Wer fettige Haare hat, wirkt schnell ungepflegt. Doch meist ist mangelnde Hygiene keineswegs der Grund dafür. Extrem fettiges Haar lässt sich auch von täglichem Waschen nicht beeindrucken. Oft werden die Haare sogar direkt nach dem Waschen wieder fettig und strähnig. Lesen Sie hier, was Sie gegen schnell fettende Haare tun können und erfahren Sie, welche Tipps am besten helfen.
Grundsätzlich sind fettige Haare natürlich. Der ölige Film, der sich auf dem Ansatz ablegt, kann deine Haare sogar vor strapazierenden Einflüssen wie Föhnhitze oder Salzwasser schützen. Allerdings werden sie durch den öligen Talg schwerer, hängen schlapp und liegen flach auf der Kopfhaut auf.
Fettige Haare werden als unschön, unangenehm oder sogar unhygienisch empfunden. Dabei steckt hinter fettigen Haaren in den meisten Fällen einfach nur Talg. Und Talg hat eine wichtige und berechtigte Funktion für unsere Haut. Talg wirkt sowohl auf Haut und Kopfhaut als Schutzmantel, gegenüber äußeren Einflüssen und ist Bestandteil der Hautflora. Die Fette des Talgs bewahren die Haut außerdem vor dem Austrocknen.
Haut ist nicht gleich Haut. Die Kopfhaut ist im Vergleich zur Gesichtshaut nicht nur etwas dicker, sie weist zum Beispiel auch eine besonders hohe Dichte an Haarfollikeln und Talgdrüsen auf. Diese produzieren einen schützenden Fettfilm, das sogenannte Sebum, das die Haare umhüllen und geschmeidig halten soll.
Die Funktion dieser Talgdrüsen kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. So sind zum Beispiel bestimmte Hefepilze, die sogenannte Malassezia-Spezies, die jeder Mensch auf seiner Kopfhaut hat, an der Entstehung einer fettigen Kopfhaut beteiligt. „Man geht heute davon aus, dass diese Organismen einen Biofilm verursachen, der die Talgproduktion anregt“, erklärt Prof. Markus Böhm, Leiter der Allgemeinen Dermatologie am Universitätsklinikum Münster.
Als weitere Einflussfaktoren nennt der Hautexperte eine genetische Disposition, in seltenen Fällen auch bestimmte Medikamente, Psychopharmaka, Antiepileptika und Hormonpräparate, die die Talgproduktion fördern können und - als Hauptfaktor - den Einfluss der Hormone.
„Die Talgproduktion erfährt in der Pubertät, also mit dem Beginn der Sexualhormonbildung, ihren Höhepunkt“, sagt Prof. Böhm. „Dies ist besonders bei Jungen der Fall, weil die Sexualhormonspiegel beim männlichen Geschlecht um ein Vielfaches höher liegen als beim weiblichen Geschlecht.“
Die Hauptauslöser einer erhöhten Talgproduktion sind männliche Hormone - sogenannte Androgene wie das Testosteron. Sie binden an die Androgenrezeptoren in den Talgdrüsen und fördern dadurch die Produktion von Sebum.
Manchmal klagen auch Frauen in den Wechseljahren darüber, dass ihre Haare trockener werden oder aber schneller fetten. „In den Wechseljahren kommt es zu Veränderungen im Gleichgewicht der Sexualhormone, wobei die Gegenspieler der Androgene, die Östrogene, weniger produziert werden“, ergänzt Prof. Markus Böhm, Leiter der Allgemeinen Dermatologie am Universitätsklinikum Münster. „Dieses sich neu einstellende Verhältnis kann prinzipiell auch zu Veränderungen in der Talgproduktion der Kopfhaut führen.
Viele Frauen, die mit der Pille verhüten und diese absetzen, beklagen, dass ihre Haare plötzlich schneller fetten als zuvor. Auch das liegt an der hormonellen Veränderung und der daraus resultierenden erhöhten Talg-Produktion.
Betroffene leiden häufig stark unter fettigen Haaren und stellen sich mitunter die Frage: Was tun gegen fettige Haare? Wir haben einige Methoden zusammengestellt, die die Haare wieder frisch aussehen lassen - zum Teil auch ohne waschen:
Grundsätzlich empfiehlt Dermatologin Christiane Bayerl, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie an der Helios Klinik Wiesbaden, einen pragmatischen Umgang mit der Thematik: „Wenn eine Kopfhaut stärker fettet, muss ich meine Haare eben häufiger waschen. Das schadet nicht und sorgt auch nicht dafür, dass die Haare schneller nachfetten.“ In der Regel reicht dafür ein mildes Shampoo mit einer pH-neutralen Formulierung, das heißt mit einem pH-Wert von etwa 5.
Bei der Wäsche von schnell fettenden Haaren sind Pflegeprodukte von entscheidender Bedeutung. Wichtig ist, dass du zu milden Shampoos, Conditionern und Masken ohne Silikone oder zugesetzte Öle greifst. Sie können zum einen die Kopfhaut reizen und dadurch die Talgproduktion anregen. Zum anderen legen sich Silikon sowie Öl wie ein Film um deine Haare und beschweren sie dadurch. Das Ergebnis: Schlapp hängende Haare, die flach an der Kopfhaut liegen und fettig erscheinen.
Fetten die Haare sehr stark, können Spezialprodukte helfen. „Shampoos mit den Inhaltsstoffen Ketoconazol, Ciclopiroxolamin oder Selen können die Anzahl der Hefepilze reduzieren“, sagt Professorin Bayerl. „Diese Shampoos sind als wirksam gegen Schuppen und fettiges Haar gekennzeichnet und für die Verbraucherinnen und Verbraucher dadurch leicht erkennbar.“
Neben der Wahl der Produkte ist es wichtig, sie auch richtig einzusetzen. Vielleicht hilft es dir, dein Shampoo nur kurz in den Ansatz einzumassieren und es nach kurzer Einwirkzeit wieder auszuspülen. So verminderst du die Kontaktzeit zu potentiell reizenden Stoffen, die die Talgdrüsen stärker aktivieren könnten. Den Conditioner oder die Maske gibst du dagegen nur in die Spitzen oder bei Bedarf in die Längen.
Im Internet finden sich unzählige Empfehlungen, mit denen man fettiger Kopfhaut angeblich entgegenwirken kann. Meist beruhen diese Empfehlungen allerdings auf Erfahrungen und können nicht durch Studien bewiesen werden. Da lohnt es sich unter Umständen, einfach mal selbst auszuprobieren, was hilft.
Einige Beispiele für Hausmittel:
Weitere Tipps:
Es finden sich Hinweise, dass der Verzehr von Zucker oder Milchprodukten einen Einfluss auf die Talgproduktion der Haut haben könnte. So erhöht zum Beispiel eine Ernährung mit hohem glykämischen Index den Insulinspiegel, was wiederum die Androgenproduktion steigern kann - und erhöhte Androgenspiegel fördern die Talgproduktion.
Ein direkter Zusammenhang konnte bislang aber nicht nachgewiesen werden. „Wir wissen, dass die Ernährung beispielsweise Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder atopische Dermatitis beeinflussen können“, sagt Prof. Böhm.
Bei dem Versuch, die Haare ausfetten zu lassen, werden die Haare - obwohl sie fettig sind - erst zu einem späteren Zeitpunkt als gewöhnlich gewaschen, sprich mit größerem Zeitabstand. Dabei empfehlen manche Quellen einen genauen Zeitabstand von beispielsweise 5 Tagen, andere von gar mehreren Wochen und wieder andere verbieten auch gänzlich die Anwendung von Shampoo.
Eine seltenere Haarwäsche kann durchaus positive Effekte haben. Eine optimale Häufigkeit oder Rhythmus lässt sich nicht vorhersagen oder verallgemeinern. Tatsache ist jedoch, dass zumindest eine tägliche Haarwäsche nur in absoluten Ausnahmefällen notwendig ist. Zu häufiges Haarewaschen kann nämlich die Kopfhaut reizen und austrocknen. Wer zusätzlich zu einem aggressiven Shampoo greift, kann der Kopfhaut durch längere Waschpausen daher etwas Gutes tun.
Nicht jede:r profitiert von dem Versuch, die Haare ausfetten zu lassen. Ganz im Gegenteil können dabei auch Probleme auftreten. Wenn sich durch die seltenere Haarwäsche nämlich Dreck, Schmutz, Schweiß oder Stylingprodukte (z.B. Haarspray) auf der Kopfhaut ansammeln, kann es zu Hautirritationen kommen. Bei dem Selbstexperiment, die Haare ausfetten zu lassen, solltest Du dementsprechend darauf achten, dass Deine Haare so sauber wie möglich bleiben, u. a. indem Du auf den täglichen Gebrauch von Haarspray & Co. verzichtest.
Aus dermatologischer Sicht ist also eindringlich davon abzuraten, die Haare gar nicht mehr zu waschen. Es steht vielmehr zur Diskussion, ob zumindest selteneres Waschen bei fettigen Haaren helfen kann.
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