Haarausfall bei Chemotherapie: Ursachen und Behandlung

Der Haarausfall ist für viele Menschen eine der schwersten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Er macht eine Krebserkrankung oft erst sichtbar und kann zum Beispiel belasten, weil andere nun erkennen können, dass man an Krebs erkrankt ist.

Auch das Selbstbild als Frau oder Mann kann leiden. Bei Frauen spielt dabei in erster Linie der Verlust des Kopfhaars, bei Männern auch der von Bart- und Körperhaaren eine Rolle.

Diese Behandlung kommt bei vielen Krebsarten zum Einsatz, zum Beispiel bei Brustkrebs. Viele Frauen belastet der Haarverlust emotional, weil die Krebserkrankung dann oft auch für andere optisch zu Tage tritt.

Die Haare fallen bei einer Chemo aus, weil die eingesetzten Medikamente - Zytostatika oder Chemotherapeutika - alle Zellen angreifen, die sich rasch teilen und vermehren. Zytostatika greifen in die Wachstumsphase ein.

Quelle: krebsinformationsdienst.de

Ursachen von Haarausfall bei Chemotherapie

Es ist wichtig zu wissen, dass nicht jedes Chemotherapie-Medikament (Zytostatikum) verursacht Haarausfall. Das ärztliche Team kann den betroffenen Patientinnen oder Patienten im Voraus darüber Auskunft geben, bei welchem Arzneimittel mit einem Verlust der Haare zu rechnen ist.

Der Haarausfall (Alopezie) ist eine sehr bekannte und offensichtliche Nebenwirkung einer Chemotherapie. Nicht jedes eingesetzte Zytostatikum lässt die Haare im gleichen Ausmaß ausfallen.

Bei manchen Menschen lichten sich die Haare nur, während andere einen vollkommenen Haarverlust auf dem Kopf erleben. Die Art des Chemotherapeutikums ist also ein wichtiger Mitspieler.

Bei Brustkrebs kommen zum Beispiel oft Zytostatika wie Doxorubicin, Epirubicin, Cyclophosphamid oder Paclitaxel zum Einsatz. Bei diesen Zytostatika müssen Frauen damit rechnen, dass ihre Haare ausgehen, berichtet das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Der Haarverlust kommt bei einer von zehn Behandelten vor und gilt als sehr häufig. Seltener fallen die Haare bei Chemotherapeutika wie Carboplatin, Cisplatin oder Capecitabin aus.

Der Haarausfall bei einer Chemo lässt sich nicht als „gutes“ Zeichen deuten, sondern nur als ein Hinweis darauf, dass die Zytostatika die Haarwurzelzellen angreifen. Der Haarverlust ist eine gut bekannte Nebenwirkung der Chemotherapie.

Zeitlicher Verlauf des Haarausfalls

Meist beginnt der Haarausfall etwa ein bis vier Wochen nach dem Beginn der Chemotherapie. Nach und nach verlieren Betroffene dann mehr oder weniger stark ihre Haare.

Die Art, wie die Ärzte eine Chemo verabreichen, beeinflusst beispielsweise das Risiko für Haarausfall: Erhalten Krebspatientinnen oder -patienten ihre Tumortherapie über die Vene direkt ins Blut, sind die Nebenwirkungen meist stärker als wenn sie Tabletten einnehmen.

Eine Kombination mehrerer Wirkstoffe erhöht ebenfalls das Risiko, dass die Haare ausgehen. Auch hohe Medikamenten-Dosierungen steigern die Wahrscheinlichkeit für Haarausfall.

Klassischerweise beginnt der Haarausfall im Rahmen einer Chemotherapie nach etwa zwei bis vier Wochen. Auch für Außenstehende sichtbar wird der Haarverlust in der Regel erst, wenn mindestens die Hälfte aller Kopfhaare ausgefallen sind.

Es fallen nicht alle Haare plötzlich und gleichzeitig aus, sondern der Haarverlust verstärkt sich nach und nach. Die Haare können einzeln oder büschelweise ausfallen.

Solange die Medikamente der Chemotherapie weiter gegeben werden, hält auch der Haarausfall an. Er wird erst gestoppt, nachdem die Therapie beendet wurde.

Präventive Maßnahmen und Behandlungen

Viele stellen sich die Frage, was man tun kann, damit die Haare bei einer Chemotherapie nicht ausfallen und ob man bei einer Chemo die Haare behalten kann. Die Antwort lautet: Es gibt bisher keine wirksame Maßnahme, um den Haarverlust zu verhindern.

Allerdings könnten Kühlkappen oder Kühlhauben eventuell eine Möglichkeit sein, um dem Haarausfall entgegenzusteuern.

Seit Jahrzehnten wird daran geforscht, wie sich die chemotherapiebedingte Alopezie vermeiden lässt. Die Forschung konzentriert sich seit einiger Zeit auf sogenannte Kühlhauben oder Kältekappen, die man während der Chemotherapie auf dem Kopf trägt.

Die Idee dahinter: Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen und die Durchblutung der Kopfhaut wird vermindert. Außerdem sollen die kühlen Temperaturen den Stoffwechsel in den Zellen der Haarwurzelzellen verlangsamen.

Dadurch sollen geringere Mengen an Zytostatika in den Haarwurzeln ankommen, weniger stark auf sie einwirken und sie weniger schädigen - dann bleiben mehr Haare erhalten.

Quelle: hautarztzentrum-kiel.de

Die Kühlhaube sitzt während der Chemotherapie ähnlich wie ein Fahrradhelm auf dem Kopf. In der Regel ist die Kühlhaube an ein spezielles Gerät angeschlossen, das Kühlflüssigkeit durch die Kühlkappe pumpt. Die Kopfhaut wird auf diese Weise auf ungefähr 20 °C heruntergekühlt.

Andere Modelle bestehen aus Kühlelementen, die mit Gel gefüllt sind. Vor der Behandlung werden sie in einem Tiefkühlschrank gekühlt.

Getestet wurden die Kühlhauben bisher vor allem an Frauen mit Brustkrebs, die sich einer Chemotherapie mit sogenannten Anthrazyklinen beziehungsweise Taxanen unterzogen haben. Bei ihnen fielen tatsächlich weniger Haare aus als bei Personen, deren Kopfhaut nicht gekühlt wurde.

Sie brauchten beispielsweise seltener eine Perücke, um den Haarausfall zu kaschieren. Es gibt jedoch bisher nur wenige aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit der Kühlhaube gegen den Haarverlust bei einer Chemotherapie.

Ein Kritikpunkt ist, dass nur wenige Männer und überwiegend Frauen teilgenommen haben. Außerdem unterschieden sich die Studien hinsichtlich der verabreichten Zytostatika, Dauer der Chemotherapie und Art der eingesetzten Kühlkappen.

Auch wie ausgeprägt der Haarausfall war, wurde auf verschiedene Weise gemessen. Daher sind die Studienergebnisse mit Vorsicht zu betrachten.

Derzeit gibt es jedenfalls keine medizinischen Empfehlungen für oder gegen den Einsatz der Kältekappe. Die S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen“ empfiehlt, dass man bei Chemotherapien mit einem hohen Risiko für Haarausfall unter der Abwägung von Nutzen und Risiken eine Kühlung der Kopfhaut in Erwägung ziehen könne.

In Studien wurde untersucht, ob Druck (Kompression) auf die Kopfhaut den Haarausfall verhindern kann. Druck lässt sich zum Beispiel über enge Hauben oder Druckmanschetten auf dem Kopf ausüben.

Ziel ist es, die Durchblutung der Kopfhaut herabzusetzen, damit weniger Zytostatika zur Haarwurzel gelangen. Die Kombination aus Kühlung und Kompression der Kopfhaut zeigte in Studien vorbeugende Effekte, was den Haarausfall angeht.

Untersucht wurde in Studien zum Beispiel das Haarwuchsmittel mit dem Wirkstoff Minoxidil (zugelassen für erblich bedingten Haarausfall). Das Mittel wird auf die Kopfhaut aufgetragen und scheint die Durchblutung der Haarfollikel und somit das Haarwachstum zu verbessern.

In Studien ließ sich keine deutliche Verminderung des Haarausfalls durch Minoxidil erkennen. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass die Haare nach dem Haarverlust schneller wieder nachwachsen.

Hirse wird als Therapeutikum gegen Haarausfall vermarktet. Die Wirksamkeit ist aber nicht ausreichend in größeren wissenschaftlichen Studien nachgewiesen.

Umgang mit dem Haarausfall

Es gibt einige Wege, mit diesen Belastungen umzugehen: Wer lange Haare hat, kann sich zum Beispiel schon vor Beginn der Chemotherapie eine Kurzhaarfrisur schneiden lassen.

Setzt der Haarausfall dann ein, wirken ausgefallene Haarbüschel weniger groß und beängstigend. Sich die Haare selbst abzurasieren, bewahrt vor dem Gefühl des dauernden Haarverlusts - und davor, immer wieder Haare zum Beispiel aus dem Bett, von der Kleidung oder im Bad entfernen zu müssen.

Bis die Haare wieder komplett nachgewachsen sind, pflegt man sie am besten sehr schonend. Wenn der Körper die Chemotherapeutika abgebaut hat, beginnen die Haare in der Regel wieder zu wachsen.

Ungefähr drei Monate nach der letzten Chemotherapie sind bei den meisten die Haare wieder so dicht, dass sie den Haarverlust nicht mehr mit Mütze, Tüchern oder Perücke kaschieren müssen. Manche entscheiden sich auch, ganz ohne Haare nach draußen zu gehen.

Um die kahle Kopfhaut zu bedecken, eignen sich Mützen, Tücher, Kappen oder Perücken aus Kunst- oder Echthaar. Aus Echthaar geknüpfte Perücken lassen sich so schneiden wie die frühere Frisur und wirken sehr natürlich.

Sie sind allerdings teurer als Kunsthaarperücken. Wer sich für eine Perücke entscheidet, kann sich von der Ärztin oder dem Arzt, der die Chemotherapie verabreicht, ein Rezept dafür ausstellen lassen.

Die Krankenkassen übernehmen in der Regel einen Teil der Kosten für eine Kunsthaarperücke. Ausgefallene Wimpern und Brauen können durch künstliche Wimpern und Make-up ersetzt werden.

Wer sich vorher nicht selbst geschminkt hat, kann sich in einer Vielzahl von Videos im Internet Tipps und Anregungen holen, manche Kliniken und Selbsthilfe-Organisationen bieten auch spezielle Kurse an.

Eine Möglichkeit ist auch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder bei einer Psychoonkologin oder einem Psychoonkologen Unterstützung zu suchen und über die Sorgen und Ängste zu sprechen, die mit dem Haarausfall zusammenhängen.

Das DKFZ gibt einige Tipps, die den Umgang mit dem Haarausfall vielleicht erleichtern: Besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, ob und in welchem Ausmaß ein Haarverlust bei Ihrer Chemotherapie zu erwarten ist.

Lassen Sie sich auch gut über andere Nebenwirkungen der Zytostatika informieren. Wenn Sie mit dem Haarverlust rechnen müssen: Überlegen Sie, ob und wie Sie diesen kaschieren möchten. Es gibt viele verschiedene Lösungen.

Vielleicht sprechen Sie auch mit Angehörigen oder Freunden darüber. Auch ein psychologisches Gespräch kann hilfreich sein. Wenn Sie sich für eine Lösung entschieden haben: Kümmern Sie sich rechtzeitig darum, etwa um eine Perücke.

Die gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen beteiligen sich an den Kosten für die Perücke. Den richtigen Haarersatz zu finden, braucht manchmal etwas Zeit. Warten Sie nicht ab, bis die ersten Haare ausfallen.

Vielleicht schließen Sie sich einer Selbsthilfegruppe an? Je nach Krebsart gibt es verschiedene Anlaufstellen. Dort treffen Sie auf Gleichbetroffene, die vielleicht den einen oder anderen Tipp haben, wie Sie mit dem Haarausfall bei einer Chemotherapie umgehen.

Viele Betroffene möchten ihre Glatze nicht öffentlich zeigen und verdecken sie mit Tüchern, Mützen oder Perücken. Wer sich für eine Perücke entscheidet, sollte sich schon zu Therapiebeginn darum kümmern und sich über die Details informieren.

Es gibt verschiedene Arten von Perücken, entweder Perücken aus Echthaar oder Kunsthaarperücken. Vorab sollte mit der Krankenkasse geklärt werden, in welchem Umfang die Kosten für einen Haarersatz übernommen werden.

Wer vor allem unter dem Verlust der Wimpern oder Augenbrauen leidet, kann sich von einem Kosmetiker beraten lassen. Oft gibt es sogar spezielle Seminare für Krebspatienten, wo Schminktechniken gezeigt werden.

Schon während der Chemotherapie ist es wichtig, auf eine gute Kopfhautpflege zu achten, um hinterher ein gutes Haarwachstum zu ermöglichen. Man kann den Kopf mit Wasser und einem milden Shampoo oder Seife waschen und mit einer Creme pflegen.

Achten Sie darauf, besonders bei Kälte die Haut mit einer Mütze oder einem Tuch zu schützen. Auch eine gesunde Ernährung ist wichtig, wenn auch während einer Krebsbehandlung manchmal schwer umzusetzen.

Machen Sie sich nicht zu viel Stress, wenn es nicht immer klappt, eine vitamin- und nährstoffreiche Ernährung einzuhalten. Vielleicht sind vorübergehend Nahrungsergänzungsmittel hilfreich oder es reicht aus, wenn Sie nach der Behandlung wieder normal essen können.

Haarwachstum nach der Chemotherapie

Nach einer Chemotherapie kann das Kopfhaar manchmal etwas anders nachwachsen und anders aussehen als vorher. Es kann zum Beispiel gelockt statt glatt sein oder eine andere Farbe besitzen. Es kann beispielsweise heller oder dunkler als früher sein.

Ein möglicher Grund ist, dass die Chemotherapie die Haarfollikel verändert. Woher die Effekte aber wirklich kommen, ist noch nicht geklärt.

Meist beginnt der Haarausfall bei einer Chemo etwa ein bis drei Wochen nach dem ersten Chemotherapiezyklus. Nach und nach fallen immer mehr Haare aus. Schließlich kann der gesamte Kopf kahl werden.

Je nach angewendeten Zytostatika können auch die Körperhaare ausfallen. Wenige Wochen nach dem Ende der Chemo wachsen die Haare jedoch wieder langsam nach.

Der Körper hat dann die Zytostatika abgebaut. Ist die Behandlung mit den Krebsmedikamenten abgeschlossen, wachsen die Haare meist innerhalb von 3 - 6 Monaten wieder nach.

Die nachwachsenden Haare können sich vom früheren Haar unterscheiden: Es kann sein, dass das Haar dichter und lockiger als vorher wird oder die Haarfarbe sich ändert. Solche Strukturveränderungen sind meist vorübergehend und die Haare sehen nach der Behandlung oft wieder wie früher aus.

Die Haare können wieder wachsen, wenn die Chemotherapeutika und ihre Stoffwechselprodukte vollständig vom Körper abgebaut wurden. Vorübergehend kann das Haar anders sein als vorher.

Viele Betroffene berichten, dass ihr Haar anfangs dicker, voluminöser oder lockiger war als früher. Nur sehr selten berichten Patienten, dass die Chemotherapie ihre Haare dauerhaft geschädigt hat.

Wenn ein dauerhafter Haarverlust bestehen bleibt, handelt es sich dabei am ehesten um Patienten, die eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Knochenmarktransplantation bekommen haben.

Etwa drei Monate nach der letzten Chemotherapie sind die Kopfhaare meist schon wieder so weit nachgewachsen, dass viele Patient*innen ohne Perücke oder Kopfbedeckung auskommen. Körperhaare brauchen etwas länger, um nachzuwachsen.

Viele Betroffene berichten, dass das neu nachgewachsene Haar nach einer Krebstherapie verändert aussieht: Meistens ist das Haar etwas gewellt oder gelockt und die Farbe weicht ab.

Nur wenige Betroffene berichten von dauerhaften Schäden durch Krebsmedikamente. Lediglich Patient*innen, die eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Knochenmarktransplantation erhalten hatten, berichten von dauerhaftem Haarverlust.

Haarausfall während der Krebstherapie - warum verliere ich meine Haare? (Ärztin informiert)

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