Die Bedeutung roter Haare in Deutschland

In Deutschland sind rote Haare die seltenste Haarfarbe. Menschen mit feuerrotem Haarschopf fallen sofort auf, nicht nur weil Rot eine Signalfarbe ist, sondern auch, weil dieser Haarton so selten vorkommt. Brünette und Schwarzhaarige sind allgegenwärtig, Rothaarige hingegen sind fast eine Rarität. "Nur etwa zwei Prozent der Menschen in Deutschland haben rote Haare", sagt Torsten Schöneberg, Professor für Biochemie und Endokrinologie an der Uni Leipzig.

Allein deshalb sind sie schon echte Hingucker. Rote Haare gelten als geheimnisvoll und mystisch, aber auch als natürlich, jung und frech.

Bei uns in Deutschland ist Rot die seltenste Haarfarbe. Rote Haare sind für Männer hierzulande also etwas ganz Besonderes.

Die Genetik der roten Haare

Verantwortlich für die Farbe des Haares ist der Farbstoff Melanin. Dieses sogenannte Pigment kommt beim Menschen in zwei Varianten vor, erklärt Schöneberg. Eines dieser Pigmente heißt Eumelanin, es sorgt dafür, dass die Haare eine nussbraune bis schwarze Farbe annehmen. Die zweite nennt sich Phäomelanin und gibt blondem und rotem Haar seine charakteristische Färbung.

Auch wenn bei fast allen Menschen beide Farbstoffe vorkommen, setzt sich in den meisten Fällen das Eumelanin durch. "Das ist ähnlich wie bei einem Tuschkasten", sagt Schöneberg. Die Bildung von Eumelanin wird durch ein spezielles Gen, das sogenannte mc1r-Gen, gesteuert. Bei den meisten Rothaarigen ist dieses Gen funktionslos. Als Folge überwiegt das Pigment Phäomelanin, das ihnen neben rotem Haar auch eine helle Haut und viele Sommersprossen beschert.

Eine dunkle Haarfarbe werde außerdem genetisch dominant vererbt, rote Haare dagegen rezessiv, erklärt der Wissenschaftler. Das bedeutet, dass zum Beispiel das Kind einer rothaarigen Mutter und eines schwarzhaarigen Vaters eher dunkle Haare haben wird, weil sich die dunkle Haarfarbe des Vaters genetisch durchsetzt. Damit das Kind rote Haare bekomme, müssten in der Regel auch beide Elternteile rot- oder zumindest hellhaarig sein, sagt Schöneberg. Da diese Konstellation eher selten ist, werden dunkle Haare häufiger weitervererbt als rote.

Zu verdanken haben die zwei Prozent ihre Farbe einer Mutation auf dem Chromosom 16. Das führt zu einer Veränderung des Proteins MC1R: Anstatt des dunklen Melanins tragen sie Phäomelanin in Haut, Haaren und Augen: dadurch haben sie eine wesentlich empfindlichere helle Haut und häufig viele Sommersprossen.

Eigentlich sind es die Schotten und die Iren gewesen, die mit ihrer Mutation im langen Arm des Chromosom 16 und Ausbildung eines speziellen MC1R-Gens mit Hemmung des braunen Hautfarbstoffes Melanin zur verstärkten Bildung von rotem Hautfarbstoff Phäo-Melanin geführt haben. So entstand das sympathische Gesicht einer Pippi Langstrumpf mit roten Haaren, heller Haut und Sommersprossen vornehmlich im Norden Europas.

Nur zwei Prozent der Menschen weltweit haben rote Haare, aber über 40 Prozent der keltischen Völker Schotten und Iren, die gemeinhin als sehr trinkfest gelten. Dies mag schon ein weiterer Beweis sein für den höher zu erbringenden Einsatz, Rothaarige in den Schlaf zu versetzen.

Nach den mendelschen Regeln ist hell rezessiv, da die dunklen Anteile sich durchsetzen. Nur etwa zwei Prozent der Deutschen sind (echte) Rote, in Amerika und England vier Prozent. Die meisten Rothaarigen gibt es heute nicht, wie angenommen, in Irland, sondern in Schottland, nämlich bis zu vierzehn Prozent.

Die meisten Rothaarigen gibt es in Nordeuropa, wobei Schottland mit 13 Prozent „Ginger“-Anteil ein Refugium abgibt. Das sog. „Ginger“-Gen ist für rote Haare und Sommersprossen verantwortlich.

Nachweisbar ist, dass rote Haare im Gegensatz zu anderen Haarfarben einen großen Anteil an Phäomelanin aufweisen. Rothaarige haben nur etwa 90.000 Haare, im Gegensatz zu Blonden und Brünetten, bei denen man etwa 100.000 bis 120.000 Haare errechnet.

Da rote Haare ihre Pigmente länger behalten als andere Haarfarben, werden diese erst später grau, meistens jedoch weiß.

Grund für die ungewöhnliche Haarfarbe ist eine Mutation in dem Protein MC1R. Dieses bestimmt, welche Pigmente, also Farbstoffe, gebildet werden. Für die Färbung der Haare ist das Pigment Melanin verantwortlich, das beim Menschen in zwei Varianten vorkommt: Eumelanin und Phäomelanin. Die jeweilige Mischung ergibt dann die Haarfarbe: Viel Eumelanin sorgt für braunes und schwarzes Haar, viel Phäomelanin für blondes und rotes.

Eigenschaften und Eigenheiten

Aber welche Eigenschaften und Eigenheiten besitzen sie? Rothaarige Frauen gelten als sexy, temperamentvoll und heiß. Aber auch der rothaarige Mann genießt inzwischen einen attraktiven Ruf. Verantwortlich dafür sind nicht zuletzt die zahlreichen erfolgreichen Schauspieler und Musiker aus Irland und Großbritannien.

Rote Haare gelten als geheimnisvoll und mystisch, aber auch als natürlich, jung und frech.

Rote Haare sind auffällig. Männer, die es dezenter mögen, sollten daher auf extravagante Schnitte und besonders voluminöse Frisuren verzichten. Liebst Du dagegen den großen Auftritt? Dann kannst Du mit einem roten Quiff oder Irokesenschnitt sämtliche Blicke auf Dich ziehen.

Rote Haare haben Volumen. Für Männer bedeutet das, dass Kurzhaarfrisuren besonders gut zur Geltung kommen. Rote Haare lieben Bewegung. Männer sollten die lebendige Farbe zu ihrem Vorteil nutzen. Ein ausgeprägter Seitenscheitel oder eine nach hinten gekämmte und fixierte Tolle wirken bei roten Haaren noch dynamischer.

Rote Haare sind ideal für Bärte. Männer, die sich gern einen Bart stylen möchten, dürfen sich freuen: Rote Bärte ziehen die Blicke magisch an.

Rote Haare mögen es kreativ. Männer mit roter Mähne wirken schon von Natur aus extravagant und außergewöhnlich. Rote Haare animieren viele Männer dazu, sich auch modisch an Irland und Großbritannien zu orientieren.

Einige Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Rothaarige Abweichungen im Schmerzsystem aufweisen. Erhöhter Anästhesiebedarf wurden ebenso festgestellt wie verringerte Schmerzempfindlichkeit.

Außerdem kommt es zu einer höheren Vitamin-D-Produktion.

In der modernen Anästhesie wird der Narkose- und Schmerzmittelbedarf für jeden Menschen individuell erfasst und fortlaufend überwacht.

Rothaarige sollen ein anderes Schmerzempfinden haben - dies zumindest wollen einige Studien ergeben haben. So sollen sie bis zu 20 Prozent mehr Narkosemittel als andere benötigen.

Viele Fragen wurden in kleinen Versuchsgruppen untersucht. „Zusammenfassend sollen Rothaarige empfindlicher auf Kälte und Hitze reagieren, sprechen empfindlicher auf bestimmte Opiate (Fortral, nicht mehr im Handel) an und sind unempfindlicher gegenüber bestimmten Narkosemitteln wie Desfluran, Midazolam. Dieser Widerspruch konnte wissenschaftlich bisher noch nicht zufriedenstellend aufgelöst werden“, weiß Prof. Dr. Knichwitz. „Dass das MC1R Gen ein Protein produziert mit unterschiedlicher Wirkung an der Haut und im Gehirn ist dabei reiner Zufall. Die Haarfarbe alleine hat also per se nichts mit dem Schmerzverhalten zu tun.“

Kulturelle Wahrnehmung und historische Bedeutung

Bei Häusern alltäglich, bei Menschen rar: Rote Pfannen auf dem Dach. Echte rote Haare sind so selten, dass man rothaarige Frauen früher für Hexen hielt.

Dass Pippilotta, Viktualia, Rollgardina, Pfefferminz, Efraimstochter Langstrumpf nur schwer zu bändigen war, ist jedem europäischen Erdenbürger aus seiner Jugend noch augenscheinlich in Erinnerung. Wer kann schon sein Pferd mit einer Hand heben. Ist es nicht auch diese Red Bull Eigenschaft nach der wir alle heimlich streben: Nie müde, immer wach und voller Energie und Tatendrang.

„Allein das möge schon der wissenschaftlichen Beweisführung dienen, dass Rothaarige sich nicht so leicht bremsen, geschweige denn in den Schlaf versetzen lassen und somit zu einer Herausforderung für jeden Anästhesisten werden“, so Prof. Dr. Gisbert Knichwitz, Chefarzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie.

In alten Zeiten waren die gebildetsten Völker sehr für rotes Haar eingenommen, zum Beispiel Gallier und Römer. Die Römerinnen waren begeistert von den blonden und roten Haaren der germanischen Gefangenen und zwangen sie, sie sich abzuschneiden, um sich selbst daraus Perücken machen zu lassen. Auch jetzt wird rotes Haar noch von einzelnen Völkern jedem anderen vorgezogen.

In der keltischen Mythologie wurden Zauberinnen diese Haarfarbe zugesprochen. Auch Hexerei wird oft mit roten Haaren in Verbindung gebracht. Das geht zurück auf Hexendarstellungen aus sagenumwobenen keltischen Überlieferungen, in denen Hexen meist rote Haare trugen. Verfolgungen als Hexen waren Rothaarige jedoch nicht im besonderen Maße ausgesetzt.

Rote Haare waren hier Sinnbild für das Besondere und Geheimnisvolle. Bis heute sind z.B. beim Halloween, Karneval, Fastnacht oder Fasching getragene Hexenperücken oft rot oder enthalten zumindest ein paar rote Strähnen.

Mit dem Aufkommen des Farbfilms wurden in den 40er Jahren des 20. Jahrhundert auch die Rothaarigen interessant. Schauspielerinnen färbten sich die Haare rot und wurden zu Stars. Im Spiel verkörperten sie alle Klischees der Rothaarigen: geheimnisvoll, undurchschaubar und verführerisch. Berühmtestes Beispiel: Sexsymbol Rita Hayworth.

Natürlich Rothaarige spielten meist den stolzen wie streitbaren Frauentypus, wie Maureen O'Hara, Katharine Hepburn und Shirley MacLaine. Heute beweisen Nicole Kidman, Marg Helgenberger, Julianne Moore und Julia Roberts, dass Rote viele Rollen spielen können. Die Medienszene bedient sich zuweilen der speziellen Ausstrahlung roter Haare, wenngleich sie oft nur künstlich eingefärbt wurden.

1999 machte Franka Potente in „Lola rennt“ die roten Haare zum Markenzeichen des ganzen Films. In England war der deutsche Erfolgsfilm sogar so populär, dass Friseursalons die Haarfarbe „Lola red“ anboten.

Unter Künstlern sind Rothaarige zuweilen sehr beliebt: Tizian (Tizian-Rot), die Präraffaeliten, Amedeo Modigliani und Gustav Klimt malten bevorzugt rotes Haar.

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