Andy Warhol: Haare, Stil und späte Rehabilitierung eines Pop-Art-Superstars

Andy Warhol, geboren als Andrej Warhola am 6. August in Pittsburgh, Pennsylvania, war einer der bedeutendsten amerikanischen Künstler und Hauptvertreter der Pop-Art. Revolutionär, Superstar, Ikone, Serientäter, Anti-Künstler - diese Begriffe wurden ihm zugeordnet. Er verankerte seine Person und sein Werk fest in den Köpfen der Menschen.

Warhol konzentrierte sich mit Anfang 20 auf Aufträge aus der Werbung, da sich in dieser Branche am besten Geld verdienen ließ. Er entwickelte seine erste Vervielfältigungstechnik: Er zeichnete seine Motive mit Tusche und Tinte, um sie dann mit einem feuchten Löschpapier auf ein neues Blatt zu übertragen.

Er lud Freunde zu seinen „Coloring Partys“ ein, um die Motive farbig auszumalen. Dies waren die ersten Vorboten seiner fabrikmäßigen Produktion von Kunst per Siebdruck, die er später in seiner Factory verwirklichte.

Die Factory und der Mythos Warhol

1962 gründete Andy Warhol das erste seiner legendären Ateliers, genannt „Factory“. In den Fabrikgebäuden traf sich das Who is Who der kreativen Szene New Yorks. Stars wie Mick Jagger, Jim Morrison, Bob Dylan, Salvador Dalí und Marcel Duchamp gingen ein und aus. In der Subkultur der New Yorker „Factory“ produzierten die 57 Mitglieder Kunst am Fließband. Filme wie Julian Schnabels Porträt des Warhol-Protegés „Basquiat“ (1996) vermitteln ein authentisches Bild der damaligen Atmosphäre und tragen zum Mythos des bleichen Blondschopfs bei.

Willkommen in Andy Warhols Silberfabrik

Das Attentat und seine Folgen

Valerie Solanas, eine regelmäßige Besucherin von Warhols Factory, schoss am 3. Juni 1968 drei Mal mit einer Pistole auf den Künstler. Warhol wurde lebensbedrohlich verletzt, verbrachte zwei Monate im Krankenhaus und musste fortan ein Korsett tragen. Danach war nichts mehr wie vorher.

Nachdem Warhol bereits 1965 verkündet hatte, er wolle sich von der Malerei zurückziehen, um sich nur noch dem Film zu widmen, waren es nicht zuletzt die Folgen des Attentats, die ihm die Kraft zum Malen nahmen. Erst vier Jahre nach den bedrohlichen Schüssen wandte er sich dem Medium wieder zu. Er suchte, neben seinen klassischen Prints wie "Mao" (1972) oder den Transsexuellen-Porträts "Ladies and Gentlemen" (1975), nach neuen Ausdrucksformen.

Warhols Stil und sein Spiel mit dem Äußeren

Warhol spielte ab seinem 20. Lebensjahr ständig mit seinem Äußeren, indem er Perücken und Sonnenbrillen trug. Bevor er sein Selbstbildnis (1986) per Polaroid schuf, hatte er sich unter einer dicken Schicht Make-up versteckt und eine seiner rund 400 Perücken aufgesetzt. Sein damaliges Alter von 58 Jahren sah man dem exzessiven Partygänger nicht an. Warhol versuchte zu verschwinden, wie auch auf weiteren Selbstporträts.

Ein wilder roter Warhol-Kopf, das Haar wie das eines Teufels zerzaust, eröffnet die Ausstellung "The Late Work".

Die späten Werke: Eine Rehabilitierung?

Über 300 Arbeiten aus den letzten 15 Jahren seines Lebens - großformatige Gemälde, eigens nachgedruckte Wallpaper, Fotos, Videos und bisher kaum bekannte Arbeiten speziell für Kinder - sind in der Ausstellung "The Late Work" zu sehen. Ein Gang durch die einzelnen Räume des Düsseldorfer museum kunst palast wirkt wie eine späte Rehabilitierung des Künstlers, der bis heute zumeist auf sein Schaffen in den sechziger Jahren reduziert wird.

Bemerkenswert sind die großformatigen Arbeiten, wie das über zehn Meter lange "The Last Supper" (1986), das eher einem Comic Strip ähnelt als der berühmten Vorlage Leonardo da Vincis. Serien wie "Shadows" (1978), "Eggs" (1982) oder "Yarn" (1983) verweisen noch auf etwas Dargestelltes, arbeiten aber mit aus Gegenständen gewachsenen Formen.

Warhols späte Schaffensphase im Überblick

Werk Jahr Besonderheit
The Last Supper 1986 Großformatig, Comic-Strip-ähnlich
Shadows 1978 Verweist auf Dargestelltes, arbeitet mit Formen
Eggs 1982 Verweist auf Dargestelltes, arbeitet mit Formen
Yarn 1983 Verweist auf Dargestelltes, arbeitet mit Formen

Warhol als Regisseur

Warhol war weniger schüchtern in seiner Arbeit als Regisseur. Seine Filme "L'amour", "Heat" und "Women in Revolt" (alle Anfang der Siebziger) zeigen seine zwiespältige Einstellung zum weiblichen Geschlecht. Neben den "Toy Paintings" (1984), die Warhol speziell für Kinder entwarf, zeigt "The Late Work" auch seine Totenschädel, Revolver und Diamantenstaub-Bilder.

Warhols Vermächtnis

Trotz seiner umstrittenen Filme bleibt Warhols Erbe in der Kunstszene durchweg positiv. Er hat die Pop-Art bekannt gemacht und gilt heute als der bedeutendste Vertreter dieser Kunstrichtung. Seine Ideen und Methoden haben Künstler auf der ganzen Welt inspiriert und beeinflusst. Sein Vermächtnis ist eine neue Art von Kunst, die sich nicht scheut, die Massen anzusprechen und die Grenzen der Konvention zu sprengen.

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