Affen sind eine vielfältige Gruppe von Primaten, die sich durch unterschiedliche Fellmuster, Lebensräume und Verhaltensweisen auszeichnen. Viele Affenarten tragen ein charakteristisches Haarkleid, das ihnen hilft, sich an ihre jeweilige Umgebung anzupassen. Dieser Artikel beleuchtet einige bemerkenswerte Affenarten mit Haaren, von den bedrohten Bärenstummelaffen bis zu den auffälligen Lisztäffchen.
Perückenaffe (Colobus polycomus)
Der Bärenstummelaffe ist ein Vertreter der im tropischen Afrika weit verbreiteten Colobusaffen, die durch einen rückgebildeten Daumen gekennzeichnet sind, was zu der Bezeichnung Stummelaffe führte. Bärenstummelaffen tragen ein glänzend schwarzes, dichtes Fellkleid. Lediglich auf den Schultern und als Kranz um das nackte, schwarze Gesicht finden sich einige graue Haare.
Bärenstummelaffen leben in einem recht kleinen Verbreitungsgebiet in Westafrika, das sich von Gambia bis zur Elfenbeinküste erstreckt. Hier durchstreifen die Bärenstummelaffen in Gruppen von 5 bis 20 Tieren die dichten Regenwälder auf der Suche nach geeigneter Nahrung. Bärenstummelaffen sind ganz auf Blattnahrung spezialisiert, wobei sie sich vornehmlich von den Blättern der Lianen ernähren. Wie alle Colobusaffen haben sie einen mehrkämmerigen Magen, um die pflanzliche Kost ausreichend zu verdauen. Neben Blättern werden aber auch Früchte und Samen gefressen.
Bärenstummelaffen verbringen nahezu ihr ganzes Leben in den höchsten Wipfeln der Bäume. Die Gruppen der Bärenstummelaffen bestehen aus mehreren erwachsenen Männchen und Weibchen sowie deren Jungtiere. Zur Paarungszeit bilden sich feste Rangordnungen. Nur das dominante Männchen einer Gruppe paart sich mit den Weibchen, die nach einer Tragzeit von 5 bis 6 Monaten ein Jungtier zur Welt bringen. Bärenstummelaffen werden mit einem einheitlich weißen Fellkleid geboren.
Aufgrund ihres kleinen Verbreitungsgebietes gelten Bärenstummelaffen als äußerst bedroht. Die Wälder Westafrikas werden zunehmend von Menschen genutzt, so daß den Bärenstummelaffen ihr natürlicher Lebensraum verloren geht. Schutzmaßnahmen versuchen die verbliebenen Wälder zu erhalten. In Zoologischen Gärten werden Bärenstummelaffen sehr selten gehalten.
Der Orang-Utan ist ganz an ein Leben in Bäumen angepaßt. Die Arme sind ausgesprochen lang mit kräftigen, zu langen Klammerhaken ausgebildeten Händen, die ein müheloses Hangeln im Geäst der Baumkronen ermöglichen. Die Beine hingegen sind verhältnismäßig kurz und weisen darauf hin, daß der Orang-Utan selten auf den Boden herabklettert. Der Körper ist teilweise recht spärlich mit einem rotbraunen Haarkleid bedeckt, das an den Schultern und den Armen bis 50 cm lang werden kann.
Die Verbreitung des Orang-Utans, dessen Name aus dem Malaiischen stammt und Waldmensch bedeutet, beschränkt sich auf die verblieben Waldregionen auf Borneo und Sumatra. Hier leben die Tiere zumeist als Einzelgänger oder in kleinen Familienverbänden hoch oben in den Baumkronen der Tropenwälder. Bedächtig fortbewegend, suchen die Orangs tagsüber nach Nahrung, die vornehmlich aus verschiedenen Blättern und Früchten besteht.
Zur Paarungszeit der Orang-Utans hört man häufig ein lautes Brüllen der Tiere. Ein dehnbarer Kehlsack dient den Orangs hierbei als Resonanzkörper. Nach erfolgreicher Paarung, die im hohen Geäst stattfindet, wird das Jungtier nach einer Tragzeit von etwa 9 Monaten geboren. Der Bestand der Orang-Utans in der Natur ist aufgrund der anhaltenden Lebensraumzerstörung höchst gefährdet.
Schätzungen zufolge leben auf Borneo ungefähr 54.000 Orang-Utans. Die Mehrheit, ungefähr 32.000, gehören zur Subspezies Pongo pygmaeus wurmbii (IUCN, 2003). Der Sumatra-Orang-Utan ist ebenfalls stark gefährdet.
Mit einem Körpergewicht bis 275 kg bei den männlichen Tieren ist der Gorilla der größte der heute lebenden Primaten. Gorillas sind durch einen stämmigen Körperbau gekennzeichnet mit kräftigen Muskeln an den Schultern und an den Armen. Auch der Kopf ist massig, der bei den Männchen durch einen Fett- und Bindegewebebuckel noch wesentlich größer erscheint als bei den Weibchen.
Gorillas sind in den letzten intakten Waldgebieten im feucht-tropischen West- und Zentralafrika verbreitet. Sie leben in kleinen Horden von 5 bis 20 Tieren, die von einem Silberrücken geführt werden. Zumeist halten sich die schwergewichtigen Tiere auf dem Boden auf, obschon sie auch recht gut klettern können. Tagsüber suchen die Gorillas in ihrem Revier nach Nahrung, die nur aus pflanzlicher Kost besteht. Zur Mittagszeit ruhen die Affen in einem aus Blättern gefertigten Schlafnest.
Gorillas sind ausgesprochen ruhige und friedfertige Tiere. So beschränken sich Aggressionen zumeist auf Droh- und Imponierverhalten, wie z.B. Junge Gorillas werden nach einer Tragzeit von etwa 9 Monaten geboren. Anfänglich werden die Jungtiere von der Mutter am Bauch getragen, bevor sie nach etwa 5 Monaten selbständig umherkrabbeln. Bis zum Alter von etwa 2 bis 3 Jahren werden die Jungen von der Mutter betreut. Ihre Geschlechtsreife erreichen sie nach 8 bis 12 Jahren.
Gorillas zählen zu den bedrohtesten Tierarten der Welt. Die fortschreitende Zerstörung des natürlichen Lebensraumes, die Nachfolgen von Bürgerkriegen und die anhaltende Wilderei führten bereits in einigen Regionen zur Ausrottung der Gorillas.
Das leuchtend bunte Gesicht und der farbige Po sind typisch für die Mandrills. Sie gehören zu den größten Affen. Mandrills gehören zu den Altweltaffen und dort zur Gattung der Backenfurchenpaviane. Sie sind, abgesehen von den Menschenaffen, die größten Affen. Arme und Beine sind gleich lang, so dass die Tiere gut auf allen Vieren gehen können. Der Schwanz ist nur stummelförmig und die Füße sind kaum zum Greifen geeignet.
Die Nasenspitze, der Nasenrücken und die Lippen sind rot. Das Fell im Gesicht ist dunkelbraun mit Graugrün, Gelb und Weiß. Der Po ist ebenfalls unbehaart und grellrot. Mandrills leben in Westafrika in Nähe des Äquators. Sie sind sehr selten und nur in den Ländern Kamerun, Kongo, Gabun und in Äquatorial-Guinea zu finden. Nördliche Verbreitungsgrenze ist der Fluss Sanaga. Von dort kommen sie bis zur Küste Kameruns vor. Mandrills sind Bewohner des Regenwalds, sie klettern aber kaum, weil sie zu groß dafür sind.
Den festen Kern der Gruppe bilden die Weibchen mit ihren Jungen. Wird es von einem Konkurrenten bei den Rangkämpfen besiegt, übernimmt dieses die Führung. Wenn Harems-Mitgliedern Gefahr droht, verteidigt sie das anführende Männchen, der so genannte Pascha - und zwar heftig. Die Gruppen schließen sich manchmal mit anderen Gruppen zu Herden zusammen. So entstehen Verbände mit mehreren hundert Tieren. Männchen ohne Harem schließen sich, wenn sie geschlechtsreif werden, zu Männchengruppen zusammen.
Auf Menschen wirken Mandrills beängstigend. Wenn Sie die Eckzähne zeigen und den Kopf schütteln wirken sie sehr gefährlich. Die Geste bedeutet unter Mandrills aber eine freundlich Begrüßung. Leopard, Kronenadler, Pythonschlangen und andere große Schlangen sind die natürlichen Feinde des Mandrills.
Wenn die Weibchen bereit sind zur Paarung, schwillt ihr Po an und ist noch röter als sonst. 36 Wochen nach der Paarung bringt ein Weibchen ein einzelnes Jungtier zur Welt. Das Gesicht des Jungen ist am Anfang hell, wird aber bald dunkel bis schwarz. Sie werden etwas mehr als ein Jahr gesäugt und erst dann entwöhnt. Der Anführer lässt ein Knurren hören, damit die Mitglieder seiner Gruppe immer wissen, wo er ist. Sie haben einen sehr abwechslungsreichen Speiseplan und fressen in erster Linie Früchte, Samen, Nüsse, Knollen und Blätter. Oft graben sie auch Wurzeln aus, die sehr nährstoffreich sind.
Der Kronensifaka ist ein vom Aussterben bedrohter Halbaffe aus Madagaskar. In Europäischen Zoos gibt es einen kleinen Bestand, für den ein Zuchtprogramm (EEP) eingerichtet wurde.
Kronensifakas erreichen eine Kopf-Rumpflänge von 39-45 cm, eine Schwanzlänge von 48-57 cm und ein Gewicht von 3½-5 kg. Die Iris ist hellgelb, die schwarzen Ohren sind von weißen Haaren überdeckt. Das wenig behaarte Gesicht ist schwarz mit weißen Haaren auf dem Nasenrücken. Die Schnauze ist breiter als bei den anderen Sifaka-Arten. Die Grundfarbe des Fells ist weiß, stellenweise aschfarben bis ockergelb.
Kronensifaka (Propithecus coronatus)
Der Kronensifaka besiedelt Mangrovenwälder und Trockenwälder vom Tiefland bis in Höhenlagen von 1'100 m. Er lebt in Gruppen bestehend aus 2-8 Tieren beiderlei Geschlechts, darunter bis zu 3 geschlechtsreife Männchen und bis 4 Weibchen. Die Gruppen haben Streifgebiete von 1.2 bis 1.5 ha, die sie als Territorium aggressiv gegen Artgenossen verteidigen.
Typisch für Sifakas ist ihre aufrechte Fortbewegung. Die tagaktiven Baumbewohner bewegen sich senkrecht kletternd und springend von Ast zu Ast fort und können dabei Distanzen von bis zu zehn Metern zwischen den Bäumen zurücklegen. Auch am Boden sind sie meist auf zwei Beinen hüpfend unterwegs und strecken zur Balance, scheinbar tänzelnd die Arme nach oben. Wie die Kattas, verbringen sie einen Großteil des Tages mit Sonnenbaden, Ruhephasen und sozialer Interaktion. Der Name Sifaka leitet sich übrigens von ihrem Alarmruf „Si-fak“ ab.
Nach einer Trächtigkeit von etwa 170 Tagen wird in der Regel ein einzelnes Junges mit einem Gewicht von ca. 90 (67-116) g geboren. Die Geburten fallen in Madagaskar wie im Zoo auf November-April, meistens auf Dezember-Januar. Die Geburtsintervalle betragen unter Zoobedingungen normalerweise 12 (9-14) Monate, bei wildlebenden Weibchen etwa 2 Jahre. Junge Weibchen werden mit 2½ Jahren geschlechtsreif und werden dann von der Mutter vertrieben.
Trotz offiziellem Schutz werden die Kronensifakas zur Fleischgewinnung von der lokalen Bevölkerung bejagt und gelegentlich illegal für den Tierhandel gefangen. Der Altersrekord für Kronensifakas in Menschenobhut wird mit etwa 20 Jahren angegeben. Im Rahmen des EEP wurde für Männchen ein Alter von über 25 Jahren ermittelt, ein Weibchen starb 2020 im Alter von 30 Jahren.
Der europäische Zoobestand geht auf 5 in den Jahren 1987 bzw. 1993 vom Zoo Paris im Rahmen einer Kooperation mit den madagassischen Naturschutzbehörden eingeführte Tiere zurück. Heute (2025) wird die Art in 5 Zoos gehalten und der Bestand liegt bei etwa 15 Individuen. Probleme sind ein Überhang an Männchen und eine recht hohe frühe Jugendsterblichkeit. Alle Gruppen bestehen aus nur einem Zuchtpaar und dessen Nachkommen. Überzählige Männchen werden wegen der hohen innerartlichen Aggressivität bevorzugt mit Lemuren anderer Arten zusammengehalten. Das seit 2007 bestehende Europäische Erhaltungszuchtprogramm wird als "New Style-EEP" vom Zoo Paris-Vincennes koordiniert.
Der Kronensifaka wurde 1871 vom Direktor des Pariser Naturkundemuseums, Alphonse MILNE-EDWARDS, unterseinem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben.
Das in seiner Heimat vom Aussterben bedrohte Lisztäffchen ist mit seinem Wuschelkopf eine sehr attraktive Art, die sich bestens als Botschafter für Natur- und Artenschutzprojekte in seiner Heimat eignet, für die sich namentlich der Zoo von Barranquilla stark macht. Lisztäffchen haben eine Kopf-Rumpflänge von etwa 23 (21-26) cm und ein Schwanzlänge von rund 37 (31-40 cm.
Die Haut des spärlich mit weißen Haaren bedeckten Gesichts und der Ohren ist schwarz. Das Gesicht wird umrahmt von einer Kopfmähne aus langen, weißen Haaren, die bis über die Schultern hängen. Das Fell ist an Rücken und Schultern braun, an Bauch und Gliedmaßen weißlich gefärbt.
Lisztaffe (Saguinus oedipus)
Lisztäffchen besiedeln feuchte immergrüne und trockene laubabwerfende Primär- und Sekundärwälder vom Tiefland bis auf eine Höhe von mindestens 400, eventuell bis 1'500 m. ü. M., ferner Buschland und Waldränder. Sie ernähren sich von Früchten, Knospen, jungen Blättern, Baumexsudaten, Nektar, Insekten, Baumfröschen und Echsen.
Sie leben typischerweise in Gruppen von 2-15 Tieren, darunter meist nur ein adultes Weibchen und 1-2 zuchtfähige Männchen. Subadulte Weibchen werden vom Zuchtweibchen unterdrückt, Gruppen mit mehreren erwachsenen Weibchen sind nicht stabil. Die Lisztäffchen bewohnen ein recht kleines Gebiet in der Tierra caliente, der feuchtwarmen Zone an der karibischen Küste Kolumbiens.
Lange Zeit dezimierte ein unkontrollierter wilder Tierhandel die Bestände, so dass die kleinen Äffchen immer seltener wurden. Über drei Generationen (18 Jahre) hatte der Bestand um rund 80 % abgenommen und wurde 2008 auf noch 6'000 Individuen geschätzt. Das seit 1985 bestehende kolumbianische Proyecto Tití ist ein multidisziplinäres Naturschutzprogramm vor Ort, das Feldforschung, Bildungsinitiativen und Gemeinschaftsprogramme kombiniert, um die Erhaltung natürlicher Ressourcen für lokale Gemeinschaften in Kolumbien wirtschaftlich machbar zu gestalten.
Lisztäffchen werden vermutlich nicht gejagt, sie wurden jedoch früher in großem Stil für den Heimtierhandel und als biomedizinische Versuchstiere gefangen. Um 1970 wurden jährlich 20-30'000 Individuen an Labors in den USA gesandt. Seit 1986 gibt es ein Internationales Zuchtbuch, das am Zoo von Barranquilla in Kolumbien geführt wird.
Die Art wird in rund 250 Zoos gehalten, von denen sich etwa 55 im deutschsprachigen Raum befinden. Es gibt ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) seit 1994, das als "New Style"-EEP vom Zoo Bristol koordiniert wird. Versuche mit Lisztaffen waren besonders erfolglos und können nicht empfohlen werden.
Das Lisztäffchen wurde 1758 von Carl von LINNÉ als "Simia oedipus" erstmals wissenschaftlich beschrieben. Auf Deutsch wurde es nach dem österreichischen Komponisten Franz Liszt benannt, der durch eine ähnliche, unverwechselbare Haartracht auffiel: lange, weiße Haare, die über die Schultern hängen. Es war übrigens der ehemalige Berliner Zoodirektor Ludwig Heck, der den kleinen Äffchen diesen Namen gab.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über einige der im Artikel genannten Affenarten, einschließlich ihrer Verbreitung, Größe und Bedrohungsstufe:
| Affenart | Verbreitung | Größe | Bedrohungsstufe |
|---|---|---|---|
| Bärenstummelaffe | Westafrika | 5-20 Tiere pro Gruppe | Äußerst bedroht |
| Orang-Utan | Borneo und Sumatra | Einzelgänger oder kleine Familien | Höchst gefährdet |
| Gorilla | West- und Zentralafrika | 5-20 Tiere pro Horde | Bedroht |
| Mandrill | Westafrika | Mehrere hundert Tiere pro Verband | Selten |
| Löwenäffchen | Südamerika | 30 cm Körpergröße | Bedroht |
| Kronensifaka | Madagaskar | 39-45 cm Kopf-Rumpflänge | Vom Aussterben bedroht |
| Lisztaffe | Kolumbien | 23 cm Kopf-Rumpflänge | Kritisch gefährdet |
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