Haare: Mehr als nur Hornfäden – Ein umfassender Überblick

Ein Haar (lateinisch pilus, capillus) ist ein langer Hornfaden, der auf der Haut von Säugetieren wächst. Alle Säugetiere tragen auf ihrer Haut zumindest teilweise Haare, wobei die Schleimhäute immer unbehaart sind. Mit wenigen Ausnahmen ist die gesamte äußere Haut des Menschen behaart.

Rasterelektronenmikroskopie eines Menschenhaars mit einer Dicke von ca. 80 µm.

Die Zusammensetzung der Haare

Haare bestehen im Wesentlichen aus Keratin, einem Protein. Die am Aufbau der Haare beteiligten Substanzen bestehen hauptsächlich aus den Elementen Kohlenstoff (50 %), Sauerstoff (23 %), Stickstoff (17 %), Wasserstoff (6 %) und Schwefel (4 %). Unter normalen Bedingungen hat menschliches Haar einen Wasseranteil von 10 %, der seine mechanischen Eigenschaften erheblich beeinflusst. Je nach Feuchtigkeit der umgebenden Luft kann der Wasseranteil über Diffusion von Wasserdampf auf über 30 % ansteigen. Andererseits wirkt Haar wasserabstoßend, weil insbesondere auch die äußere Cuticula Lipide wie Fette, Fettsäuren, Sphingolipide und Steroide enthält.

Die Struktur des Haares

Ein Haar besteht aus der Haarwurzel (Radix pilii) und dem Haarschaft (Scapus). Der in die Haut versenkte Teil des Haares wird als Haarwurzel bezeichnet. Der Haarschaft liegt in einer länglichen Einstülpung der Oberhaut, dem Haarfollikel oder Haarbalg (Folliculus pili). Hier eine detaillierte Auflistung der einzelnen Schichten:

  • Cuticula (Schuppenschicht): Die äußerste Schicht besteht aus flachen, übereinandergreifenden, verhornten, abgestorbenen Zellen. Sie besteht aus sechs bis zehn solcher Zelllagen.
  • Cortex (Rinde): Macht ca. 80 % des Haaranteils aus. Der Cortex besteht aus Faserbündeln, die aus einer großen Zahl feinster Keratinfasern, den Fibrillen, bestehen.
  • Medulla (Mark): In wenigen Fällen, und dann auch nur bei dicken Haaren, fällt eine starke Auflockerung der Faserstruktur im Zentrum des Haares auf.

Eine Kategorisierung von Haartypen.

Der Haarzyklus

Haare wachsen in Zyklen, ein Haarfollikel durchläuft dabei mehrere Phasen, die als Haarzyklus bezeichnet werden. Die Stärke des Wachstums hängt von individuellen Faktoren sowie vom Zeitpunkt im Haarzyklus ab.

Die Phasen des Haarzyklus sind:

  • Anagenphase (Wachstumsphase): In dieser Phase bildet sich eine neue Haarwurzel, und die Produktion eines Haares beginnt. Sie dauert beim menschlichen Kopfhaar ca. zwei bis sechs Jahre.
  • Katagenphase (Übergangsphase): In dieser etwa 2 bis 3 Wochen dauernden Phase stellt die Matrix ihre Zellproduktion ein und der Haarfollikel verengt sich im unteren Bereich. Das Haar löst sich von der Papille und verkümmert.
  • Telogenphase (Ruhephase): Mit dieser Endphase, in der sich bis zu 18 % der Kopfbehaarung befindet, erneuert sich die Haarpapille und der Haarfollikel regeneriert sich. Dieser Abschnitt dauert 2 bis 4 Monate.

Hier ist eine Tabelle, die die verschiedenen Phasen des Haarwachstums zusammenfasst:

Phase Dauer Beschreibung Anteil der Haare
Anagenphase 2-6 Jahre Neue Haarwurzel bildet sich, Haarproduktion beginnt 85-90%
Katagenphase 2-3 Wochen Zellproduktion stoppt, Haarfollikel verengt sich 1%
Telogenphase 2-4 Monate Haarpapille erneuert sich, Haarfollikel regeneriert sich 13%

Funktionen der Haare

Das Fell hat in der Tierwelt eine große Bedeutung. Für Säugetiere sind Haare oftmals sogar überlebenswichtig. Die Funktionen von Fell und Haaren sind sehr vielfältig. Hier eine Auflistung der wichtigsten Funktionen:

  • Wärmedämmung: Haare verhindern ein zu rasches Abkühlen des Körpers.
  • Tasten: Durch Nervenfasern am Haarbalg dienen die Haare dem Tastsinn.
  • Tarnung: Die Behaarung oder das Fell besitzt meist Farbpigmente und bestimmt das Aussehen eines Tieres.
  • Feuchtigkeitsschutz: Gegen Regen und beim Schwimmen, durch Ableiten des Wassers in Richtung des Haarstriches, in Kombination mit Einfetten.
  • Verbreitung von Duftstoffen: Bessere Verbreitung von körpereigenen Duftstoffen.

Haarfarbe

Melanine sind für die Haarfarbe verantwortlich. Eumelanin bestimmt dabei Töne von Braun bis Schwarz. Phäomelanin ist für blonde bis rote Haare farbbestimmend. Das Dilute-Gen ist für graue bis isabellfarbene Haarfarben verantwortlich. Bei Menschen mit Albinismus sind die Haare aufgrund des Fehlens von Melaninen weiß bis hellblond.

Der UV-Anteil im Sonnenlicht kann, insbesondere bei Einwirkung von Salzen (z. B. im Meerwasser) und Sauerstoff, das Melanin bleichen. Ähnliche Farbtöne werden beim Blondieren mit Wasserstoffperoxid erzielt.

Haaranalyse und Trichogramm

Bei Verdacht auf strukturelle Schäden der Haare oder zur Abklärung eines Haarausfalls wird ein Trichogramm angelegt. Dazu werden mit einer Pinzette 50 bis 100 Haare ausgezupft (nachdem drei Tage lang nicht gewaschen und nur vorsichtig gekämmt wurde). Unter dem Mikroskop werden anschließend die Haarwurzeln beurteilt und den einzelnen Wachstumsphasen zugeordnet.

Normalwerte:

  • Anagenhaare: 85 Prozent
  • Katagenhaare: 1 %
  • Telogenhaare: 13 %

Seit einigen Jahren wird häufig anstelle des Trichogramms ein Computertrichogramm durchgeführt. Dabei werden in einem kleinen Areal die Haare gekürzt und nach zwei Tagen mit einer Kamera aufgenommen.

Haare in der Forensik

Haare gehören zu den biologischen Fasern, die am weitesten verbreitetet sind. Relevanz hat ihre Untersuchung unter anderem für die Aufklärung von Diebstahl, Wildunfällen im Rahmen der Versicherungsregulierung, die Untersuchung von Zollvergehen / Wilderei aber auch Kriminaldelikte wie Mord.

Fragen, die geklärt werden sind:

  • Handelt es sich tatsächlich um ein Haar oder eine Pflanzen- oder Textilfaser?
  • Von welcher Körperregion stammt das Haar?

Jede Säugetierspezies besitzt Haare mit charakteristischen Merkmalen wie Länge, Farbe und Wurzelstruktur sowie spezifischen morphologischen Merkmalen. Unter dem Lichtmikroskop sind Haare eine umfassende Quelle für Informationen, da das Licht als Informationsträger die genannten Strukturen durchdringen kann.

Die Struktur von Mark und Kutikula der Haare ist streng tierartspezifisch. Sie erlaubt daher auch eine sichere Unterscheidung zwischen Mensch und Tier. Als Kriterien zur genauen Speziesbestimmung dienen die Struktur der Markzellen, Markdicke, der Markstrahl, die Anzahl der Markzellschichten sowie das Dickenverhältnis von Haarmark zu Haarrinde.

Haartypen und ihre Kategorisierung

Die Kategorisierung von Haartypen hilft nicht nur bei der Auswahl der richtigen Pflegeprodukte, sondern auch beim Verständnis der individuellen Herausforderungen, die jeder Haartyp mit sich bringt. Es gibt vier Haupttypen, die noch weiter unterteilt werden. Die Farbe spielt dabei keine Rolle.

Typ 1: Glattes Haar, das in Typ 1a (sehr glatt), 1b (gerade mit etwas Volumen) und 1c (gerade mit einer leichten Welle) unterteilt wird.

Typ 2: Welliges Haar, das in Typ 2a (leichte Wellen), 2b (definiertere Wellen) und 2c (kräftige Wellen, die fast lockig sind) unterteilt wird.

Kategorisierung von Afrohaar: Typ 3a bis 4c

  • Typ 3a: Lockiges Haar mit S-förmigen Locken, die groß und leicht definiert sind.
  • Typ 3b: Dichtes lockiges Haar mit federnden, mittleren Locken.
  • Typ 3c: Sehr lockiges Haar mit kleineren, engen Locken, die einen Korkenzieher-Look haben.
  • Typ 4a: Sehr enge Locken, die eine S-Form aufweisen.
  • Typ 4b: Diese Haare haben eine Z-förmige Krümmung, sind oft weniger definiert und sehr trocken.
  • Typ 4c: Kraus und stark gewunden ohne erkennbare Lockenmuster.

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