Die Ptosis, auch als hängendes Oberlid bekannt, ist ein medizinischer Zustand, bei dem sich das Oberlid des Auges unter seine normale Position senkt. Diese Veränderung kann nicht nur das Sichtfeld einschränken, sondern auch das Erscheinungsbild des Auges deutlich beeinflussen. Unter einer Ptosis verstehen wir das vollständige oder auch teilweise Herabhängen eines oder beider Oberlider (Blepharoptosis). Teilweise ist die Sehachse (Pupillenmitte) verlegt oder das Oberlid hängt sogar komplett herab.
Der Schweregrad der Erkrankung kann von einer leichten Asymmetrie bis zu einer starken Beeinträchtigung des Sehens variieren. Die Folgen reichen von einer rein kosmetischen Störung bis zum Verlust der Sehfähigkeit. Es gibt keine einzelne Ursache für eine Ptosis.
Ptosis des linken Oberlids
Das Augenlid ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener anatomischer Strukturen, die präzise aufeinander abgestimmt sind. Die äußere Schicht besteht aus einer dünnen, elastischen Hautschicht, die sich problemlos mit den Bewegungen des Augenlids mitbewegt. Die innere Auskleidung des Augenlids, die Bindehaut (Konjunktiva), trägt entscheidend zur Befeuchtung des Auges bei, indem sie Tränenflüssigkeit produziert und gleichmäßig verteilt.
Der Musculus levator palpebrae superioris ist der wichtigste Muskel für die Hebung des Oberlids. Dieser feine, aber kraftvolle Muskel entspringt tief in der Augenhöhle und verläuft nach vorne, wo er sich in eine sehnige Platte, die Aponeurose, fortsetzt. Zusammen mit dem Müllerschen Muskel, einem kleineren, unwillkürlichen Muskel, sorgt er für die präzise Kontrolle der Lidöffnung.
Die Ursachen für eine Ptosis sind vielfältig und reichen von natürlichen Alterungsprozessen über verschiedene Grunderkrankungen bis hin zu mechanischen Faktoren. Das Verständnis dieser unterschiedlichen Faktoren ist entscheidend für eine effektive Behandlung.
Mit den Jahren unterliegt das Gewebe des Augenlids natürlichen Veränderungen, die eine Ptosis begünstigen können. Die Aponeurose des Lidhebers, eine zentrale sehnige Struktur, verliert an Elastizität und kann sich vom Tarsus lösen. Diese altersbedingten Veränderungen treten meist an beiden Augen auf, jedoch nicht immer gleichzeitig oder in gleicher Ausprägung. Anfangs machen sie sich oft durch eine zunehmende Schwere der Lider im Tagesverlauf oder eine leichte Asymmetrie bemerkbar.
Verschiedene medizinische Grunderkrankungen können eine Ptosis verursachen, wobei die Mechanismen je nach Erkrankung unterschiedlich sind. Die erworbene Ptosis lässt sich je nach Ursache in vier Gruppen unterteilen:
Dabei sind beispielsweise neuromuskuläre Erkrankungen wie die Myasthenia gravis zu nennen. Bei diesen Beschwerdebildern ist die Signalübertragung der Nerven auf die entsprechenden Muskeln gestört. Ist dabei die Muskulatur des Oberlides betroffen entsteht eine Ptose.
Im Rahmen des Horner-Syndroms kann ebenfalls eine Ptosis vorliegen. Die Erkrankung zeigt sich neben dieser Symptomatik auch durch einen eingefallenen Augapfel (Enophthalmus) und eine Engstellung der Pupille (Miosis). Die Ursache dafür liegt in einer Schädigung des Sympathikusanteils des vegetativen Nervensystems.
Direkte Verletzungen des Augenbereichs können die Position und Funktion des Oberlids beeinträchtigen. Ein stumpfes Trauma kann die Muskeln oder die Aponeurose des Lidhebers schädigen, während Schnittverletzungen die feinen Strukturen des Augenlids verletzen. Langanhaltender mechanischer Stress auf das Augenlid kann ebenfalls das Risiko einer Ptosis erhöhen. Dies könnte durch regelmäßiges Reiben der Augen, jahrelanges Tragen von Kontaktlinsen oder chronischen Druck auf das Lid begünstigt werden. Inzwischen ist auch ein Zusammenhang zwischen dem jahrelangen Tragen von Kontaktlinsen und der Entwicklung einer Ptosis belegt.
Angeborene Formen (kongenitale Ptosis) zeigen dagegen eine Schwäche des Lidhebermuskels (Levator). Bei einer erblich bedingten Ptose (kongenitale Ptose) ist der Levatormuskel, der die Augenlider anhebt, von Geburt an defekt. Die angeborene Form kann vererbt werden. Sie wird durch eine Fehlbildung des lidhebenden Muskels oder des Nervs hervorgerufen.
Wenn eine Ptosis angeboren ist, liegt der Grund dafür meist darin, dass das Kerngebiet eines bestimmten Hirnnervs (N. oculomotorius) nicht ausgebildet ist. Er kann dann seine Aufgabe nicht erfüllen, nämlich die Übertragung von Nervenimpulsen auf den Lidhebermuskel - das Augenlid hängt. Betroffen sind meist beide Augen.
Bei einer angeborenen Ptosis muss verhindert werden, dass das Auge schwachsichtig wird (Gefahr einer Amblyopie).
Um eine Ptosis festzustellen, reicht für den Facharzt oft eine genaue Betrachtung der Augen des Patienten, sodass es sich meist um eine Blickdiagnose handelt. Schwieriger gestaltet sich bei der Diagnostik die Suche nach der Ursache des herabhängenden Lides.
Neben der normalen Augenuntersuchung beurteilt die Ärzt*in vor allem das Ausmaß der Ptosis: Mit einer Skala misst sie die Lidspaltenweite und kontrolliert die Wirkung des Lidhebers (Messung der Levatorfunktion). Bei Verdacht auf eine muskuläre Störung führt sie den Simpson-Test durch. Dabei blickt die Patient*in eine Minute nach oben - senken sich die Lider, spricht dies für eine Muskelschwäche.
Bei dem Verdacht auf eine genetische Ursache für die Ptose sollte der Facharzt zudem eine genaue Familienanamnese erheben. Grundsätzlich gilt, dass bei jeder Ptosis immer eine neurologische Erkrankung als Ursache abgeklärt werden muss. Nach der Erhebung einer ausführlichen Anamnese und der körperlichen Untersuchung müssen dann speziellere Untersuchungen veranlasst werden. Dazu gehört neben der klinischen Überprüfung der Funktion der Hirnnerven in einigen Fällen auch eine Testung der Nervenleitgeschwindigkeit durch einen Neurologen. Bildgebende Verfahren, wie MRT und CT, werden ebenfalls bei der Diagnose angewendet. Dies gilt besonders dann, wenn der Verdacht auf einen Tumor besteht.
Die Behandlung einer Ptosis Die Wahl der Operationstechnik hängt stark von der Krankheitsursache und der Funktion des Lidhebermuskels ab. In den meisten Fällen ist eine altersbedingte Erschlaffung der Sehne des Lidhebermuskels ursächlich. Die Behandlung erfolgt dann mit einer Verkürzung des Lidhebermuskels (Levator-Resektion oder -Faltung). Die Hautnaht liegt unauffällig in der Lidfurche.
Die Behandlung einer erworbenen Ptosis richtet sich nach der Ursache. Lähmungen bilden sich oft spontan zurück, so dass eine Operation frühestens nach 6 Monaten Abwarten ansteht. Manchmal führt eine operative Korrektur dazu, dass die Patient*in vor allem nachts das Auge nicht mehr komplett schließen kann.
Bezüglich der Behandlung einer Ptosis ist immer zu berücksichtigen, ob eine Grunderkrankung vorliegt. Falls dies der Fall ist, besteht die jeweilige Therapie immer zunächst in der Behandlung der Grunderkrankung. Lässt sich die Ptosis durch die Therapie der Grunderkrankung nicht beheben oder kann keine Grunderkrankung als Ursache identifiziert werden, so kann die Ptosis durch eine Operation korrigiert werden.
Das herabhängende Oberlid führt zu einer starken Sehbeeinträchtigung (Foto links). Nach Anheben des Oberlids (Levatorresektion) und Entfernung der überschüssigen Haut (Blepharoplastik) ist das Gesichtsfeld frei. Der Blick wirkt nicht mehr müde.
Bei allen Techniken ist besonders darauf zu achten, dass die Korrektur der Ptosis nicht zu stark ist, sodass sich das Lid nach der Operation auch richtig schließen lässt. Ist der Lidschlussmuskel geschwächt, dann kann dieser durch eine Teilentfernung oder eine Faltung gestärkt werden. Setzt der Muskel nicht richtig am Oberlid an, dann kann dieser operativ fixiert werden. Bei einer angeborenen Unterentwicklung des Muskels kann das Oberlid an einem anderen Muskel im Stirnbereich befestigt werden, sodass sich das Lid durch leichtes Stirnrunzeln öffnen lässt.
Besonders bei Kindern mit einer einseitigen Ptosis ist eine Operation möglichst frühzeitig indiziert, sodass sich die Sehkraft der Augen normal entwickeln kann.
Die ARTEMIS-Kliniken setzen auf modernste Behandlungsmethoden zur Korrektur von Lidfehlstellungen wie der Ptosis. Das Leistungsspektrum reicht von minimal-invasiven Techniken bis hin zu fortschrittlichen chirurgischen Eingriffen.
Obwohl sich nicht alle Formen der Ptosis verhindern lassen, können Sie durch bestimmte Maßnahmen die Gesundheit Ihrer Augenlider unterstützen. Eine gute Augenhygiene und der Schutz vor UV-Strahlung durch geeignete Sonnenbrillen sind dabei besonders wichtig.
Die Langzeitprognose bei Ptosis hängt maßgeblich von der zugrundeliegenden Ursache und dem Zeitpunkt der Behandlung ab. Bei frühzeitiger Erkennung und fachgerechter Behandlung lässt sich in vielen Fällen eine deutliche Verbesserung der Symptomatik erreichen.
Durch die operative Therapie der Ptosis wird den Betroffenen meist wieder ein vollständiges Sehen ermöglicht.
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