Axel Glatz: Karriere und Wirken bei Pfizer in Freiburg

Axel Glatz, der langjährige Leiter des Pfizer-Werks in Freiburg, hat sich über Innovation, Arbeitsplätze und den Wirtschaftsstandort Deutschland geäußert. Er leitete das Werk seit 2009 und verliess das Unternehmen nach 30 Jahren im Juli 2024, um in den Ruhestand zu gehen.

Im Norden Freiburgs befindet sich im Gewerbegebiet eine 142 Millionen Euro teure Produktionsanlage, die in Rekordzeit entsteht. Dort wird unter anderem das neue Corona-Medikament Paxlovid hergestellt. Die Tabletten des US-Pharma-Unternehmens Pfizer können Corona-Kranke auch zu Hause einnehmen, um sich vor einem schweren Verlauf zu schützen.

Pfizer mit seinen 1.800 Mitarbeitern ist der zweitgrößte Arbeitgeber in Freiburg. Die Produktionsstätte ist das größte Abpackwerk für feste Arzneiformen des Konzerns und zählt zu den weltweit modernsten ihrer Art. Hier entstehen Tabletten und Kapseln in einer hochautomatisierten Fertigung: Von der Wareneingangsprüfung über die Einwaage bis hin zur Dosierung der Wirkstoffe wird alles vollautomatisch abgewickelt. Bis Ende des Jahres sollen hier 120 Millionen Packungen des Mittels gegen Covid hergestellt werden.

Allerdings gibt es Herausforderungen: „Es wird viel diskutiert über Innovation, die Schaffung von Arbeitsplätzen und den Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagte Axel Glatz. „Aber ich habe im Laufe meiner Karriere beobachtet, dass mehr und mehr Forschung, Entwicklung und Produktion abgewandert ist in Länder, in denen die Rahmenbedingungen vermeintlich besser sind.“

Um den Pharmastandort Deutschland zu stärken, bedarf es eines guten Netzwerks mit den Wissenschaftlern der Freiburger Universität, zahlreichen Ausgründungen, traditionellen Forschungsunternehmen und auch Start-ups. Entscheidende Faktoren sind zudem Infrastruktur, bürokratische Abläufe und der Stand der Digitalisierung. Glatz: „Hier darf Deutschland nicht den Anschluss verlieren. Die Politik muss gegenhalten, systematisch regulatorische Schwächen analysieren und konsequent abbauen. Deutschland ist ein Hochkostenland, ein Hochlohnland, ein Hochsteuerland. Wir sind höchstreguliert und haben lange bürokratische Verfahren.“

Trotzdem überzeugt der Standort in einem globalen Konzern durch Automation, die ständige Optimierung von Abläufen und über das hohe Produktionsvolumen. In Freiburg arbeitet jeder fünfte Pfizer-Mitarbeiter in der Qualitätskontrolle.

Die Kosten entstehen nicht nur durch die Löhne. Deutschland hat mit den höchsten Steuersatz, nachdem die USA die Unternehmensteuern auf 20 Prozent gesenkt haben. Es gibt sehr hohe Umweltauflagen, einen hohen Dokumentationsaufwand und hohe Sicherheitsanforderungen. Zudem zählt Deutschland zu den Ländern mit den kürzesten Arbeitszeiten weltweit: In amerikanischen Werken wird etwa 25 Prozent länger gearbeitet, in asiatischen Werken 35 Prozent.

Pfizer setzt auf eine eigene Entwicklung zur Tabletten- und Kapselfertigung mit der „kontinuierlichen Produktionstechnologie“ (CMT/Continuous Manufacturing Technology). Am Standort Freiburg wurden ca. 50 Mio. Euro in die Entwicklungen und technischen Anpassungen dieses Verfahrens investiert. Langwierige Laboruntersuchungen gehören der Vergangenheit an. So entstand eine Fertigungsstelle im Sinne einer Industrie 4.0: hoch automatisiert, geregelt, überwacht und gesteuert durch modernste, digitalisierte Technik und vernetzte Computersysteme. Durch angepasste Visualisierungssysteme (Pro-Vid; VINCC) ist es den Mitarbeitern möglich auf einfachste bildliche Art diese komplexen Systeme zu überwachen und zu steuern.

In enger Kooperation mit Hochschulen und Industrieunternehmen aus der Region wurde die weltweit erste Anlage nach dem Konzept der Kontinuierlichen Fertigung in der Pharmaindustrie entwickelt und aufgebaut.

Die Wirk- und Hilfsstoffe werden künftig in sehr großen Gebinden, sogenannten „Big Bags“, bereitgestellt und können ohne weitere Zwischenschritte direkt in der Produktion verwendet werden. Die Big Bags wurden von Pfizer entwickelt und verfügen über ein Fenster zur Qualitätskontrolle. Eine Mischereinheit vermengt die Wirk- und Hilfsstoffe zu einer homogenen Mischung, die z. B. in einem Kapselfüller weiterverarbeitet werden kann. Die Durchsatzrate des kontinuierlichen Mischers reicht von 5 bis 1000 kg pro Stunde. Mit dieser hohen Flexibilität kann schnell auf den Marktbedarf reagiert werden. Damit wird das produziert, was der Patient benötigt.

Eine Kernkomponente der kontinuierlichen Fertigung ist die Online-Qualitätsmessung mithilfe der Prozess-Analyse-Technologie (PAT). Sie bindet die Qualitätssicherung in den laufenden Prozess ein und stellt somit die Informationstransparenz sicher. Mit der neuen kontinuierlichen Mischtechnologie ist es den Pfizer-Ingenieuren und -Verfahrenstechnikern gelungen, Wirkstoffe und pharmazeutische Hilfsstoffe in unterschiedlichsten Mengen mit extrem hoher Genauigkeit in einem fortdauernden Prozess zu verarbeiten. Ein hoher Automatisierungsgrad und Einsatz modernster Digitalisierung garantieren höhere Flexibilität und Skalierbarkeit bei konstant hoher Qualität sowie höhere Leistung bei geringeren Kosten.

Gleichzeitig ist der Standort Freiburg in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit Vorreiter in der pharmazeutischen Industrie.

Das Werk in Freiburg setzt auf die Entwicklungsarbeit der Forschung von Pfizer in Groton, Connecticut, USA. Von dort aus kommen die Substanzen, die in Freiburg für die Herstellung von klinischen Mustern und Marktware weiter entwickelt und produziert werden.

Anne Keßler hat zum Juli 2024 die Geschäftsführung des Pfizer-Produktionsstandorts in Freiburg übernommen. Zuvor trieb sie als interimistische Standortleiterin die strategische Ausrichtung des Werks voran. Der Standort zählt nach Unternehmensangaben zu den weltweit modernsten Produktionsstätten der pharmazeutischen Industrie nach 4.0 Maßstäben. Es handelt sich um die weltweit größte Produktions- und Verpackungsstätte für feste Arzneimittelformen im globalen Produktionsnetzwerk von Pfizer. Das Werk verfügt laut Pfizer über hochautomatisierte Fabriken und vernetzte Anlagen zur Fertigung von innovativen Arzneimitteln, u.a. gegen Krebs, Herz-Kreislauf- oder neurologische Erkrankungen. In Zukunft soll sich die Produktion in Freiburg insbesondere auf hoch spezialisierte Arzneimittel im Bereich Onkologie konzentrieren. Allein im Jahr 2024 wurden laut Pfizer bereits 116 Millionen Kapseln und Tabletten für die Therapie onkologischer Erkrankungen für Patienten in über 185 Ländern hergestellt. Bis 2040 möchte Pfizer die Überlebensrate bei vielen der tödlichsten Krebsarten verdoppeln. Die Pipeline soll aktuell rund 60 Programme mit 27 neuen Wirkstoffen umfassen. Pfizer Freiburg setzt dabei laut Pressemitteilung “auf schlanke und effiziente Prozesse”, um innovative Arzneimittel schnell in großen Mengen für den Weltmarkt produzieren zu können. Vor allem bei dem Launch neuer Produkte mit schwer zu prognostizierendem Bedarf würden “Agilität und Flexibilität” eine Schlüsselrolle spielen, so das Unternehmen weiter.

Unter der Führung von Axel Glatz hat sich der Standort enorm entwickelt. Seine Nachfolgerin, Anne Keßler, will die Tablettenproduktion stärker auf Krebsmedikamente konzentrieren.

Das Freiburger Werk produziert täglich 1,3 Millionen Verpackungen für 153 Länder.

Das Freiburger Pfizer-Werk produziert täglich 1,3 Millionen Verpackungen für 153 Länder. Bild: Pfizer

Pfizer hat in den Bau einer neuen Fertigungsanlage investiert, was das derzeit teuerste Bauprojekt in der Stadt ist.

Pfizer unterstützt den Freiburger Sozialfonds mit Spenden.

Die BZ stellte Pfizer als Gewinner des Jobmotors 2023 vor.

In der Pharmabranche weht ein rauer Wind, doch der südbadische Standort des US-Konzerns Pfizer behauptet sich durch seine Innovation.

Südbaden ist ein starker Pharmastandort. Pfizer hat schon ein großes Werk in Freiburg. Möglicherweise zieht es nun auch das US-Unternehmen Eli Lilly nach Südbaden.

Der Pharmakonzern Pfizer will bis Jahresende 120 Millionen Packungen des Medikaments Paxlovid herstellen.

Auf dem Pfizer-Medikament Paxlovid ruhen im Kampf gegen Covid-19 große Hoffnungen. Der Protease-Hemmer, der in Freiburg hergestellt wird, habe das Potential "Leben von Patienten retten".

Paxlovid Tabletten. Bild: pharma-zeitung.de

Im Freiburger Pfizer-Werk sollen sich Beschäftigte schon bald gegen Corona impfen lassen können - obwohl der Standort nicht an der Herstellung des Impfstoffs beteiligt ist.

Pfizer Manufacturing Deutschland GmbH hat für städtische soziale Projekte gespendet.

Feste Arznei in allen Wirkstärken kann die neue Produktionsanlage des Freiburger Standorts von Pfizer herstellen - als einziges Werk des Pharmakonzerns weltweit. Für Werksleiter Axel Glatz ist das ein Bekenntnis zum Standort Freiburg.

Bundesgesundheitsminister Gröhe lobte die Investition.

Wie stark Südbaden an der globalen Entwicklung hängt, zeigt die Pharmafabrik von Pfizer in Freiburg.

Schnell, effizient, qualitativ hochwertig, nachhaltig: Mit der „kontinuierlichen Produktionstechnologie“ (CMT/Continuous Manufacturing Technology) setzt Pfizer auf eine eigene Entwicklung zur Tabletten- und Kapselfertigung.

Zum 30. Jubiläum des CHEManagers gratulierte Axel Glatz dem Verlag recht herzlich.

Tabelle: Wichtige Fakten zum Pfizer-Werk Freiburg

FaktDetails
Mitarbeiterzahl1.800 (zweitgrößter Arbeitgeber in Freiburg)
Produktion1,3 Millionen Verpackungen täglich für 153 Länder
Investition142 Millionen Euro (neue Produktionsanlage)
ProduktePaxlovid, Krebsmedikamente, feste Arzneiformen

High-Containment-Anlage bei Pfizer in Freiburg

tags: #Axel #Glatz #Pfizer #Karriere

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