Gerade während und nach großen Sportereignissen wie der Fußball-Europameisterschaft steigt der Wunsch, den Stars in nichts nachzustehen. Das bedeutet oft: Haare ab - und zwar mit dem Rasierer. Doch seit einiger Zeit sind diese Frisuren nicht nur ein Modetrend, sondern anscheinend auch Infektionsherd für einen bestimmten Hautpilz namens Trichophyton tonsurans.
Die Infektionszahlen steigen schon seit 2019 deutlich an, wie Andreas Maronna, Oberarzt an der Hautklinik am Uniklinikum Erlangen, berichtet. Sie steigen demnach nicht nur in vielen mittelgroßen und großen Städten Deutschlands, sondern europaweit. Die meisten Infektionen treten bei Männern nach dem Besuch in einem sogenannten "Barbershop" auf, erzählt der Hautarzt.
Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Trichophyton tonsurans und die damit verbundene Ansteckungsgefahr.
Früher habe sich der Hautpilz insbesondere unter Kampfsportlern verbreitet, weshalb er auch als "Ringerpilz" bezeichnet werde, erklärt Spezialist Maronna. "Neuerdings hat er irgendwie den Sprung in die Barbershops geschafft." Die Infektionsfälle hätten sich im Vergleich zu früher, also seit 2019, mindestens verzehnfacht. "Und wir gehen davon aus, dass das im Moment weiter steigt. Auch bei uns steigen die Zahlen nach wie vor ein bisschen", so Maronna.
Übertragen wird der Pilz neuerdings wohl insbesondere über unzureichend gereinigte Haarschneide-Geräte, wie Rasierer oder Trimmer. Die Sporen des Pilzes gelangen über winzige Verletzungen, die bei einer Rasur häufig sind, in den Körper. Auch durch engen Kontakt im sozialen Umfeld kann der Pilz übertragen werden. Wenn man Pech habe, reiche ein "Sekundenkontakt" aus, um sich mit dem Hautpilz zu infizieren, so Maronna.
Der Erlanger Hautarzt sagt dazu: "Üblicherweise geht es mit Rötungen und Juckreiz los." Die befallenen Stellen verdicken sich, kleine Knötchen entstehen, später auch wassergefüllte oder sogar eitergefüllte Bläschen. "Neue Herde entstehen, weil man dann wegen des Juckreizes daran kratzt". Über die eigenen Fingernägel kann man den Pilz so auch auf andere Stellen des Körpers übertragen.
Aber bei den meisten Fällen, die Maronna und seine Kollegen derzeit beobachten, kommt es bei den überwiegend jungen Männern, die sich mit dem Pilz infiziert haben, zu Hautveränderungen am Nacken, am Kopf und im Bartbereich.
"Dass der Pilz gefährlich wird - im Sinne von Organbeteiligung oder sowas - ist unendlich selten", betont Maronna. Aber: Da die Haut durch den Pilz geschädigt werde, könnten andere Erreger durch die Haut in den Körper eindringen. Im schlimmsten Fall könne eine Blutvergiftung die Folge sein, was aber ebenfalls sehr selten sei. Auch, dass die Haarwurzel durch den Pilz derart angegriffen wird, sodass dauerhaft kahle Stellen am Kopf entstehen, hält der Mediziner nur für möglich, wenn die Infektion "entsprechend heftig und lange verläuft".
Nicht immer kommen Ärzte bei einer Infektion mit dem Hautpilz Trichophyton tonsurans gleich auf die richtige Diagnose. Häufig vermuten sie eine bakterielle Infektion als Ursache für die Hautveränderungen. Das Problem bei einer solch falschen Diagnose ist dann: "Die bakterielle Infektion wird schön zurückgetrieben, aber der zugrunde liegende Pilz bleibt unerkannt und wütet dann weiter", sagt Maronna.
Er rät dazu, mit den Patienten ein ausführliches Vorgespräch zu führen, in dem man Kontakte abfragt, sich erkundigt, ob sie beim Barber waren, um so Übertragungswege nachvollziehen zu können. Bei den derzeit auftretenden Fällen reicht auch "eine Blickdiagnose", wie der Hautarzt es nennt. Junge Männer mit einem entsprechenden Haarschnitt und Hautveränderungen am Nacken, am Kopf oder im Bartbereich, da "sollte jetzt inzwischen der Groschen bei den Behandlern fallen", sagt Maronna.
Auch Betroffene tun sich häufig schwer, den Pilz als solchen zu erkennen. Sie halten die Hautveränderungen für trockene, raue Stellen oder einen Insektenstich, den sie aufgekratzt haben. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion und auftretenden Beschwerden, sei üblicherweise eine Woche. Bis spätestens drei Wochen nach der Infektion "merke man es dann", erklärt Maronna. Und: Je größer der Herd, desto höher die Übertragbarkeit. Das heißt auch: Je später man die Infektion entdeckt und behandelt, desto mehr Menschen kann man theoretisch angesteckt haben. In den ersten Tagen nach einer Infektion sei man aber nicht ansteckend, betont der Erlanger Hautarzt.
Wichtige Information: Je größer der Herd, desto höher die Übertragbarkeit; je später man die Infektion entdeckt und behandelt, desto mehr Menschen kann man theoretisch angesteckt haben.
Infektionen mit dem Hautpilz können mit Shampoos, Cremes, alkoholischen Lösungen und Tabletten behandelt werden. Da der Nachweis des Pilzes mittels PCR-Technik einige Tage dauern kann, rät Maronna in der Zeit, in der die Diagnose noch nicht eindeutig feststeht, aber vermutet wird, mit einer "lokalen Therapie", also mit Cremes, alkoholischen Lösungen und Shampoos, schon einmal anzufangen, "um dem Pilz ein bisschen Einhalt zu gebieten." Wenn der Pilz nachgewiesen ist, "sollte man auch zügig mit der Tablettentherapie loslegen", rät der Hautarzt.
Damit der Pilz "nachhaltig eliminiert" wird, sollte man den Patienten "vier Wochen, sechs Wochen, mitunter auch mal acht Wochen" behandeln, rät der Mediziner. Aber: Schon nach einer Woche der Behandlung sind die Patienten nicht mehr ansteckend. Betroffene Kinder können dann zum Beispiel wieder in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kita oder Schule gehen.
Wer mit dem Hautpilz Trichophyton tonsurans infiziert ist, sollte laut Maronna folgendes beachten:
Um eine Infektion mit dem Hautpilz zu verhindern, rät Hautarzt Maronna, sich den Friseursalon oder den Barbershop genau anzuschauen. Die entscheidenden Fragen seien:
In der Friseurausbildung und auch in der Meisterausbildung werde Hygiene großgeschrieben, betont Mike Hecker, Vorsitzender vom Marketing und Öffentlichkeitsausschuss des Landesinnungsverbands der Friseure und Kosmetiker Bayern. "Das sollte jeder Friseur wissen." So schreibt die für Bayern geltende bayerische Hygiene-Verordnung unter anderem vor, dass die Rasierklingen ebenso wie Kämme und Bürsten nach jedem Kunden desinfiziert werden müssen. Auch Stühle, Umhänge und Handtücher müssen für jeden Kunden neu gereinigt werden.
Hecker macht auch deutlich, dass das Beurteilen der Kopfhaut der Kunden Gegenstand der Friseurausbildung ist. "Gibt es Auffälligkeiten, wird der qualifizierte Friseur den Kunden darauf aufmerksam machen und bei Bedarf an den Hautarzt verweisen", sagt er.
"Ganz klar kann der Kunde das natürlich verlangen. Das ist sein gutes Recht", sagt Hecker. In einem ordnungsgemäß geführten Friseursalon sollte dies aber nicht erforderlich sein, fügt er hinzu.
Warum die Ansteckungsgefahr gerade in Barbershops besonders hoch ist, ist für Hecker wenig überraschend. "In erster Linie liegt es natürlich daran, dass viele dieser Barbershops nicht von Meistern geführt werden und natürlich dann auch un- und angelernte Kräfte dort arbeiten. Die haben einfach diese Hygienemaßnahmen nicht gelernt und setzen das natürlich auch nicht um", betont er.
Der harte Preiskampf führe dazu, dass die Hygienevorschriften oft nicht eingehalten würden, gibt auch der Erlanger Hautarzt Maronna zu verstehen. Billig sei eben nicht preiswert, sondern billig, sagt er.
Tübingen, Stuttgart, Nürnberg, Berlin, Köln und auch München - was auch eine Untersuchung der TU München bestätigt -, nennt Maronna als "Hotspots", wo nach seiner Erfahrung bisher besonders viele Fälle von Infektionen mit dem Hautpilz Trichophyton tonsurans aufgetreten sind. Aber: "Inzwischen kann man davon ausgehen, dass es eine deutschlandweite Epidemie ist. [...] Teilweise wird sogar von einem europaweiten Phänomen gesprochen", sagt der Hautarzt. Er plädiert daher für eine Meldepflicht der Krankheitsfälle, um die Infektionszahlen besser in den Griff bekommen zu können.
Ein unsauberer Friseursalon birgt ernsthafte Gefahren für die Gesundheit der Gäste:
Nicht nur Gäste sind betroffen, auch das Team leidet unter mangelnder Hygiene:
| Bereich | Hygienemaßnahme | Warum? |
|---|---|---|
| Werkzeuge (Scheren, Kämme, Bürsten, Rasierer) | Desinfektion nach jedem Kunden | Verhindert die Übertragung von Pilzen, Bakterien und Viren |
| Handtücher | Wechsel nach jedem Kunden | Vermeidet die Übertragung von Hauterkrankungen und Keimen |
| Arbeitsflächen und Stühle | Regelmäßige Desinfektion | Sorgt für eine saubere und sichere Umgebung |
| Hände des Personals | Regelmäßiges Waschen und Desinfizieren | Verhindert die Übertragung von Keimen auf Kunden |
| Luftqualität | Gute Belüftung | Reduziert die Konzentration von Staub, Haarreste und chemischen Dämpfen |
Hygiene im Friseursalon ist keine Option, sondern eine Selbstverständlichkeit. Wer darauf achtet, schafft nicht nur eine angenehme Atmosphäre, sondern schützt auch Gesundheit, Vertrauen und das Image seines Salons. Denn ein wirklich guter Friseur sorgt nicht nur für schöne Haare, sondern auch für Sicherheit und Wohlbefinden!
tags: #Ansteckungsgefahr #Friseur #Hygiene #Maßnahmen
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