten somit auf die bedenklichen Stoffe. Die Gefahr einer allergischen Reaktion ist hier wesentlich geringer. Reine Henna- oder Indigo-Haarfarben bewerten Experten sogar als sehr sicher.

Experten raten auch dazu, sich die Haare professionell färben zu lassen. Der Friseur sorgt dafür, dass wesentlich weniger Farbstoff mit der Kopfhaut in Berührung kommt als zu Hause beim selber Färben. Das verringert die Sensibilisierungsgefahr.

Basalzellkarzinom: Eine häufige Hautkrebsart

Das Basalzellkarzinom (auch Basaliom genannt) ist die häufigste Art von Hautkrebs in Deutschland. Das Basaliom ist ein semi-maligner (halbbösartiger) Hauttumor. Anfänglich kann das Basaliom wie ein kleiner - oft von winzigen Blutgefäßen durchzogener - kleiner Pickel aussehen. Später entstehen dann häufig Vertiefungen sowie um den Rand herum ein perlschnurartiger Wall aus kleinsten Knötchen.

Zwar ist das Basalzellkarzinom auch bei jüngeren Patienten keine Seltenheit, aber ab dem 50. Lebensjahr zeigt sich eine deutlich steigendes Risiko, daran zu erkranken. Menschen mit hellem Hauttyp sollten sich mindestens einmal im Jahr einer Hautkrebsvorsorge unterziehen. Haben sie sich früher die Haare gefärbt oder tun sie dies heute, sollten sie umso größeren Wert darauf legen, regelmäßig zur Hautkrebsvorsorge mit Auflichtdermatoskopie zu gehen. Sprechen Sie ggf. ihren Hautarzt auch darauf an, ob sie sich aufgrund des erhöhten Risikos möglicherweise sogar häufiger untersuchen lassen sollten.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Studienlage zum Thema Haarefärben und Krebsrisiko ist komplex und nicht immer eindeutig. Während einige Studien ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten nahelegen, kommen andere zu dem Schluss, dass kein erhöhtes Risiko besteht. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann auf pflanzliche Haarfarben zurückgreifen oder sich die Haare professionell färben lassen. Regelmäßige Hautkrebsvorsorge ist besonders für Menschen mit hellem Hauttyp wichtig.

Hier ist eine Tabelle, die die wichtigsten Punkte zusammenfasst:

Aspekt Information
Haarfärbemittel Enthalten oft bedenkliche Chemikalien
Krebsrisiko Studienlage ist nicht eindeutig, einige Studien deuten auf ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten hin
Allergische Reaktionen Mögliche allergische Reaktionen und Hautreizungen durch Inhaltsstoffe wie PPD oder PTD
Alternativen Pflanzliche Haarfarben sind eine sicherere Alternative
Hautkrebsvorsorge Wichtig, besonders für Menschen mit hellem Hauttyp

tags: #Brustkrebs #Haare #färben #erlaubt

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