Zahlreiche Biotin-Produkte versprechen, zur Gesundheit von Haut, Haaren und Nägeln beizutragen. Doch was steckt wirklich dahinter? Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von Biotin, die wissenschaftliche Studienlage, Anwendungsgebiete und potenzielle Risiken.
Einfach ausgedrückt: Biotin (auch als Vitamin H bekannt) ist ein wasserlösliches Vitamin, das zur B-Vitamin-Familie gehört. Es ist eines vieler komplexer Vitamine, die unserem Körper dabei helfen, die aufgenommene Nahrung in Nährstoffe und Energie umzuwandeln. Biotin hilft nicht nur bei der Energieumwandlung, sondern ist auch hervorragend für unsere Haare, Haut und Nägel geeignet. Das Wort "Biotin" leitet sich von dem griechischen Wort "biotos" ab, was übersetzt "Leben" bedeutet. Das macht Sinn, denn Biotin spielt eine entscheidende Rolle bei den Körperprozessen, die uns am Leben erhalten.
Biotin ist ein Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine. Es wird auch Vitamin B7 oder Vitamin H genannt. Es ist Bestandteil einiger wichtiger Enzyme im Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel. Zusätzlich ist es beim Zellwachstum beteiligt und sorgt für ein gesundes Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln. Es ist auch für die richtige Funktion und die Aufrechterhaltung von Schleimhäuten, Talgdrüsen, Nervengewebe und Blutzellen wichtig.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat zwei gesundheitsbezogene Werbeaussagen als bewiesen bewertet: "Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haut bei" und "Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haare bei". Diese Health Claims wurden von der EU mit der Verordnung (EU) 432/2012 zugelassen.
Biotin ist an der Herstellung von Keratin beteiligt - der wichtigsten Grundsubstanz der Haare. Zusätzlich ist es ein wichtiger Hilfsstoff im Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel. Biotin wirkt beim Zellwachstum und bei der Biosynthese von DNA und Proteinen mit. Ein Biotinmangel kann daher zu Haarausfall und vermindertem Haarwachstum führen - genau wie ein Vitaminmangel.
Die Genehmigung gesundheitsbezogener Aussagen zu Biotin bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Biotin-Produkte eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Die EFSA weist deutlich darauf hin, dass die Biotin-Aufnahme in der Bevölkerung ausreichend ist. Somit ist von einer zusätzlichen Aufnahme keine weitere Wirkung auf Haut oder Haare zu erwarten.
Anders sieht es aus, wenn Biotin als Arzneimittel verkauft wird. Für hochdosierte Arzneimittel muss eine Wirkung belegt sein. Bei einem klinisch nachgewiesenen Biotin-Mangel oder auch bei erblich bedingter Stoffwechselerkrankung (multipler Carboxylasemangel) ist der Biotinbedarf erhöht.
Frühere veterinärmedizinische Untersuchungen zeigten, dass Biotin zur Härtung der Hufe bei Nutztieren führte. Aufgrund dessen wurden versuchsweise Behandlungen von brüchigen Nägeln sowie sprödem und ausfallendem Haar bei Menschen durchgeführt. Durch sehr hohe Biotin-Gaben (2,5 mg /Tag) nahm die Nageldicke nachweislich zu und auch die Nageloberfläche verbesserte sich. Da es jedoch keine wissenschaftlichen Studien zur niedrigen Dosierung gibt, konnten entsprechende gesundheitsbezogene Werbeaussagen von der EFSA nicht bewertet und demzufolge auch von der EU nicht zugelassen werden.
Da Biotin in vielen Lebensmitteln steckt, tritt ein Biotin-Mangel in der Regel nur sehr selten auf.
In aller Regel kann über die Nahrung ausreichend Biotin aufgenommen werden. Ein Mangel ist deshalb extrem selten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für gesunde Erwachsene die tägliche Aufnahme von 30 bis 60 Mikrogramm Biotin. Säuglinge benötigen etwa fünf bis zehn Mikrogramm pro Tag. In der Schwangerschaft und Stillzeit ist der Bedarf nicht erhöht.
Der überwiegende Teil des Biotins wird über die Nahrung aufgenommen. Aber auch die Bakterien der Darmflora können Biotin herstellen, was vermutlich in gewisser Menge vom Körper verwertet wird. In der Regel kann das für den Körper notwendige Biotin problemlos über die Nahrung aufgenommen werden.
In der Regel ist es problemlos möglich, den Bedarf an Biotin über die Nahrung zu decken. Bei einem nachgewiesenen Biotinmangel oder genetischen Defekten im Biotinstoffwechsel kann es notwendig sein, Biotin als Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen.
Trotzdem ist es in der Regel kein Problem, ausreichend Biotin aufzunehmen, da es andererseits in sehr vielen Nahrungsmitteln vorkommt. Die wichtigsten Biotin-Lieferanten sind Pfifferlinge, Steinpilze und Rinderleber.
Kürbiskerne sind reich an Zink und essenziellen Fettsäuren. Brokkoli gilt als Superfood für die Haare, weil es viele verschiedene für die Haargesundheit wichtige Stoffe enthält. Mangos enthalten reichlich Vitamin A, C, E und Folsäure.
Viele Biotin-Produkte, die ein gesundes Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln versprechen, werden mit Zink oder Selen und mit Kieselerde angeboten. Für Zink und Selen ist eine Aussage zum „Erhalt normaler Nägel" zulässig, wodurch auch die Werbung auf dem Produkt erlaubt ist - allerdings muss sie sich auch klar auf diese Nährstoffe beziehen. Durch diesen juristischen Trick dürfen Kombinationspräparate rechtmäßig beworben werden.
Nahrungsergänzungsmittel enthalten zurzeit Tagesdosen, die mitunter weit über 150 µg Biotin liegen. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) empfahl 2019, die Produktinformationen von Arzneimitteln mit ≥ 150 µg Biotin um Hinweise zu Wechselwirkungen und Warnhinweise zu ergänzen.
Durch die Einnahme von Biotin werden Labortests verfälscht. Dadurch kann es sowohl zu falsch positiven als auch zu falsch negativen Ergebnissen kommen. Davon sind insbesondere Untersuchungen der Schilddrüsenhormone, der Sexualhormone und Herz-Kreislauf-Marker wie Troponin (bei Herzinfarkten) betroffen. Falls Sie ein biotinhaltiges Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder kürzlich eingenommen haben, sollten Sie dies bei der Blutabnahme unbedingt angeben.
Das BfR empfiehlt Herstellern, auf biotinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln einen Hinweis anzubringen, dass das Laborpersonal vor dem Labortest über die Biotineinnahme informiert werden muss. Da Biotin hauptsächlich über den Urin ausgeschieden wird, kann es bei Menschen mit Nierenproblemen zu höheren Biotin-Konzentrationen im Blut kommen. Dies erhöht das Risiko von Wechselwirkungen. Das BfR weist darauf hin, dass bei einer Hochdosis-Biotin-Therapie besondere Vorsicht bei Patienten mit Niereninsuffizienz, Neugeborenen, Kindern und Schwangeren geboten ist.
Viele Anwender berichten von positiven Erfahrungen mit Biotin-Präparaten wie Priorin Kapseln zur Stärkung von Haaren und Nägeln. Die Erfahrungen sind jedoch subjektiv und nicht immer wissenschaftlich belegt.
Einige Erfahrungsberichte:
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirkung von Biotin-Präparaten individuell unterschiedlich sein kann und nicht bei jedem Anwender die gleichen Ergebnisse erzielt werden.
Auf dem Markt sind mehrere biotin-haltige Shampoos erhältlich. Die Hersteller werben damit, dass es die Haare griffiger und geschmeidiger machen und das Haarwachstum verbessern und beschleunigen soll. Ein wissenschaftlich nachgewiesener Effekt als Mittel gegen Haarausfall besteht jedoch nicht. Zudem dringt Biotin als wasserlösliche Substanz kaum in die Hornschicht der Haare oder durch die Kopfhaut ein.
Viele topische Biotin-Behandlungen enthalten jedoch die Vorteile von Vitamin H zusammen mit anderen hilfreichen Proteinen wie Keratin, die helfen können, Spliss und Bruch zu reduzieren.
Neben Biotin gibt es zahlreiche weitere Substanzen, die für das gesunde Haarwachstum essenziell sind. Auch zahlreiche Spurenelemente sind wichtig. Für eine schöne Haarpracht ist es wichtig, auf eine gesunde Ernährung zu achten, die dem Körper alle wichtigen Stoffe zuführt.
Die Studienlage zu Biotin und seiner Wirkung auf Haut und Haare ist schwach, und die Bedingungen sind teils fragwürdig. Biotin kann einen Beitrag zum Erhalt normaler Haut und Haare leisten. Die festigende Eigenschaft bei Nägeln bleibt wissenschaftlich unbelegt. Da Biotin in vielen Lebensmitteln steckt, tritt ein Biotin-Mangel in der Regel nur sehr selten auf. Biotin kann Laborwerte verfälschen.
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