Cosplay Perücken selber machen – Eine ausführliche Anleitung

Cosplay-Perücken sind ein unverzichtbares Accessoire für viele Cosplayer. Damit könnt ihr jeden Tag jemand anders sein, ohne eure Haare zu färben oder stundenlang vorm Spiegel zu stehen. Perücken für Cosplay bestehen immer aus Kunstfasern. Perücken bekommt ihr online, aber auch auf Conventions in allen Farben, Formen und Preisklassen.

Grundlagen von Cosplay-Perücken

Perücken bestehen aus Haaren, die in Fäden gewoben sind - den sogenannten „Tressen“. Die Tressen sind auf ein Netz oder ein Geflecht aus Gummibändern genäht, die sogenannte „Montur“. Die Montur ist das Innenleben einer jeden Perücke, welches man nicht sieht, wenn die Perücke richtig gestylt ist. Je mehr Tressen in eine Perücke genäht sind, umso dichter ist sie.

Gute Perücken bestehen nicht ganz aus Tressen, sondern haben oben auf dem Kopf einen besonders dicht geknüpften Bereich, damit man sie wie natürliches Haar scheiteln kann. Die meisten Cosplay-Perücken haben hier ein Kopfhautimitat oder Skin Top, das ist ein hautfarbenes Teil aus weichem Plastik, in das die Haare einzeln eingezogen sind. Je größer dieses Top, umso vielseitiger lässt sich die Perücke scheiteln und stylen.

Worauf man beim Kauf achten sollte

Da fällt der Überblick schwer, und nicht selten ist die Enttäuschung groß, wenn ihr die Perücke dann auspackt und zum ersten Mal tragt. Hier sind ein paar Tipps, worauf ihr bei der Auswahl achten solltet:

  • Preis: Je länger die Perücke, desto höher sollte der Preis sein. Billige Perücken sind häufig zu dünn oder von schlechter Qualität.
  • Fasern: Gute Fasern verfilzen nicht so schnell und lassen sich besser kämmen als minderwertige Fasern. Je länger die Haare, umso wichtiger ist also die Qualität!
  • Farbe: Perückenfarben und zusätzliches Kunsthaar („Extensions“) bekommt ihr in allen Farben des Regenbogens.
  • Stil: Wenn ihr die Perücke nicht selbst frisieren wollt, entscheidet euch für eine vorgestylte Cosplay- oder Mode-Perücke, am besten mit einem Stufenschnitt.
  • Dichte: Je dichter die Perücke, desto mehr könnt ihr daraus machen. Ein großes, dicht geknüpftes Kopfhautimitat ist ein Plus, denn damit könnt ihr den Scheitel verlegen, die Haare aus der Stirn kämmen, oder mehr Haare nach vorne kämmen, um einen Pony zu schneiden.

Werkzeuge und Materialien

Das wichtigste Werkzeug ist ein Kamm oder eine Bürste zum Kämmen und Entwirren. Normale Haarbürsten eignen sich nicht für Perücken, da sie zu viele Haare ausreißen! Verwendet entweder eine spezielle Perückenbürste oder einen breitzinkigen Kamm (Strähnenkamm). Für feinere Stylings und zum Abteilen der Haare benötigt ihr einen Stielkamm. Achtet bei Kämmen darauf, dass es sich nicht um ganz billige Plastikkämme handelt, die scharfe Grate in den Zinken haben; diese üben zu viel Reibung aus und beschädigen die Haare. Kauft am besten einen haarfreundlichen, gegossenen Plastikkamm oder einen Holzkamm. Ein Toupierkamm ist kein Muss, er ist aber hilfreich für viele Stylings.

Unverzichtbar ist eine scharfe Schere zum Schneiden der Haare. Auch bereits gestylte Perücken müssen vor dem Tragen evtl. nachgeschnitten werden, deshalb macht euch früh mit diesem Werkzeug vertraut. Ihr braucht keine teure Haarschere, für den Anfang genügt eine scharfe, nicht zu klobige Bastelschere oder Stickschere. Manche Schnitte, z.B. zum Ausdünnen der Haarspitzen, lassen sich präziser mit einem Rasiermesser (auch: Friseurmesser oder Kabinettmesser) ausführen.

Ein handelsüblicher Haartrockner ist das beste Mittel, um Plastikhaare schonend zu erhitzen und sie in Form zu bringen. Ihr benötigt meist nur eine Hitzestufe, wenig Luftausstoß und kein professionelles Zubehör. Wenn schon die Hitze eines Föhns ausreicht, um Plastikhaare zu verformen, dann kann man sie mit einem Glätteisen oder Lockenstab sogar schmelzen. Für normale, nicht extra hitzefeste Perücken sind diese Werkzeuge deshalb weniger geeignet.

Wenn ihr eure Perücke stylt oder entwirrt, benötigt ihr Abteilklammern und Haarclips, um die Haare zu bändigen. Zum Zusammenhalten langer Haare oder wenn ihr Zopffrisuren stylt, sind Haargummis hilfreich. Benutzt aber immer nur offene bzw. aufgeschnittene Gummis, die ihr um die Haare herumwickeln könnt, niemals geschlossene Gummiringe!

Die Grundlage für all eure Stylings, aber auch zum Aufbewahren bereits gestylter Perücken, sind Köpfe aus Styropor. Sie sollten ein Loch im Boden haben, mit dem ihr sie auf einen Ständer oder Halter stecken könnt, damit sie nicht umkippen. Perückenköpfe gibt es in verschiedenen Größen. Damit der Kopf beim Kämmen und Frisieren nicht umkippt, steckt ihr ihn auf einen Halter (dafür ist das Loch im Boden des Styroporkopfes da).

Egal ob ihr eine Perücke komplett neu stylen oder nur ein vorhandenes Styling auffrischen wollt, eine große Dose Haarspray gehört in jeden Cosplayer-Haushalt! Für die meisten Frisuren genügt ein günstiges No[1]Name-Haarspray, das mindestens „starken Halt“ verspricht. Normales Haargel ist für Perücken ungeeignet, da es mit den Fetten im natürlichen Haar reagiert. Auf Plastik hat es so gut wie keine Wirkung, es beschwert die Fasern nur.

Um eure Perücke zu waschen, nehmt entweder spezielles Perückenshampoo oder Babyshampoo.

Perücken entwirren und pflegen

Je länger die Perücke, umso schneller verknotet sie. Am schnellsten verfilzen die Haare durch Reibung, z.B. an der Kleidung. Mit ein paar einfachen Tricks könnt ihr verhindern, dass nach der Convention nur noch ein undurchdringliches Filzknäuel von eurer Perücke übrig bleibt.

  • Sprüht die Perücke immer ordentlich mit Haarspray ein, bevor ihr sie tragt.
  • Bindet lange Haare mit Bändern zusammen. Für Fotos könnt ihr die Bänder schnell entfernen.
  • Tragt keine Taschen oder Rücksäcke über der Schulter.
  • Kämmt eure Perücke auf der Convention mehrmals am Tag durch. Am besten lasst ihr euch dabei helfen.

Tipp: Überlegt euch vor dem Perückenkauf, ob ihr für euer Kostüm wirklich genauso lange Haare braucht wie der Charakter. Je höher die Qualität der Perücke, umso leichter lassen sich die Haare entwirren. Haare die Perücke hat. Wichtig ist, dass ihr das Entwirren eurer Perücke nicht zu lange aufschiebt. Sieht eure Perücke erst wie ein Filzball aus, kommt leider jede Hilfe zu spät.

Jetzt geht es ans Entwirren! Streicht zuerst mit den Fingern durch die Haare, um die Knoten aufzulösen und die Haare voneinander zu trennen. Ihr könnt als Hilfsmittel auch den abgerundeten Griff eines Kamms benutzen. Damit lassen sich Knoten noch leichter ohne Widerstand auflösen. Fasst den Kamm falsch herum an, haltet ihn locker zwischen Daumen und Zeigefinger und fahrt mit dem Griff von oben nach unten durch die Haare. Wenn ihr auf einen Widerstand trefft, „klopft“ mit dem Griff auf und ab, bis sich der Knoten von selbst löst.

Erst wenn die gröbsten Knoten gelöst sind, setzt ihr den Kamm (Strähnenkamm mit breiten Zinken) oder die Perückenbürste ein. Verwendet zum Entwirren niemals feine Kämme oder Bürsten, die für echte Haare gemacht sind. Geht beim Entwirren systematisch vor und versucht nicht, die ganze Perücke auf einmal durchzukämmen. Teilt immer eine Strähne ab, die ihr entwirren wollt, und steckt sie nach dem Entwirren zur Seite. Ihr könnt auch Bänder um die bereits entwirrten Haare binden, damit sie sich nicht gleich wieder verheddern.

Ist die Perücke stark verfilzt, beginnt jeweils bei den Spitzen und kämmt die Strähne erst dann von oben nach unten durch, wenn die Knoten in den Spitzen gelöst sind. Kaputte Fasern, die verformt oder abgeknickt sind, müsst ihr unbedingt entfernen. Sie wirken sonst wie ein Klettverschluss, an dem sich andere Haare sofort wieder verheddern! Schneidet die beschädigten Haare mit einer scharfen Schere heraus. Sind es viele, macht es mehr Sinn, die Perücke zu glätten. Dazu muss sie aber erst soweit entwirrt sein, dass die Haare frei hängen können und nicht mehr miteinander verknotet sind.

Zum Abschluss könnt ihr die Perücke noch einmal mit Conditioner einsprühen oder mit Haarspray die Frisur fixieren. Damit lockige Perücken lange schön bleiben, sprüht sie regelmäßig mit Conditioner oder Wasser ein und streicht jede einzelne Locke glatt, sodass sich abstehende Härchen wieder anlegen. Die Locken behalten ihre Form, auch wenn sie nass werden. Fixiert die Locken anschließend mit reichlich Haarspray.

Ansätze selbst knüpfen

Für Bärte, Koteletten oder wenn ihr sogar eure eigene Lacefront Wig selbst machen wollt, braucht ihr eigentlich nichts weiter als das Lace, welches eine Lacefront Wig bereits integriert hat. Benutzt bitte nicht einfach gewöhnlichen Lace-Stoff, da dieser zu wenig stabil ist, um das Gewicht von Kunsthaaren zu tragen. Perückenmacher und Maskenbildner benutzen sogenanntes Swisslace oder auch Frenchlace für den Front-Bereich ihrer Perücken. Es ist etwas fester als normaler Stoff und manchmal mit einer ganz feinen Wachsschicht bedeckt. Swisslace ist der menschlichen Kopfhaut sehr ähnlich und sehr angenehm zu tragen.

Fürs Knüpfen ist es wichtig, dass ihr eine passende Unterlage für eure Arbeit habt. Sprich: einen Perückenkopf. Selbstverständlich funktioniert es mit jeglichen Arten von Köpfen, allerdings sind Perückenköpfe aus Kork mit Segeltuchstoff überzogen für diese Art Arbeit am besten geeignet, da ihr so die einzelnen Härchen auf dem dunklen oder dem hellen Untergrund besser sehen könnt.

Wenn ihr mit einer Lacefront Wig arbeitet und ihr euch eure Vorlage bereits aufgezeichnet habt, wisst ihr ja jetzt genau, an welcher Stelle ihr Haare entfernen solltet und wo vor allem hinzugefügt werden müssen. Steckt eure Vorlage also am Perückenkopf gut fest, platziert eure Perücke genauso wie ihr sie entweder angezeichnet habt, oder wie es am Ende aussehen soll. Die Perücke wird nämlich nicht mehr bewegt, weshalb ihr sie gut feststecken solltet.

Achtet darauf, dass das Lace schön flach anliegt und keine Falten dabei entstehen! Ich persönlich fange erst damit an, die Härchen aus dem Lace zu entfernen, die ich nicht brauche. So habt ihr vor dem Knüpfen schon etwas den Weg geebnet und ihr müsst weniger Haare aus eurem Sichtfeld wegstecken.

Einen bereits geknüpften Knoten zu öffnen ohne dabei das Lace zu beschädigen, ist gar nicht so schwierig und relativ schnell gemacht. Mit einer Lichtlupe könnt ihr durch gute Sicht den Vorgang noch einmal beschleunigen. Das Einzige, was ihr tun müsst, ist mit der Nadel in die Schlaufe des Knotens zu treffen und diesen zu lockern. Wenn ihr das geschafft habt, könnt ihr an dieser Schlaufe ziehen und die Härchen folgen eurer Bewegung. So lassen sie sich einfach und vor allem ohne Schaden entfernen. Bitte nicht einfach an den Härchen zerren, um sie zu entfernen. So zurrt ihr den Knoten nur fester und sie lassen sich schwieriger entfernen. Zudem beschädigt ihr womöglich das Lace, sowie die Härchen - wenn sie denn noch ganz bleiben und nicht bereits gerissen sind.

Sobald ihr die Haare entfernt habt, die nicht in eure Form passen, folgen nun lange Stunden des Knüpfens. Es ist eine Arbeit, die eure Geduld auf die Probe stellen wird, aber es lohnt sich! Als Erstes gilt es, den Knoten zu lernen. Ich habe dazu z.B. an den Lace-Stellen geübt, die ich nicht brauche. Betrachten wir doch einmal die einzelnen Maschen des Lace selbst. Sie haben 6 Seiten - sind also Wabenförmig. Es ist euch überlassen, wie viele dieser Seiten ihr mit Härchen bestücken wollt. Je mehr Seiten ihr knüpft, desto dichter wird eure Perücke. Das Gleiche gilt für die Anzahl Härchen. Je mehr Härchen ihr für einen Knoten verwendet, umso dicker wird dann die einzelne Strähne. Aber Vorsicht! Das bedeutet auch, desto sichtbarer wird dann euer Knoten.

Ich persönlich habe gewöhnlich zwei Seiten mit einem Knötchen aus zwei bis drei Härchen versehen. Es kommt aber immer auf die Stelle an. Oftmals seht ihr später, welche Stelle für euch noch etwas zu licht aussieht. Schaut am besten bei einer bereits bestehenden Lacefront Wig nach oder wenn ihr eine verbessert, dann schaut bei den bereits geknüpften Stellen nach, wie diese gemacht wurden.

Am einfachsten ist es, wenn ihr euch von den bestehenden Härchen aus, zum Beginn eures Haaransatzes arbeitet. Zumal die Haare meist weniger dicht werden, je weiter man sich der Stirn nähert. Ich habe z.B. die letzten drei Reihen, nur noch mit zwei Härchen versehen. Aber das ist Geschmackssache.

Piekt mit eurer Nadel von der Mitte einer Masche unter der Seite, die ihr mit Härchen versehen wollt, hindurch. So, dass die Seite über eurer Nadel liegt. In eurer anderen Hand habt ihr mit einer kleinen Strähne bereits eine Schlaufe gelegt, wo ihr eure Anzahl Härchen entnehmen könnt - sprich, eine Strähne in der Hälfte umgelegt. Zu Beginn kann es hilfreich sein, erst einmal nur die Anzahl Härchen in der Hand zu halten, die ihr pro Knoten einknüpfen wollt. Es dauert natürlich länger, aber das hat mir am Anfang sehr geholfen, da ich immer zu viele Härchen auf einmal aufgenommen hatte. Hakt eure Nadel also in die Schlaufe ein und zieht die Härchen unter der ersten Seite in die Mitte der Masche durch. Eigentlich ist egal, wie viel der Strähne ihr in der Mitte durchzieht, solange ihr genug Platz für den Knoten habt. Wichtig ist, dass eure Härchen während des Vorgangs immer gespannt bleiben müssen. Haltet also das Ende eurer Härchen immer gut fest.

Nun, lasst die Schlaufe über eure Nadel gleiten, so dass ihr den Haken eurer Nadel wieder frei habt. Wickelt euren freien Haken zwei Mal um den Rest der Strähne und zieht diese dann durch eure Schlaufe, die ihr noch immer über eurer Nadel liegen habt. Zieht die Härchen solange durch die Schlaufe, bis alle durch sind - natürlich müsst ihr dabei die Enden loslassen. Dann müsst ihr das Knötchen nur noch festziehen und ihr habt es geschafft! Übt ruhig ein paar Knoten an den freien Stellen eures Lace, um sicherer zu werden. Mehr müsst ihr aber nicht über Knoten wissen.

Fertig geknüpft, lassen sich die Haare wie alle anderen an der Perücke ohne Probleme stylen. Ein großer Vorteil der geknüpften Ansatz-Variante ist, dass ihr keine Vorsicht walten lassen müsst, wie bei einem geklebten Ansatz. Ja, aber was ist denn nun besser? Es gibt einige Vor- und Nachteile auf beiden Seiten. Knüpfen ist extrem zeitaufwendig und je nach Hilfsmittel teuer. Natürlich sind das einmalige Anschaffungen, allerdings nicht «nur mal zum Ausprobieren» gedacht.

Geknüpfte Ansätze sind zwar viel aufwendiger, sehen aber sehr viel natürlicher aus. Ich für meinen Teil wäge immer nach dem Aussehen des Charakters ab. Bei Charakteren/Schauspielern aus Filmen und Serien könnte man durchaus darüber nachdenken den Ansatz zu knüpfen. Wiederum bei Anime- oder Gamecharakteren darf der Ansatz ruhig «edgy» also comic-like aussehen.

Ein anderer Aspekt ist allerdings auch die Zeit! Man hat nicht immer die Zeit, mehrere Stunden Arbeit in einen geknüpften Ansatz zu stecken. Schon gar nicht während eines Con Crunchs. Für meinen Ansatz habe ich zum Beispiel 23 Std. gebraucht. Es ist also ein Abwägen des Für und Widers. Ihr kennt nun beide Methoden, die Entscheidung liegt bei euch. Probiert doch mal beide Varianten aus!

Cosplay Guide #01 | Perücke richtig aufsetzen

tags: #Cosplay #Perücken #selber #machen #Anleitung

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen