Ab wann spricht man von Haarausfall: Definition und Ursachen

Viele Menschen reagieren beunruhigt, wenn der Eindruck entsteht, dass sie plötzlich unter vermehrtem Haarausfall leiden. Ein leichter Haarausfall beziehungsweise die Tatsache, dass Haare ausfallen, ist erst einmal normal. Sie durchlaufen verschiedene Phasen und fallen am Ende aus, damit neue Haare Platz zum Wachsen haben. Diese Phasen bezeichnen Fachleute als Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase.

Ein Erwachsener verliert ca. 70-100 Haare am Tag. Dieser Verlust wird durch das Haarwachstum von 0,4 mm täglich und das natürliche Nachwachsen neuer Haare ausgeglichen. Zum eigentlichen Haarausfall kommt es, wenn die Neubildung von Haaren hinter dem normalen »Verschleiß« zurückbleibt oder wenn mehr Haare ausgehen als nachgebildet werden.

Von einem krankhaften Haarausfall (Alopezie) spricht man, wenn einer Person über einen längeren Zeitraum mehr als 100 Haare pro Tag ausfallen. Eine Alopezie liegt also dann vor, wenn jeden Tag mehr als 100 ausfallen und weniger Haare nachwachsen als abgestoßen werden. Dann droht Kahlheit.

Lesen Sie hier, wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten, welche Untersuchungen notwendig sind und wie Sie Haarausfall vorbeugen können!

Ursachen von Haarausfall

Die möglichen Ursachen für Haarausfall sind vielfältig. Sie reichen von Fehlern bei der Haarpflege, über bestimmte Erkrankungen bis hin zur Einnahme von Medikamenten und manchen Krebstherapien.

Nährstoffmangel, Stress, Vererbung und Hormone spielen bei Haarausfall ebenfalls eine Rolle.

Zu krankhaftem Haarausfall kommt es manchmal im Zusammenhang mit bestimmten Infektionskrankheiten (z. B. Typhus und Syphilis), manchen hormonellen Störungen (z. B. Basedow-Krankheit), bei gewissen Vergiftungen, durch Strahlenschäden und bei der Behandlung mit Zytostatika im Rahmen einer Chemotherapie.

Der hormonell bedingte Haarausfall (Alopecia androgenetica) ist die häufigste Ursache der zunehmenden Kahlheit und im engeren Sinn eigentlich keine Krankheit, sondern eher eine anlagebedingte Abweichung vom Normalen. Er ist auf eine Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegen männliche Geschlechtshormone (Androgene) zurückzuführen und kommt, da Androgene in geringer Menge auch bei weiblichen Personen vorhanden sind, auch bei diesen vor.

Ursächlich für die androgenetische Alopezie des Mannes ist ein Zusammenspiel von Genen und Androgenen. Die Gene definieren dabei, wann welcher Kopfhaarfollikel wie stark gegen Androgene empfindlich wird. Das entscheidende Androgen beim männlichen Haarausfall ist das Dihydrotestosteron (DHT), das aus Testosteron mit Hilfe der 5-alpha-Reduktase Typ II entsteht. Unter dem Einfluss des Androgens DHT resultiert eine Miniaturisierung der genetisch prädisponierten Haarfollikel und somit auch der Haare.

Wie bei den Männern ist auch bei Frauen die Ausbildung der androgenetischen Alopezie von genetischen Faktoren abhängig. Man schätzt, dass etwa 20-30 % aller Frauen zur androgenetischen Alopezie neigen. Bei etwa 10 % der Frauen ist diese genetische Veranlagung so stark, dass sie bereits im Alter von 20 bis 30 Jahren eine deutlich sichtbare Haarlichtung aufweisen.

Bei der Alopecia areata handelt es sich um eine T-zellulär vermittelte Autoimmunerkrankung mit dem Zielorgan Haarfollikel. Da keine Vernarbung der Haarfollikel eintritt, ist der Haarverlust im Prinzip reversibel.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie feststellen, dass Sie deutlich mehr Haare verlieren als üblich oder sich kahle Stellen bilden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Haarausfall kann auf verschiedene gesundheitliche Probleme hinweisen, z. B. Hormonstörungen, Stress oder Mangelernährung.

Wenn man bei sich sehr starken Haarverlust feststellt, sollte recht bald ein Dermatologe (Hautarzt) aufgesucht werden. Bei einigen Formen des Haarausfalls steigt der Erfolg der Behandlung nämlich mit einer frühen Diagnose. Auch einige Krankenhäuser bieten spezielle Haarsprechstunden an.

Sinnvoll ist es, als erstes den Hausarzt aufzusuchen. Manchmal stellt er bereits die Ursache fest, etwa einen Eisenmangel anhand einer Blutuntersuchung.

Bei Bedarf überweist er Sie an einen Facharzt. Das ist zum Beispiel ein Dermatologe (etwa bei Verdacht auf eine Hauterkrankung) oder ein Endokrinologe (bei Verdacht auf eine hormonelle Ursache).

Untersuchungen und Diagnose

Um den Haarausfall zu diagnostizieren und die möglichen Ursachen abzuklären, führt der Arzt neben einem Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) verschiedene Untersuchungen durch. Dazu zählen eine körperliche Untersuchung, eine Blutuntersuchung und je nach Bedarf weitere Verfahren wie beispielsweise ein Epilationstest, ein Trichogramm oder die Untersuchung einer behaarten Kopfhautprobe.

Erster Schritt bei der Abklärung von Haarausfall ist das Anamnesegespräch, also das Arzt-Patienten-Gespräch zur Erhebung der Krankengeschichte. Der Arzt fragt dabei zum Beispiel, seit wann der Haarausfall besteht, ob Sie einen bestimmten Auslöser vermuten, welche Medikamente Sie anwenden und ob irgendwelche Grunderkrankungen bei Ihnen bekannt sind.

Dann folgt eine körperliche Untersuchung. Hierbei untersucht der Arzt die Kopfhaut und das Verteilungsmuster der Haare auf Ihrem Kopf.

Plötzlich büschelweise HAARAUSFALL! Arzt erklärt Grund für Haarverlust (kein Vitaminmangel!)

Mit einem Epilationstest lässt sich ein vermuteter Haarausfall bestätigen: Dabei ergreift der Arzt ein kleines Büschel Haare und zieht daran. Lassen sich auf diese Weise an mehreren Stellen der Kopfhaut Haare ausreißen, liegt wahrscheinlich ein verstärkter Haarausfall vor.

Das Trichogramm ist ein mikroskopisches Untersuchungsverfahren, mit dem sich krankhafte Vorgänge an Haarwurzeln und Haarschaft erkennen lassen. Anhand des Trichogramms lässt sich abschätzen, wie groß der Anteil der Haare in den einzelnen Stadien ist. Das hilft bei der Abklärung des Haarausfalls.

Mittlerweile ist es möglich, ein Trichogramm mithilfe einer Digitalkamera und einer speziellen Computer-Software zu erstellen. Dem Patienten reißt man dafür keine Haare aus. Stattdessen rasiert der Arzt ein kleines Kopfhautareal an einer nicht sichtbaren Stelle. Drei Tage später färbt man das Areal und die nachwachsenden Haare mit einem Haarfarbstoff und fotografiert das Ganze in starker Vergrößerung. Das Ergebnis liefert dem Arzt Hinweise auf die Haardichte und die Aktivität der Haarfollikel.

Manchmal ist es nötig, dass der Arzt eine kleine behaarte Kopfhautprobe (mitsamt der Haarfollikel) herausschneidet und genauer unter die Lupe nimmt. Das ist etwa bei vernarbender Alopezie oder bei ungeklärtem diffusen Haarausfall der Fall.

Eventuell bittet Sie Ihr Arzt darum, ein Haartagebuch zu führen, in dem Sie täglich die Anzahl der verlorenen Haare festhalten. Hierfür nutzen Sie beispielsweise die Haare, die beim Duschen im Ausguss oder beim Bürsten in der Haarbürste landen.

Vermutet der Arzt eine bestimmte Grunderkrankung als Ursache für den Haarausfall, sind gegebenenfalls weitere Untersuchungen notwendig.

Vorbeugung

Am besten lässt sich Haarausfall vorbeugen, der mechanisch bedingt oder durch eine Mangelernährung verursacht ist. Tragen Sie lange Haare also öfter locker gebunden oder offen und versorgen Sie Ihren Körper regelmäßig mit allen wichtigen Nährstoffen und Mineralstoffen (Eiweiß, Eisen, B-Vitamine et cetera), um einen Haarausfall durch Mangelernährung zu vermeiden!

Ein wichtiger Baustein für gesunde Haare ist eine ausgewogene Ernährung. Unser Körper braucht viele verschiedene Nährstoffe, damit alle Stoffwechselprozesse reibungslos ablaufen. Für kräftiges und gesundes Haar benötigt der Körper Biotin, Zink, Selen, Kupfer, Eisen, Magnesium, L-Cystein, Vitamin A und Vitamin D.

Wer sehr viel rohe Eier isst, kann beispielsweise einen Biotinmangel entwickeln. Ein im Eiklar enthaltener Stoff, das Avidin, bindet Biotin und verhindert so dessen Aufnahme im Körper.

Eine gestörte Darmflora hat verschiedene Auswirkungen auf den Körper. Unter anderem leiden Haut und Haare, wenn das Gleichgewicht der natürlichen Darmbakterien gestört ist. Besonders nach der Einnahme von Antibiotika ist das der Fall.

Ein gesunder Lebensstil ist ein gutes Mittel, um Haarausfall vorzubeugen. Wenn es Ihnen gut geht, zeigt sich das auch an Ihren Haaren! Zwar sprießen nicht automatisch neue Haare, wenn Sie Ihre Ernährung umstellen oder mehr Sport treiben. Doch langfristig profitiert der gesamte Organismus davon.

Tabelle: Wichtige Nährstoffe für gesundes Haar

NährstoffFunktionLebensmittel
BiotinStoffwechselprozesse, Abbau von Fett- und AminosäurenBierhefe, Eier
ZinkZellwachstum, WundheilungVollkornprodukte, Fleisch, Milchprodukte
SelenAntioxidative WirkungFleisch, Fisch, Nüsse, Pilze
KupferBildung von Melanin (Haarfarbe)Innereien, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse
EisenSauerstofftransportFleisch, Hülsenfrüchte, grünes Gemüse

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