Mangelerscheinungen werden oft mit Entwicklungsländern in Verbindung gebracht. Doch auch in Deutschland ist Eisenmangel weit verbreitet und stellt die weltweit häufigste Mangelerscheinung dar. Im Körper eines erwachsenen Menschen befinden sich etwa drei bis vier Gramm Eisen. Eisen gehört zu den essentiellen Spurenelementen.
Das meiste Eisen, etwa zwei Drittel, liegt in Form von Hämoglobin in den roten Blutkörperchen vor. Auch Muskeln, Enzyme und Proteine enthalten Eisen. Der Rest ist in Organen wie Leber, Milz und Knochenmark gespeichert. Über abgestorbene Haut- und Schleimhautzellen, Urin, Stuhl und Schweiß verliert der Körper jeden Tag ein bis zwei Milligramm Eisen. Um das auszugleichen, muss er aber etwa 15 Milligramm täglich aufnehmen, da nur ein kleiner Teil über den Magen-Darm-Trakt in den Körper gelangt.
Wenn im Körper ein Eisenmangel herrscht, wird das Eisen zuerst den "unwichtigen" Körperteilen wie Haaren und Nägeln vorenthalten, um lebenswichtige Organe und Organfunktionen zu unterstützen. Unsere Haarfollikel sind jedoch sehr aktive Zellen mit einer hohen Stoffwechselaktivität. Unser Haar wächst ständig und benötigt ausreichend Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente.
Diese werden für viele verschiedene Enzyme der DNA-Synthese benötigt. Eines davon ist zum Beispiel die Ribonucleotid-Reduktase, die für ihre Funktion genügend Eisen benötigt. Sind die Haarfollikel nicht ausreichend mit Eisen versorgt, können sie sich nicht vermehren und sterben ab.
Studien zufolge kann Eisenmangel unterschiedliche Formen des Haarausfalls begünstigen: anlagebedingten Haarausfall, kreisrunden Haarausfall, diffusen Haarausfall oder telogenes Effluvium (zu frühes Eintreten der Ruhephase). Denn Haarzellen benötigen das Eisen für die DNA-Synthese und für ein ungestörtes Haarwachstum.
Der Haarzyklus besteht aus drei Phasen:
Ist der Haarzyklus gestört, zum Beispiel durch eine verkürzte Wachstumsphase, kann es zu Haarausfall kommen. Normalerweise fallen jeden Tag bis zu 100 Haare aus.
Wenn man den Eindruck hat, ungewöhnlich viele Haare zu verlieren, kann ein Trichogramm Aufschluss geben. Dazu werden 50 bis 100 Haare aus dem vorderen (frontalen) und hinteren (okzipitalen) Bereich des Kopfs entfernt und untersucht. Man kann damit Aussagen über das Wachstumsverhalten der Haare treffen und über die Intensität des Haarausfalls, aber nicht über seine Ursachen.
Es dauert meist eine Weile, bis ein Eisenmangel symptomatisch wird. Solange nur das Speichereisen abnimmt, aber noch genügend Eisen für den akuten Verbrauch zu Verfügung steht, merkt man nichts davon. Typische Symptome sind trockene Haut, Juckreiz, Schmerzen auf der Zunge, Schmerzen beim Schlucken oder rissige Mundwinkel.
Um einen Eisenmangel festzustellen, reicht eine Blutabnahme aus. Darin werden verschiedene Parameter bestimmt, die ein Abbild des Eisenhaushalts geben. Man bestimmt die Anzahl und Größe der roten Blutkörperchen und deren Gehalt am Blutfarbstoff Hämoglobin. Zusätzlich kann man schauen, ob die Bildung der Blutkörperchen funktioniert und die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen, die Retikulozyten, ausreichend gebildet werden.
Ein Abbild über das Speichereisen gibt das Ferritin - es kann jedoch zum Beispiel bei chronischen Krankheiten oder akuten Infekten trotz Eisenmangel erhöht sein. Über das Transferrin und die Transferrinsättigung lässt sich ablesen, ob der Körper seine Rezeptoren zur Eisenaufnahme hochgefahren hat.
Eine zu geringe Eisenzufuhr liegt meistens an einer vegetarischen oder veganen Ernährung. Eisen ist vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch enthalten. Es gibt auch eisenreiche pflanzliche Nahrungsmittel, insbesondere Hülsenfrüchte wie Linsen, Sojabohnen oder Kichererbsen und Blattgemüse wie Mangold oder Fenchel. Der menschliche Magen-Darm-Trakt kann das Eisen daraus jedoch schlechter aufnehmen als aus tierischen Nahrungsmitteln.
Ein zu hoher Verlust von Eisen liegt meistens an einem Blutverlust. Insbesondere Frauen mit einer langen, häufigen oder sehr starken Regelblutung können relevante Mengen an Eisen verlieren. Aber auch über einen chronischen Blutverlust, zum Beispiel durch Tumore im Magen oder Darm, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder einem Magengeschwür kann viel Eisen verloren gehen.
Für eine verminderte Eisenaufnahme können verschiedene Medikamente, Nahrungsmittel und Erkrankungen sorgen. Sowohl Tee, Kaffee und Milch vermindern die Eisenresorption im Darm als auch manche Medikamente gegen Sodbrennen oder Parkinson. Bei Krankheiten der Darmschleimhaut wie Zöliakie oder chronischem Durchfall kann die Eisenaufnahme ebenfalls vermindert sein.
Die prophylaktische Einnahme von Eisen ist nicht sinnvoll, um einem Haarausfall durch Eisenmangel vorzubeugen. Es gibt viele andere und häufigere Gründe für Haarausfall wie eine genetische Veranlagung, hormonelle Störungen, Stress, Vitaminmangel oder fehlerhafte Schilddrüsenfunktion. Ob ein Eisenmangel für den Haarausfall verantwortlich sein kann, sollte man zunächst durch eine Blutuntersuchung ärztlich abklären lassen.
Zu viel Eisen im Körper kann schädlich sein: Der Körper hat kaum Möglichkeiten, überschüssiges Eisen wieder abzugeben. Es lagert sich in vielen Organen wie Herz oder Leber ein und kann diese schädigen. Damit erhöht sich zum Beispiel das Risiko für einen Herzinfarkt oder Leberkrebs.
Liegt eine körperliche Erkrankung zugrunde, steht deren Behandlung im Vordergrund. Wenn zum Beispiel durch einen Tumor oder eine Darmerkrankung die Aufnahme von Eisen in den Körper gestört ist, bringt auch eine erhöhte Zufuhr über die Nahrung nichts. Erst durch eine Behandlung der Grunderkrankung ist eine Besserung zu erwarten.
Liegt der Eisenmangel an der Ernährung, kann eine Ernährungsumstellung helfen. Insbesondere Fleisch enthält viel Eisen, vor allem Hirsch, Rind oder Schwein. Ganz oben auf der Liste stehen aber tierische Innereien: In 100 Gramm Entenleber sind 30 Milligramm Eisen enthalten!
Für wen Fleisch oder Innereien keine Option sind, der kann sich zum Beispiel an Haferflocken oder Weizenkleie halten. Zum Mittagessen kommen Sojabohnen oder Quinoa als Eisenlieferanten infrage. Da der menschliche Körper Eisen aus pflanzlichen Quellen schlechter verwerten kann als aus tierischen Quellen, muss eine entsprechend höhere Menge davon gegessen werden.
Wer seinen Eisenbedarf nicht alleine über die Ernährung decken kann, für den kommen Eisentabletten infrage. Diese sind zwar frei verkäuflich, sollten aber trotzdem nur in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Und sie werden leider nicht selten schlecht vertragen: Sie können zu Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall führen.
Falls Sie Eisenmangelsymptome bei sich bemerken, scheuen Sie sich nicht, einen Arzt aufzusuchen. Schon ein einfaches Blutbild kann Aufschluss geben und ermöglicht Ihnen, den Symptomen entgegenzuwirken. Eisenmangel ist leicht behandelbar - so können Sie sich schnell wieder wohl und schön fühlen.
Wenn der Eisenmangel behoben ist (je nach Ursache durch eine Ernährungsumstellung, Medikamente etc.) kann den Haarwurzeln noch direkt geholfen werden: Durch eine begleitende PRP Behandlung. Bei einer PRP Behandlung wird Blut des Patienten entnommen und in die einzelnen Bestandteile zerlegt: Erythrozyten, Thrombozytenarmes Plasma, Thrombozytenreiches Plasma sowie PRP (Platelet Rich Plasma). In PRP sind besonders viele Blutplättchen und Nährstoffe enthalten. Die Verabreichung von PRP erfolgt in das subkutane Hautgewebe der betroffenen Bereiche und wird mithilfe einer kleinen Injektionsnadel oder durch eine Mesopistole injiziert.
Der Eisenmangel kann jedoch auch einen irreparablen Schaden auf Haarwurzeln haben. Sollte der Eisenmangel lange anhalten und schwerwiegend sein, können sich oft nicht mehr alle Haarwurzeln erholen. Wenn sich das Haarwachstum nicht mehr einsetzen sollte, können diese Bereiche mit einer Haartransplantation wieder aufgefüllt werden. Hierbei werden einzelne Haarfollikel aus einem geeigneten Spenderareal entnommen und in den betroffenen Regionen wieder eingesetzt.
Gerne stehen wir Ihnen bei Fragen zur Seite. Eisenmangel kann Haarausfall verursachen. Wir ermitteln die Ursachen und beraten Sie zu geeigneten Behandlungsmöglichkeiten.
Mit unseren Behandlungen erreichen wir bei über 90% unserer Patienten eine deutliche Besserung in kurzer Zeit.
Die Hämochromatose ist eine Eisenspeicherkrankheit, bei der zu viel Eisen im Körper eingelagert wird, vor allem in Leber und Herz. Mögliche Folgen sind zum Beispiel Leberzirrhose und Herzmuskelerkrankung. Die Hämochromatose kann angeboren oder erworben sein. Sie wird mit Aderlässen oder Medikamenten (Eisenchelatoren) behandelt.
Erkrankung, bei der zu viel Eisen im Körper eingelagert wird (Eisenspeicherkrankheit). Die primäre Form basiert auf Genmutationen von Eiweißen, die den Eisenstoffwechsel regulieren. Die sekundäre Hämochromatose beruht auf anderen Erkrankungen (angeborenen oder erworbenen) oder auf übermäßiger Eisenzufuhr (v.a. als Infusion).
Starke Müdigkeit, Reizbarkeit, verringerte sexuelle Lust, Oberbauchkrämpfe, Gelenkschmerzen u.a. Spätschäden: Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Leberschäden, Braunfärbung der Haut, schwere Gelenkbeschwerden und Herzschäden, Impotenz, Ausbleiben der Regelblutung
Aderlass bzw. Erythrozytapherese, Medikamente (Eisenchelatoren), ggf. Organtransplantation, Verzicht auf eisenreiche Lebensmittel (wie Innereien), möglichst kein Alkohol
Bei frühzeitiger Behandlung normale Lebenserwartung, schlechtere Prognose bei schon bestehenden Schäden
In der Frühphase der Eisenspeicherkrankheit zeigen sich Symptome, die eher vage (unspezifisch) sind. Dazu gehören:
Die Anzeichen betreffen verschiedene Organe und Körperbereiche. Daher können sich die Schäden auch an vielen Stellen zeigen.
Einige Patientinnen und Patienten klagen über schwere Gelenkbeschwerden (Arthropathie), die oft schon einsetzen, obwohl nur geringen Mengen Eisen abgelagert sind, also lange vor der Diagnose. Typischerweise sind die Gelenke der Mittel- und Zeigefinger an beiden Händen betroffen, aber auch Knie- und Hüftgelenke.
Die Leber ist einer der Hauptspeicherorte für Eisen und das erste Organ, das vom Blut erreicht wird, nachdem es durch den Darm geflossen ist (wo Eisen in den Körper aufgenommen wird). Eine Eisenüberladung über einen längeren Zeitraum führt zu einem bindegewebigen Umbau der Leber (Leberfibrose) und dann zur Zerstörung von Lebergewebe (Leberzirrhose). Die typischen Symptome dafür sind:
Die Haut kann sich besonders in der Achselhöhle dunkel (bronzefarben) verfärben. Das liegt daran, dass sich vermehrt Melanin (der dunkle Pigmentfarbstoff) in der Haut einlagert. Die Verfärbung bezeichnet man als Bronzediabetes.
Die Körperbehaarung dünnt aus, insbesondere in der Achselhöhle, aber auch auf dem Kopf. Außerdem werden die Haare, besonders die Kopfhaare, früher grau als ohne Eisenablagerungen.
Auch die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) wird bei einer Hämochromatose durch den Eisenüberschuss belastet. Zunächst reagieren die Köperzellen nicht mehr auf das blutzuckersenkende Pankreas-Hormon Insulin (Insulinresistenz).
Herzschäden sind eine häufige Todesursache bei jungen Hämochromatose-Erkrankten. Eisenablagerungen im Herz führen zu Muskelschäden (Kardiomyopathie) und Herzrhythmusstörungen. Viele Betroffene merken die Veränderungen am Herzen durch plötzlich auftretende Kurzatmigkeit.
Die verschiedenen Hormonsysteme im Körper können in unterschiedlichem Ausmaß von der Hämochromatose betroffen sein. Typisch ist eine Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen (Eierstöcke, Hoden), der Schilddrüse und der Nebennierenrinde. Männer können impotent werden, bei Frauen kann die Regelblutung ausbleiben (Amenorrhö).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl Eisenmangel als auch Eisenüberschuss negative Auswirkungen auf den Körper haben können. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige ärztliche Kontrollen sind wichtig, um den Eisenhaushalt im Gleichgewicht zu halten und Haarausfall sowie andere gesundheitliche Probleme zu vermeiden.
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