Traurige Nachrichten für Fans des britischen Humors: Der australische Comedian, Schauspieler und Autor Barry Humphries, der durch seine Drag-Persona Dame Edna Everage weltbekannt wurde, ist im Alter von 89 Jahren in Sydney gestorben. Laut BBC News traten nach einer Hüftoperation Komplikationen auf, die zum Tod führten.
Dame Edna Everage, die berühmte Kunstfigur von Barry Humphries
Im Statement der Familie heißt es, Humphries sei bis zuletzt er selbst gewesen und habe nie seinen brillanten Verstand, einzigartigen Witz oder sein großzügiges Wesen verloren. Der australische Premierminister Anthony Albanese würdigte ihn als "eine gewitzte Person, einen Satiriker, Autor und absolut einzigartig. Er war sowohl talentiert als auch ein Geschenk."
Humphries entwickelte Dame Edna ab den 50er Jahren und erhielt eine eigene TV-Sendung mit „The Dame Edna Everage Experience“ im britischen Fernsehen der 80er. Es folgten unzählige Auftritte und Shows wie „Dame Edna's Neighbourhood Watch“ oder „The Dame Edna Treatment“ mit der berühmten lila Perücke, der unverwechselbaren Brille und sofort erkennbaren Stimme. Zum Beispiel auch in einer wiederkehrenden Gastrolle in der US-Anwaltsserie Ally McBeal oder als Promikandidatin in der UK-Backsendung „The Great British Bake Off“.
Im Jahr 2015 gab es noch die Abschiedstour „Dame Edna's Glorious Goodbye“, nach der aber immer noch nicht Schluss war. Weitere Comedy-Charaktere des Komikers waren der australische Alkoholiker Sir Les Patterson und der Rentner Sandy Stone.
Außerhalb seiner Travestie-Performance wirkte er in Filmen wie der „Rocky-Horror-Picture-Show“-Fortsetzung „Shock Treatment“ und Serien wie „Selling Hitler“ mit, wo er Rupert Murdoch verkörperte.
Als narzisstische, politisch inkorrekte Kampfdiva wurde Dame Edna weltweit populär. In ihren Shows saßen regelmäßig Superstars, auch der britische Hof pflegte Kontakte zu dieser Kunstfigur. Seine berühmteste Schöpfung, Dame Edna Everage, wird weltweit verehrt.
Doch da hatte diese schrille Ex-Hausfrau längst ihren Schöpfer verdrängt. Ungefähr so, als sei Hape Kerkeling endgültig hinter Horst Schlämmer verschwunden. Und dass Humphries, Komiker, Schauspieler und Autor, am Samstag im Alter von 89 Jahren in Sydney ausgerechnet an den Folgen einer Hüftoperation starb, wirkt im Nachhinein wie einer der üblen Gags seines Kunstprodukts.
Für Humphries, der aus Melbourne stammt und als Schauspieler in eher unbedeutenden Rollen begann, war die Kreation von Edna Everage (für den Titel Dame sorgte ausgerechnet der australische Premierminister) der Hauptgewinn seines Lebens. Eine vulgäre, narzisstische, schlagfertige, politisch inkorrekte Kampfdiva. Eine Miss Piggy ohne den nymphomanischen Furor der Muppet-Puppe. Gekleidet in Glitzerfummel, gekrönt von lilafarbenen, betonierten Perücken, eine riesige Schmetterlingsbrille auf der Nase und an fast jedem Finger einen geschmacklosen Ring.
Die ikonische Brille von Dame Edna
Diesem Megastar, so auch der Titel einer ihrer Fernsehshows, gab Barry Humphries eine entsprechend krause Geschichte: die Mutter weggeschlossen im „Hochsicherheits-Dämmerungsheim“, dazu mehrere Kinder, darunter ein ungeouteter schwuler Sohn und eine entführte Tochter, der Mann an den Folgen von Prostatakrebs gestorben - weshalb sich Dame Edna als Gründerin der Organisation „Friends of Prostata“ rühmte.
Der schwarze, abgedrehte Humor von Humphries’ Kunstprodukt wurde so kultig, dass ein Besuch der Shows für Stars wie Judi Dench, Tony Curtis, Zsa Zsa Gabor oder Elton John zur Pflicht wurde. Um dort zu erfahren, dass sie ob ihrer Nichtigkeit nur geduldet waren.
Als Herabwürdigung musste eine graumäusige Assistentin Namensaufkleber herausrücken („Madge, the badge!“), die Edna ihren Gästen auf die Brust klebte. Andernfalls konnte sie sich nur schwer an die Identität der Interviewten erinnern.
Dame Edna war tatsächlich bei Hofe gern gesehen, schüttelte Queen-Mum die Hand, kündigte einmal einen Auftritt von Elizabeth II. an und enterte die königliche Loge im Londoner Palladium-Theater, wo schon Charles und Camilla saßen, um das lachende Paar gleich wieder zu verlassen: Man habe ihr gerade einen besseren Platz angeboten.
Nie missriet Barry Humphries all dies zur Fummeltrinen-Nummer, zur billigen Dragqueen-Sause. Dafür war er als Komiker zu intelligent. Außerdem war das Rosarote (teilweise?) nur vorgetäuscht: Aus den vier Ehen von Humphries stammen zwei Söhne und zwei Töchter.
Seine zweitberühmteste Schöpfung war Sir Les Petterson, der sabbernde, saufende australische Kulturattaché. Dazu gab es „normale“ Schauspieler-Auftritte etwa als Metternich im Kinofilm „Ludwig van B. - meine unsterbliche Geliebte“ oder als Großer Goblin in „Der Hobbit“, in der Originalfassung von „Findet Nemo“ lieh er Haifisch Bruce die Stimme.
Seine Dame Edna wurde zur anfechtbar gekleideten Apotheose des britischen Humors. Im deutschen Fernsehen waren die Shows vor allem in den Neunzigerjahren zu sehen. Ganz große Diva, kündigte Edna 2012 ihren Abschied an, um doch immer wieder aufzutreten. Dass sie Fiktion war, diesen Gedanken lehnte sie naturgemäß ab. Ihren Schöpfer Barry Humphries verachtete sie als ihren Manager.
Humphries lebte lange als trockener Alkoholiker, er war viermal verheiratet, wie Edna hatte er vier Kinder. Ednas Nachwuchs hatte abenteuerliche Lebensläufe: Eine Tochter wurde entführt und ging ins Kloster, eine wurde eine Lederlesbe, beide Söhne schwul, was die Mutter nicht wahrhaben wollte. Inspiriert wurde Humphries bei der Rolle von seiner eigenen Mutter.
Als Humphries 1955 zum ersten Mal die Dame Edna spielte, wussten viele noch nicht, was Travestie ist, geschweige denn „Drag“. Die Hausfrau aus einem Vorort von Melbourne war vom Londoner West End über den Broadway bis zum Fernsehtalk bekannt, wo sie Sean Connery (†90) und Zsa Zsa Gabor (†99) interviewte.
Dame Edna hat Barry Humphrie als Lügner bezeichnet, wenn der behauptete, sie sei seine Kreation. Er sei doch nur ein „Entrepreneur“ und ihr Manager.
Genau dort wird Ednas geistiger Vater Barry Humphries am 17. Februar 1934 geboren. Nach zwei Jahren an der Universität betritt er schließlich die Bühne und verspottet als Dame Edna alles, was bieder, bigott und spießig ist.
"Lachen ist etwas Wunderbares - für den Lacher und für den, der es auslöst. Es hat eine therapeutische Wirkung. Und selbst die Menschen aus seiner Vorstadtkindheit, viele sind Vorbild für die Edna, lieben die Figur.
"Meine Mutter amüsierte sich besonders über Edna, weil ihr Friseur ihr erzählt hatte, dass Edna genau wie meine Tante war. Mit Edna verbindet ihn eine Hassliebe.
"Ich bin nie derselben Meinung wie Edna, ich mag sie nicht mal. Sie ist eine Mischung aus allem, was ich besonders widerlich finde. Aber die Menschen mögen sie, selbst wenn sie von ihr beleidigt werden. Sie verzeihen ihr und lieben sie.
In Australien wird Dame Edna schnell ein Star, also reist Barry Humphries mit ihr ins Mutterland der Satire, nach Großbritannien. Aber die Engländer verstehen die schrille Australierin nicht. Humphries wird arbeitslos, beginnt zu trinken.
Bevor Edna völlig abhebt, schickt Barry Humphries sie 2012 - nach über 60 Jahren auf der Bühne - in Rente.
Humphries genießt in Australien bis heute einen nahezu ungebrochenen Kultstatus, der jedoch in jüngster Zeit von einigen Kontroversen überschattet wurde: Im Zuge der LGBTQI-Bewegung und der Sensibilisierung für Diskriminierung und Genderthemen geriet der Schauspieler mehrfach in Kritik: So äußerte er seit 2016 unter anderem in Interviews sein Unverständnis über Themen wie Transsexualität und operative Geschlechtsangleichungen und erklärte beispielsweise, dass er dagegen sei, dass solche Themen beispielsweise im Schulunterricht besprochen würden.
Dennoch ist Barry Humphries bis heute Australiens Fernsehliebling und das wird sich aller Wahrscheinlichkeit so schnell auch nicht ändern: Mit stolzen 88 Jahren ist der Schauspieler heute beschäftigt wie eh und je und hat, neben seinen Auftritten, auch zahlreiche Bücher geschrieben.
Privat lebt der Komiker zurückgezogen in London’s Nobelviertel Hampstead Heath und in Australien. Nach drei gescheiterten Ehen, heiratete er 1990 zum vierten und bisher letzten Mal, nämlich die Britin Lizzie Spender, Tochter des Romanautors Stephen Spender.
Seinen letzten Wunsch, ever so sorry, den kann man nicht erfüllen. Mögen seine Nachrufe ohne Erwähnung von Dame Edna Everage geschrieben werden, forderte Barry Humphries einst.
Dass der nun im Humor-Himmel sitzt, könnte also eine Chance sein.
Für Australien ist sein Tod ein Verlust wie für Deutschland, als Loriot starb.
Der Entertainer hatte sich dort nach Komplikationen infolge einer Hüftoperation behandeln lassen.„Es war eine lächerliche Sache, wie alle häuslichen Zwischenfälle. Ich griff nach einem Buch, mein Fuß verfing sich in einem Teppich oder so etwas, und ich stürzte“, beschrieb Humphries seinen Sturz vergangenen Monat gegenüber der Zeitung „The Sydney Morning Herald“.
Seine Familie schrieb nach Angaben der Zeitung „The Sydney Morning Herald“ und weiteren australischen Medien in einer Mitteilung, Humphries sei sich bis zum Ende selbst treu geblieben. Er habe nie seinen brillanten Verstand und seinen einzigartigen Witz verloren.
2012 kündigte Humphries den Ruhestand der Lady mit den lila Haaren an. Es kamen aber doch noch einige Auftritte hinzu. Möchten Sie etwas kritisieren? Sie kam im ungünstigsten Augenblick. Kurz zuvor hatte Dame Edna, die schwatzende Queen-Perücke aus Australien, etwas über ihren backyard erzählt und davon, dass bei der Königin doch gar keine 12.000 Leute reinpassen. Das gab ein ziemliches Gejohle zur Begrüßung: Nur Elisabeth II. im gorgonzolablauen Mantel sah ein wenig hilflos aus auf ihrer „Party At The Palace“, dem Stars-salute-the-Queen-Showdown, den BBC bis Mitternacht in den Garten hinterm Buckingham-Palast gezaubert hatte.
Offenbar sind die Begriffe und Ethics stark durcheinander gekommen, seit Elisabeth II. vor 50 Jahren den britischen Thron bestieg. Damals war Pop noch fürs Volk und die Konzerte in der Royal Festival Hall reine „Nights of the Proms“. Heute dreht man das Spektakel so lange zurecht, bis alle Zielgruppen vor Freude quietschen: Homosexuelle können bei Queen an Queer denken und sich schon zu Beginn des Konzerts an Ricky Martins leckerem Hüftschwung laben; für die Rock-am-Nippelring-Fraktion wurde Ozzy Osborne eingeladen; und ein paar Casting-Bands durften durch ein paar Motown-Medleys hüpfen, weil das Punkte bei den Teenies bringt. Tom Jones tigerte, Tony Bennett croonte, Atomic Kitten blieb die Stimme weg. Wer aber sang für Königin Elisabeth II.?
Nun, es war Sir Paul, der Macca, der McCartney unter den Beatles. Es war sein Abend ihr zu Ehren. Er durfte als Letzter eine halbe Stunde spielen und war wohl auch der Einzige, den Her Majesty überhaupt aus der Popmischpoke hören wollte. Als er schief sang, litt sie mit, als er ein Witzchen machte, wurde sie rot. So ist das bei älteren Damen mit der unerfüllten Liebe, die nicht geklappt hat, als die Fab Four von ihr den Orden bekamen, 1964. Da können abgewrackte Sixties-Barfliegen wie Steve Winwood, Rod Stewart oder Joe Cocker nicht gegenanbrüllen.
Gebrüllt wurde früher. Der letzte Jubiläumsstunk ist 25 Jahre her. Am 27. Mai 1977 veröffentlichten die Sex Pistols ihr Lied für Königin Elisabeth II.: „God save the queen“ war zwar nicht mehr ganz Geburtsstunde, sondern kommerzieller Höhepunkt von Punk. Aber Johnny Rottens Strophen, in denen sich Queen und „fascist regime“ reimten, hatten schwer den Ruch der Revolte. BBC sendete den Song während der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Thronjubiläum nicht, obwohl er in den Verkaufscharts auf Nr. 1 stand - auch weil sämtliche großen Plattenläden die Single boykottierten. Stattdessen wurde Rod Stewart mit der Schlafzimmerschnulze „I don’t want to talk about it“ in einem Staatsakt auf Platz eins gesetzt, Rotten von Monarchisten mit dem Messer angegriffen. Solche Zuspitzungen wirken heute altmodisch. Die Trivialisierung der Verhältnisse im royalen backyard schafft da ganz andere Umwertungen. „Pop saves the Queen“, schließlich geht es nicht um Ehrerbietung und all den sonstigen Königsschmu, sondern um die Quote. So zumindest war Elisabeth II. noch einmal auf Sendung. Und der Song der Sex Pistols wurde letzte Woche auch wiederveröffentlicht. Schließlich hat er sein 25. Anti-Jubilee.
John Barry Humphries kennt man in Down Under meist unter seinem Alter Ego Dame Edna Everage, eine Kunstfigur die der 1934 geborene Schauspieler bis zur Perfektion kultiviert hat. Bereits als Kind liebte es der junge Barry, sich zu verkleiden und komische Sketche aufzuführen, mit denen er seine Eltern und die gesamte Nachbarschaft unterhielt. Schon als Schüler und später als Student fiel Humphries durch seine Intelligenz, aber auch durch sein schauspielerisches Talent auf. Nach seiner Schulzeit in Melbourne schrieb er sich zunächst an der dortigen Universität ein wo Kurse in Philosophie und Kunst besuchte. Trotz guter Noten schmiss er jedoch 1953 die Uni, um seinen wahren Traum zu verfolgen: Er wollte Schauspieler werden.
Bereits an der Universität hatte er intensiv begonnen, sich mit der damals populären Kunstrichtung Dadaismus zu beschäftigen und deren Einfluss auf das Theater. Einige Monate nachdem er die Uni verlassen hatte, bekam er seine erste Rolle am Union Theatre in Melbourne und blieb dort für mehrere Jahre ein wichtiger Teil des Ensembles, das auch internationale Auftritte hatte. Das komödiantische Talent des jungen Schauspielers blieb natürlich nicht lange verborgen. Bereits 1955 kreierte Barry Humphries für einen Sketch den Charakter Edna Everage, der später zu seiner Paraderolle werden sollte. Mit Pumps, Perücke und geblümtem Kleid angetan, verkörperte Barry Humphries diese Frauenrolle so gekonnt, dass sich viele seiner Zuschauer zunächst nicht sicher waren, ob nicht tatsächlich eine echte Frau auf der Bühne stand. Welchen Kultstatus Humphries mit „Edna Everage“ erreichen sollte, konnte damals freilich niemand wissen. Über die Jahre hinweg hat der Schauspieler die Rolle der bärbeißigen Hausfrau immer weiter ausgebaut und perfektioniert, bis er schließlich fast selbst zu Edna Everage wurde. Edna war ein Charakter voller Widersprüche: Hochmütig, unsensibel, stets politisch unkorrekt und dennoch liebenswert. Und diese waren zahlreich: Ednas erster Fernsehauftritt fand 1956 statt, 1970 folgte eine erste Filmrolle im Film The Naked Bunyip. Den großen Durchbruch hatte Edna Everage jedoch in Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1978). Ob Bühnentournee oder Fernseh- und Kinofilme - mit seiner Paraderolle erreichte Humphries ein Millionenpublikum. Als Komiker genoss Humphries in Australien seit den 1970ern längst Kultstatus, doch er trat auch in einigen ernsthafteren Rollen auf: So verkörperte er etwa Ludwig van Beethoven im Film Immortal Beloved (1994) und lieh dem Großen Goblin in Peter Jackson’s Film The Hobbit und dem Hai in Findet Nemo seine Stimme.
Humphries’ Ableben markiert das Ende einer Ära. Seine Kunstfigur Dame Edna Everage wird jedoch unvergessen bleiben und weiterhin Generationen von Zuschauern zum Lachen bringen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.