Inmitten von fernöstlichem Pomp und Prunk, der durch »de Luxe«-Farbe und das neue Breitwand-Verfahren »Cinemascope 55« wirkungsvoll hervorgekehrt wird, präsentiert sich ein Schauspieler, der trotz seines absonderlichen Äußeren mit einem ähnlichen Erfolgsprädikat bedacht worden ist wie der Film.
Von vielen Hollywood-Schauspielern unterscheidet ihn seine schauspielerische Leistung, von allen aber ein Attribut, das ein Hollywood-Produzent seinem Hauptdarsteller noch vor wenigen Monaten nicht einmal im Alptraum zugedacht hätte: Brynner trägt da, wo den durchschnittlichen Star eine wohlondulierte Lockenpracht oder ein vorteilhaftes Toupet krönt, eine schlichte Glatze.
Yul Brynner in "Der König und ich"
Neben Yul Brynners unbehaglicher Kahlheit schien selbst die forsche Männlichkeit Burt Lancasters und die halbstarke Herrenpose Marlon Brandos zu verblassen. Regisseur Cecil B. De Mille, Spezialist für historische Kolossalfilme, beurteilte in Hollywood Yul Brynners Anziehungskraft: »Abgesehen von seinen ungewöhnlichen schauspielerischen Fähigkeiten ist sein ganzes Wesen wie ein unentrinnbarer Griff, dem alle Frauen erliegen und der alle Männer zum Respekt zwingt.
Die Damen selbst bestätigten die Aussage des lebenserfahrenen Routiniers. Aber auch andere Damen des Filmbetriebs gaben bereitwillig Stellungnahmen ab. Die Schauspielerin Martha Scott schwärmte: »Yuls Unwiderstehlichkeit ist doppelt so stark wie einstmals die von Rodolfo Valentino. Alle Frauen müssen verrückt nach ihm sein.« Und die Produktions-Assistentin aus »Der König und ich«, die erfahrene Filmfrau Charlotte Paley, meinte: »Er kann sogar 'hallo' so unbeschreiblich sagen, daß es jede Frau durchrieselt. Er ist umwerfend.In ihm steckt ein Stück von einem schrecklichen Tier. Er geht wie ein Panther.«
Daß sich auch der zweite Teil von De Milles Urteil bewahrheitete und die Männer dem Kahlkopf Brynner Respekt bezeugten, erwies sich nach der Uraufführung von »Der König und ich«. Der Kritiker der »New York Herald Tribune« schrieb: »Es ist Brynner, der dem Film seinen animalischen Funken, seine sprungfederhafte Spannung gibt. Er ist jeder Zoll ein orientalischer König ... 1946 in der ersten Verfilmung des Theater stücks die Rolle des Königs spielte und als »sexy Rexy« selbst einen beachtlichen Ruf hat, wies sich mit einem Telegramm an Yul Brynner als guter Verlierer aus: »Der König ist tot«, kabelte er, »es lebe der König.«
Brynners schimmernde Glatze, die von Make-up-Spezialisten für die Farbfilmkamera zubereitet wurde, überstrahlte das stete Bemühen der Hollywood-Produzenten, neue und neuartige Stars heranzuzüchten. Daß dieses Unterfangen - das nach Hollywoods eigenen Berechnungen je Star rund eine Million Dollar kostet - bei dem 39jährigen so überaus erfolgreich war, widersprach den Erwartungen vieler Experten. Denn Brynners Aufstieg zum Startum sprengte alte, unüberwindlich scheinende Traditionen, die eindeutig die Abstammung eines makellosen Publikumslieblings vorschrieben: Ein Hollywood-Star, so lautete das ungeschriebene Gesetz, hatte den weißen europäisch-amerikanischen Völkerschaften zu entstammen.
In einer Untersuchung unter dem Titel »Yul Brynner - warum finden ihn die Frauen unwiderstehlich?« schrieb die große amerikanische Zeitschrift »Collier's": »Dem Aussehen nach unterscheidet er sich völlig von den verschiedenen Zuchtarten der Filmstars, die in der Vergangenheit die großen träumerischen, sehnsüchtelnden und seufzenden Ausbrüche der Frauenheit der Welt hervorgerufen haben. Der schöne Valentino - im Salon der charmante und geistreiche Plauderer, im Sattel eines Araberhengstes aber auch der kühne und feurige Scheich - verführte seine Partnerinnen auf der Leinwand wie auch die Damen im Kinosaal mit makellosen Manieren und untadeligem Habit auf eine sehr ritterliche, vornehme und durchaus ungenante Art.
Da sich das von einem antiquierten Moral-Kodex eingeengte Hollywood die Darstellung jedweder »illegaler« Erotik - etwaeiner Schlafzimmerszene mit unverheirateten Partnern - versagen mußte, nutzten die Filmmacher sogleich die mannigfaltigen Möglichkeiten der neuartigen männlichen Brutal-Erotik. Yul Brynner ist der jüngste Ableger dieses neuen Star-Stammes, der die Zuschauerinnen wieder in den Dschungel des Neandertales locken soll.
»Was auch immer man unter Sex-Appeal versteht - dieser Panthermensch mit der Glatzköpfigkeit eines Eies hat es«, urteilte die Zeitschrift »Collier's«. »Mit seiner ungeheuerlich vitalen Persönlichkeit könnte er sehr wohl der versengendste' Stern sein, den Hollywood in den letzten dreißig Jahren hervorgebracht hat.«
Herkunft und Werdegang des neuen Publikumslieblings versorgten die Publicity-Leute der Filmgesellschaften mit Stoff für farbige Biographien. Insel Sachalin geboren. Die Kinderjahre verbrachte er in China, die Jugendjahre bei einer Großmutter in der Schweiz. In den dreißiger Jahren tauchte er in Paris auf, wo er als Gitarrist und Bänkelsänger in zweitrangigen Nachtlokalen arbeitete, ehe er sich als Artist am Trapez des Cirque d'Hiver versuchte. Damals ließ sich Brynner von der üppigen Fülle seiner Locken befreien. Als jugendlicher Kahlkopf spielte er kleine Rollen in Pariser Theatern, während er tagsüber an der Sorbonne Philosophie studierte.
Mit einem Wandertheater gelang ihm 1941der Absprung nach Amerika. In New York heiratete er die Schauspielerin Virginia Gilmore, und dort brachte er eine solide Karriere als Fernsehregisseur hinter sich, bevor ihn die beiden Broadway-Poeten Rodgers und Hammerstein für die Hauptrolle ihres Musicals »Der König und ich« Verpflichteten. Sein Auftreten am Broadway war so erfolgreich, daß das Stück Jahre hindurch auf dem Spielplan blieb. Selbstverständlich beeilten sich Hollywoods Produzenten, die Erfolgsgeschichte noch einmal zu verfilmen und diesmal den »mongolischen Vailentino« für die Hauptrolle zu verpflichten.
Die Besetzungsliste des Films war noch nicht vollständig, als sich Cecil B. De Mille den vielversprechenden Glatzenträger auch schon für sein Breitwand-Epos »Die zehn Gebote« sicherte, obwohl er ausgerechnet in diesem »größten und teuersten Werk der Filmgeschichte« (Herstellungskosten: zwölf Millionen Dollar) eigentlich gar keinen Kahlköpfigen gebrauchen konnte.
Die gleichzeitig einsetzende Publicity -Aktion strapazierte die Phantasie der Reklameleute keineswegs. Der Journalist Art Buchwald von der »New York Herald Tribune«, der dieser seltsamen Erscheinung nachspürte, behauptet allerdings, die Hollywood-Agenten hätten der Glatzkopfkonjunktur mit Geschick und Bargeld nachgeholfen. Er selbst sei Zeuge gewesen, wie ein smarter Film -Mann die Saat der Glatzköpfigkeit unter der halbstarken Jugend der elenden New-Yorker Eastside gesät habe.
Zehn Dollar habe der Agent jedem Jungen versprochen, der sich zu radikaler Schur seines Kopfes bereit erklärte. Nur vorübergehend würde der Glatzenkult durch die Tatsache eingeschränkt, daß Brynner als Ramses in den »Zehn Geboten« eine Perücke tragen mußte. Schon in seinem nächsten Film, der amerikanischen Version der »Anastasia«-Legende, wird Brynners Haupt wieder bar und herrisch erscheinen - diesmal neben den leidgeprüften Zügen der Ingrid Bergman.
In den Wochen, da der Film »Der König und ich« Publikumsschlangen vor die Kassen lockte, übertrug der 75jährige Hollywood-Senior De Mille seinem Star aus Sachalin eine Aufgabe, die Rückschlüsse auf Brynners künstlerisches Renommee gestattet: Brynner soll im nächsten Film der De-Mille-Produktion, der Piraten-Ballade »Der Freibeuter«, nicht nur die Hauptrolle spielen, sondern auch Regie führen.
Währenddessen gilt es in Hollywood schon als ausgemacht, daß Brynner auch eine Rolle ergattern wird, nach der sich viele Stars der alten Garde drängen: die Rolle Josef Stalins in der von dem ehemaligen Fox-Chef Darryl F. Zanuck geplanten Film-Biographie. In dieser Rolle allerdingsmüßte Brynner auf den dramatischen Effekt seiner Kahlköpfigkeit verzichten.
Wahrscheinlich würde Brynner eine Perücke tragen, denn schon während der Dreharbeiten zu den »Zehn Geboten« hatte er sich strikt geweigert, sein Haupthaar wachsen zu lassen. »Mit eigenen Haaren«, sagte er, »würde ich mich selbst nicht mehr wiedererkennen. 25 Jahre mit einem kahlen Kopf verwandeln den ganzen Menschen.«
Daß diese stolze Zahl aber nicht den Tatsachen entspricht, hat sich im vergangenen Monat erwiesen: Die »Saturday Evening Post« veröffentlichte ein Photo aus dem Jahre 1944, auf dem Yul Brynner mit vollem Haarwuchs zu sehen ist (Bild). Überdies argwöhnen einige Hollywood-Kolumnisten, daß Brynner sich auch für eine Stalin-Rolle die Haare nur deswegen nicht wachsen lassen würde, weil er hauptsächlich um die Originalität seiner Erscheinung bange.
Sie wollen entdeckt haben, daß Brynner bereits 1949 in dem Film »Port of New York« im vollen Schmuck seiner Haare eine untergeordnete Gangsterrolle spielte. Und mit vollem Kopfhaar, so urteilten sie, habe sich.ßrynner weder schauspielerisch noch in irgendeiner anderen Weise hervorgetan.
Schauspieler Brynner*: Film-Traditionen wurden durchbrochenSchöner Verführer Valentino, kahlköpfiger Liebhaber Brynner (mit Ingrid Bergman in »Anastasia").
Jason Statham ist zum Gesicht glatzköpfiger Männlichkeit geworden. Ob er Bösewichte in The Transporter schlägt oder durch Fast & Furious rast, sein rasierter Kopf und struppiger Bart haben ihn zum ultimativen Action-Helden gemacht. Er ist der Beweis, dass Glatze + Bart = zeitloser Hollywood-Macho bedeutet.
Bruce Willis ist eine der ursprünglichen Glatzen-Legenden. Als seine Haarlinie zurückging, lehnte er sich hinein und erfand sich als ultimativer Action-Star neu. Von Stirb Langsam bis Red bewies Willis, dass Glatze heroisch, hart und zeitlos sein kann.
Sir Patrick Stewart Als Captain Picard in Star Trek und Professor X in X-Men machte Patrick Stewart Glatze zum Synonym für Weisheit, Intelligenz und Autorität.
Matt Damon, das war doch immer dieser knochennüchterne Typ mit Kurzhaarschnitt und Brille. Von wegen.
Stanley Tucci Tucci wird nicht nur für seine Schauspielerei geliebt, sondern auch für seinen tadellosen Stil. Sein Glatzen-Look gepaart mit Brille und maßgeschneiderten Anzügen macht ihn zur Definition von raffinierter Eleganz.
Stanley Tucci mit Glatze und Brille
| Schauspieler | Bekannt für | Stilmerkmale |
|---|---|---|
| Yul Brynner | Der König und ich, Die zehn Gebote | Glatze, intensive Ausstrahlung |
| Bruce Willis | Stirb langsam, Armageddon | Glatze, markantes Gesicht |
| Jason Statham | Transporter, Fast & Furious | Glatze, Bart, muskulöse Statur |
| Stanley Tucci | Der Teufel trägt Prada, Spotlight | Glatze, Brille, eleganter Stil |
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