Blasenkrebs als Berufskrankheit: Zusammenhang mit dem Friseurhandwerk und anderen Risikofaktoren

Das Harnblasenkarzinom ist nach Prostatakrebs die zweithäufigste urologische Krebsart. Blasenkrebs gilt meist als Erkrankung der späteren Lebensabschnitte, von der Männer mit einem Anteil von rund 75 Prozent an den knapp 30.000 Neuerkrankungen pro Jahr weit häufiger betroffen sind als Frauen. Bei der Erkrankung gehen bösartige Zellveränderungen aus der Schleimhaut der Harnblase hervor. Eindeutige Symptome gibt es bei Blasenkrebs nicht, auch Schmerzen treten eher selten auf. Blut im Urin sollte aber immer ärztlich abgeklärt werden.

Krebszellen vermehren sich, verdrängen gesundes Körpergewebe und breiten sich im Körper aus. Geht der Krebs von bösartig veränderten Zellen der Harnblase aus, lautet der Fachbegriff Harnblasenkarzinom. Blasenkrebs wird häufig erst entdeckt, wenn Krankheitszeichen wie Blut im Urin oder Schmerzen beim Wasserlassen auftreten.

Risikofaktoren für Blasenkrebs

Das Risiko für Blasenkrebs steigt durch Rauchen, bestimmte Medikamente und häufige Blasenentzündungen. Doch auch der Beruf kann krank machen: Besonders gefährdet für Blasenkrebs sind Beschäftigte im Maler- und Friseur-Handwerk sowie in Textil- und Chemieunternehmen oder im Straßenbau.

Rauchen

Wer raucht, riskiert nicht nur an Lungen-, sondern auch an Blasenkrebs zu erkranken. Rauchende haben ein circa 6-fach erhöhtes Risiko, Blasenkrebs zu entwickeln. Das Rauchen wird bei Männern für circa 50 Prozent und bei Frauen für circa 30 Prozent der Harnblasenkarzinome als mitverantwortlich angesehen. Schätzungsweise 50 Prozent aller Neuerkrankungen von Harnblasenkrebs lassen sich auf die Giftstoffe im Tabak zurückführen.

Der Grund: Die im Rauch enthaltenen krebserregenden Substanzen (Karzinogene) nimmt der Körper über das Blut auf und scheidet sie über die Nieren wieder aus. So wandern sie mit dem Urin in die Blase, wo sie bis zur Ausscheidung verweilen. Dort können sie ihre schädigende Wirkung entfalten.

Blasenkrebs Risikofaktoren: Die häufigsten Ursachen des Harnblasenkarzinoms

Berufliche Belastung

Nach dem Rauchen ist die berufliche Belastung mit potenziell krebserregenden Substanzen mit einigem Abstand der zweitgrößte Risikofaktor für Blasenkarzinome. Am stärksten gefährdet sind demnach Arbeitende, die mit chemischen Verfahren, Gummi oder Farbstoffen in Berührung geraten.

Zu den krebsverursachenden Stoffen gehören z. B. Anilinfarben, Benzidine, chlorierte Kohlenwasserstoffe und Aldehyde. Chemische Verbindungen, besonders die sogenannten aromatischen Amine, können gefährlich für den menschlichen Körper sein. Sie gelten als eindeutig krebserregend und zählen zur höchsten Gefahrenstufe. Doch nicht jeder Mensch, der in den entsprechenden Brachen tätig ist, kommt täglich damit in Kontakt. Nur in bestimmten Branchen kommen diese Stoffe häufig zum Einsatz. Die chemische Industrie fertigt damit beispielsweise Farb- und Kunststoffe. Aber auch in Friseurchemikalien können aromatische Amine beispielsweise genutzt werden. Außerdem kommen sie in Teer und Pech vor. Bei bestimmten industriellen Prozessen, wie etwa in Gießereien, bilden sich ebenfalls aromatische Amine.

Was viele nicht wissen: Von dem Zeitpunkt, an dem eine betroffene Person Kontakt mit einem krebserregenden Stoff hatte, bis hin zur Krebsentstehung können einige Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen.

Weitere Risikofaktoren

Schon seit längerem vermuten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Medizin, dass es auch Medikamente geben könnte, die die Blase schädigen können. Dazu gehören neben Chemotherapeutika auch bestimmte Wirkstoffe, die gegen die Zuckerkrankheit eingesetzt werden oder in manchen Schmerzmitteln vorkommen. Heute werden sie als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Doch da es Menschen mit Diabetes gibt, denen bisher kein anderes Arzneimittel hilft, sind entsprechende Medikamente weiterhin zugelassen.

Als mögliche Auslöser für Blasenkrebs kommen chronische Blasenentzündungen in Betracht, die beispielsweise durch Tragen eines Katheters entstehen. Eine chronische Entzündung der Blasenschleimhaut kann das Risiko erhöhen, an Blasenkrebs zu erkranken. Sie entsteht, wenn lange Jahre Reize auf die Blase einwirken, die zu einer Entzündung führen. Ein Beispiel sind Blasensteine oder nicht behandelte Infektionen.

Forschende haben beobachtet, dass Kinder von Blasenkrebsbetroffenen ein erhöhtes Risiko haben, selbst einmal an Blasenkrebs zu erkranken: Je jünger der betroffene Elternteil zum Zeitpunkt der Erkrankung war, desto größer ist das Risiko für dessen Kinder, im Laufe des Lebens an Blasenkrebs zu erkranken.

Blasenkrebs als Berufskrankheit anerkennen lassen

Schon seit 1937 können Schleimhautveränderungen, Krebs oder andere Neubildungen der Harnwege durch aromatische Amine als Berufskrankheit Nr. 1301 anerkannt werden. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), dem Spitzenverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und der Unfallkassen, belegte sie zwischen 1978 und 2010 mit insgesamt 1945 anerkannten Fällen die dritte Stelle der häufigsten beruflich verursachten Krebserkrankungen, hinter Tumorerkrankungen durch Einwirkung von Asbest oder ionisierenden Strahlen.

Die Anerkennung von Blasenkrebs als Berufskrankheit hat auch finanzielle Auswirkungen auf die Unterstützung von Betroffenen - beispielsweise in Form von Reha-Maßnahmen oder Ausgleichszahlungen. Der Antrag kann beim gesetzlichen Unfallträger gestellt werden. Bei einem begründeten Verdacht gibt es Unterstützung dabei von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

In der jüngsten Liste der Berufskrankheiten der BAuA vom August 2017 werden unter der Nummer 1321 „Schleimhautveränderungen, Krebs oder andere Neubildungen der Harnwege durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis“ geführt. PAK, die in Kohle und Erdöl natürlich vorhanden sind und ansonsten durch die unvollständige Verbrennung organischer Materialien entstehen, werden inhalativ und über die Haut aufgenommen.

Besonders Teer aus Steinkohle ist sehr PAK-haltig, weshalb seine Verwendung seit Mitte der 1980er-Jahre immer stärker eingeschränkt und reglementiert wurde. Die Zahl der Branchen und Tätigkeiten, die mit der Einwirkung von PAK auf die Mitarbeiter konfrontiert sind, ist lang. Allein in der wissenschaftlichen Begründung zur Berufskrankheit 1321 werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales drei Dutzend genannt - von Abbruchbetrieben und Aluminiumindustrie, über Gummi-, Metall- und Mineralölindustrie bis zu Straßenbau und der Textilindustrie.

Behandlungsmöglichkeiten bei Blasenkrebs und mögliche Nebenwirkungen

In einer unter der Federführung der DGU erstellten Patientenleitlinie wird über empfohlene Untersuchungen zur Diagnose von Blasenkrebs und über Möglichkeiten der Behandlung in allen Ausbreitungsstadien detailliert aufgeklärt.

Neue, verbesserte Operationstechniken haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass unerwünschte Nebenwirkungen nach einer Entfernung der Blase und der Nachbarorgane bei Blasenkrebs geringer geworden sind. Ganz vermeiden lassen sie sich allerdings nicht.

Infektionen

Nach der transurethralen Resektion (TUR) von Blasenkrebs kann es zu Infektionen der Harnwege kommen, so dass eine Behandlung mit Antibiotika notwendig wird. Auch im Anschluss an die Blasenentfernung kommt es bei manchen Betroffenen zu Infektionen der Harnwege, die mit Antibiotika behandelt werden müssen. Fadenreste an der Vereinigungsstelle von Ersatzblase und Harnröhre, eine zunächst unkoordinierte Blasenentleerung oder der bis zur Wundheilung eingelegte Dauerkatheter sind dafür verantwortlich. Nachdem der Katheter entfernt wurde, können Sie kurzfristig die typischen Symptome einer Reizblase verspüren, das heißt, Sie müssen häufig zur Toilette, obwohl nur wenige Tropfen kommen.

Urinkontrolle

Mit einer Neoblase müssen Sie neu lernen, den Urin zu kontrollieren; es fehlt Ihnen zum Beispiel das typische Gefühl dafür, dass die Blase voll ist. Sie werden vielmehr eher ein Druckgefühl im Unterbauch verspüren. Am günstigsten entleeren Sie die Neoblase im Sitzen. Da eine Ersatzblase keinen eigenen Muskel hat, der die Entleerung steuert, müssen Sie nachhelfen, indem Sie mit dem Bauch pressen. Nach einiger Zeit werden Sie sich daran gewöhnt haben. Bis die Blase ganz leer ist, kann es etwas länger dauern als vorher.

Tipp: Die Urinkontrolle wird schneller wieder erreicht, wenn Sie regelmäßig Beckenbodengymnastik machen. Fragen Sie Ihren Arzt nach einer Anleitung. Ein solches Training und ein Training des Blasenschließmuskels durch ausgebildete Fachkräfte gehören auch zu den Rehabilitationsmaßnahmen nach der Operation.

Etwa jeder dritte Betroffene mit einer Ersatzblase muss im Laufe der Zeit eine - wenn auch meist kleinere - zweite Operation auf sich nehmen, bei der Komplikationen (meistens Abflusstörungen) behoben werden.

Inkontinenz

Ein Problem ist das Harnträufeln (Inkontinenz) bei Betroffenen mit Blasenkrebs, die eine Ersatzblase bekommen haben. Es tritt häufig in Stresssituationen auf oder auch nachts, wenn die Muskulatur entspannt oder die Blase überfüllt ist. Es hilft, wenn Sie die Blase auch in der Nacht regelmäßig entleeren. Ein solches Wasserlassen nach der Uhr kann verhindern, dass die Ersatzblase zu voll wird und Sie unabsichtlich Urin verlieren.

Auch bei einer Pouch-Ersatzblase fehlt Ihnen das typische Gefühl der vollen Blase. Da die Ersatzblase keinen eigenen Muskel hat, der für die Entleerung sorgt, müssen Sie den Umgang mit einem Katheter lernen. Sie werden außerdem lernen, nach welcher Trinkmenge es Zeit für Sie ist, die Blase zu entleeren. Tröpfeln oder Undichtheiten können hauptsächlich durch eine überfüllte Blase auftreten. Ausgebildete Fachkräfte (Stomatherapeuten) werden Sie bei der Handhabung unterstützen.

Wichtig: Achten Sie darauf, dass Sie die Blase in der ersten Phase nach der Operation alle drei bis vier Stunden entleeren. Mit der Zeit wird die Ersatzblase immer mehr Urin aufnehmen können. Allerdings sollten Sie nicht mehr als 500 bis 600 Milliliter Urin speichern.

Das Darmgewebe, aus dem die Ersatzblase angelegt wurde, behält die Eigenschaft, Schleim zu bilden. Es ist daher normal, wenn Ihr Urin ein wenig trüb oder flockig aussieht. Sollten Sie das Gefühl haben, dass sich der Schleim verfestigt, hilft es, wenn Sie ausreichend trinken; Preiselbeersaft ist empfehlenswert. Auch hier berät Ihr Urologe Sie gerne.

Bei der inkontinenten Harnableitung können hauptsächlich Beschwerden beim Stoma auftreten, zum Beispiel Narben oder Entzündungen.

Spezifische Nebenwirkungen bei Männern und Frauen

Da zusammen mit der Harnblase auch Teile der inneren Geschlechtsorgane entfernt werden, ergeben sich bei Männern und Frauen Nebenwirkungen, die nicht nur körperlich, sondern auch psychisch belastend sind.

Spezifische Nebenwirkungen bei Männern

Durch die Entfernung der Prostata ist bei Männern häufig die Gliedversteifung beeinträchtigt (erektile Dysfunktion). Erhalten bleiben natürlich die sexuelle Lust und auch das Gefühl bis hin dazu, einen Orgasmus erleben zu können. Für die gestörte Versteifungsfähigkeit des Gliedes sind Nervenstränge verantwortlich, die rechts und links an der Prostata entlanglaufen, und zwar so dicht, dass es schwierig ist, diese Nerven bei der Operation zu schonen. Daher wird heute Betroffenen, die dafür geeignet sind, eine prostatasparende Blasenentfernung angeboten.

Kam es früher bei fast allen Betroffenen zu einer dauerhaften Erektionsstörung, so lässt sich die Potenz heute manchmal erhalten. Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht.

Möglichkeiten, eine gestörte Erektion zu verbessern:

  • Medikamente in Tablettenform: Lassen Sie sich von Ihren Arzt beraten, in welchem Zeitabstand nach der Operation Sie die Mittel einnehmen dürfen.
  • Medikamente, die der Betroffene selbst unmittelbar in die Schwellkörper spritzt oder in die Harnröhre einbringt. Sie kommen in Frage, wenn Tabletten versagen. Auch hier weiß Ihr Arzt Rat.
  • Eine Vakuumpumpe, die auf den Penis aufgesetzt wird, erzeugt durch das Vakuum einen Blutstau im Penis und somit eine Versteifung. Ein Gummiring, der an der Penisbasis angebracht wird, erhält die Erektion aufrecht.
  • Schwellkörperimplantate stehen als weitere Möglichkeit zur Verfügung, allerdings nur, wenn alle zuvor genannten Maßnahmen nicht erfolgreich waren oder wenn der Betroffene sie nicht wünscht.

Hinweis: Für welche Möglichkeiten Sie sich letztlich entscheiden, sollten Sie auch gemeinsam mit Ihrer Partnerin / Ihrem Partner überlegen.

Spezifische Nebenwirkungen bei Frauen

Wurden einer Frau bei der Operation von Blasenkrebs die Eierstöcke mit entfernt und haben diese noch regelmäßig Hormone produziert, stellen sich unmittelbar nach dem Eingriff die typischen Wechseljahrbeschwerden ein. Dazu gehören Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme. Diese Beschwerden lassen bei den meisten Frauen im Laufe der Zeit nach oder verschwinden ganz. Sie lassen sich jedoch auch durch die Einnahme von Hormonpräparaten lindern. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob für Sie die Einnahme solcher Hormone in Frage kommt.

Junge Frauen mit Blasenkrebs, deren Gebärmutter bei der Operation entfernt wurde, können keine Kinder mehr bekommen. Die Scheide kann durch den chirurgischen Eingriff enger oder kürzer werden, so dass es zu Beeinträchtigungen beim Geschlechtsverkehr kommen kann.

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