Cyclophosphamid und Haarausfall: Was Sie wissen müssen

Cyclophosphamid ist ein Zytostatikum, das zur Behandlung von Krebs und schweren Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird. Es ist ein sehr starkes Immunsuppressivum, das bei der Behandlung von bedrohlich verlaufenden Vaskulitiden eingesetzt wird, wo es meistens das Medikament der ersten Wahl ist. Es soll helfen, diese schweren Erkrankungen schnell in den Griff zu bekommen, wird aber im weiteren Verlauf oft wegen seiner eigenen Giftigkeit durch andere Wirkstoffe ersetzt.

Eine der bekanntesten und gefürchtetsten Nebenwirkungen von Cyclophosphamid, insbesondere bei der Chemotherapie, ist der Haarausfall. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, den Verlauf und die möglichen Maßnahmen gegen Haarausfall im Zusammenhang mit Cyclophosphamid.

Ursachen von Haarausfall durch Cyclophosphamid

Das Grundproblem einer Krebserkrankung ist, dass sich die bösartigen Zellen unkontrolliert vermehren. Dadurch wird das Nachbargewebe infiltriert und gesundes Gewebe zerstört. Die Krebszellen reagieren nicht mehr auf Wachstumssignale des Körpers und können vom Immunsystem nicht mehr kontrolliert werden. Das führt dazu, dass sie sich unkontrolliert im Körper ausbreiten können.

Die Krebsmedikamente, auch Zytostatika genannt, wirken aber im ganzen Körper und können nicht unterscheiden, ob es sich bei ihrem Angriffspunkt um eine Krebszelle oder eine normale Körperzelle handelt. Deshalb sind neben den Krebszellen auch Körperzellen von der Wirkung betroffen, die sich schnell vermehren. Dazu gehören zum Beispiel die Haarwurzelzellen.

Bei Haarausfall durch Chemotherapie handelt es sich um ein anagenes Effluvium, d.h. die Haare fallen in der Wachstumsphase aus. Im Gegensatz dazu steht das telogene Effluvium, bei dem die Haare vorzeitig in die Ruhephase eintreten.

Verlauf des Haarausfalls

Klassischerweise beginnt der Haarausfall im Rahmen einer Chemotherapie nach etwa zwei bis vier Wochen. Auch für Außenstehende sichtbar wird der Haarverlust in der Regel erst, wenn mindestens die Hälfte aller Kopfhaare ausgefallen sind. Es fallen nicht alle Haare plötzlich und gleichzeitig aus, sondern der Haarverlust verstärkt sich nach und nach. Die Haare können einzeln oder büschelweise ausfallen.

Noch bevor ein Haarverlust eintritt, spüren viele Betroffene, dass die Kopfhaut sehr berührungsempfindlich oder schmerzhaft ist. Solange die Medikamente der Chemotherapie weiter gegeben werden, hält auch der Haarausfall an. Er wird erst gestoppt, nachdem die Therapie beendet wurde.

Die allermeisten Patienten, die von einem Haarverlust unter Chemotherapie betroffen sind, verlieren ihr Kopfhaar bis zur Glatze. Grundsätzlich können aber alle Körperhaare betroffen sein. Auch Barthaare, Augenbrauen und Wimpern können ausfallen. Gelegentlich kommt es vor, dass die Haare nicht ausfallen, sondern direkt am Ansatz abbrechen, sodass kurze Haarstoppeln auf dem Kopf zurückbleiben. Ab und zu passiert es, dass die Haare nicht ausfallen, sondern nur langsamer wachsen. Dabei können sie ihre Farbe und Struktur verändern.

Weitere Faktoren, die Haarausfall beeinflussen

Nicht jede Chemotherapie verursacht einen Haarausfall und auch die Ausprägung ist nicht immer gleich stark. Auch eine hohe Dosis der Medikamente oder kurze Abstände zwischen den Gaben erhöhen das Risiko. Wenn mehrere Mittel kombiniert gegeben werden, erhöht dies ebenfalls das Risiko eines Haarverlusts.

Es gibt Arten von Chemotherapien, die eher einen Haarausfall verursachen, als andere. Eventuell kann ihr Arzt eine wählen, die eine etwas geringere Wahrscheinlichkeit für Haarausfall hat. Zu beachten ist jedoch, dass es primär darum geht, den Krebs zu bekämpfen und deshalb das dagegen wirksamste Medikament eingesetzt werden sollte.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Medikamente einer Chemotherapie, die über die Vene gegeben werden, häufiger einen Haarverlust verursachen als solche, die man als Tabletten nimmt. Gelegentlich tritt Haarausfall auf bei Bleomycin, Cytarabin, Gemcitabin, 5-FU, Vinblastin oder Vincristin.

Durch die Therapie und viele Blutuntersuchungen kann eine Blutarmut und eventuell ein Eisenmangel auftreten. Ein Eisenmangel kann Haarausfall begünstigen. Im Rahmen einer Krebserkrankung ist häufig eine gesunde Ernährung erschwert - bedingt durch verschiedene Faktoren wie Übelkeit und Erbrechen durch Medikamente, Appetitlosigkeit, Durchfall oder Schmerzen im Mund. Dadurch können eventuell Vitaminmangelzustände auftreten, die ein gesundes Haarwachstum erschweren können.

Was kann man gegen Haarausfall tun?

Den Haarausfall durch eine Chemotherapie verhindern kann man meist nicht. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, die helfen können, den Haarausfall zu reduzieren oder die Kopfhaut zu pflegen:

  • Kopfhautkühlung: Dabei werden während der Infusion der Krebsmedikamente Kühlkappen auf den Kopf gesetzt, um den Stoffwechsel in den Haarwurzelzellen zu verlangsamen und die Blutgefäße in der Kopfhaut zu verengen.
  • PRP-Therapie: Bei dieser Eigenbluttherapie wird dem Patienten eine kleine Menge Blut entnommen, aufbereitet und in die Kopfhaut gespritzt, um das Haarwachstum zu stimulieren.
  • Gute Kopfhautpflege: Man kann den Kopf mit Wasser und einem milden Shampoo oder Seife waschen und mit einer Creme pflegen. Besonders bei Kälte die Haut mit einer Mütze oder einem Tuch schützen.
  • Gesunde Ernährung: Auch eine gesunde Ernährung ist wichtig, wenn auch während einer Krebsbehandlung manchmal schwer umzusetzen.

Hinweis: Standardisierte, große Studien zur Wirksamkeit der Kopfhautkühlung gibt es bisher noch nicht. Die Kosten für diese Methode werden daher nicht von den Krankenkassen übernommen.

Haarausfall während der Krebstherapie - warum verliere ich meine Haare? (Ärztin informiert)

Psychologische Unterstützung

Für die Patienten gehört der Haarausfall subjektiv zu den Nebenwirkungen, die sie am meisten belasten. Zu empfehlen ist, sich bereits vor der Therapie darüber zu informieren, ob bei Ihrer Chemotherapie mit Haarausfall zu rechnen ist. Wenn Sie sich durch den drohenden Haarausfall psychisch sehr belastet fühlen, kann es helfen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen über den Umgang damit zu sprechen. Außerdem gibt es in vielen onkologischen Abteilungen eine psychologische Mitbetreuung, die die Patienten in Anspruch nehmen können.

Alternativen zum eigenen Haar

Viele Betroffene möchten ihre Glatze nicht öffentlich zeigen und verdecken sie mit Tüchern, Mützen oder Perücken. Wer sich für eine Perücke entscheidet, sollte sich schon zu Therapiebeginn darum kümmern und sich über die Details informieren. Es gibt verschiedene Arten von Perücken, entweder Perücken aus Echthaar oder Kunsthaarperücken. Vorab sollte mit der Krankenkasse geklärt werden, in welchem Umfang die Kosten für einen Haarersatz übernommen werden.

Wer vor allem unter dem Verlust der Wimpern oder Augenbrauen leidet, kann sich von einem Kosmetiker beraten lassen. Oft gibt es sogar spezielle Seminare für Krebspatienten, wo Schminktechniken gezeigt werden. Zu möglichen Frisuren nach einer Krebstherapie kann Sie ein Friseur beraten. Häufig gibt es sogar in der Klinik unmittelbar angrenzende Friseurstudios, die sich mit den speziellen Bedürfnissen krebskranker Patienten gut auskennen.

Haarwachstum nach der Therapie

Die Haare können wieder wachsen, wenn die Chemotherapeutika und ihre Stoffwechselprodukte vollständig vom Körper abgebaut wurden. Vorübergehend kann das Haar anders sein als vorher. Viele Betroffene berichten, dass ihr Haar anfangs dicker, voluminöser oder lockiger war als früher. Nur sehr selten berichten Patienten, dass die Chemotherapie ihre Haare dauerhaft geschädigt hat. Wenn ein dauerhafter Haarverlust bestehen bleibt, handelt es sich dabei am ehesten um Patienten, die eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Knochenmarktransplantation bekommen haben.

Cyclophosphamid bei der Behandlung von Eierstockkrebs

Cyclophosphamid wird auch in der initialen Behandlung des metastasierenden Ovarialkarzinoms eingesetzt. Allerdings zeigen Studien, dass die Kombination von Paclitaxel und einem Platinderivat keinen signifikanten Vorteil gegenüber Strategien ohne Taxan bietet. Der Gewinn an progressionsfreier Zeit und Überlebenszeit ist marginal und nicht signifikant.

Vergleich von Behandlungsstrategien beim metastasierenden Ovarialkarzinom
Behandlung Progressionsfreie Zeit (Median) Überlebenszeit (Median)
Paclitaxel + Platinderivat 17,3 Monate 36,1 Monate
Strategie ohne Taxan 16,6 Monate 35,4 Monate

tags: #cyclophosphamid #haarausfall

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