Die genetischen Ursachen natürlich blonder Haare

Natürlich blondes Haar ist ein faszinierendes Phänomen, das vor allem in Nord- und Mitteleuropa vorkommt. Doch was steckt wirklich hinter dieser seltenen Haarfarbe? Die Wissenschaft hat begonnen, die genetischen und evolutionären Ursachen zu entschlüsseln, die zu blondem Haar führen.

Verteilung von blondem Haar in Europa

Die genetische Mutation

Forscher haben herausgefunden, dass blondes Haar durch eine einzige DNA-Base verursacht wird, die im Erbgut ausgetauscht wurde. Catherine Guenther vom Stamford Medical Center und ihre Kollegen haben in Experimenten mit Mäusen nachgewiesen, dass dieser eine ausgetauschte Buchstabe tatsächlich die Basis für das blonde Haar bildet - und auch wie genau dies passiert. Diese Mutation senkt die Aktivität eines weit entfernten Gens, des sogenannten KITLG-Gens. Als Folge wird dieses KITLG-Gen in den Haarfollikeln um rund 20 Prozent weniger oft abgelesen, die Menge des dadurch produzierten Proteins sinkt leicht. Das erscheint nicht viel, diese geringe Abnahme reicht aber offensichtlich schon aus, um die Haarfarbe deutlich zu verändern: Die Mäuse mit dieser Mutation bekamen helles statt braunes Haar.

Diese Entdeckung erklärt, warum blondes Haar beim Menschen so selten ist und fast nur bei Nord- und Mitteleuropäern vorkommt. Unsere aus Afrika stammenden Vorfahren waren mit Sicherheit dunkelhaarig und eher dunkelhäutig. Die helle Haarfarbe muss sich daher nach der Besiedelung Europas ausgebildet und im Norden verbreitet haben.

Evolutionäre Vorteile in der Eiszeit

Wie sich die Haarfarbe in der Eiszeit so schnell in Europa ausbreiten konnte, war bisher ein Rätsel. Eine Theorie besagt, dass blondes Haar und leuchtend blaue Augen bei Frauen als Reaktion auf Nahrungs- und Männermangel entstanden sind. Gegen Ende der Eiszeit hätten sich blondes Haar und leuchtend blaue Augen bei Frauen als Reaktion auf Nahrungs- und Männermangel herausgebildet, glauben Forscher der renommierten Universitäten St. Andrew's und Glasgow. Denn bei bitterkalten Temperaturen in der Eiszeit litten die Menschen in Nordeuropa Hunger; auf Nahrungssuche stürzten sie sich in immer gefährlichere Großwildjagden, bei denen viele Männer den Tod fanden. Diese missliche Lage habe einen "starken Druck der sexuellen Selektion" ausgelöst, sagt der Leiter der Studie, der kanadische Anthropologe Peter Frost.

"Ein mögliches Ergebnis war das Auftreten ungewöhnlicher Farbeigenschaften der Haare." Ihre außergewöhnliche Haarfarbe brachte den Blondinen offenbar bessere Chancen auf Fortpflanzung. Nur so könne er sich erklären, warum sich blondes Haar, ursprünglich eine seltene genetische Mutation, in einer vergleichsweise kurzen Zeit in Nordeuropa ausgebreitet habe, sagte Frost. Eine separate Untersuchung nordeuropäischer Gene an drei japanischen Universitäten stützt Frosts These: Nach Angaben der britischen Tageszeitung "Times" kamen die japanischen Forscher zu dem Schluss, dass vor etwa 11.000 Jahren die genetische Mutation einsetzte, die zur Herausbildung blonder Haare in Nordeuropa führte.

Auch Frosts Kollege John Manning von der Central Lancashire-Universität hält den damaligen Männermangel für den Grund, warum "Haar- und Augenfarbe in anderen Teilen der Welt eher einförmig sind, während es in Europa viele Variationen gibt".

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Die komplexe Genetik der Haarfarbe

Die Vererbung der Haarfarbe ist komplex und noch immer nicht vollständig verstanden. Verantwortlich für die Haarfärbung ist das Pigment Melanin. Von dem Farbstoff gibt es zwei Varianten: das dunkle Eumelanin und das helle Phäomelanin. Je nachdem, in welchem Mengenverhältnis die beiden Pigmente gebildet werden, nehmen die Haare unterschiedliche Farbtöne zwischen hellblond und schwarz an.

Molekularbiologen der Erasmus-Universität Rotterdam schätzen, dass mehr als zehn Gene Einfluss auf die Haarfarbe haben. Da jeder Mensch von jedem Gen ein mütterliches und ein väterliches Exemplar besitzt, ergeben sich zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten und eine entsprechende Vielfalt an Farbtönen.

Ein einzelnes Gen, das für blonde Haare verantwortlich ist, gebe es nicht, sagt Harder. „In unseren Studien konnten wir feststellen, dass drei kleine Genveränderungen in einer bestimmten Kombination, sehr häufig bei blonden Menschen vorkommen.“ Diese Genvarianten können aber auch im Erbgut von Schwarzhaarigen vorhanden sein. Wenn sie von Vater und Mutter auf die Kinder übertragen werden, ist der Nachwuchs blond.

Vererbung von Haarfarben

Kulturelle Bedeutung und moderne Trends

Blond sticht unter den Haarfarben heraus und hat eine lange Kulturgeschichte, in der blond für etwas Außergewöhnliches und besonders Gutes steht. Im 20. Jahrhundert hat vor allem der klassische Hollywood-Film die Blondsymbolik erweitert. Marilyn Monroes Karriere nahm Fahrt auf, als sie begann, sich die Haare blond zu färben. Sie gilt als Archetyp der blonden Sexbombe und trug maßgeblich zur kulturellen Aufladung der Haarfarbe bei.

Blondierte Haare symbolisieren genetische Überlegenheit, glaubt die US-Soziologin Tressie McMillan Cottom. Nur zwei Prozent der Erwachsenen weltweit haben von Natur aus blondes Haar. Deutlich mehr Menschen tragen ihre Haare aber blond. "Wir haben eine lange Kulturgeschichte, in der blond für etwas Außergewöhnliches und besonders Gutes steht", so Junkerjürgen weiter.

Haarfarben und Krebsrisiko

Laut Fachleuten sind moderne Haarfarben nicht krebserregend. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) besteht jedoch bei Anwendung der heute in Deutschland verfügbaren chemischen Haarfarben kein erhöhtes Krebsrisiko.

Die Europäische Kosmetikverordnung regelt bei kosmetischen Mitteln alle Anforderungen an die Produkte, die verpflichtend für die Hersteller sind. Das betrifft auch Haarfarben. Dies soll die Sicherheit von Kosmetika über ein mögliches Krebsrisiko hinaus sicherstellen. Teil der Verordnung sind beispielsweise umfangreiche Listen von Stoffen, die in Kosmetika verboten sind (Negativlisten) und von Stoffen, die erlaubt sind (Positivlisten). Fachleute überprüfen diese Listen fortlaufend.

Sicherheitsaspekte von Pflanzenhaarfarben

Reine Henna- oder Indigo-Haarfarben bewerten Experten als sicher. Aber nicht alle pflanzlichen Haarfarben enthalten ausschließlich diese Pflanzenfarbstoffe: Es gibt Produkte, die zusätzlich Pflanzenschutzmittel oder chemische Färbestoffe enthalten können, die gesundheitsschädlich sein können.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
Aspekt Details
Genetische Ursache Mutation im KITLG-Gen reduziert dessen Aktivität
Evolutionärer Vorteil Sexuelle Selektion in der Eiszeit begünstigte blonde Haare
Melanin Verantwortlich für die Haarfärbung
Kulturelle Bedeutung Blond steht für Außergewöhnliches und Gutes
Krebsrisiko Moderne Haarfarben sind laut BfR nicht krebserregend

tags: #blonde #haare #natur #ursachen

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