Barock Perücke Braun: Informationen zu einem historischen Accessoire

Barocke Puderperücken sind eng mit dem 17. und 18. Jahrhundert verbunden. Die Ankündigung eines Films über Johann Sebastian Bach in der ARD zeigt immer wieder barocke Puderperücken, was Anlass gibt, die Ursprünge und die Bedeutung dieser Modeerscheinung zu hinterfragen.

Die Geschichte des Geruchs. Die Allonge-Perücke.

Ursprünge und Hypothesen

Weshalb die Puderperücken eingeführt wurden und auch ca. zwei Jahrhunderte in Mode blieben, darüber gibt es verschiedene Hypothesen:

  • Eitelkeit der Männer: König Louis XIV. soll frühzeitig Haarausfall gehabt haben und begann daher, Perücke zu tragen.
  • Zeitlosigkeit der Jugend: Die Perücke kaschierte den altersbedingten Rückgang des Eigenhaares.
  • Standeszugehörigkeit: Weiße Haare standen für Alter und Erfahrung und symbolisierten einen gewissen Herrschaftsanspruch.

Materialien und Farben

Die Perücken wurden in Abschnitten oder ganz aus leicht dauerhaft frisierbaren Haaren wie Rosshaar geknüpft, aber auch andere Materialien waren neben Menschenhaar in der Benutzung. Perücken kamen in den verschiedensten Farben vor von Braun, Blond bis Weiß. Braune Perücken wiesen jedoch selten Rückstände von Puder auf.

Die Rolle des Puders

Der Begriff "Puderperücke" ist geläufig, obwohl Puder auf Perücken denkbar schlecht hält, weil Perücken ja keine selbst fettenden Haare haben, welche das Festhalten des Puders in den Haaren ermöglichten. Dennoch spielte das Pudern eine wichtige Rolle.

Man muss dabei berücksichtigen, dass das mit dem Pudern der Haare ja nicht exklusiv für Perücken war sondern ganz im Gegenteil. Die Soldaten hatten auch - meist bezogen auf bestimmte Anlässe - gepuderte Haare. Diese Tradition existierte bei den Franzosen noch bis zum Anfang des 19. Jh.

Exklusivität und Kosten

Die Exklusivität lag in den Kosten für das Haarpuder. Eine einfache Perücke war nicht teuer. Daneben gab es auch falsche Zöpfe und andere Haarteile um den gleichen Effekt zu erzielen. Haarpuder hingegen scheint im Anbetracht von Hungerkatasrophen wie in Deutschland in den frühen 1770ern und Frankreich in des späten 1780ern etwas absurd und dekadent.

Tatsächlich ist es so, dass wir keine Glatzköpfe als Herrscher kennen im 17. Jh. - Zufall oder nicht. Der Vorteil an Perücken war obendrein, dass man recht aufwändige Frisuren dauerhaft erhalten konnte.

Verwendung von Mehl und Verbote

Um 1750 entschied ein Fürst, dass zum Pudern von Perücken kein Mehl mehr verwendet werden durfte. Steigende Weizenpreise Mitte des 18. Jahrhunderts führten dazu, dass die Mehlpuderei künstlicher Haartrachten in Kritik geriet und im Verbot mündete.

Zur Exklusivität des Puderns schreibt Wikipedia: »Das Pudern der Perücken war den unteren Schichten generell verboten und mit einer Steuer belegt.«

Perücken im Alltag und Beruf

Während im Laufe des 18. Jh. zusehends standesspezifische Kleidung auf dem Rückgang war, etablierten sich Perückenformen für bestimmte Berufsgruppen wie die Stutzperücke für Advokaten und z.T. Bach lebte sozusagen auf dem Höhepunkt der Perückennutzung. Er schuldete es seinem Amt in der Schule und in der Kirche entsprechend diese Perücke zu tragen.

Im späteren 18. Jh. ging das Tragen von Perücken zurück und selbst Herren mit spärlichem Haar wie Kaiser Leopold II.

Tabelle: Materialien und Verwendung von Perücken

Material Verwendung Besonderheiten
Rosshaar Einfache Perücken Leicht frisierbar
Menschenhaar Hochwertige Perücken Täuschend echt wirkend
Mehl Pudern (bis Mitte 18. Jh.) Weiß, wurde später verboten
Parfümierter Puder Pudern Für Duft und Haltbarkeit

Befestigung und Hygiene

Die Wiener Zeitung berichtete am 1. Die Perücke konnte mit einem Stoffband hinten gesichert werden, ähnlich wie Putzfrauen ihr Kopftuch binden. Das Thema Ungeziefer wurde noch nicht berücksichtigt. Es steht in der Wikipedia unter Kopflaus: es waren für Perückenträger eine regelrechte Plage. Musste man die Perücken wegen den Läusen trockenhalten oder mit Mehl behandeln?

Meine Erfahrung mit Haarpuder ist, dass es sich mit ein wenig Erfahrung insbesondere nach dem Aufbringen von Pomade recht dauerhaft auf dem Kopf hält. Die Konsistenz ist idealerweise wie Speisestärke. Man kannte auch parfümisiertes Puder.

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