Berühmte Persönlichkeiten mit Schnurrbart: Eine Hommage an markante Gesichter

Der Bart ist zurück! Wem das eine Neuheit ist, dürfte die nuller Jahre irgendwo zugebracht haben, wo es keinen Lonely Planet gibt.

Inzwischen ist der Hipster-Moustache zu einer Karikatur geworden, wird auf Tassen und T-Shirts verkauft, ein wohlfeiles Emblem, das seinen Träger selbst zur Karikatur werden lässt.

Die Geschichte kennt den Bart-Mann unter vielen Namen. Auf den allermeisten Darstellungen wird der Nazarener mit Bart gezeigt. Auch Dschingis Khan war ein Mann des Bartes.

Sein Stil hieß Demokratenbart und galt nach der Revolution von 1848/49 zunächst noch als Ausweis obrigkeitsfeindlicher Gesinnung.

Der Kaiserbart, wie er vom deutschen Wilhelm und vom österreichischen Franz Joseph (beide Kaiser, beide „der Erste“) getragen wurde, war eine Masse die Wangen aufplusternden Gesichtshaares, dazu ein gewaltiger Schnauzer.

Das wir gegenwärtig dennoch in der Lage sind, uns derartige Bärte in natura anzusehen, ist der organisierten Bartbewegung zu verdanken.

Sie treffen sich jedes Jahr zu nationalen und internationalen Meisterschaften.

Am Wochenende findet in Leinfelden-Echterdingen, einer 35.000-Seelen-Gemeinde im Schwäbischen, die bereits elfte Bartweltmeisterschaft statt, mit Teilnehmern aus 19 Nationen.

Angetreten wird in drei Hauptkategorien:

  1. Schnurr-, Schnauz- oder Oberlippenbart
  2. Kinn- und Backenbart
  3. Vollbart

Jede Hauptkategorie ist in genau definierte Unterkategorien aufgeteilt. Die Beschaffenheit eines jeglichen Bartes ist genauestens definiert. Wo und wie lang darf der Bart angewachsen sein? Wie genau hat er auszusehen? Welche Hilfsmittel sind erlaubt (z. B. Draht, Bartlack, Haarspray).

Da gibt es den Kaiserliche Schnauzbart, den Schnauzbart Naturale, den Schnauzbart Ungarisch, den Schnauzbart Englisch. Und es gibt einen Schnauzbart namens Dali.

In seiner Autobiografie postuliert Salvatore Dali, dass er „sogar im Schnurrbart Nietzsche übertreffen will! Mein Bart soll nicht deprimierend, katastrophisch, erdrückt von Wagner-Musik und Nebel sein. - Nein! Er soll dünn, imperialistisch und ultrarationalistisch sein und in den Himmel zeigen wie der vertikale Mystizismus.“

Wie nun solch vertikaler Mystizismus zu erlangen sei, steht genauestens in den Vorschriften der Bartbewegung: „Schmal, lange Spitzen im Bogen oder steil nach oben gerichtet. Die Haare dürfen nur bis zum Ende der Oberlippe angewachsen sein. Hilfsmittel sind erlaubt.“

Weitere Kategorien sind - politisch ganz unkorrekt - der Chinese (gerne auch Dschingis-Khan- oder Fu-Manchu-Bart genannt), der Musketier, der Kaiserliche Backenbart, der Vollbart Naturale, der Vollbart mit gestyltem Oberlippenbart, der Garibaldi und der Verdi.

Neben den beschriebenen Unterkategorien gibt es jeweils noch eine für transfinite Mannigfaltigkeiten (vulgo: Freistil), in der alle von diesen vorgegebenen Kategorien abweichenden Bärte bewertet werden.

Zudem gibt es eine neue Kategorie, die des Trend-Bartes, ein Umstand, der zweifelsfrei dem Wiedererstarken des Bartgedankens in der Jugend geschuldet ist.

Verschiedene Schnurrbart-Stile

In den Wettbewerben wird allerdings nicht nur der jeweilige Bart bewertet, sondern der Gesamteindruck, den ein Bartmann macht. Wie passt der Bart zu der Persönlichkeit und wie drückt sich die Persönlichkeit in der Wahl der Bekleidung aus?

Kein Wunder also, dass eine Bartweltmeiterschaft einem seltsamen Karneval ähnelt.

Es wimmelt nur so von Männern in echten oder Fantasieuniformen, in religiösen Gewändern oder historisierenden Kostümen.

Musketierbartträger kleiden sich gerne als - logisch - Musketiere, „stilecht“ bis hin zum Degen, oder als - bizarr mit Bäffchen in purpur- Kardinal Richelieu, von dem es meist auch mehrere gibt.

Was es nicht gibt, sind bärtige Damen. Obwohl es historisch korrekt wäre und sicher auch im Sinne der Gleichberechtigung, kommt die Bartlady nicht vor, jedenfalls nicht offiziell.

Der Chaplin-Bart wird in der Kategorie Oberlippenbart nicht erwähnt. Das mag damit zusammenhängen, dass der - neben Chaplin - berühmteste Träger dieser Art von Bart Adolf Hitler war.

Die New York Times schrieb 1907: "German Women resent Toothbrusch-mustache and its usurpation of the Kaiserbart."

Es ist bemerkenswert, das derselbe Bartstil von einem der lustigsten Menschen des 20. Jahrhunderts getragen wurde und zugleich von einem der bösesten.

Chaplin hatte sich den Bart im Jahr 1914 einfallen lassen, für seine Figur des kleinen Tramps. Da war er 25 Jahre alt und wollte älter aussehen. 1940, als er in Der große Diktatorden Hitler spielte, trug er den Bart zum letzten Mal.

Denn Hitler starb ja nicht einfach, er verschwand, und nicht mal eine Leiche blieb zurück. Was allerdings blieb, war der Bart.

Der Hitlerbart wurde zur Essenz der Existenz Hitlers, die besondere Bartform und ihr Träger wurden eins und untrennbar, der Bart wurde der Mann.

Der Hitlerbart ist die wirkungsmächtigste Anordnung von Gesichtsbehaarung, die die Welt je gekannt hat.

Es gibt übrigens eine exotische Verhaltensstörung mit dem Namen Pogonophobie. Darunter versteht man die Angst vor Bärten, Bartträgern oder sogar dem eigenen Bartwuchs.

Popstars, Filmfiguren und junge Kerle von nebenan tragen wieder Schnäuzer.

Warum gilt der lange belächelte Oberlippenbart im Jahr 2024 als sexy? Und welchen Typ bevorzugen Style-Experten?

Doch diese Männer von gestern dürften kaum der Grund sein, warum das kleine Bärtchen über dem Mund nach Jahren des Hypes um den Hipster-Vollbart derzeit wieder angesagt ist.

Junge Kerle lassen sich 2024 gern Oberlippenflaum stehen, auch Popstars fallen damit auf, etwa der 21-jährige amerikanische Nummer-eins-Hit-Popsänger Benson Boone ("Beautiful Things") und die wilden Twens und Eurovision-Song-Contest-Favoriten Joost Klein aus den Niederlanden ("Europapa") und Baby Lasagna aus Kroatien ("Rim Tim Tagi Dim").

"Ich finde, dass ein Bart oft attraktiver aussieht als ein ganz glattes Gesicht, insbesondere bei sonst eher weichen Konturen wie bei mir", sagt der Mittvierziger Jan aus Hamburg.

"Andere Bartformen als ein Moustache funktionieren bei mir aber nicht", meint er. "Die sehen bei meinem sehr spärlichen Wuchs albern aus."

In den 80ern war der Chevron-Bart (ein breiter Streifen, der die gesamte Oberlippe bedeckt und zum Mund hin abgewinkelt ist) en vogue - und ein Inbegriff von (chauvinistischer) Männlichkeit: Man denke an "Magnum"-Serienstar Tom Selleck, Queen-Frontmann Freddie Mercury, Hollywood-Star Burt Reynolds oder "Schimanski"-Darsteller Götz George.

Auf der anderen Seite galten Fußballer mit Schnäuzer oder der Schriftsteller Günter Grass mit seinem Walrossbart nicht gerade als Herren mit dem coolsten Look.

Ein Schnauzbart kann sehr verschieden wirken: von der sympathischen Serienfigur "Ted Lasso" (Jason Sudeikis) bis zum durchtriebenen Drogenbaron Pablo Escobar.

Es gibt außerdem Schnurres-Träger wie "Bares für Rares"-Kopf Horst Lichter und Ex-Höhner Henning Krautmacher oder einst den gezwirbelten Bleistiftbart bei Salvador Dalí.

Da fungierte der auffällige Bart quasi auch als Statement - als Symbol für einen selbstbewussten Typ von nebenan.

Bart WM

In jüngerer Zeit fielen etwa die Rapper Apache 207 und Lil Nas X mit Oberlippenbart auf, der DJ und Musikproduzent Purple Disco Machine, Dschungelcamp-Liebling Fabio Knez sowie Film- und Serienstars wie Paul Mescal, Jude Law, Ewan McGregor, Johnny Depp, Jacob Elordi und Florian David Fitz.

Lächerlich statt lässig auszusehen, ist eine weitverbreitete Angst im Kontext vom Schnäuzer, der manchmal verächtlich auch Rotzbremse, Pornobalken oder Schenkelbürste genannt wird.

In jüngeren Generationen gilt der sogenannte Schnurri jedoch keineswegs als cringe, sondern als sexy - egal, ob man Männer oder Frauen, Heteros oder Homos fragt.

Beliebt ist auch der Stubble Moustache (Stoppelbart/Dreitagebart mit Schnäuzer).

Der Oberlippenbart hat also Oberwasser - und das eben nicht nur im "Movember" genannten November, wenn sich Tausende Männer weltweit als Solidaritätszeichen für Männergesundheit einen Moustache wachsen lassen.

Die "New York Times" führte aus: "Der Schnurrbart ist maskulin, aber auch verspielt - in einer Welt, die es ohnehin mag, mit Gender-Styles zu spielen." Gender meint im Unterschied zum biologischen Geschlecht die soziokulturelle Geschlechterrolle.

Schnäuzer sehe man hierzulande seit dem letzten Jahr öfter, sagt Antonio Weinitschke, Art Director beim Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks.

Für das Revival nennt Weinitschke mehrere Gründe. "In der Mode erleben wir gerade mal wieder ein wenig die 80er - frisurentechnisch, klamottenmäßig - etwa mit Schulterpolstern oder locker sitzenden Bundfaltenhosen. Und da gehört der Oberlippenbart einfach mit dazu."

"Und in der Jugend trägt man halt diesen Oberlippenbart, weil das der erste Bartwuchs ist, den man bekommt", sagt Friseurmeister Weinitschke in Aachen. "Dann geht's vielleicht mit Mühe und Not ein bisschen am Kinn weiter."

An kaum einem männlichen Schönheits-Accessoire scheiden sich die weiblichen Geister so sehr wie am Schnäuzer.

Anlässlich Freddie Mercurys 25. Todestag haben wir eine Galerie mit den berühmtesten Schnauzbartträgern zusammengestellt.

Die Mutter der gepflegten Gesichtsbehaarung wird oft als Modeerscheinung verschrien, dabei überzeugt der Schnurrbart seit Jahrhunderten als das natürlichste Accessoire für den Mann von Welt.

Auch auf der Leinwand konnte das gewisse Etwas zwischen Nasenflügel und Oberlippe so einige popkulturelle Meilensteine setzen.

Schnauzer, Rotzbremse und Pornobalken: Für die schönsten Schnurrbärte der Film- und Fernsehgeschichte einfach weiterscrollen.

Die 10 besten Schnauzer der TV- und Filmgeschichte:

  1. Charlie Chaplin in 'Modern Times'
  2. Dennis Hopper als Billy in 'Easy Rider'
  3. Tom Selleck als Magnum
  4. Marlon Brando als Don Vito Corleone in 'Der Pate'
  5. Sasha Baron Cohen als Borat
  6. Sam Eliott als The Stranger in 'The Big Lebowski'
  7. Will Ferrell als Ron Burgundy in 'Anchorman'
  8. Rami Malek als Freddie Mercury in 'Bohemian Rhapsody'
  9. Ned Flanders in 'Die Simpsons'
  10. Danny Trejo als Machete Cortez in 'Machete'

Ehren-Award: Mel Brooks als Präsident Skroob/Joghurt in 'Spaceballs'

Natürlich gilt das nicht nur für das Haupthaar.

Bevor jeder Mann, der in halbwegs brauchbaren Mengen Testosteron produziert, sich einen Bart stehen ließ (der Schuldige für diesen Trend ist schätzungsweise: Marcus Mumford), haben Musiker mit Bart für Meilensteine gesorgt und das Fell ums Kinn genutzt, um eine Aura wahlweise von Wildheit, Weisheit oder Ursprünglichkeit zu verbreiten.

Dreitagebärte (sorry, Robin Thicke), Schnauzer (sorry, Musikschaffende der 1970er Jahre) und selbstverständlich Goatees (die sowieso verboten gehören) reichen natürlich nicht aus, um sich für diese Ehrenhalle der Gesichtsbehaarung zu qualifizieren.

Hier also: Die 30 besten Sänger mit Bärten, geordnet nach ihrer Bärtigkeit.

Damit das Ganze auch ordentlich fundiert ist, habe ich die Bärte auch noch nach ihrer Funktion befragt.

Der Typ ist halt schüchtern. Er versteckt sich gerne, vor allem sein Gesicht. Oben ist eine Mütze aus Wolle, unten bin ich.

Viele glaben ja, ich sei hier aus optischen Gründen. Um den Michael mehr wie Marvin Gaye aussehen zu lassen. Das ist Quatsch. Ich wärme von oben seine Stimmbänder vor, damit der Gesang noch grandioser wird.

Hast du mal das Kinn vom Curtis gesehen? So markant, so männlich?

Ich bin hier einfach als Gegengewicht.

Allah hat gewollt, dass ich hier bin, sagt der Cat/Yussuf. Oben Glatze, unten ich - das macht mich natürlich besonders stolz.

Früher mochte mich der Kris, weil er dank mir so seriös aussah.

Der Angus ist ein Naturbursche. Er trägt gerne auch mal Hut. Er mag die Siebziger.

Ich wachse, bis ZZ Top den Benji endlich aufnehmen als viertes Mitglied.

Also hat der Bonnie wohl beschlossen, sich den Mund zuwuchern zu lassen.

Marx, Nostradamus, Fidel Castro: Große Geister haben schon immer Bart getragen.

Am liebsten sitzt der Steve auf der Veranda und wundert sich über Amerika.

Der William ist ein ganz Introvertierter.

tags: #berühmte #menschen #mit #schnurrbart #liste

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