Viele Menschen bemerken mit zunehmendem Alter eine Veränderung ihrer Haare. Haare werden feiner, wachsen langsamer oder fallen verstärkt aus. Besonders in den Wechseljahren kann hormonell bedingter Haarausfall ein Thema sein. So haben Studien ergeben, dass über 50 % der Frauen über 50 Haarausfall erleben. Um Haarausfall entgegenzuwirken, werden vielerorts koffeinhaltige Shampoos angeboten.
Für jedes Haarproblem scheint es ein Shampoo im Drogerie-Regal zu geben: gegen trockene Haare, gegen Schuppen und sogar gegen Haarausfall. Viele der Haarausfall-Shampoos enthalten Koffein. Die anregende Wirkung soll das Haarwachstum stimulieren. Doch funktioniert das?
Pro Monat wachsen die Haare etwa einen Zentimeter. Gesund und glänzend finden sie meist ihren Weg aus der Kopfhaut heraus. Schäden kommen häufig durch äußere Einflüsse: häufiges Waschen, Rubbeln, Föhnen und Bürsten, aber auch Haarspray, Haargummis und Färben setzen der Haarstruktur zu. Die Haare werden trocken, verlieren an Glanz, brechen ab oder es entsteht Spliss in den Längen.
Fallen Haare komplett aus, liegt die Ursache meist tiefer: bei der Haarwurzel. Wird die Haarwurzel während der Wachstumsphase geschädigt oder gehen zu viele Haare auf einmal in die Ruhephase über, kommt es zu verstärktem Haarausfall. Ursachen für Haarwurzelschädigungen können unter anderem Medikamente, Mangelernährung und Krankheiten sein. Genetische und hormonelle Faktoren spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle bei vermehrtem Haarverlust.
Die weitaus häufigste Form von Haarausfall ist der erblich bedingte Haarausfall, androgenetische Alopezie genannt. Bei den Betroffenen, vor allem Männer, reagieren die Haarwurzeln genetisch bedingt überempfindlich auf männliche Sexualhormone, vor allem Dihydrosteron (DHT), einer Variante von Testosteron. "In Folge können die Haare verstärkt ausfallen und/oder unzureichend nachwachsen. Da die Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber den Androgenen mit dem Alter zunimmt, verstärkt sich dann auch der Haarausfall - und wird zunehmend sichtbar", erklärt Dr. Uwe Schwichtenberg, Hautarzt aus Bremen und Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V. (BVDD).
Es gibt eine Reihe verschiedener Shampoos auf dem Markt, welche laut den Herstellern das Haarwachstum anregen sollen. Diese Shampoos enthalten verschiedene Wirkstoffe, darunter Koffein, das bereits in Kaffee durch seine aktivierende und anregende Wirkung bekannt ist. Doch lassen sich die Haarwurzeln durch Koffein aufwecken und stärken?
Koffein ist weit mehr als nur ein Energie-Booster für den Morgen - es hat auch einen wissenschaftlich belegten Einfluss auf das Haarwachstum. Durch die Erhöhung von IGF-1, die Verbesserung der Kopfhautdurchblutung und den Schutz der Stammzellen kann es dazu beitragen, Haarausfall zu verlangsamen und das Haarwachstum zu fördern. Zudem kann es den schädlichen Einfluss von DHT reduzieren, das eine Hauptrolle beim hormonellen Haarausfall spielt.
Ein zentraler Mechanismus von Koffein ist seine Fähigkeit, den Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1) zu erhöhen. IGF-1 nimmt mit dem Alter ab, weshalb Männer ab 30 und Frauen in den Wechseljahren oft von langsamem Haarwachstum oder dünner werdendem Haar berichten. Interessanterweise gibt es neben Koffein weitere Wege, um IGF-1 natürlich zu steigern. Eine stabile Schlafroutine mit einer festen Schlafenszeit kann die IGF-1-Produktion fördern, da dieser Wachstumsfaktor stark von den circadianen Rhythmen beeinflusst wird. Ebenso kann eine proteinreiche Ernährung mit Aminosäuren wie Arginin und Lysin sowie regelmäßige körperliche Aktivität - insbesondere Krafttraining - die IGF-1-Werte erhöhen.
Mit zunehmendem Alter nimmt auch die Anzahl der aktiven Stammzellen in den Haarfollikeln ab, was zu dünnerem Haarwachstum führt. Koffein hilft, diese Stammzellen länger aktiv zu halten, indem es Apoptose (den programmierten Zelltod) reduziert.
Eine gesunde Durchblutung der Kopfhaut ist essenziell für kräftiges Haarwachstum, da sie sicherstellt, dass Haarfollikel ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Koffein kann die Durchblutung fördern, indem es die Gefäße leicht erweitert und die Mikrozirkulation in der Kopfhaut verbessert. Studien haben gezeigt, dass eine bessere Durchblutung die Regeneration der Haarfollikel unterstützt und dazu beitragen kann, Haarausfall zu reduzieren. Besonders bei Menschen mit eingeschränkter Kopfhautdurchblutung.
Koffein hat den Vorteil, dass es keine systemischen Nebenwirkungen verursacht, da es topisch aufgetragen wird und direkt an den Haarwurzeln wirkt. Viele Menschen fragen sich, ob einfach mehr Kaffee trinken helfen könnte, um die positive Wirkung von Koffein auf das Haarwachstum zu nutzen.
Wenn Koffein oral aufgenommen wird, verteilt es sich über den gesamten Körper und wird größtenteils von der Leber abgebaut. Im Körper konkurriert Koffein mit Adenosin, einem Botenstoff, der unter anderem für die Regulierung von Schlaf und Blutfluss zuständig ist. Viele Adenosin-Rezeptoren im Körper fangen Koffein ab, bevor es überhaupt die Haarfollikel erreichen kann. Das bedeutet, dass ein großer Teil des oral aufgenommenen Koffeins gar nicht dort ankommt, wo es für das Haarwachstum wirken könnte.
Während moderate Mengen Kaffee unproblematisch sind, kann übermäßiger Konsum den Cortisolspiegel erhöhen, was langfristig zu einem hormonellen Ungleichgewicht führt.
Koffein kann auf verschiedene Arten in die Haarpflege integriert werden. Während es zahlreiche Koffein-Shampoos auf dem Markt gibt, ist es wichtig, auf die Inhaltsstoffe zu achten. Unsere Haarseife mit Kaffee, Lavendel und Kamille ist eine sanfte, aber effektive Möglichkeit, Koffein gezielt dort anzuwenden, wo es wirkt - direkt an der Haarwurzel. Die Kombination aus natürlichem Kaffeepulver und Koffein-Extrakt stimuliert die Kopfhaut, fördert die Durchblutung und stärkt die Haarfollikel.
Neben der Haarwäsche kann Koffein auch in Form von Kaffeemasken angewendet werden. Wasche deine Haare wie gewohnt und trockne sie leicht ab, damit sie handtuchtrocken sind. Diese Kur kannst du einmal pro Woche anwenden. Aber Vorsicht, liebe Blondinen! Kaffee kann die Haare verfärben.
Eines können Shampoos im Allgemeinen: für ein gutes Haargefühl, leichte Kämmbarkeit, einen verbesserten Glanz und weniger Haarbruch und Spliss sorgen. Das Haarwachstum beschleunigen können sie nicht.
"Das Haar hat seinen ganz natürlichen Wachstumszyklus. Es wächst in der Regel etwa einen Zentimeter pro Monat und fällt nach einigen Jahren natürlicherweise aus und ein neues Haar wächst nach. Sie können dies nicht durch ein Shampoo beeinflussen, etwa das Wachstum beschleunigen, indem Sie beispielsweise Koffeinshampoo auf die Kopfhaut auftragen", sagt Schwichtenberg.
Bei erblich bedingtem Haarausfall soll Koffein durch seine Anti-Testosteron-Wirkung gegen Haarverlust helfen - so die Theorie. Koffein ist in der Lage, das Enzym Phosphodiesterase zu hemmen, wodurch weniger Testosteron in seine aktive Form Dihydrotestosteron umgewandelt wird.
Äusserlich könnte Koffein also in manchen Fällen gegen Haarausfall wirken. Es stimuliert vermutlich den Zellstoffwechsel in den Haarfollikeln, so dass sich wieder neuer Haarwuchs einstellen kann. Um diese Ziele zu erreichen, müsste es aber eine ausreichend konzentrierte Lösung sein, die überdies mindestens einmal täglich angewandt wird.
Unsere Stichproben bei Koffeinshampoos ergaben, dass dort die Koffeinkonzentrationen leider nicht angegeben werden.
Das Trinken von Kaffee aber könnte sogar das Gegenteil bewirken, nämlich Haarausfall verursachen, wie Wissenschaftler der Universitätsklinik Zürich im Jahr 2019 vermuteten (1). Sie stellten fest, dass sich im Laufe der Geschichte der Kaffeekonsum ausbreitete und mit ihm auch immer mehr Menschen von Glatzen betroffen waren. Auch in asiatischen Ländern konnte man beobachten, dass immer häufiger Glatzen vorkamen, als dort die Kaffeeimporte stiegen.
Für ihre Studie (die aus zwei Teilen bestand) führten sie für den ersten Teil eine Umfrage unter 1466 Personen durch. Diese wurden in zwei Gruppen geteilt. Die eine hatte keine kahlen Stellen auf dem Kopf, die andere schon.
Es zeigte sich, dass jene mit kahlen Stellen auch mehr Kaffee tranken, während in der Gruppe der Leute ohne kahle Stellen mehr Personen waren, die nur gelegentlich Kaffee tranken.
In Gruppe 1A (kein Kaffee) sah man bei 108 Männern (von 119) neuen Haarwuchs und ein Abnehmen der kahlen Flächen. Bei jenen, die zuvor Haarausfall hatten, stoppte dieser innerhalb des ersten Monats ohne Kaffee. Je jünger die Probanden waren, umso besser wirkte die Kaffeeabstinenz.
In Gruppe 1B sah man bei 69 Männern (von 129) eine Verschlechterung der kahlen Stellen, bei 59 Männern blieb die Situation stabil. Eine Verbesserung konnte bei keinem der Männer beobachtet werden.
In Gruppe 2A (kein Kaffee) stoppte der Haarausfall nach 8 Wochen bei 16 Männern (von 17) vollständig.
In Gruppe 2B konnte man bei 14 Männern (von 16) eine deutliche Verschlechterung erkennen, bei 2 Männern blieb alles unverändert. Eine Verbesserung war bei keinem zu sehen.
Natürlich reagieren nicht alle Menschen gleichermassen mit Haarausfall und Glatzenbildung auf Kaffee, andernfalls hätte beim derart starken Kaffeekonsum weltweit mindestens jeder zweite eine Glatze, was ja nicht der Fall ist. Etwa 40 Prozent aller Männer reagieren auf Kaffeebestandteile mit Haarausfall und Glatzenbildung innerhalb von 1 bis 10 Jahren nach Beginn des Kaffeekonsums. Bei weiteren 40 Prozent käme die Reaktion etwas verzögert. Sie reagieren erst innerhalb von 10 bis 30 Jahren oder später auf Kaffeekonsum/Kaffeekontakt. Die verbliebenen 20 Prozent sind kaum oder gar nicht kaffeeempfindlich.
Wenn Sie unter Ihrer Glatzenbildung leiden und gleichzeitig Kaffeetrinker sind, machen Sie einmal einen Versuch, lassen mindestens drei Monate den Kaffee (und jeglichen Kaffeekontakt, wenn möglich) weg. Dokumentieren Sie dabei Ihren Haarwuchs bzw. Ihre kahlen Stellen, indem Sie diese regelmässig fotografieren. Gerne können Sie uns von Ihren Ergebnissen berichten.
Eine chinesische Studie zeigt, dass Menschen, die regelmäßig Energy-Drinks trinken, zu 42 % häufiger ihre Haare verlieren. Insbesondere Männer sind laut den Ergebnissen betroffen.
Der Konsum von überzuckerten Getränken wie Red Bull und Co. wird auch mit gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht. Dazu gehören Gewichtszunahme, Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen, Nierenfunktionsstörungen, nichtalkoholische Leberzirrhose, Zahnverfall, Arthritis und Gicht.
Neben Koffein-Shampoos und einer ausgewogenen Ernährung gibt es noch weitere Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Ihr Haarwachstum zu fördern:
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