Aminosäuren und Nahrungsergänzungsmittel gegen Haarausfall: Was Studien zeigen

Haarausfall ist definiert durch einen Verlust von mehr als 100 Haaren täglich und kann verschiedene Ursachen haben. Eine gesunde Haut und auch gesunde Haare sind ein Schönheitsideal und tragen maßgeblich zum Wohlbefinden bei. Doch was ist, wenn die Haut trocken, rissig und ungesund aussieht? Was ist, wenn die Haare spröde sind, stumpf und matt aussehen und vermehrt ausfallen? Dann ist die Suche nach der Ursache oft schwierig, denn diese ist fast immer multifaktoriell.

Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von Aminosäuren und anderen Nährstoffen für die Haargesundheit, die verschiedenen Ursachen von Haarausfall und die Ergebnisse aktueller Studien zu diesem Thema.

Hormone, Stress, Leber: Die echten Ursachen von Haarausfall

Ursachen von Haarausfall

Medizinisch lassen sich verschiedene Formen des Haarausfalls unterscheiden.

  • Androgenetische Alopezie: Die androgenetische bzw. angeborene Alopezie ist die häufigste Form, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Hierbei besteht eine Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber Dihydrotestosteron, das aus Testosteron gebildet wird. Die Überempfindlichkeit führt zu einer Verkürzung der Wachstumsphase der Haare. Vier von fünf Männern sind in unterschiedlichem Ausmaß von der angeborenen Alopezie betroffen, aber auch die Hälfte der Frauen über 50 Jahre.
  • Diffuser Haarausfall: Beim so genannten diffusen Haarausfall werden die Haare auf dem Kopf gleichmäßig "dünner", es kommt aber nicht zur Bildung von kahlen Stellen. Dem diffusen Haarausfall liegen vielfältige Ursachen zugrunde. Eine Ursache können hormonelle Störungen sein, z.B. eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse. Weitere Ursachen sind: Einnahme von Medikamenten, Vergiftungen, Hauterkrankungen, mechanische Ursachen wie Druck oder Zug, unsachgemäße Haarpflege, schädliche Strahlen etc.
  • Nährstoffmangel: Fehlernährung ist ein häufiger Grund für Haarausfall. Die Haarbildung ist ein hochaktiver Stoffwechselprozess, der jederzeit eine ausreichende Verfügbarkeit aller erforderlichen Mikronährstoffe erfordert.

Gründe für einen solchen Mangel können einseitige oder vegane Ernährung, Diäten, Stress, Nebenwirkungen von Medikamenten (z. B. Blutverdünner, Mittel gegen hohen Blutdruck oder Betablocker), aber auch Hormonumstellungen z. B. nach den Wechseljahren sein.

Krankheiten, Umweltgifte und andere Dinge können dazu führen, das unser Körper vermehrt negativen Dingen ausgesetzt ist, welche Entzündungen im Körper fördern und ihn damit “stressen”. Sind dann nicht genügend Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe vorhanden, kann sich dieser “Stress” früher oder später auch auf das Hautbild und die Haare niederschlagen.

Die Bedeutung von Nährstoffen für die Hautgesundheit ist weitreichend und wird von zahlreichen wissenschaftlichen Studien unterstützt.

Die Rolle von Nährstoffen für die Haargesundheit

Die Gesundheit der Haare hängt in hohem Maße von der Nährstoffversorgung des Körpers ab.

  • Vitamine: Eine suboptimale Versorgung mit den Vitaminen A, D und E kann ebenso zu Haarverlust führen wie Hormonschwankungen, unverträgliche Haarpflegeprodukte und manche Medikamente. Vitamin B2 spielt eine Schlüsselrolle im Energiestoffwechsel der Zellen, einschließlich der Hautzellen. Es fördert das Zellwachstum und die Regeneration. Ein Mangel an Vitamin B2 kann zu trockener und rissiger Haut führen. Vitamin B3 ist bekannt für seine Fähigkeit, die Hautbarriere zu stärken und Feuchtigkeit zu speichern. Es kann helfen, Hautprobleme wie Akne und Rosacea zu lindern. Vitamin B7 spielt eine Rolle bei der Synthese von Hautzellen und unterstützt die Gesundheit von Haaren und Nägeln. Ein Mangel an Biotin kann zu Hautausschlägen und trockener Haut führen. Vitamin C ist ein starkes Antioxidans, das vor schädlichen freien Radikalen schützt. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Kollagenproduktion, was die Haut straff und elastisch hält. Vitamin D ist ein wichtiger Modulator des Immunsystems. Ein Vitamin-D-Mangel begünstigt Autoimmunerkrankungen.
  • Mineralstoffe und Spurenelemente: Zink ist ein essenzielles Spurenelement, das für verschiedene metabolische Prozesse im Körper verantwortlich ist. Studien zeigen, dass Zinkmangel mit Haarausfall in Verbindung stehen kann. Es wird angenommen, dass Zink die Haarfollikel stärkt und das Haarwachstum fördert. Selen ist ein weiteres Spurenelement, das an antioxidativen Prozessen im Körper beteiligt ist. Es wurde festgestellt, dass Selen eine Rolle bei der Erhaltung der Haargesundheit spielt. Studien deuten darauf hin, dass Selenmangel mit vermehrtem Haarausfall in Verbindung stehen kann. Es gehört zu den wenigen Nährstoffen, bei denen ein Mangel relativ häufig ist. Es wird geschätzt, dass Frauen in Deutschland im Mittel 39 µg Selen pro Tag zu sich nehmen. Eisen spielt eine Rolle im Prozess der Zellteilung.

Biotin und Zink spielen beide eine wichtige Rolle im Wachstumszyklus des Haares und bei der Bildung neuer Haarzellen.

Bei Haarausfall sollte immer auch ein Mikronährstoffmangel in Betracht gezogen werden.

Studien zu Mikronährstoffen und Haarausfall:

  • Wissenschaftler aus Südkorea verabreichten 15 Patienten mit kreisrundem Haarausfall und niedrigen Serum-Zink-Konzentrationen über einen Zeitraum von 12 Wochen täglich 50 mg Zinkglukonat. Bei 9 der 15 Patienten wurde ein positiver therapeutischer Effekt nachgewiesen.
  • Forscher aus Jordanien untersuchten 210 Kinder mit Haarverlusten und kamen zu dem Ergebnis, dass ein Zink- und Eisenmangel wichtige Auslöser des Haarausfalls sind.
  • Im November 2013 wurde eine Studie koreanischer Wissenschaftler publiziert, in der bei 30 gesunden Kontrollpersonen und 312 Patienten mit Haarverlusten Zink und Kupfer im Serum bestimmt wurden. Bei allen Patienten mit Haarverlusten war die Serum-Zink-Konzentration signifikant niedriger als bei der Kontrollgruppe.
  • In einer türkischen Studie an 116 Männern mit androgenetischer Alopezie und 100 Kontrollpersonen wurden Zink und Kupfer in den Haaren bestimmt. Beide Spurenelemente waren bei den Haarverlust-Patienten vermindert.
  • Eine Schilddrüsenunterfunktion führte im Falle einer indischen Patientin auch zu Haarausfall und zu einer verminderten Aufnahme von Zink, woraus ein Zinkmangel resultierte. Der Haarausfall besserte sich erst, als zusätzlich zu den Schilddrüsenhormonen auch Zink verabreicht wurde.

Zur Vermeidung von Haarausfall ist eine Ferritinkonzentration von wenigstens 50 Mikrogramm/Liter anzustreben.

Dermatologen aus den USA berichteten 2006, dass die Behandlung von Haarverlust durch die Behandlung eines Eisenmangels mit oder ohne Anämie verbessert wird.

Bei Patienten mit Alopecia areata wurden mehrfach verminderte Konzentrationen von 25(OH)D3 nachgewiesen, so in einer Studie türkischer Wissenschaftler publiziert, im Juni 2014, und in einer Studie israelischer Forscher, die ebenfalls im Juni 2014 veröffentlicht wurde.

Haarausfall wird häufig auch mit einem Biotinmangel in Verbindung gebracht.

Hier ist eine Tabelle, die die wichtigsten Nährstoffe und ihre Rolle bei der Haargesundheit zusammenfasst:

Nährstoff Rolle bei der Haargesundheit Mögliche Folgen eines Mangels
Zink Stärkt die Haarfollikel, fördert das Haarwachstum Haarausfall
Selen Antioxidative Prozesse, Erhaltung der Haargesundheit Haarausfall
Biotin (Vitamin B7) Synthese von Keratin, wichtig für das Haarwachstum Haarausfall
Eisen Zellteilung Haarausfall
Vitamin D Modulator des Immunsystems Haarausfall
Vitamin B2 Fördert Zellwachstum und Regeneration Trockene und rissige Haut
Vitamin B3 Stärkt die Hautbarriere und speichert Feuchtigkeit Hautprobleme wie Akne und Rosacea
Vitamin C Antioxidans, Kollagenproduktion Hautprobleme

Aminosäuren: Bausteine für gesundes Haar

Aminosäuren sind die Bausteine von Proteinen, die eine Schlüsselrolle bei der Erhaltung der Gesundheit von Haaren und Haut spielen.

  • Kollagen und Elastin: Aminosäuren wie Glycin, Prolin und Lysin sind entscheidend für die Bildung von Kollagen und Elastin, die strukturelle Proteine sind, die Haut und Bindegewebe unterstützen.
  • Keratin: Keratin, das Hauptprotein in Haaren, besteht hauptsächlich aus Aminosäuren wie Cystein. Cystein bildet Disulfidbrücken, die die Struktur und Festigkeit der Haare beeinflussen.
  • Arginin: Arginin spielt eine Rolle bei der Durchblutung der Haut und fördert die Produktion von Stickstoffmonoxid, was die Hautgesundheit unterstützen kann.
  • Proline und Hydroxyproline: Diese Aminosäuren sind entscheidend für die Synthese von Kollagen und unterstützen die Hautregeneration.

Unser Haar besteht hauptsächlich aus Proteinen (Eiweissen), die als so genannte Keratine bezeichnet werden. Deshalb kann ein Mangel an Proteinen unter anderem auch zu Haarausfall beitragen. Ist der Körper nicht genügend mit Eiweiss versorgt, leidet die für den Haarwuchs notwendige Keratinbildung. Trockene, brüchige Haare und Haarausfall können die Folge sein. Ein gesunder Proteinstoffwechsel ist folglich von grosser Bedeutung für unser Haarwachstum. Bereits eine fehlende Aminosäure kann den Verwertungsprozess stören.

Als proteinreiche Fitmacher liefern Nüsse und Mandeln alle nötigen Aminosäuren sowie essentielle Vitamine und Mineralstoffe für kräftige Haare. Insbesondere die hohe antioxidative Wirkung von Walnüssen unterstützt die Haarstruktur, indem es die Zellen vor freien Radikalen schützt.

Weitere Faktoren für gesunde Haare

Neben der gezielten Einnahme von Vitalstoffen die einen Einfluss auf Haut und Haare haben können, sind noch andere Dinge wichtig, die gesunde Haut und Haare fördern.

Ernährung

Eine gesunde Ernährung ist entscheidend für gesunde Haut und vitales Haar. Ausreichende Wasseraufnahme bewahrt die Haut vor Trockenheit, während Proteine aus Fisch, Geflügel, Eiern und Hülsenfrüchten für Wachstum und Regeneration von Haut- und Haargewebe sorgen. Auch Omega-3-Fettsäuren, in Fisch, Leinsamen und Nüssen enthalten, können die Hautelastizität und Glanz der Haare fördern. Antioxidantien wie Vitamine A, C und E aus Obst, Gemüse und Nüssen sind wichtige freie Radikalfänger und tragen so zur Haut und Haargesundheit bei.

Bewegung

Regelmäßige körperliche Aktivität spielt eine zentrale Rolle für gesunde Haut und Haare. Sport fördert die Durchblutung, was die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Hautzellen verbessert. Dieser gesteigerte Blutfluss trägt dazu bei, Giftstoffe abzutransportieren. Die erhöhte Durchblutung wirkt sich auch positiv auf die Haarfollikel aus, indem sie die Versorgung mit Nährstoffen optimiert. Sport kann Stress reduzieren, der wiederum eine wichtige Rolle bei Haarausfall spielen kann.

Stressmanagement

Stress kann einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit von Haut und Haaren haben. Chronischer Stress setzt den Körper vermehrt Stresshormonen wie Cortisol aus, was zu einer gestörten Hautbarriere führen kann. Dies wiederum begünstigt Hautprobleme wie Akne, Ekzeme und vorzeitige Hautalterung. Haare reagieren ebenfalls empfindlich auf Stress. Eine gesteigerte Produktion von Stresshormonen kann zu Haarausfall führen, insbesondere zu temporärem diffusen Haarausfall.

Aktuelle Forschung und Studien

Eine neue Studie macht Millionen Menschen, die unter Haarausfall leiden, Hoffnung. Ein Forschungsteam aus den USA hat ein Protein als Ursache für Haarverlust gefunden. Seit Langem ist die Wissenschaft auf der Suche nach einem Mittel gegen Haarausfall, ein Leiden, das Millionen Menschen weltweit belastet.

Untersuchungen von Forschenden der Rockefeller University, New York, USA, haben gezeigt, dass Haarfollikel-Stammzellen (HFSCs) ihre Funktion wechseln und bei Hautverletzungen an der Reparatur mitwirken können. Im Hautgewebe werden Nährstoffdefizite durch die nicht essenzielle Aminosäure Serin detektiert, die in Lebensmitteln wie Fleisch, Getreide und Milch vorkommt. Wie in einer aktuellen Studie in „Cell Metabolism“ gezeigt wird, aktiviert ein Abfall des Serinspiegels die ISR, wodurch HFSCs die Haarproduktion drosseln. Kommt zu dem Nährstoffdefizit eine Hautverletzung hinzu, wird die ISR weiter verstärkt, die Haarproduktion vollständig gestoppt und die Ressourcen auf die Hautreparatur umgeleitet.

Die Ergebnisse der Untersuchung deuten darauf hin, dass die intermediären Haarfollikel von Patientinnen durch eine verminderte Glykolyse und Glutaminolyse gekennzeichnet sind, was Ausdruck eines ruhenden metabolischen Profils von intermediären Haarfollikeln im Vergleich zu terminalen Haarfollikeln ist, der aber die Fähigkeit zur Nährstoffaufnahme nicht zu beeinträchtigen scheint.

Frühere Ergebnisse einer kontrollierten klinischen Studie bestätigten, dass eine feste Nährstoffkombination klinisch eine statistisch signifikante Erhöhung der Anagenhaarquote in Frauen mit AGA bewirken kann. Das Studienpräparat war Priorin® Kapseln, ein Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke, dessen Nutzen durch wissenschaftliche Daten belegt ist. In einer Beobachtungsstudie bewerteten 75% der Patientinnen (104 von 139) dieses Präparat positiv, es zeigte sich als sehr gut verträglich [6].

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