Die Haare sind für viele Menschen ein natürlicher Schmuck und Ausdruck der Persönlichkeit. Sie haben aber auch schützende Eigenschaften: Sie schirmen zum Beispiel die Kopfhaut gegen Sonnenstrahlen ab. Wimpern und Augenbrauen verhindern, dass Staub, Schmutz oder Schweiß in die Augen geraten. Auch in der Nase und den Ohren schützen Haare vor Eindringlingen. Doch woraus bestehen unsere Haare eigentlich?
Jedes einzelne Haar besteht zu rund 80 Prozent aus Keratin (Eiweißen). Wasser macht 10 bis 15 Prozent aus. Der Rest sind Pigmente, Mineralien und Lipide (Fette).
Die Haarsubstanz besteht zu etwa 90% aus Keratin, einem Faserprotein, das aus 18 verschiedenen Aminosäuren besteht. Vor allem Asparaginsäure, Cystein, Glutaminsäure, Leucin, Isoleucin, Arginin und Prolin sind enthalten. Die Aminosäuren sind durch Amidbindungen zu langen Polypeptidketten verknüpft. Zwischen benachbarten Peptidketten gibt es Quervernetzungen (Wasserstoffbrücken, Salz-Brücken, Disulfid-Brücken), die bei kosmetischen Formveränderungen der Haare (z.B. Dauerwelle) aufgelöst und, nachdem das Haar in die gewünschte Form gebracht wurde, wieder hergestellt werden.
Die äußere Schicht des Haares bildet die sogenannte Cuticula oder Schuppenschicht. Sie umhüllt die Cortex (Rinde), die rund 80 Prozent des Haaranteils ausmacht.
Die Schuppenschicht, auch Cuticula genannt, bildet die äußere Schicht des Haars. Sie besteht aus tannenzapfenförmig angeordneten, flachen Hornzellen und ist ein Indikator für den Gesundheitszustand des Haars. Liegen die Hornzellen flach an, ist das Haarinnere gut gegen Einflüsse von außen geschützt. Zudem wird das Licht an dieser glatten Fläche perfekt reflektiert, das sorgt für Glanz. Ist die Schuppenschicht dagegen durch Stress von außen (Blondierung, Dauerwelle, häufiges heißes Föhnen) offen und rau, können Schadstoffe von außen ins Haarinnere eindringen. Der ganze Schopf sieht dann spröde, glanzlos und struppig aus.
Die Haarfarbe wird durch farbige Pigmente in den Haarfollikeln bestimmt. Sie werden durch Pigmentzellen gebildet. Diese Pigmente wandern durch feine Kanäle in die Keratin- oder Hornzellen des Haares, durchsetzen sie und bilden so die Haarfarbe.
Im Inneren der Haarwurzel werden Melanin-Pigmente produziert, die sich auf das gesamte Haar verteilen. Unsere natürliche Haarfarbe wird durch die Menge an Melanin und den Typ des Melanins im Haar bestimmt. Beim Eumelanin haben die Pigmente eine körnige Struktur. Er ist für dunkle Haartöne wie Dunkelrot, Kastanienbraun oder Schwarz verantwortlich. Das Phäomelanin hat eine feinere Struktur. Dieser Melanin-Typ ist für blondes und rotblondes Haar verantwortlich.
Pigment innerhalb der Keratinfasern der Haare. Je nach Menge sorgt es für dunklere oder hellere Haare. Im Alter nimmt die Bildung von Melaninen ab, das führt dann zu grauen bzw. weißen Haare. Es gibt zwei verschiedene Melanin-Typen: die größeren schwarz-braunen Eumelanin-Pigmente und die wesentlich kleineren rot-gelben Phäomelanin-Pigmente.
Im Grunde ist graues Haar gar nicht wirklich grau, sondern ein Mix aus farblosen und pigmentierten Haaren, der grau erscheint. Weißes Haar entsteht, wenn die Pigmentzelle ihre Melanin-Produktion drosseln.
Die Haare auf dem Kopf befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen.
Der überwiegende Teil (rund 80 bis 90 Prozent) steckt in der Wachstumsphase (Anagenphase). Dabei bildet sich eine neue Haarwurzel und das Haar wächst. Diese Phase dauert zwischen zwei und sieben Jahre.
Danach folgt eine kurze Übergangsphase (Katagenphase) von zwei bis drei Wochen, in der die Zellproduktion im Haarfollikel vorübergehend aufhört. Der Follikel verengt sich dadurch, das Haar fällt aus. Rund ein Prozent der Follikel befinden sich in dieser Übergangsphase.
In der folgenden Ruhephase (Telogenphase) regeneriert sich der Haarfollikel wieder, die Zellteilung beginnt und ein neues Haar kann entstehen.
Normal ist ein Haarverlust von 30 bis maximal 100 Haaren pro Tag. Gehen mehr Haare aus, kann das verschiedene Ursachen haben.
Ob wir dickes oder dünnes Haar haben, liegt in unseren Genen. Als fein gilt in Europa ein Haar, das einen Durchmesser von 0,04 bis 0.06 mm hat. Normal ist ein Haar zwischen 0,06 und 0,08 mm und als dick wird es zwischen 0,08 und 0,1 mm bezeichnet. Asiatisches Haar ist im Vergleich zu europäischem Haar deutlich dicker, der Durchschnitt in Asien liegt zwischen 0,08 und 0,12 mm.
| Haartyp | Durchmesser (mm) |
|---|---|
| Fein | 0,04 - 0,06 |
| Normal | 0,06 - 0,08 |
| Dick | 0,08 - 0,1 |
| Asiatisch (Durchschnitt) | 0,08 - 0,12 |
Ob das Haar glatt oder lockig ist, hängt mit dem Querschnitt des Haares zusammen. Ist er rund, wächst das Haar glatt aus der Haut. Je ovaler sein Querschnitt, desto lockiger sind die Haare.
Die Kopfhaut ist genauso aufgebaut wie die übrige Haut am Körper. Sie ist auch ähnlich empfindlich. Trotz der Haare kann sie einen Sonnenbrand bekommen, Kälte, Hitze und andere Einflüsse von außen können sie austrocknen und zu Juckreiz und Schuppenbildung führen.
Wie fast überall auf der Haut sitzen auch auf der Kopfhaut Talgdrüsen. Sie produzieren Fette, die die Kopfhaut und damit auch das Haar vor dem Austrocknen schützen. Durch genetische Veranlagung, Stress oder hormonelle Veränderungen gerät die Talgproduktion manchmal aus dem Gleichgewicht. Das führt dann entweder zu besonders schnell fettendem Haar oder zu einer sehr trockenen Kopfhaut.
Schuppen können auf einer trockenen aber auch auf einer fettigen Kopfhaut entstehen, wenn die Kopfhaut kleinste abgestorbene Hautzellen zu früh und in zu großen Mengen abstößt. Die Ursachen sind unterschiedlich: Stress, falsche Ernährung, hormonelle Schwankungen, aber auch trockene Heizungsluft, häufiges Föhnen oder aggressive Reinigungsmittel können zu Schuppen führen.
Ein einzelnes Haar kann mindestens 100 Gramm an Gewicht tragen, ohne zu reißen. Ein Haar bleibt sechs bis acht Jahre auf dem Kopf, dann fällt es aus. Das ist genetisch vorgegeben.
Unsere Haare sind im Alltag verschiedenen Belastungen ausgesetzt, die ihre Struktur schädigen können. Diese Schäden äußern sich in sprödem, strohigem Haar, Spliss und Haarbruch. Sowohl Männer als auch Frauen können von Haarstrukturschäden betroffen sein. Physikalische Einflüsse: Übermäßige Hitzeeinwirkung durch Föhnen, intensive Sonnen- oder Solarieneinwirkung sowie UV-Bestrahlung können das Haar schädigen und seine Struktur schwächen.
Unter Spliss versteht man gespaltene Haarspitzen, die vermehrt bei längerem Haar auftreten. Der Grund sind meist mechanische Beanspruchungen durch Kämmen, Bürsten oder das Aufstoßen auf die Schulter. Aber auch Stress durch häufiges Färben, Blondieren, Dauerwellen oder Hitze-Tools wie Föhn oder Glätteisen greifen die Spitzen an. Ist der Spliss einmal da, lässt er sich durch Spitzenfluids mit hauchfeinen Silikonölen zumindest optisch für einige Zeit minimieren.
Das Wachstum der Haare lässt sich von außen praktisch nicht beeinflussen. Pro Tag wächst das Haar zwischen 0,3 und 0,45 mm und im Monat 1 bis 1,2 cm.
Der Haarfollikel ist das kleinste Organ im menschlichen Körper. Er ist nicht nur für das Haarwachstum verantwortlich, sondern auch an verschiedenen physiologischen Prozessen wie der Talgproduktion und der Regulierung der Hauttemperatur beteiligt. Funktion und Aufbau sind komplex und damit auch "fehleranfällig": Funktioniert das Organ nicht reibungslos, ist Haarausfall die Folge.
Der Begriff Follikel stammt vom lateinischen „folliculus“ ab und bedeutet im Deutschen „Bläschen“. Die anatomischen Strukturen, welche die Haarwurzeln bläschenförmig ummanteln und somit das Haar in der Haut verankern werden als Haarfollikel/ Haarbalg/ Folliculus pili bezeichnet.
Der in der Haut liegende und somit für das menschliche Auge verborgene Teil des Haares wird als Haarwurzel/ Radix pili bezeichnet. Diese ist komplett von Epithel umgeben und verdickt sich an ihrem proximalen Ende zur sogenannten Haarzwiebel/ Haarbulbus, in dem sich ein gut durchblutetes Bindegewebe, die dermale Papille/ Haarpapille befindet.
Die dermale Papille ist das physiologische Steuerzentrum des Haarwachstums. Sie versorgt das Haar mit Nährstoffen und Sauerstoff und verursacht das eigentliche Haarwachstum des Haares durch ständige Zellteilung. Pigmentbildende Melanozyten geben Melanin an die ebenfalls umliegenden Matrix-Keratinozyten ab, was dem jeweiligen Haar seine charakteristische Farbe Durch komplexe molekulare Interaktionen bilden Neuro-ektodermale Melanozyten, epitheliale Keratinozyten und mesenchymale Fibroblasten eine haarproduzierende Einheit, wobei sich die drei genannten Zelltypen durch jeweilige Stammzellreservoire speisen.
Der Haarschaft ist der sichtbare Teil des Haares, der aus der Haut herausragt. Die Epidermis ist die äußerste Schicht der Haut, in die der Haarfollikel eingebettet ist. Die Dermis ist die mittlere Hautschicht, in der der Haarfollikel verankert ist.
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