Verstecktes Tierleid in Lebensmitteln: Wenn asiatische Haare im Brot landen

Wussten Sie, dass sich hinter manchen pflanzlichen Lebensmitteln Tierleid verbergen kann? Bei einigen pflanzlichen Produkten leiden Tiere während der Herstellung und beim Anbau. Andere Produkte, die scheinbar gut mit einer veganen Ernährung zu vereinbaren sind, werden mit tierischen Stoffen hergestellt.

Obst mit Bienenwachsüberzug (Quelle: PETA)

1. Überraschende tierische Inhaltsstoffe in pflanzlichen Lebensmitteln

Oft steckt Tierleid hinter Dingen, die eigentlich vegan sein sollten. Vor allem Schalenobst wie Äpfel, Pfirsiche, Melonen, Birnen und verschiedene Zitrusfrüchte wie Orangen werden mit Bienenwachs oder Schellack überzogen.

Ein Überzug aus Schellack oder Bienenwachs soll das Obst einerseits davor schützen, zu schrumpeln, und erzeugt andererseits einen unnatürlichen Glanzeffekt. Für Bienen ist es grausam, wenn ihnen das selbstgemachte Wachs gestohlen wird, denn sie nutzen es, um ihren Larven Kinderzimmer zu bauen, in denen sie geschützt aufwachsen können.

Bananen enthalten manchmal auch Tierleid: Manche Hersteller besprühen die grüne Frucht mit einem Pflanzenschutzmittel, in dem Chitin enthalten ist. Die Banane soll damit langsamer reifen. Chitin wird aber aus den Schalen von Garnelen und anderen Krebsarten hergestellt, die die Tiere niemals freiwillig abgeben würden.

2. Olivenöl und die Folgen der Olivenernte

Olivenöl ist gesund, aber wussten Sie, dass bei der Olivenernte Millionen von Tieren sterben? Das liegt daran, dass viele Oliven nachts mit Saugmaschinen abgeerntet werden, um ein besonders gutes Aroma zu erhalten. Dabei fallen vor allem Singvögel, die nachts in den Olivenbäumen und darunter liegenden Büschen schlafen, den lärmenden Maschinen zum Opfer: Das plötzliche Donnern der Maschinen und die Lichtblitze schrecken die Tiere auf, sie verfallen in eine Starre.

Manche Vögel werden einfach von den Maschinen mit aufgesaugt und dadurch getötet. Wenn Sie beim Olivenöl kein Tierleid unterstützen und auf Nummer sicher gehen möchten, achten Sie beim Kauf darauf, dass die verarbeiteten Oliven per Hand gepflückt wurden.

3. Die Rolle von Bienen bei der Bestäubung

Sogenannte Honigbienen bestäuben viele Blütenpflanzen weltweit. Nicht immer passiert das freiwillig: Besonders für Mandeln aus den USA werden teilweise Massen an Bienen mit dem LKW durchs Land transportiert, um eine Mandelbaumplantage nach der anderen zu bestäuben. Für die Bienen bedeutet das Stress und Leid. Vor allem Obst und Gemüse, das schwer von Natur aus anzubauen ist - oft in Gewächshäusern -, wird auf diese künstliche und für die Bienen ausbeuterische Weise bestäubt.

Darunter können neben Mandeln auch Avocados, Kiwis, Melonen, Gurken, Kirschen und Butternuss-Kürbisse fallen.

Affen bei der Kokosnussernte (Quelle: Deutschland Vegan)

4. Kokosnussernte durch Affen

In manchen Regionen in Thailand werden angekettete Affen dazu gezwungen, auf Palmen zu klettern und die Kokosnüsse herunterzuholen. Viele Affenbabys werden dazu direkt aus der Natur gerissen und ihren Familien weggenommen. Sie werden an Ketten gelegt, oft mit Schlägen und Gewalt trainiert und dazu gezwungen, Kokosnüsse zu pflücken, um daraus Kokosprodukte wie Kokossahne, Kokosmilch und anderes herzustellen.

Vegane Ernährung - Vor- und Nachteile

5. L-Cystein (E920): Haare im Brot?

Was ist L-Cystein (E920)? Kurz: eine Aminosäure, die in allen möglichen Haararten vorkommt, egal ob Mensch, Schwein, Pferd oder Katze. Unsere Haare bestehen alle aus L-Cystein. Hörner, Fingernägel, Krallen und Federn übrigens auch. Ziemlich eklig, dass gerade dieser tierische Baustein ab und zu in Teigwaren wie Brot und Brötchen vorkommt und Teige „elastischer“ werden lassen soll.

Früher wurde es aus Menschenhaar hergestellt, bevorzugt asiatischem, da hier der Anteil an Cystein besonders hoch ist. Seit April 2013 ist das angeblich durch eine EU-Richtlinie untersagt. Heute wird E 920 mit Hilfe von Mikroorganismen auf biotechnologischem Weg hergestellt.

Bei der Verarbeitung von Backwaren wird oft L-Cystein eingesetzt, das u.a. aus asiatischen Menschenhaaren oder aus Schweineborsten gewonnen wird. Das „Mehlbehandlungsmittel“ Cystein verhindert, dass der Teig an Maschinen kleben bleibt.

Auf verpackten Produkten steht „L-Cystein“, „L-Cysteinhydrochlorid“ oder „E 920“. Wird der Stoff angeblich nur zugesetzt, um Knetmaschinen die Arbeit zu erleichtern, findet sich kein Hinweis. E 920 kann ohne Höchstmengenbeschränkung für alle Nahrungsmittel eingesetzt werden. Allerdings wird es fast ausschließlich für die Herstellung von Backwaren genutzt. E 920 hat die Eigenschaft Luft im Teig zu halten, d.h. die Backwaren halten sich durch Zusatz von Cystein wesentlich länger.

Brezeln sind übrigens auch nicht immer vegan: Traditionell werden sie in manchen Regionen immer noch mit Schweineschmalz hergestellt. Dabei ist Pflanzenfett deutlich tierfreundlicher.

Seit 2001 ist man aber noch einen Schritt weiter. Genveränderte Darmbakterien “produzieren” aus Glucose und Mineralsalzen das gewünschte Cystein. “Kolibakterien (Escherichia coli) wurden genmanipuliert und „machen“ nun aus Glukose (Zucker) und einigen Mineralsalzen das gewünschte Cystin in größeren Mengen, welches sie in ihre Naehrbruehe „pinkeln“.

6. Weitere versteckte tierische Inhaltsstoffe

Damit Zucker an Frühstücksflocken haften bleibt, ist Müsli ab und zu mit Gelatine versetzt. Für Gelatine werden Knochen, Häute und Sehnen von Kühen, Schweinen, Fischen oder Hühnern ausgekocht, um an das darin enthaltene Kollagen zu kommen.

Vor allem bei roter Marmelade wie Kirsch-, Himbeer- oder Erdbeermarmelade ist ein genauerer Blick auf die Zutaten notwendig, denn gelegentlich enthalten diese Produkte Tierleid: Um einen knalligeren Rotton zu erhalten, fügen manche Hersteller extra gezüchtete und getötete weibliche Läuse, bekannt als der Inhaltsstoff Karmin (E120), hinzu.

Die Fischblase wird als tierischer Hilfsstoff zwar nicht in der Zutatenliste vieler Fruchtsäfte und Alkoholsorten wie Wein zu finden sein, trotzdem benutzen manche Hersteller in seltenen Fällen noch immer diese und andere tierische Stoffe wie Molke, um die Beschaffenheit der Säfte und Weine zu beeinflussen und diese „klarer“ zu machen - vor allem im Ausland. Auch Gelatine soll dabei Trübstoffe aus den Säften filtern - danach wird beides entfernt.

Achtung bei Instant-Pulvern wie Gemüsebrühe und verschiedenen Fertigsuppen. Manchmal befinden sich Tierqual-Produkte wie Eiklar, Milchpulver oder Hühnereiweiß in Instant-Gemüsebrühe und Co. Auch Aromastoffe aus Rinderfett sind manchmal zu finden.

Leider ist Kaffee nicht immer vegan. Denn wie bei Obst und Gemüse werden Bienenwachs und Schellack teils auch bei ganzen Kaffeebohnen benutzt, um die Oberfläche zum Glänzen zu bringen und sie so interessanter für Käufer:innen zu machen. Außerdem soll durch die glattere Oberfläche die Verarbeitung leichter sein.

Auch wenn der unterirdische Pilz an sich vegan ist, werden zur Trüffelsuche noch immer vor allem Hunde eingesetzt. Auch Schweine werden teilweise noch für die Pilzsuche missbraucht. Und wie bei jeder Tierhaltung kann man sich auch in diesem Fall nicht darauf verlassen, dass die Tierhalter:innen ihre Vierbeiner auch gut behandeln. So wurde bereits berichtet, dass manche Sammler:innen ihre Hunde hungern lassen oder in kleinen Käfigen für die Trüffelsuche „scharfmachen“.

Die gute Nachricht ist: Es gibt Trüffelplantagen, auf denen die Pilze ganz ohne Hunde oder Schweine geerntet werden.

Vegane Alternativen und Unterstützung

Sie wollen vegan leben, aber Ihnen fehlt die Zeit, alle Informationen zusammen zu tragen? PETA Deutschland hat die wichtigsten Informationen zur veganen Lebensweise für Sie in einem 30-tägigen Veganstart-Programm zusammengefasst.

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