Isotretinoin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Retinoide, ein Vitamin-A-Abkömmling, der zur Behandlung schwerer Formen von Akne eingesetzt wird. Es kann dazu beitragen, dass sich die Haut beruhigt, entzündete Stellen abheilen und neue Pickel seltener entstehen. Alle Präparate, die Isotretinoin enthalten, sind rezeptpflichtig.
Der Wirkstoff Isotretinoin gehört zu den wichtigsten Medikamenten bei Akne. Er wurde im Jahr 1982 in den USA zugelassen und wird auch heute noch erfolgreich in der Akne-Therapie eingesetzt. Isotretinoin kann innerlich und äußerlich angewendet werden und zeigt allgemein eine sehr gute Wirksamkeit. Schwangere und Stillende dürfen den Wirkstoff allerdings unter keinen Umständen einnehmen.
Bei Isotretinoin handelt es sich um ein Stereoisomer der all-trans-Retinolsäure (Tretinoin, Vitamin-A-Säure), das zur Behandlung von schweren Formen der Akne angewendet wird.
Isotretinoin wird meist über den Mund (per oral) eingenommen. Es vermindert die Talgbildung (sebostatischer Effekt), wirkt entzündungshemmend (antiinflammatorisch) und gegen Mitesser (antikomedogen).
Der Wirkstoff ist ein sogenanntes Retinoid, also ein natürlicher Abkömmling vom Vitamin A (Sammelbegriff für mehrere Verbindungen mit ähnlicher Wirkung im Körper, z.B. Retinol). Das Vitamin ist unter anderem wichtig für Aufbau und Regeneration der Haut.
Bei schweren Formen der Akne verstopfen die Poren durch eine gesteigerte Aktivität der Talgdrüsen. Diese können sich dann entzünden, was zu den typischen eitrigen Pickeln und Pusteln bei Akne-Patienten führt.
Die Zufuhr von Retinoiden wie Isotretinoin kann hier helfen: Die Wirkstoffe sorgen für ein vermehrtes Zellwachstum in den oberen Hautschichten (Epidermis). Die Hornschicht der Haut lockert sich auf, und ein "Abschälen" der Epidermis wird erleichtert. Außerdem wird die Funktion der Talgdrüsen beeinträchtigt, wodurch die Poren weniger verstopfen. Insgesamt wird die Haut von innen heraus gereinigt, das Hautbild verfeinert sich, und es treten weniger Unreinheiten auf.
In den ersten zwei Wochen der Behandlung kommt es - bedingt durch die entzündliche Umwandlung der - oft zu einer Verschlechterung des Hautbildes. Danach beginnt sich die Haut langsam und stetig zu regenerieren.
Die Hautveränderungen bei Akne sind auf eine gestörte Produktion von Horn und Talg zurückzuführen. Sowohl die Haarbälge wie auch die Ausgänge der Talgdrüsen in der Haut sind mit einer feinen Hornschicht überzogen. Eine überschießende Bildung von Hornzellen in dieser Schicht verstopft die Haarbälge und Talgdrüsengänge durch Horn (Keratin) und Hautfett (Talg) - so entstehen Mitesser (Komedonen). Talg ist zudem eine hervorragende Wachstumsgrundlage für die Bakterienart Propionibacterium acnes, die entzündliche Pickel hervorruft.
Isotretinoin ist von seiner Molekülgestalt und Wirkung verwandt mit Vitamin A. Wie dieses Vitamin reguliert auch Isotretinoin das Zellwachstum und die Entwicklung von Hautzellen zu Hornzellen. Der genaue Wirkungsmechanismus von Isotretinoin wurde noch nicht in allen Einzelheiten aufgeklärt.
Isotretinoin (13-cis-Retinsäure), ein Vitamin-A-Derivat, aktiviert nukleäre (Retinoid-)Rezeptoren und reguliert die Transkription. Dieses Retinoid der ersten Generation verringert die Proliferation, Differenzierung und Aktivität von basalen Sebozyten (Zellzyklusarrest). Gleichzeitig induziert Isotretinoin Apoptose durch einen Retinsäurerezeptor-unabhängigen Mechanismus, während es die follikuläre Keratinisierung normalisiert und die Komedogenese hemmt. Obwohl Isotretinoin kein antimikrobieller Wirkstoff ist, reduziert es effektiv die Gesamtzahl der Propionibacterium acnes-Population (auch antibiotikaresistente Arten), indem es die follikuläre Mikroumgebung verändert.
Die empfohlene Initialdosis bei der oralen Behandlung mit Isotretinoin beträgt 0,5 mg/kg KG täglich. Da das therapeutische Ansprechen und einige Nebenwirkungen dosisabhängig sind und sich von Patient zu Patient unterscheiden, ist während der Behandlung eine individuelle Dosisanpassung erforderlich.
Bei einer Anwendung auf der Haut beispielsweise in Form eines Gels gelangt nur eine geringe Menge des Wirkstoffes ins Blut. Die Wirkung ist praktisch lokal begrenzt, wodurch weniger Nebenwirkungen auftreten.
Zu den Anwendungsgebieten (Indikationen) von Isotretinoin gehören mittelschwere bis schwere Formen von Akne, die auf andere Therapiemaßnahmen nur unzureichend angesprochen haben. Je nach Schweregrad der Erkrankung wird der Wirkstoff äußerlich oder innerlich angewendet. Vor allem bei erkennbarer Vernarbung wird unter Umständen schon frühzeitig auf Isotretinoin zurückgegriffen.
In äußerlichen Zubereitungen (Cremes und Gelen) dient der Wirkstoff zur Behandlung der geringgradig bis mittelstark ausgeprägten entzündlichen und nichtentzündlichen Formen der Akne.
Zum Einnehmen wird Isotretinoin nur bei schweren Formen von Akne verordnet. Solche sind Akneknoten (noduläre Akne), Akne mit zusammenfließenden Entzündungsherden (Acne conglobata) oder Akne mit der Gefahr einer dauerhaften Narbenbildung. Der Einsatz des Wirkstoffs ist nur gerechtfertigt, wenn diese Hautbeschwerden mit äußerlichen Behandlungen und der Standardtherapie mit Antibiotika nicht zu bessern waren.
Isotretinoin kommt manchmal auch bei anderen Hauterkrankungen wie zum Beispiel Rosacaea (Kupferrose) zum Einsatz. Allerdings ist es für diese Art der Anwendung nicht zugelassen (off-label-use).
Bei leichteren Formen der Akne versucht man es zuerst mit einer äußerlichen Anwendung in Form einer Isotretinoin-Creme oder eines Gels. Das Präparat wird üblicherweise ein- bis zweimal täglich dünn auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen.
In schweren Krankheitsfällen wird Isotretinoin in Form von Weichkapseln geschluckt. Die Tagesdosis beträgt normalerweise 0,5 bis 1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Ein 70 Kilogramm schwerer Patient würde also zwischen 35 und 70 Milligramm Isotretinoin täglich einnehmen.
Zur besseren Verträglichkeit sollte der Wirkstoff zusammen mit dem Essen eingenommen werden.
Sehr häufig, das heißt bei mehr als zehn Prozent der Behandelten, ruft Isotretinoin Nebenwirkungen wie Haut- und Augentrockenheit, allergische Hautreaktionen und Rückenschmerzen hervor. Die häufigsten Nebenwirkungen sind trockene Lippen, trockene und empfindliche Haut und eine erhöhte Anfälligkeit für Sonnenbrand.
Sehr selten kann es durch die Einnahme zu Verhaltensauffälligkeiten, Sehstörungen, Verschlechterung des Hörvermögens, Atemwegserkrankungen und Magen-Darm-Beschwerden kommen. Auch Muskelschmerzen sind möglich. Isotretinoin erhöht ferner die Empfindlichkeit der Haut für Sonnenlicht und UV-Licht (Photosensibilisierung).
Einige der Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Verwendung von Isotretinoin sind dosisabhängig. Die Nebenwirkungen klingen im Allgemeinen nach Dosisänderung oder Abbruch der Behandlung ab, manche können jedoch auch nach dem Ende der Behandlung bestehen bleiben.
Israelische Dermatologen schauten sich die Inzidenz okulärer Erkrankungen bei knapp 15.000 Patienten mit einer Isotretinoin-Therapie gegen Akne an, bei ebenso vielen Aknepatienten ohne Isotretinoin sowie bei knapp 15.000 gesunden Kontrollpersonen. Dabei kam es in der Isotretinoin-Gruppe in den ersten zwölf Monaten nach Therapiebeginn bei 13,8 Prozent zu okulären Problemen. Insgesamt traten okuläre Probleme mit Isotretinoin um 70 Prozent häufiger auf als bei Personen ohne Akne. Insgesamt bestätigt die Analyse folglich die erhöhte Gefahr von okulären Erkrankungen unter einer Aknetherapie mit Isotretinoin. Erklärt wird dies mit einer Hemmung der Meibom-Drüsen.
Während der Therapie ist das Risiko, dass es zu Depressionen, Angststörungen oder Stimmungsschwankungen kommt, erhöht. Psychose bis hin zur Suizidalität beobachtet. Patienten und deren Familienangehörige hinsichtlich bestehender oder früherer psychiatrischer Erkrankungen befragt werden. ist bei jedem Kontakt auf Anzeichen von Depression, Stimmungsschwankungen, Psychose oder Aggressivität zu achten.
Im Fall übermäßiger Hautreizung sollte die Behandlung zwischenzeitlich unterbrochen und nach Abklingen der Reaktion wieder aufgenommen werden. Bei fortbestehender Reizung ist die Behandlung zu beenden - normalerweise klingen die Hautreaktionen dann wieder ab.
Achten Sie während der Therapie mit Isotretinoin auf ausreichenden UV-Schutz. Während der Behandlung mit dem Medikament ist eine intensive Sonnen- oder UV-Bestrahlung zu vermeiden. Wenn nötig, sollte ein Sonnenschutzmittel mit einem hohen Schutzfaktor (mindestens LSF 15) verwendet werden.
Sollte eine schwere Hautreaktion auftreten, muss die Therapie sofort beendet und ein Arzt aufgesucht werden, um schnell eine Behandlung einzuleiten.
Kommt es zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Sehstörungen, muss die Behandlung unverzüglich abgebrochen werden.
Das Medikament darf nur von damit erfahrenen Ärzten verschrieben werden, die eine umfassende Kenntnis der Risiken und der notwendigen Kontrollen besitzen.
In folgenden Fällen dürfen Medikamente mit Isotretinoin nicht angewendet werden:
Medikamente mit Isotretinoin dürfen nicht zusammen mit anderen Vitamin-A-Präparaten angewendet werden, da sonst die Gefahr einer Überdosierung besteht.
Die gemeinsame Einnahme mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen) oder Ciclosporin (Immunsuppressivum) verstärkt die Wirkung und Nebenwirkungen von Isotretinoin.
Isotretinoin fördert die Toxizität (Giftigkeit) von Barbituraten (z.B. Phenobarbital) und Phenytoin (Antiepileptikum). In Kombination mit Methotrexat (u.a. bei Rheuma und Krebs) kann dessen leberschädigende Wirkung steigen.
Experten empfehlen, während der Behandlung mit Isotretinoin Alkohol zu meiden.
Isotretinoin ist in der Schwangerschaft und Stillzeit absolut kontraindiziert und sollte spätestens vier Wochen vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden. Der Grund: Der Wirkstoff kann Ungeborenen großen Schaden zufügen. Deshalb müssen Patientinnen während der Behandlung unbedingt mindestens eine sichere Verhütungsmethode anwenden.
Außerdem wird Frauen im gebärfähigen Alter empfohlen, vor Behandlungsbeginn sowie während der Behandlung einmal pro Monat einen Schwangerschaftstest durchzuführen. Das Ergebnis muss vom behandelnden Arzt dokumentiert werden.
Zur Isotretinoin-Behandlung bei männlichen Patienten: In den Spermien ist praktisch kein Wirkstoff zu finden, weshalb eine schädigende Wirkung auf das Ungeborene bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr vermutlich auszuschließen ist.
Vor jeder Anwendung bei gebärfähigen Frauen wird der Arzt einen sicheren Test durchführen, um eine Schwangerschaft auszuschließen. Während der gesamten Behandlungsdauer und für mindestens einen Monat nach Behandlungsende muss eine zuverlässige Empfängnisverhütung durchgeführt werden.
Während der Behandlung mit Isotretinoin ist eine Laborüberwachung der Patienten unerlässlich. Tests bei monatlichen Besuchen sollten ein vollständiges Blutbild, Serumleberfunktion, Glukose, Kreatinkinase, Triglyceridspiegel, High-Density-Lipoproteine und Serumspiegel von β-humanem Choriongonadotropin oder einen Schwangerschaftstest im Urin umfassen.
Patienten mit Augenproblemen sollten sich zur Untersuchung an einen Augenarzt wenden. Ein Abbruch der Therapie mit dem Medikament kann notwendig sein.
Medikamente mit Isotretinoin sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig, weil die Behandlung regelmäßige ärztliche Kontrollen erfordert. Sie erhalten sie deshalb nur mit einem Rezept vom Arzt in der Apotheke.
Ein Rezept über innerliches Isotretinoin ist nur sieben statt der sonst üblichen 30 Tage gültig. Zumindest bei Frauen im gebärfähigen Alter. Genau genommen gilt es sechs Kalendertage plus den Verordnungstag. Danach darf das Rezept in keiner Apotheke mehr angenommen oder ausgeführt werden.
Patienten, die Isotretinoin eingenommen haben, dürfen während und für einen Monat nach Ende der Behandlung mit Isotretinoin kein Blut spenden. So werden Schwangere vor der Gabe Isotretinoin-haltigen Blutes geschützt.
In Österreich sind - im Gegensatz zu Deutschland und der Schweiz - zurzeit (Stand: 02.07.2021) keine lokalen Zubereitungen (z.B. Creme, Gel) im Handel.
Die folgende Tabelle fasst die häufigsten und wichtigsten Nebenwirkungen von Isotretinoin zusammen:
| Nebenwirkung | Häufigkeit | Hinweise |
|---|---|---|
| Trockene Haut und Lippen | Sehr häufig | Regelmäßige Feuchtigkeitspflege |
| Trockene Augen | Sehr häufig | Augentropfen können helfen |
| Erhöhte Lichtempfindlichkeit | Häufig | Sonnenschutzmittel verwenden |
| Rückenschmerzen | Häufig | Ärztliche Abklärung bei starken Schmerzen |
| Stimmungsschwankungen, Depressionen | Selten | Ärztliche Überwachung notwendig |
| Sehstörungen | Selten | Augenärztliche Untersuchung |
Es ist wichtig, alle potenziellen Nebenwirkungen mit dem behandelnden Arzt zu besprechen und regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung zu gewährleisten.
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