Der Trend zum Nicht-Rasieren der Beine: Eine wachsende Bewegung

In den letzten Jahren hat sich ein bemerkenswerter Trend entwickelt: Immer mehr Frauen entscheiden sich bewusst dafür, ihre Beine nicht zu rasieren. Was einst als rebellische Aussage galt, wird zunehmend zu einer akzeptierten und sogar gefeierten Entscheidung. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe dieses Trends, die Gründe für seine Entstehung und die vielfältigen Perspektiven, die damit verbunden sind.

Der Wandel der Schönheitsideale

Lange Zeit galt glatte, haarlose Haut als Schönheitsideal, insbesondere bei Frauen. Die Rasur der Beine wurde als selbstverständliche Routine betrachtet, ohne die man kaum gesellschaftlich akzeptiert wurde. Doch diese Vorstellung gerät zunehmend ins Wanken.

Wie wahrscheinlich der Großteil der jungen Frauen habe ich mit viel zu jungen 14 Jahren angefangen, mir regelmäßig die damals noch feinen goldenen Beinhaare abzusäbeln. Müsste man mal ausrechnen, was die Rasierklingen-Industrie in den vergangenen Jahren an mir verdient hat. Alles begann damit, dass mich eine ältere Freundin mit ehrlicher Empörung fragte, ob ich mich nicht rasiere. Kurze Zeit später begann ich damit.

Die Ursprünge heutiger Haarfeindlichkeit liegen Anfang des 20. Jahrhunderts, als Extremitäten unter kürzer werdenden Kleidern hervortraten - wobei sich die flächendeckende Rasur hierzulande ab Ende der 80er durchsetzte. Es ist wohl kein Zufall, dass damals die Frauenbewegung alter Schule Deutungsmacht an den Girl-Feminismus verlor. Das Ideal der aalglatten Frau Seither gelten aalglatte Frauen, an denen sich Kleinelektroindustrie und Kosmetikbranche dumm und dämlich verdienen, als Ideal, sehen Mädchen - wie die US-Wissenschaftlerin Susan Basow heraus fand - die Rasur als natürliche Pflicht (Rasierpickel, Schnitte und Frieren unter der Dusche inklusive), wollen Männern lieber an Frauenbeinen abgleiten denn sich in ihrem Bewuchs festkrallen.

Inzwischen liegt mein Sinneswandel fast drei Jahre zurück. Und im Moment bin ich guter Dinge, dass ich mir meine Willensstärke auch für den nahenden Frühling bewahre. In 20 Jahren will ich das nicht mehr aus Prinzip machen, sondern auch ab und zu mal zum Rasierer greifen. Aber meistens nicht. Ich will, dass mein Sohn weiß, wie Frauenbeine aussehen und das nicht eklig findet.

Gründe für den Trend

Es gibt verschiedene Gründe, warum sich Frauen gegen die Rasur entscheiden:

  • Befreiung von Schönheitszwängen: Viele Frauen empfinden die Rasur als lästige Pflicht, die Zeit und Geld kostet. Sie wollen sich von den gesellschaftlichen Erwartungen befreien und selbst bestimmen, wie sie aussehen möchten.
  • Akzeptanz des Körpers: Der Trend zum Nicht-Rasieren ist eng mit der Body-Positivity-Bewegung verbunden. Frauen lernen, ihren Körper so zu akzeptieren, wie er ist, mit all seinen vermeintlichen "Makeln".
  • Feministische Perspektiven: Einige Frauen sehen die Rasur als Unterwerfung unter patriarchale Schönheitsideale. Sie wollen ein Zeichen setzen und für mehr Gleichberechtigung kämpfen.
  • Gesundheitliche Aspekte: Die Rasur kann zu Hautirritationen, eingewachsenen Haaren und anderen Problemen führen. Viele Frauen verzichten darauf, um ihre Haut zu schonen.

Ich habe meine Achseln seit mehr als drei Jahren nicht mehr rasiert. Nicht als politische Aussage. Und auch nicht, weil ich faul bin. Es liegt nicht einmal daran, dass ich gegen jahrhundertelange restriktive, auf den männlichen Blick zugeschnittene Schönheitsstandards kämpfe oder der millionenschweren Beauty-Industrie den Mittelfinger zeige. Sicherlich ist die Befürwortung von Körperhaaren mit diesen Dingen verbunden - aber meine unmittelbaren Absichten sind weit weniger belastet.

Ich war damals auf Reisen in Lateinamerika und ich habe mich dazu entschieden, eine Challenge zu machen: vier Wochen keine Enthaarung. Daraus wurden schnell sechs Monate. 18. Und warum ist dir das so wichtig?Ich finde es so wichtig, weil diese Haare ein Teil von mir sind und ich es abnormal finde, dass ich und andere weiblich gelesene Personen lernen, in den Spiegel zu schauen und ihre Körperbehaarung eklig zu finden. Oder sich nicht zu erlauben, ins Schwimmbad zu gehen, weil sie sich nicht rasiert oder enthaart haben - warum ist das normal?

In weniger willensstarken Zeiten hielten mich Bücher von Margarete Stokowski, Sandra Konrad und Mareike Fallwickl bei der Stange. Oder auch das gelegentliche Scrollen durch die Social-Media-Profile von Arvida Bystrom oder Molly Soda. Aber ich habe auch diese schwachen Momente. Vor dem Nachmittag am See mit vielen Freunden. Vor einem wichtigen Jobgespräch. Ja, ab und zu hab ich gekniffen und eine Leggins drübergezogen.

Man muss das haarige Bein nicht schön finden, aber die Selbstsicherheit, mit der es in Stuttgart wie Weimar getragen wird, ist wahnsinnig attraktiv. Tatsächlich hat die haarlose Dame Tradition. Schon im antiken Griechenland entfernten Menschen ihren Pelz, um sich von den barbarischen Völkern abzugrenzen.

Soziale Reaktionen und Akzeptanz

Obwohl der Trend zum Nicht-Rasieren zunimmt, sind die Reaktionen in der Gesellschaft unterschiedlich. Einige Menschen reagieren mit Unverständnis oder sogar Ekel, während andere die Entscheidung respektieren oder sogar begrüßen.

Als ich Freundinnen von meinem Schritt erzählte, vielen die Antworten schon anders aus. „Ja gut, du hast aber auch blonde Haare, das sieht man ja kaum.“ oder „Ich hab meine Haare auch gerade zwei Wochen wachsen lassen. Weil ich nächste Woche ein Waxing hab. Hat mich auch null gestört.“ und „Echt, das könnte ich nicht. Für mich ist rasieren auch so ein Um-Mich-Kümmern.“ Ich war zugegeben etwas enttäuscht. Ich hatte mir mehr „Gemeinsam-Gegen-Bescheuerte-Schönheitsideale“-Spirit erhofft. Aber gut.

Die Journalistin Maja Fiedler schrieb dieses Jahr, sie rasiere nicht mehr, damit ihr Sohn „weiß, wie Frauenbeine aussehen und das nicht eklig findet“.

Ich möchte mir die Freiheit nicht nehmen lassen, keinen BH zu tragen oder mich nicht zu rasieren, nur weil mir von außen suggeriert wird, dass es falsch ist. Aber grundsätzlich ist es einfach ärgerlich. Es ist ärgerlich, als Frau sexualisiert zu werden, nur weil ich Nippel habe und das bei einer männlich gelesenen Person einfach nicht so ist. Wir müssen das Problem an der Wurzel packen - die Lösung kann nicht sein, dass sich alle Frauen einen BH anziehen müssen. Wir müssen uns fragen, warum sich Menschen das Recht herausnehmen, andere Körper zu beurteilen, zu objektifizieren oder zu sexualisieren.

Es begann damit, dass ich überhaupt erst mal registrierte, dass sämtliche Frauen um mich herum ihre Beine rasierten. Die glänzende nackte Wade, die an der Ampel bei der Fahrradfahrerin vor mir unter der Hose aufblitzte. Die Freundin, die mit dickem Babybauch kaum noch in ihre Schuhe kam, aber betonte, Beine rasieren, das müsse sein. Die beiden Anfang 40-Jährigen, die am Rande eines Sportwettkampfes von ihrer Laserbehandlung schwärmten. Ja, es sei schrecklich teuer, aber tue kaum weh und sei es absolut wert gewesen. Selbst die hippe Bekannte, die in ihrem Bad eine Postkarte mit nackten Menschen in allen Formen und Farben mit Haaren in allen Formen und Farben ausstellte, trug ihre Beine blank.

Im Büro trug ich erst mal lange Hosen und keine Sandalen. Man hätte ja Haare hervorsprießen sehen können. Aber mit der Zeit wurde ich nachlässiger. Dann scannte ich die Blicke auf mich und brachte mich in Angriffsstimmung. Blieb jemand an meinem Beinhaar hängen? Der würde was zu hören bekommen! Aber nichts.

Als Adidas mit der behaarten Künstlerin Arvida Byström warb, erzählte diese, Männer hätten ihr Vergewaltigung angedroht. Trotzdem gehen Frauen in die Öffentlichkeit:

Trotzdem gehen Frauen in die Öffentlichkeit: Die Journalistin Maja Fiedler schrieb dieses Jahr, sie rasiere nicht mehr, damit ihr Sohn „weiß, wie Frauenbeine aussehen und das nicht eklig findet“.

Es ärgert Rebecca Chelbea, dass ein paar Haare an den Beinen einer Frau so eine riesige Sache sind. Auf Instagram möchte sie für andere Frauen ein Vorbild sein - es ihnen leichter machen, ihren Körper so zu akzeptieren, wie er ist.

Tabelle: Umfrage zur Haarentfernung im Intimbereich in Deutschland (2021)

Altersgruppe Haarentfernung im Intimbereich Komplette Haarentfernung
Gesamt 58% 65%
18-29 Jahre 76% -

Die Instagram-Kampagne #januhairy ruft seit einigen Jahren im besagten Wintermonat dazu auf, die Gunst der Winter-Woll-Stunde zum eigenen Fellwuchs auszunutzen - eine Idee, die nicht nur vielen Frauen zu einem ersten Kennenlernen mit ihrem eigenen Körperhaar verhilft, sondern zumeist mit einsetzendem T-Shirt- und Rock-Wetter ein jähes Ende findet.

#pithairdontcare, #hairywomanaresexy heißen die Schlachtrufe von meist jungen Frauen, die die ewige Glätterei nicht mehr mitmachen wollen.

Haare am Körper? Nein, Danke! titelt eine Umfrage, laut derer 90 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer dem Haarwuchs "eine deutliche Absage erteilen."

Rasieren oder nicht? Warum Frauen sprießen lassen

Letztlich geht es nie um die Haare. Es geht darum, den eigenen Körper frei zu gestalten, ohne sich an patriarchale Ideale anzupassen. Und das darf natürlich weiterhin ein glatt gewachster Venushügel sein.

Selbst die hippe Bekannte, die in ihrem Bad eine Postkarte mit nackten Menschen in allen Formen und Farben mit Haaren in allen Formen und Farben ausstellte, trug ihre Beine blank.

Ich war damals auf Reisen in Lateinamerika und ich habe mich dazu entschieden, eine Challenge zu machen: vier Wochen keine Enthaarung. Daraus wurden schnell sechs Monate. 18. Und warum ist dir das so wichtig?Ich finde es so wichtig, weil diese Haare ein Teil von mir sind und ich es abnormal finde, dass ich und andere weiblich gelesene Personen lernen, in den Spiegel zu schauen und ihre Körperbehaarung eklig zu finden. Oder sich nicht zu erlauben, ins Schwimmbad zu gehen, weil sie sich nicht rasiert oder enthaart haben - warum ist das normal?

tags: #Beine #nicht #rasieren #Trend

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