Akne Inversa ist eine chronische Hautkrankheit, bei der sich Haarfollikel immer wieder entzünden, was zur Bildung schmerzender Knoten und Abszesse führt. Meist sind Achseln und Intimbereich betroffen, was für die Betroffenen besonders belastend ist. Frauen sind deutlich häufiger von Akne inversa betroffen als Männer.
Durch die wiederkehrenden Entzündungsprozesse der Haut kommt es bei Akne inversa (von Ärzten auch Hidradenitis suppurativa genannt) ebenfalls zur Bildung von Fisteln und zu Vernarbungen.
Bei Akne inversa kommt es immer wieder zur Entzündung von Haarfollikeln unter der Haut, also an Strukturen von Haut und Bindegewebe um eine Haarwurzel herum. Besonders betroffen davon sind in der Regel die Hautpartien der Achseln, an den Leisten und im Genitalbereich und / oder Afterbereich.
Das Haarfollikel selbst wird manchmal auch kleinstes menschliches Organ genannt - ein Follikel produziert ein Haar und umgibt die Haarwurzel und den ersten Teil des Haares trichterförmig. Man könnte auch sagen: Das Haarfollikel ähnelt in der Form einer Vase, in der anstelle einer Blume das Haar samt Haarwurzel ruht. Diese komplexe Hautstruktur versorgt das Haar mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Teil der Haarfollikel sind Nervenenden und feine Muskeln, die das Haar zur Gänsehaut aufstellen können, und Drüsen - speziell Talgdrüsen - die Haut und Haar "schmieren" und schützen sollen. Genau hier entsteht aber das Problem bei Akne inversa - auch wenn der Grund noch nicht abschließend geklärt ist: Einfach gesagt verstopfen bei Patientinnen und Patienten mit Akne inversa die Talgdrüsen der Haarfollikel durch einen Entzündungsprozess.
Das führt dazu, dass sich Druck aufbaut und der Haarfollikel anschwillt. Weil Nerven und Nervenenden im Haarfollikel liegen, sind die meist erbsengroßen Schwellungen (Knoten) sehr schmerzhaft und druckempfindlich. Besonders an Stellen, die durch Reibung der Haut viel Druck abbekommen (beispielsweise an den Hautfalten der Achseln), brechen dann die Haarfollikel auf, Talg und eventuell Eiter fließen ins umliegende Gewebe. Kommt es zur Eiterbildung, sprechen Ärzte auch von einem Abszess.
Wird der Platzdruck im Gewebe durch die Entzündung zu groß, bilden sich manchmal auch Zysten (Hohlräume im Gewebe) oder Fisteln, also eine Art Gewebegang, ähnlich einem Rohr. Über Fisteln versucht der Körper die Flüssigkeit abzuleiten. Besonders im Achselbereich können sich entzündete Knoten auch "verbinden" und - mit oder ohne Bildung von Fisteln - zu einer Art größerer Entzündungsfläche werden.
Akne inversa wird in drei Stadien eingeteilt:
Die genauen Ursachen von Akne inversa sind bisher nicht vollständig geklärt. Die Trigger für Akne inversa stehen in Wechselwirkung zu anderen Krankheiten und Gesundheitsfaktoren.
Die vielleicht wichtigste Ursache dafür, dass Hidradenitis suppurativa (Akne inversa) immer wieder aufflammt und zu Entzündungen führt, liegt im Immunsystem der Betroffenen begründet: Durch Fehlregulationen scheint es hier zu einer Überaktivierung zu kommen. Einige Experten und Expertinnen vermuten, dass das vor allem für den angeborenen Teil des Immunsystems gilt, was eine genetische Veranlagung erklären würde. Sicher ist das allerdings nicht.
Eine bestimmte Form von T-Helferzellen steht in Verdacht, die Entzündungen ohne echten Einsatzgrund für das Immunsystem auszulösen und weiter zu befeuern.
Fest steht allerdings: Akne inversa betrifft deutlich mehr Frauen als Männer (die Zahlen schwanken zwischen dreimal und fünfmal so häufig). Außerdem gehen die meisten Experten, beispielsweise auch der Deutschen Gesellschaft für Dermatochirurgie e. V., davon aus, dass es einen wichtigen genetischen Zusammenhang gibt, da in einigen Familien die Diagnose Akne inversa gehäuft beobachtet wurde. Wie groß diese genetische Disposition ist, ist bisher umstritten, einige Forscherinnen und Forscher gehen von etwa 40 Prozent aus.
Als sicher gilt allerdings auch in den Leitlinien zur Behandlung von Akne inversa, dass es um polygenetische Faktoren geht: Mehr als ein Gen ist verantwortlich für das erhöhte Risiko, eine Hidradenitis suppurativa zu entwickeln.
Beziehungen zwischen der chronisch-entzündlichen Hautkrankheit und dem psychischen Zustand der Betroffenen sind wechselseitig: Schmerzen und nässende Knoten belasten die Lebensqualität. Riecht das austretende Sekret auch noch unangenehm, führt das bei vielen Betroffenen zu Scham, manchmal zu sozialem Rückzug.
Hinzu kommt, dass Akne inversa bisher nicht heilbar ist. Vor diesem Hintergrund erscheint es nur logisch, dass die Depression zu den psychischen Krankheiten gehört, die mit Hidradenitis suppurativa stark assoziiert sind. Umgekehrt ist für viele chronische Hautkrankheiten - und eben auch für diese - bekannt, dass sie vom psychischen Zustand der Betroffenen befeuert werden können. Das gilt vor allem für jede Form von Stress.
Hormonell bedingt werden bei Akne zu viel Talg und Hornzellen produziert. Zum Waschen und Duschen empfehlen Fachleute sanfte, seifenfreie Reinigungsprodukte. Manchmal können auch antiseptische/antibakterielle Reinigungsmittel sinnvoll sein. Denn Bakterien können Erkrankungsschübe auslösen. Dabei ist es wichtig, zu wissen: Akne inversa hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Es ist besser, wenn du dich ohne Waschlappen, Luffa-Schwamm oder ähnliches wäschst. Sie können die Haut reizen.
Sanftes Tupfen statt heftiges Rubbeln schont die Haut beim Abtrocknen.
Ein heikles Thema ist die Haarentfernung bei Akne inversa. Wichtig ist, dabei Verletzungen und Infektionen zu vermeiden, indem du die gereinigte Haut mit Rasiergel schützt und vorsichtig rasierst. Das „Waxen“ und Enthaarungscremes werden nicht empfohlen. Ob die dauerhafte Haarentfernung per Laserbehandlung für dich eine Möglichkeit ist, kannst du am besten mit deinem Behandlungsteam und auch mit deiner Krankenkasse besprechen.
Vermeiden Sie Trocken- und Nassrasuren der betroffenen Körperbereiche. Auf die Haarentfernung durch Wachsen oder Epilieren sowie auf aggressive Peelings sollten Sie ebenfalls verzichten. Das reizt die Haut zusätzlich. Notwendige Rasuren führen Sie am besten mit einem Haarschneidegerät durch, das auf die kleinste Haarlänge eingestellt ist. So werden die Haare schonender gestutzt. Ihr Hautarzt kann Sie beraten, ob es empfehlenswert ist, nicht betroffene Körperstellen mit Laserlicht zu epilieren. Dies kann unter Umständen eine weitere Ausbreitung der Erkrankung verhindern.
Zusammenfassend:
Der Alltag mit Akne inversa hält so manche Herausforderung bereit. Die Erkrankung kann unterschiedliche Lebensbereiche beeinflussen. Mit Ihrem Lebensstil und bestimmten Verhaltensweisen können Sie jedoch selbst aktiv dazu beitragen, die Einschränkungen durch die Erkrankung zu mindern.
Tragen Sie am besten weite, luftige und atmungsaktive Kleidung sowie Unterwäsche aus Baumwolle, um eine Reizung der Haut zu vermeiden. Dunkle Farben kaschieren Nässe. Für den Fall, dass Ihre Kleidung einmal durchnässt ist, wenn Sie unterwegs sind, kann es Ihnen Sicherheit geben, etwas zum Wechseln dabeizuhaben. Waschen Sie Ihre Kleidung bei mindestens 60 °C, um Bakterien abzutöten.
Benutzen Sie zum Waschen der von Akne inversa betroffenen Bereiche Einwegwaschlappen oder die blanken Hände. Geeignet sind milde Waschlotionen. Verzichten Sie auf Bürsten und alles andere, das zu einer zusätzlichen Reizung führen kann. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Hautarzt, ob es z. B. eine Salbe gibt, mit der Sie nach dem Waschen nicht geöffnete Abszesse behandeln können. Achten Sie darauf, dass Ihre Körperpflegeprodukte, z. B. das Deodorant, alkohol- und parfümfrei sind, um Reizungen zu vermeiden. Auch Parfüm sollten Sie aus diesem Grund möglichst wenig verwenden.
Der Zusammenhang zwischen Rauchen und Akne inversa ist noch nicht endgültig geklärt. Studien zeigen jedoch, dass sich durch das Rauchen mehr Bakterien des Typs Staphylococcus aureus auf der Haut ansiedeln. Dieses Bakterium wirkt sich ungünstig auf den Krankheitsverlauf aus. Weiterhin kann durch das Rauchen die Wundheilung verschlechtert werden. Es ist keine leichte Aufgabe, aber wenn Sie unter Akne inversa leiden und rauchen, sollten Sie über eine passende Rauchentwöhnung nachdenken.
Übergewicht zählt nicht zu den Ursachen der Akne inversa, ist aber ein Risikofaktor. Es kann darüber hinaus die Schweißbildung sowie Reibung in den Hautfalten fördern und sich so ungünstig auf die Erkrankung auswirken. Zusätzlich fördert Übergewicht das Risiko für Begleiterkrankungen. Überzählige Pfunde purzeln durch eine langfristige Ernährungsumstellung und Bewegung. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie über eine Gewichtsabnahme nachdenken und Unterstützung suchen. Viele Krankenkassen bieten zudem Kurse zur Gewichtskontrolle an. Bauen Sie soweit wie möglich Bewegung in Ihren Alltag ein und nutzen Sie z. B. Apps, um sich zur Bewegung zu motivieren.
Zu den Ursachen von Akne inversa (Akne inversa) zählt die Ernährung nicht. Sie kann jedoch indirekt Einfluss auf die Krankheit nehmen. Daher lohnt es sich für Sie mit Akne inversa, auf eine ausgewogene und bewusste Ernährung zu achten. Und: Vermeiden Sie überzählige Pfunde! Auf diese Weise können Sie selbst aktiv positiv auf die Krankheit einwirken. Zusätzlich tun Sie etwas für Ihr allgemeines Wohlbefinden.
Tipps für eine gesunde und bewusste Ernährung:
Übermäßiger oder dauerhafter Stress beeinträchtigt nicht nur das allgemeine Wohlbefinden. Er kann sich auch ungünstig auf die Akne inversa auswirken. Mehr als ein Drittel der Menschen mit Akne inversa berichten, dass Stress und Anspannung zu einer Verschlechterung der Krankheit führt.
Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, können unterschiedliche Wege gegangen werden:
Strategien zur Krankheits- oder Stressbewältigung können so helfen, die Akne-inversa-Therapie zu unterstützen - sie können die Behandlung jedoch in keinem Fall ersetzen. Darüber hinaus gibt es kein Patentrezept im Umgang mit Stress oder der Akne inversa.
Jeder Mensch kann jedoch individuell herausfinden, was ihm persönlich hilft, stressfreier und unbeschwerter durchs Leben zu gehen.
Ein Notfall liegt vor, wenn sich Ihr Gesundheitszustand sehr plötzlich verschlechtert. Das kann z. B. der Fall sein, wenn ein Abszess extrem schmerzhaft wird. Auch in diesen Situationen sollten Sie jedoch Abszesse nicht selbst öffnen und auch Fisteln nicht eigenständig entleeren. Besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Hautarzt, wie Sie im Notfall vorgehen können. Wenden Sie auch keine Medikamente, Salben oder Tinkturen an, ohne dies mit Ihrem Arzt abzusprechen.
Akne inversa gehört bisher zu den chronischen Hautkrankheiten, die nicht heilbar sind. Allerdings kann die Lebensqualität durch eine zielgerichtete und vor allem frühe Behandlung stark gesteigert werden. Eine effektive Behandlung der Erkrankung und ein informierter Umgang mit den Symptomen kann Betroffenen außerdem dabei helfen, eine Verschlechterung der Krankheit (häufigere Schübe und höhere Schweregrade nach Hurley Scala) zu verhindern oder hinauszuzögern.
Orale (systemische) Hormontherapie mit Ethinylestradiol / Cyproteronacetat: Beide Medikamente werden sonst auch als Pille zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt. Hier sollen sie Androgenen und damit der Testosteronsensibilität entgegenwirken.
Die Behandlung mit Antibiotika richtet sich gegen unerwünschte, krankmachende Bakterien. Dabei kann jedoch auch die Zusammensetzung der Darmflora verändert werden. Besprechen Sie daher mit Ihrem Arzt, ob bei längerfristiger Therapie mit Antibiotika die Einnahme von probiotischen Präparaten für Sie infrage kommt.
Lassen Sie Ihr Leben nicht von der Krankheit bestimmen, sondern vertrauen Sie auf eine optimale Behandlung, die die Symptome auf ein Minimum reduzieren kann. Dabei haben Sie selbst einen maßgeblichen Anteil am Behandlungserfolg und können aktiv an diesem mitwirken.
Eine konsequente Therapie ist die beste Basis, um mit möglichst wenigen Einschränkungen durch die Erkrankung zu leben. Dafür ist Ihre eigene aktive Mitarbeit sehr wichtig. Zum Beispiel bei der gründlichen Wundversorgung oder der regelmäßigen und gewissenhaften Einnahme Ihrer Medikamente. Änderungen der Dosis oder der Häufigkeit der Einnahme sollten nie ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt erfolgen, um den gewünschten Behandlungserfolg sicherzustellen. Darüber hinaus sollten Sie Ihrem Arzt regelmäßig Rückmeldung über Behandlungserfolge oder -misserfolge geben und ihn über Ihren aktuellen Zustand auf dem Laufenden halten.
Lassen Sie deshalb keine Fragen offen, informieren Sie sich ganz genau über Ihre Krankheit und die Behandlung und werden Sie selbst zum Experten in Sachen Akne inversa. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt auch über mögliche persönliche Probleme bei der Durchführung Ihrer Behandlung, falls Sie irgendwelche Nebenwirkungen befürchten oder wenn Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind. Gegebenenfalls können Sie im Gespräch mit Ihrem Arzt auch eine andere Behandlungsart einfordern oder um psychologische Unterstützung bitten, wenn Sie der Meinung sind, dass dies notwendig ist und Ihnen guttut.
Je besser Sie informiert sind, desto sicherer fühlen Sie sich im Umgang mit der Erkrankung und desto weniger fühlen Sie sich dieser ausgeliefert. So können Sie auch wichtige Entscheidungen bei der Behandlung aktiv mittragen und besser mitentscheiden. Nur wenn Sie ganz genau wissen, was im täglichen Leben einen positiven Einfluß auf Ihre Krankheit hat und Ihrem persönlichen Wohlbefinden dient, können Sie Ihren Lebensstil und Ihr Verhalten entsprechend anpassen. Dazu gehört z. B., auf enge Kleidung zu verzichten, die Ernährungsgewohnheiten zu ändern oder neue Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.
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