Zielgerichtete Krebstherapie und ihre Auswirkungen auf die Haut

Die zielgerichtete Krebstherapie ist ein molekularbiologischer Ansatz bei der Behandlung von Krebspatienten. Diese Therapien richten sich gegen Botenstoffe, blockieren Bindestellen von Rezeptoren oder hemmen Signalwege, die das Tumor- und Blutgefäßwachstum beeinflussen. Auch Immuntherapien gehören zu den zielgerichteten Wirkstoffen, da sie an spezifische "Checkpoints" der Immunantwort binden und diese stimulieren. Die Entwicklung zielgerichteter Wirkstoffe hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Des Weiteren befinden sich viele weitere zielgerichtete Ansätze in der Entwicklung und werden in klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit getestet.

Hautprobleme durch Krebstherapie & was du dagegen tun kannst! (Ärztin gibt Tipps)

Zielgerichtete Therapien bei Brustkrebs

Folgende Therapeutika sind von den Arzneimittelbehörden für die Behandlung von Brustkrebs zugelassen:

1. HER2-gerichtete Therapien

Bei 15 bis 20 Prozent aller Frauen mit Brustkrebs findet sich eine erhöhte Konzentration des Wachstumsfaktor-Rezeptors HER2. Diese Tumoren sind sehr aggressiv, betroffene Frauen hatten daher lange Zeit eine deutlich geringere Überlebenschance. Mit den neuen gegen HER2 gerichteten Therapien hat sich dies umgekehrt.Um diese Interaktion zu verhindern, wird der an der Zelloberfläche liegende Rezeptor durch monoklonale Antikörper blockiert. Der HER2-Antikörper Trastuzumab wird sowohl bei Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs als auch in der vorbeugenden Therapie eingesetzt. Wenn für die Patientin eine Chemotherapie notwendig ist, kann die Anti-HER2-Therapie auch gleichzeitig gegeben werden.Als Nebenwirkungen der Trastuzumab-Therapie treten neben allergischen oder grippeähnlichen Symptomen mitunter Herzprobleme auf, so dass die Herzfunktion der Patientinnen regelmäßig kontrolliert werden muss. Der Antikörper Pertuzumab ist seit 2013 in Kombination mit Trastuzumab und Chemotherapie für die Behandlung sowohl von Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs zugelassen.

2. Antikörper-Wirkstoff-Konjugate

Seit einigen Jahren werden Antikörper-Wirkstoff-Konjugate getestet. Drei davon sind bereits für Brustkrebs zugelassen: Trastuzumab-Emtansin (T-DM1), Trastuzumab-Deruxtecan und Sacituzumab-Govitecan. Die beiden erstgenannten koppeln den gegen HER2 gerichteten Antikörper Trastuzumab in einer festen Verbindung an ein Chemotherapeutikum. Erst bei Bindung an HER2 wird das Chemotherapeutikum in die Zelle frei gesetzt und entfaltet dort seine toxische Wirkung. Auf diese Weise gelangt das Zellgift gezielt an Tumorzellen und gesunde Zellen werden geschont. Nur ist hier das Chemotherapeutikum Govitecan an den gegen TROP2 - ein weiteres Oberflächenprotein auf Tumorzellen - gerichteten Antikörper Sacituzumab gekoppelt.T-DM1 darf bei Patientinnen eingesetzt werden, die neoadjuvant mit Trastuzumab und einer taxanhaltigen Chemotherapie vorbehandelt wurden, bei denen diese Therapie aber nicht ausreichte, um den Tumor genügend schrumpfen zu lassen. Trastuzumab-Deruxtecan wurde erst im Jahr 2021 zugelassen. Die Wirkweise und die Art der Verabreichung ähnelt der von T-DM1. Ähnlich verhält es sich bei Sacituzumab Govitecan. Hier ist allerdings der Antikörper gegen TROP2 gerichtet und bringt ein anderes Zytostatikum mit, einen Abkömmling von Irinotecan.

3. Tyrosinkinase-Hemmer

Nicht nur durch die Blockade der an der Zelloberfläche liegenden HER2-Rezeptoren durch Antikörper kann das Zellwachstum gehemmt werden. Tyrosinkinase-Hemmer wirken im Inneren der Zelle. Für die Therapie bei fortgeschrittenem, HER2-positiven Brustkrebs ist seit 2008 der Tyrosinkinase-Hemmer Lapatinib zugelassen, sofern der Krebs nach einer Trastuzumab-Behandlung fortgeschritten ist.Der Tyrosinkinase-Hemmer Neratinib blockiert drei Signalübertragungswege über die Rezeptoren HER2, HER4 und EGFR. Der dritte Tyrosinkinase-Hemmer - Tucatinib - ist erst seit 2021 und nur in Kombination mit Trastuzumab und Capecitabin zur Behandlung von HER2-positivem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs nach mindestens zwei gegen HER2 gerichtete Behandlungen zugelassen.

4. mTOR-Hemmer

Innerhalb der Zelle werden Informationen über Teilung und Wachstum durch verschiedene Signalwege weitergeleitet. Durch die Überaktivität des sogenannten mTOR-Signalweges kann es bei ursprünglich hormonsensiblen Zellen zu einer Resistenz gegen antihormonelle Therapien kommen. Der mTOR-Hemmer Everolimus ist seit 2012 in Kombination mit dem Aromatasehemmer Exemestan für die Behandlung von Hormonrezeptor-positivem, metastasierten Brustkrebs bei Frauen nach der Menopause zugelassen, wenn die Erkrankung nach oder während der Behandlung mit einem anderen Aromatasehemmer fortgeschritten ist.

5. CDK4/6-Inhibitoren

Die CDKs (Cyclin dependend kinases) stellt eine Gruppe von Enzymen dar, welche eine wesentliche Rolle im Zellzyklus spielen und für die Zellteilung von Tumorzellen bedeutsam sind. In Studien haben CDK4/6-Inhibitoren eine sehr gute Wirksamkeit in Kombination mit einer endokrinen Therapie gezeigt. Inzwischen sind drei Wirkstoffe zugelassen: Palbociclib, Ribociclib und Abemaciclib.

6. VEGF-Inhibitoren

Damit Tumorzellen wachsen und sich im Körper ausbreiten können, benötigen sie Sauerstoff und Nährstoffe. Für eine der molekularbiologischen Therapien ist dieser Wachstumsfaktor der Ziel- und Angriffspunkt: Der monoklonale Antikörper Bevacizumab bindet an den Wachstumsfaktor VEGF und blockiert ihn, so dass er nicht mehr an den Blutgefäßzellen andocken kann, um dort ein Wachstumssignal auszulösen.Seit 2007 ist Bevacizumab in Kombination mit einer taxanhaltigen Chemotherapie für die Behandlung von Patientinnen mit einem HER2-negativen metastasierten Brustkrebs zugelassen. Durch die Gabe von Bevacizumab in Kombination mit einer Chemotherapie kann das Tumorwachstum bei Patientinnen mit einem metastasierten Brustkrebs vorübergehend aufgehalten werden, wenn auch kein Überlebensgewinn bisher nachgewiesen werden konnte.

7. PARP-Inhibitoren

Zwei Inhibitoren des DNA-Reparaturenzyms PARP (Poly-ADP-Ribose-Polymerase) sind zur Behandlung von Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium zugelassen: Olaparib und Talazoparib. Für beide ist eine Mutation in den BRCA-Genen Voraussetzung für die Verschreibung. Bei Brustkrebs sind zwischen fünf und zehn Prozent der Patientinnen Trägerin einer BRCA1- oder BRCA2-Mutation. In den Krebszellen mit BRCA-Mutation ist also der DNA-Reparaturmechanismus bereits gestört.Olaparib ist seit April 2019 zugelassen für Patientinnen mit HER2-negativem Brustkrebs, der metastasiert oder lokal fortgeschritten ist. Für die Gabe beider Wirkstoffe ist die Voraussetzung der Nachweis einer BRCA-Mutation.

8. PI3K-Inhibitoren

Diese moderne zielgerichtete Therapie wurde im Mai 2021 durch den Hersteller vom deutschen Markt zurückgezogen und muss seither vom Apotheker aus dem Ausland, meist aus Österreich, besorgt werden. Alpelisib blockiert die Wachstumssignal-Übertragung durch Hemmung der Kinase PI3K. Bei Patientinnen mit einer Mutation im Gen für PI3K (PIK3CA), die die Kinase überaktiv macht, hat Alpelisib in Studien gute Wirksamkeit gezeigt.

Hautprobleme als Nebenwirkungen der Krebstherapie

Ob Chemotherapie, zielgerichtete Medikamente, eine Bestrahlung oder eine OP: Diese Verfahren können aus ganz unterschiedlichen Gründen die Haut schädigen. Gerade weil die Haut für andere Menschen gut sichtbar ist, empfinden Krebspatientinnen und Krebspatienten Veränderungen an der Haut oft als sehr belastend. Entzündete, schmerzende oder juckende Haut kann die Lebensqualität deutlich mindern, doch solchen Nebenwirkungen kann man vorbeugen oder man kann sie behandeln.

Wichtige Ansprechpartner bei Hautveränderungen

Wichtigste Ansprechpersonen bei Hautveränderungen und Hautproblemen sind die behandelnden Ärzte und das Pflegeteam. Aber auch die Hausärztin oder der Hausarzt sowie Hautärzte (Dermatologen) können Betroffene ansprechen. Treten sehr schwere Nebenwirkungen an der Haut auf, arbeiten Fachärztinnen und Fachärzte für Krebserkrankungen (Onkologen), Dermatologen und gegebenenfalls Dermatoonkologen oft zusammen.

Praktische Tipps zur Vorbeugung von Hautproblemen

Welche Produkte und Maßnahmen für die Hautpflege während der Krebstherapie richtig und sinnvoll sind, sollten Sie mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Halten Sie sich an die Pflegehinweise Ihres Behandlungsteams. Gehen Sie zeitnah zu Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn Sie unangenehme oder verdächtige Veränderungen der Haut bemerken. Nehmen Sie die regelmäßigen Termine zur Therapie- und Verlaufskontrolle wahr.

Sonnenschutz während und nach der Krebstherapie

Wichtiger als Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor ist ein Hautschutz durch bedeckende Kleidung. Manche Arzneimittel machen die Haut vorübergehend stark lichtempfindlich: Das gilt für einige Chemotherapie-Medikamente, aber auch für manche zielgerichtete Krebsmedikamente. Nach einer OP keine oder möglichst wenig Sonne an die operierte Haut lassen: Narbengewebe entwickelt meist keine schützenden Hautpigmente.

Hautausschlag

Zielgerichtete Krebsmedikamente können Hautausschlag verursachen. Immuntherapien können eine übersteigerte Immunreaktion auslösen, die in der Folge zu einem Hautausschlag führen kann. Bei den betroffenen Patientinnen und Patienten kann es zu Rötungen, Schuppungen, Knötchen und juckende Pusteln kommen. In der Folge kann ihre Haut auch sehr trocken werden. Meist sind Gesicht, Kopfhaut, Brust und oberer Rücken betroffen.Eine Behandlungsmöglichkeit bei Hautausschlag sind Salben und Cremes. Bei Hautausschlägen mit bakterieller Infektion erhalten die Betroffenen Antibiotika, als Salben oder Tabletten. Bei mäßiggradigen Hautausschlägen kommen für die betroffenen Hautstellen zusätzlich eine Kortison-haltige Salbe oder eine Niacinamid (Vitamin B3)-Creme infrage. Bei zusätzlichem Juckreiz kann es helfen, die betreffende Stelle zu kühlen und Allergie-Medikamente (Antihistaminika) einzunehmen.

Juckreiz und trockene Haut

Zielgerichtete Therapien mit sogenannten Kinase-Hemmern führen sehr häufig zu juckender Haut. Beispiele sind Erlotinib, Sorafenib oder Afatinib. Immuntherapien mit Immun-Checkpoint-Hemmern wie Nivolumab oder Pembrolizumab können eine übersteigerte Immunreaktion auslösen. Dies führt in der Folge ebenfalls zu trockener und juckender Haut.Hilfreich für Krebsbetroffene mit trockener Haut ist es, sich die trockenen und/oder juckenden Hautstellen zweimal täglich mit rückfettender Salbe oder Creme einzuschmieren. Abhängig davon, wie stark die Haut ausgetrocknet ist und juckt, können auch Tabletten gegen Allergien und Juckreiz (sogenannte Antihistaminika) und/oder kortisonhaltige Salben sinnvoll sein.

Hand-Fuß-Syndrom

Beim Hand-Fuß-Syndrom haben Betroffene schmerzhafte Rötungen, Schwellungen und Schwielen an den Innenflächen der Hände und auf den Fußsohlen. Dies kann sich am Anfang durch Gefühlsstörungen äußern, beispielsweise können die Hände und/oder Füße kribbeln, brennen oder sich taub anfühlen.Folgende vorbeugende Massnahmen sind hilfreich:* Lassen Sie Vorerkrankungen vor der Therapie behandeln: Fußpilz oder Hautwunden sollen Sie vor Beginn der Krebstherapie vom Arzt untersuchen und behandeln lassen.* Vermeiden Sie möglichst Reibungen und Druck auf Hände und Füße: Heben und tragen Sie nur leichte Lasten, machen Sie nur kurze Spaziergänge und tragen Sie weite, bequeme Schuhe.* Schützen Sie die Füße und Hände vor Hitze, Feuchtigkeit und Verletzungen: Tupfen Sie Ihre Haut nur vorsichtig mit einem Handtuch ab.* Cremen Sie täglich Hände und Füße ein: Pflegen Sie Ihre Hände und Füße mehrfach täglich mit Cremes, die 5 - 10 Prozent Harnstoff (Urea) enthalten.Hände und Füße zu kühlen, kann die Beschwerden lindern. Bei starken Beschwerden sollten kortisonhaltige Salben auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden.

Veränderungen an den Nägeln

Veränderungen an Finger- und Fußnägeln sind unangenehm, aber meist zeitlich begrenzt: Nach Ende der Therapie gehen die Beschwerden in der Regel wieder zurück. Die Nägel können sich verfärben (schwarz, weiß oder orange), brüchig werden und Furchen oder Rollen bilden. Bei zielgerichteten Therapien bekommen Betroffene oftmals Nagelbett-Entzündungen, die eitrige, knotige Verdickungen bilden.Folgende vorbeugende Massnahmen sind hilfreich:* Vermeiden Sie Reibung oder Druck an den Nägeln: beispielsweise durch übermäßige Maniküre, künstliche Nägel, Nägelkauen oder Entfernen der Nagelhaut.* Tragen Sie möglichst bequeme Schuhe und Baumwollsocken.* Vermeiden Sie den Kontakt mit Nagellackentferner, Nagelhärter oder scharfen Reinigungsmitteln.* Pflegen Sie die Haut um die Nägel.

Hautentzündung bei Bestrahlung (Strahlendermatitis)

Besprechen Sie die Hautpflege während der Bestrahlung mit Ihrem Behandlungsteam und vermeiden Sie Experimente. Ganz allgemein gilt: Sie dürfen in dem Zeitraum der Strahlentherapie die gewohnte Haut- und Haarpflege fortführen.
Nebenwirkung Beschreibung Vorbeugende Maßnahmen Behandlungsmöglichkeiten
Hautausschlag Rötungen, Schuppungen, Knötchen, juckende Pusteln - Antibiotika, Kortison-haltige Salben, Niacinamid-Creme, Kühlung, Antihistaminika
Juckreiz und trockene Haut Trockene, dünne, schuppende Haut, Hautreizungen, Juckreiz - Rückfettende Salben und Cremes, Antihistaminika, Kortison-haltige Salben
Hand-Fuß-Syndrom Schmerzhafte Rötungen, Schwellungen, Schwielen an Händen und Füßen Behandlung von Vorerkrankungen, Vermeidung von Reibung und Druck, Schutz vor Hitze und Feuchtigkeit, tägliches Eincremen Kühlung, Kortison-haltige Salben, feuchte Wundbehandlung
Nagelveränderungen Verfärbungen, Brüchigkeit, Furchen, Nagelbett-Entzündungen Vermeidung von Reibung und Druck, bequeme Schuhe, Vermeidung von Nagellackentferner, Pflege der Nagelhaut -
Strahlendermatitis Hautentzündung bei Bestrahlung Besprechen Sie die Hautpflege während der Bestrahlung mit Ihrem Behandlungsteam und vermeiden Sie Experimente. -

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