Chemotherapie ohne Haarausfall: Liste und Möglichkeiten

Haarausfall ist eine der bekanntesten und gefürchtetsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Viele Menschen verbinden mit dieser Behandlung den Verlust ihrer Haare. Doch nicht jede Chemotherapie führt zwangsläufig zu Haarausfall. Es gibt verschiedene Faktoren, die beeinflussen, ob und in welchem Ausmaß es zu Haarverlust kommt. Glücklicherweise gibt es auch Möglichkeiten, den Haarausfall zu reduzieren oder sogar zu verhindern.

Die Chemotherapie ist zwar eine sehr wirksame Krebsbehandlung, zum Beispiel bei Brustkrebs, kann aber mit verschiedenen Nebenwirkungen einhergehen. Diese können unterschiedliche Organe und Gewebe betreffen. Die Art, Häufigkeit und Ausprägung der Nebenwirkungen können individuell sehr verschieden sein. Viele fragen sich, welche Chemo am „schlimmsten“ ist. Pauschal lässt sich das nicht beantworten.

Infografik zu Nebenwirkungen der Krebstherapie. Quelle: Deutscher Krebsinformationsdienst

Faktoren, die Haarausfall beeinflussen

Mehrere Faktoren spielen eine Rolle, wenn es um das Risiko von Haarausfall während einer Chemotherapie geht. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) nennt folgende Punkte:

  • Darreichungsform: Ob das Medikament direkt ins Blut über die Vene gegeben wird.
  • Dosierung: Hohe Dosen an Medikamenten, die in kurzen Abständen verabreicht werden.
  • Art der Medikamente: Bestimmte Medikamente wirken besonders auf die schnell teilenden Zellen (darunter fallen auch Haarzellen).
  • Medikamentenkombinationen: Verschiedene Zytostatika-Medikamente, die miteinander kombiniert werden.
  • Genetische Veranlagung: Die individuelle genetische Veranlagung des Patienten.

Medikamente und Haarausfall

Nicht jedes Zytostatikum verursacht automatisch Haarausfall. Einige Medikamente sind eher dafür bekannt, während andere seltener zu diesem Problem führen. Hier eine Liste von Zytostatika, bei denen Patientinnen und Patienten sehr häufig, gelegentlich oder selten ihre Haare verlieren:

Häufigkeit Zytostatika
Sehr häufig (betrifft mehr als 1 von 10 Behandelten) Cyclophosphamid, Daunorubicin, Doxorubicin, Epirubicin, Etoposid, Docetaxel, Ifosfamid, Irinotecan, Paclitaxel, Topotecan, Vindesin, Vinorelbin
Gelegentlich (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen) Amsacrin, Bleomycin, Busulfan, Cytarabin, 5-Fluorouracil, Gemcitabin, Lomustin, Melphalan, Thiotepa, Vinblastin, Vincristin
Selten (kann bis zu 1 von 1000 Behandelten betreffen) Capecitabin, Carboplatin, Carmustin, Cisplatin, Fludarabin, 6-Mercaptopurin, Methotrexat, Mitoxantron, Procarbazin, Raltritrexed, Streptozotocin

Kühlhauben zur Reduzierung des Haarausfalls

Eine Möglichkeit, den Haarausfall während der Chemotherapie zu reduzieren, ist die Verwendung von Kühlhauben. Mithilfe von Kühlhauben wird die Kopfhaut auf 19 bis 20 Grad heruntergekühlt, wodurch die Blutgefäße enggestellt und die Durchblutung der Kopfhaut somit reduziert werden.

Die Anwendung dieser Kopfhautkühlung hat sich als wirksame Methode zur Bekämpfung des Haarausfalls unter Chemotherapie bewährt. Die Kälte soll die Durchblutung der Kopfhaut vermindern und dafür sorgen, dass weniger Zytostatika in den Haarwurzeln ankommen. So soll der Haarverlust weniger gravierend ausfallen.

Die Wirksamkeit von Kühlhauben ist jedoch noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Manche onkologischen Praxen bieten Kühlhauben aber an. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Fragen Sie am besten vorher nach. Eine Anwendung kostet ungefähr 100 Euro.

Kühlhaube gegen Haarausfall. Quelle: Westdeutsches Zentrum für Hochdosistherapie

Weitere Tipps zur Kopfhaut- und Haarpflege

Unabhängig davon, ob Sie Kühlhauben verwenden oder nicht, gibt es weitere Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Ihre Kopfhaut und Haare während der Chemotherapie zu schonen:

  • Achten Sie auf Inhaltsstoffe: Verwenden Sie milde Shampoos und vermeiden Sie Produkte mit reizenden Inhaltsstoffen. Produkte mit Oliven- oder Mandelöl wirken beruhigend auf die Haut.
  • Waschen Sie Ihren Kopf nicht zu häufig: Bevorzugen Sie lauwarmes Wasser und tupfen Sie ihn anschließend nur trocken.
  • Weiche Bürste verwenden: Verwenden Sie eine weiche Bürste zum Kämmen der verbliebenen Haare (z.B. eine Babybürste).
  • Besondere Belastungen vermeiden: Vermeiden Sie Föhnen, Färben oder Dauerwelle.
  • Tragen Sie eine Kopfbedeckung: Halten Sie den Kopf mit einer Mütze warm, wenn es draußen kühler wird.

Denken Sie ebenfalls daran, dass auch die Augenbrauen und Wimpern besonderer Pflege bedürfen. Da während der Chemo- und/oder Strahlentherapie das Risiko für Infektionen und Blutungen erhöht ist, sollten Sie beim Abschminken von Augen- und sonstigem Make-Up noch vorsichtiger und sorgfältiger vorgehen als sonst.

Viele Frauen kaschieren den Haarverlust mit Perücke, Mützen, Schals oder Tüchern. Auch ganz ohne eine Kopfbedeckung auszukommen, ist eine Möglichkeit. Nach dem Ende der Chemotherapie wachsen die Haare wieder nach, manchmal ein bisschen anders als zuvor.

Weitere Nebenwirkungen der Chemotherapie und wie man damit umgeht

Neben Haarausfall gibt es noch weitere häufige Nebenwirkungen der Chemotherapie. Hier sind einige davon und Tipps, wie man damit umgehen kann:

  • Übelkeit und Erbrechen: Gegen Übelkeit und Erbrechen gibt es Medikamente, die beide Nebenwirkungen verhindern oder zumindest dämpfen sollen. Sie heißen Antiemetika. Meist erhalten Sie schon vor dem Beginn der Chemotherapie Antiemetika.
  • Hautveränderungen: Bei Hautausschlägen können Salben und Cremes helfen, die lokal auf die betroffenen Hautpartien aufgetragen werden.
  • Nagelveränderungen: Strapazieren Sie Ihre Nägel möglichst wenig mechanisch. Verzichten Sie auf übermäßige Maniküre, künstliche Nägel oder das Entfernen der Nagelhaut. Schützen Sie Ihre Nägel vor Wasser.
  • Durchfall: Besonders wichtig ist bei Durchfall, den Flüssigkeits- und Mineralienhaushalt wieder auszugleichen. Es gibt auch fertige Elektrolytlösungen aus der Apotheke.
  • Chemobrain: Manchen Frauen helfen Bewegung, Entspannungstechniken, Yoga, Meditation, Musik oder ein Achtsamkeitstraining.
  • Nervenschäden: Hilfreich kann aber ein regelmäßiges Bewegungstraining sein, vor allem der Finger- und Zehenfunktionen.
  • Fatigue: Wichtig bei Fatigue ist regelmäßige Bewegung, etwa ein täglicher, flotter Spaziergang. Auch körperliche Aktivität in Form von Sport kann helfen.
  • Störungen des Blutbildes: Daher kontrollieren Ärztinnen und Ärzte auch das Blutbild regelmäßig.

Awareness-Week - Kühlkappen gegen Haarverlust - Ein Erfahrungsbericht von Tanja Bülter

Es ist wichtig, offen mit Ihrem Behandlungsteam über alle Nebenwirkungen zu sprechen. Es gibt viele Möglichkeiten, diese zu lindern und Ihre Lebensqualität während der Chemotherapie zu verbessern.

Die Informationen auf dieser Seite können eine professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen.

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