Die Geschichte der Rasur reicht Tausende von Jahren zurück. Schon vor Tausenden von Jahren befreite sich der Mensch von übermäßiger Körperbehaarung. Die Methoden haben sich im Laufe der Zeit natürlich grundlegend gewandelt. Statt scharfer Steine wie beim Urmenschen kommen heute Hightech-Rasierer zum Einsatz.
Obwohl es an Quellen mangelt, steht es außer Zweifel, dass sich auch die Männer der Steinzeit rasierten. Am Beginn der Rasur in der Menschheitsgeschichte mag das Absengen der Barthaare mit glühenden Holzstückchen gestanden haben. Die Geschichte der Rasur ist durch diverse Ausgrabungen gut dokumentiert. Die Methoden und Werkzeuge wurden ständig weiterentwickelt.
Um 11.000 v. Chr. und somit während der Eiszeit mussten sich die Männer rasieren, da ihre Gesichtsbehaarung in der Kälte sonst eingefror. Etwa 10.000 v. Chr. rasierten sich Frauen in Ägypten aus ästhetischen Gründen. Sie verwendeten hierfür Bimssteine, Bienenwachs und Pinzetten aus Muscheln. War der Urmensch noch auf Muscheln oder Steine mit scharfen Kanten angewiesen, verfügten die Ägypter schon über fein gearbeitete Messer aus Kupfer und Gold.
Seit der mittleren Bronzezeit wurden in Mitteleuropa spezielle Rasiermesser aus Metall verwendet. Es entwickelte sich ein großer Formenreichtum ein- und zweischneidiger Rasiermesser, die sich ausschließlich in den Gräbern erwachsener Männer fanden. Starke Abnutzung und Reparaturen zeugen von lebenslanger Nutzung. Anscheinend gingen die Rasiermesser im Rahmen von Initiationsriten zur Zeit der Geschlechtsreife in ihren Besitz über und standen offenbar nur Familienoberhäuptern oder Personen aristokratischer Herkunft zu.
Im 1. Jahrhundert n. Chr. im alten Rom verwendeten Frauen und Männer Bimssteine zur Entfernung unerwünschter Körperhaare. Währenddessen war das Rasieren in der muslimischen Kultur zu dieser Zeit schon eine Selbstverständlichkeit. Ganzkörperenthaarung gehörte zum Reinlichkeitsgebot.
In der Antike fassten die Römer die glatte Rasur als Zeichen zivilisierter Lebensart auf und grenzten sich so von den bärtigen Barbaren ab. Einerseits galt die erste Rasur eines jungen Mannes als religiöses Ritual des Erwachsenwerdens, andererseits existierte dort bereits der Berufsstand des Barbiers. Da die armen Römer natürlich nicht unseren Blog über das richtige Rasieren lesen konnten, entstand die eine oder andere Schnittverletzung. Diese behandelte man mit Spinnweben.
Der römische Geschichtsschreiber Diodorus Siculus berichtete, dass sich bei den Kelten gesellschaftliche Gruppen durch ihre Barttracht äußerlich abgrenzten: „Manche rasieren sich, manche lassen sich den Bart ein wenig wachsen. „Manche Stämme“, schrieb Isidor von Sevilla (660-636), „beanspruchen nicht nur durch ihre Kleidung, sondern am Körper irgendeine Art unterscheidendes Kennzeichen für sich, wie wir es in den Haarlocken der Germanen, dem Schnurrbart und Kinnbart der Goten und den Hautmalen der Briten sehen.“
Im Mittelalter war es eher der Klerus, der sich mit der Rasur beschäftigte. Die Päpste waren sogar größtenteils alle glattrasiert. Schlechte Kunden für uns wären damals die Pilger gewesen: Die ließen es sprießen und haben sich weder um Ihre Haare noch Ihre Nägel gekümmert.
Der Westgotenkönig Theoderich II. (†466) trug nur einen kurzen Backenbart: „Die Haare, die unter dem Nasenloch sprießen, wurden täglich kurzgeschnitten. Dagegen rasierten sich die Franken bis auf einen Schnurrbart glatt. Im Italien des 8. Jahrhunderts fielen die politischen Grenzen mit dem Verbreitungsgebiet der langobardischen, römischen und byzantinischen Barttracht zusammen.
In der frühen Neuzeit war die Rasiermesserherstellung schon auf sehr hohem Niveau. Die Messer waren keilförmig geschliffen, an der Spitze breit und verjüngten sich zum Erl hin. Als sich Modegott Ludwig XIV. rasierte, sprach man sogar vom Untergang des Bartes im Abendland.
Im 17. Jahrhundert begann in Europa die Zeit der Barbiere. Bei ihnen ließen sich die Männer mit besonders scharfen Messern rasieren, danach stand eine Pflege für die Haut auf dem Programm. Der Besuch beim Barbier stellt somit so etwas wie einen Vorläufer von heutigen Wellnessbehandlungen für den Mann dar.
Mit der Erfindung des Silver Steels geht das 19. Jahrhundert als die Goldene Ära des Rasiermessers in die Geschichte ein. Vor allem Klingen aus Sheffield und Solingen waren sehr gefragt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam der erste Rasierhobel im Jahr 1874 in Großbritannien auf den Markt und wurde auch in vielen anderen Ländern schnell verkauft.
Der Anfang des 20. Jahrhunderts ist für uns in Solingen ein absolutes Schlüsseldatum, denn die Firma DOVO wurde 1906 gegründet. Traurigerweise war der Erste Weltkrieg verantwortlich dafür, dass die Rasur nicht nur Mode, sondern sogar überlebensnotwendig wurde. Damit die Soldaten die grauenhaften Gasangriffe im Grabenkrieg überstehen konnten, war es essenziell, durch ein rasiertes Gesicht den sicheren Sitz der Gasmaske zu garantieren. So wurden Rasierhobel in der Bevölkerung sehr weit verbreitet. Die Verwendung von Rasiermessern bei Friseuren oder Barbieren nahm eher ab. Einerseits war das Barbierhandwerk in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr so verbreitet wie zuvor und andererseits entsprach das Rasiermesser nicht mehr ganz dem Zeitgeist in Bezug auf die Hygiene.
Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts erledigte eine wachsende Zahl von Männern die Rasur zu Hause. Möglich machten das vereinfachte Methoden und neue Produkte rund um die Rasur. Eine Zäsur in der Geschichte der Rasur stellte dann das Jahr 1934 dar. Damals stellte die Firma Phillips den ersten Trockenrasierer vor, fünf Jahre später feierte der erste elektrische Rasierer Premiere.
Im Jahr 1970 dann schwappte der Rasiertrend in die USA über. Frauen rasierten sich ihre Beine, Achseln, und irgendwann auch den Intimbereich. Ein paar Jahre später verbreitete sich das Schönheitsideal aus den USA auch in Europa. Heutzutage nutzen die meisten Frauen und Männer sogenannte Systemrasierer: Diese besitzen eine wiederverwendbare Halterung und austauschbare Scherköpfe. Allerdings halten die Klingen nur wenige Monate: Entweder verstopfen sie oder sie werden stumpf. Außerdem sind die Scherköpfe von Systemrasierern teuer. Deshalb sind auch billige Einweg-Rasierer weit verbreitet.
Zum Glück kommen mittlerweile wieder mehr Menschen auf den Geschmack des eigentlich traditionellen Rasierhobels und versuchen, Wegwerfprodukte zu vermeiden. Und selbst professionelle Barbiere setzten für präzise Rasur auf den Rasierhobel. Gut, dass auch das minimalistische Design der Hobel wieder in ist und die bunten Plastik-Rasierer abgelöst werden können.
Ein gepflegter Bart ist heute gerne gesehen und lässt auch so manches Frauenherz höherschlagen. Die Verankerung des Barts in der Mode geht Hand in Hand mit der Rückkehr des Barbier-Handwerks. So gibt es doch für echte Männer kaum etwas Schöneres, als sein Gesicht von einem geübten Barbier gründlich pflegen zu lassen, das Leder des Abziehriemens zu riechen, sich wohltuende Tonika im Haar verteilen zu lassen und das sanfte Gefühl wohlrasierter Haut zu spüren. Auch der anhaltende “Retro-” oder “Vintage”-Trend hängt unserer Meinung nach mit dieser wunderschönen Sache zusammen: Die Menschen haben wieder Lust, gutes Altes zu entdecken.
Aber wir dürfen das Allerwichtigste nicht aus den Augen verlieren: Rasiermesser bieten bis heute die gründlichste Rasur. Keine andere Rasierform entfernt so sanft und klar deine Gesichtsbehaarung und schont dabei noch die Haut. Auch als Bartträger kommt man eigentlich nicht um das Messer herum, wenn man mit millimetergenauen und gepflegten Bartkonturen beeindrucken will. Mach die Geschichte des Rasiermessers zu deiner eigenen Tradition und entscheide dich für die stilvolle Rasur.
Allerdings halten die Klingen nur wenige Monate: Entweder verstopfen sie oder sie werden stumpf. Außerdem sind die Scherköpfe von Systemrasierern teuer. Deshalb sind auch billige Einweg-Rasierer weit verbreitet.
Doch immer mehr Menschen steigen wieder auf den sogenannten Rasierhobel um. Dieser gilt als nachhaltige und trotzdem sehr effektive Methode für die Rasur und auch wir sind große Fans von dem Rasierhobel. Der Rasierhobel bietet eine komplett plastikfreie und nachhaltige Alternative in deinem Badezimmer.
Bestimmt hast du dich bei der Rasur schon das eine oder andere Mal gefragt, wieso du das eigentlich machst. Klar, manchmal sind Haare einfach nervig. Oftmals geht es beim Rasieren, oder auch nicht Rasieren, aber auch um einen Trend. Schließlich kann man nicht nur die Haare auf dem Kopf in verschiedenen Frisuren tragen.
Am ganzen Körper können Haare wachsen. Die Mehrzahl der Körperhaare sind fein, flaumig und kaum sichtbar. Aber es gibt auch dicke gekräuselte und dicke borstige. Unter den Achseln haben die meisten Frauen welche, zwischen den Beinen auch. Viele an den Beinen, den Armen und im Gesicht. Manche auch am Bauch, am Rücken, sogar auf den Brüsten.
Es gab Zeiten, da wuchs am ganzen Körper dichtes Fell. Das ist mehrere Millionen Jahre her und war damals ganz praktisch. Aber während sich unsere Vorfahren langsam zum Homo Sapiens entwickelten, veränderte sich auch das Klima um sie herum. Das Fell wurde dünner, bis es ganz ausblieb. Warum das passierte, können Forschende nicht mit Sicherheit sagen. Aber sie vermuten: Wer kein Fell hatte, konnte sich besser kühlen - mit dem eigenen Schweiß. Und lebte dadurch länger.
An manchen Stellen blieb das Körperhaar dicht, dort, wo es einen Zweck zu erfüllen hatte. Über den Augen: damit kein Schweiß in die Augen läuft. Um die Genitalien herum: als Schutz vor Keimen und Bakterien und zum Verbreiten der eigenen Körpergerüche. Unter den Achseln: ebenfalls zum Verbreiten der Körpergerüche.
So lebte der Mensch viele, viele, viele Jahre im Einklang mit den unterschiedlichen Haaren am Körper. Nur wenn die Haare wirklich störten, sich Läuse oder Milben ausbreiteten oder als Zeichen von Zugehörigkeit, wurden sie schon in der Steinzeit entfernt - mit Hilfe von scharfkantigen Muscheln oder Steinen. Es gab schließlich wichtigere Probleme zu lösen: jagen, sammeln, ernten. Später dann: Häuser bauen, andere Stämme überfallen, sich verteidigen.
Erst als die Gesellschaften einen bestimmten kulturellen Entwicklungsstand erreicht hatten, wurden die Körperhaare eine Frage der Ästhetik. Aus dem Altertum in Ägypten ist überliefert, dass im großen Stil Körperhaare entfernt wurden - mit Bienenwachs oder einer Enthaarungspaste aus Zucker, Zitronensaft und Wasser, die unter dem Namen Halawa auch heute noch im Einsatz ist. Ebenso im Antiken Rom: Hier verwendete man zum Beispiel Bimsstein. Im Antiken Griechenland galt der haarlose Körper bei Männern als Schönheitsideal und wurde mit einer ätzenden Paste aus Stärke, Kalk und Orpiment erreicht.
Dass wir heute darüber diskutieren, wie, wo und ob überhaupt sich Frauen die Körperhaare entfernen sollten, geht allerdings auf einen Trend in den USA zurück. Dort fingen um 1910 Frauen an, sich erst unter den Achseln und dann ein paar Jahre später - als die Kleider kürzer wurden - an den Beinen zu rasieren. Die Idee dahinter: Haarlose Körper wirken femininer und damit attraktiver für Männer. 1915 wurde in den USA der erste Rasierer für Frauen hergestellt. Und nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Europa kulturell immer stärker an Amerika orientierte, schwappte auch dieses Schönheitsideal der körperhaarlosen Frau über den Atlantik.
Seit vielen Jahrzehnten sind nun Mädchen und Frauen in Deutschland diesem Körperbild ausgesetzt: erst in Zeitschriften, im Kino, dann im Fernsehen, später im Internet und auf Social-Media-Plattformen wie Instagram. Überall sind Frauen mit glatter, haarloser Haut zu sehen. Und es ist längst nicht mehr nur die Rasur: In Deutschland wird epiliert, gewaxt, gezupft.
Im Laufe der Jahre kam auch der Intimbereich dazu. Eine Umfrage der Uni Leipzig ergab 2008, dass sich 88 Prozent der befragten Studentinnen - im Durchschnitt 23 Jahre alt - die Haare um die Genitalien entfernen. Mittlerweile sind es die vier Körperregionen Beine, Genitalien, Achseln und Augenbrauen, wo Frauen regelmäßig lästige Körperhaare entfernen oder entfernen lassen. Für den Intimbereich ist das Brazilian Waxing in Kosmetikstudios beliebt - allerdings ist das nichts für schwache Nerven. Warmes Wachs oder die bereits bei den Alten Ägypter*innen eingesetzte Zuckermasse werden auf die Haare aufgestrichen und dann mit einem Ruck entfernt. Die Prozedur ist äußerst schmerzhaft, hat aber den Vorteil, dass die Haare mit der Wurzel rausgerissen werden.
Und wofür das alles? „Finde ich schöner“, „fühle mich damit attraktiver“. Und: „Ist irgendwie auch hygienischer“ sind gängige Antworten.
Hygienischer ist es übrigens nicht: Wer auf dem Venushügel und den äußeren Vulvalippen die Haare komplett entfernt, ist anfälliger für sexuell übertragbare Krankheiten, wie Studien zeigen.
Klar ist da einerseits das über Jahrzehnte in den Medien verbreitete Ideal des haarlosen Frauenkörpers, das seine Spuren in den Köpfen der Frauen hinterlassen hat. Aber was macht Frauen ohne Haare am Körper begehrenswerter für Männer? Ist es nur die Abgrenzung zum Männlichen - also das Nicht-Männlich-Sein, das hier eine Rolle spielt?
Die Psychologie hat keine eindeutige Antwort darauf. Es gibt die These, dass Frau durch das Entfernen der Haare eine gewisse Ungefährlichkeit signalisiert. Sie ist haarlos wie ein Kind vor der Pubertät und damit für den Mann unbedrohlich. Das Fehlen der Haare stärkt also das Überlegenheitsgefühl des Mannes.
Das erklärt allerdings nicht, warum auch immer mehr Männer waxen, was das Zeug hält, und seit einigen Jahren die unterschiedlichsten Männermagazine den Männern erklären, wo man kein Haar tragen sollte, um von Frauen begehrt zu werden. Es heißt, der Penis wirke länger, wenn um ihn herum keine Haare sind.
All diese Überlegungen machen Körperhaar zu einer politischen Frage. Deshalb kann es auch als Aufreger eingesetzt werden: Feministinnen, die als Protest gegen die Schönheitsdiktatur durch das Patriarchat ihre behaarten Achseln und Beine zur Schau stellen. Models, die Aufsehen erregen, weil sie auf Werbefotos mit dichtem Beinhaar zu sehen sind, und dafür beschimpft und bedroht werden. Manchmal aber auch steckt nichts dahinter: Julia Roberts wurde 1999 bei einem Auftritt auf einem Roten Teppich mit Haaren unter den Achseln fotografiert. Zwar wurde sie für dieses feministische Statement gefeiert. Aber 19 Jahre später klärt sie auf: Es war ein Versehen, sie hätte einfach nicht daran gedacht, dass die Ärmel des Kleides so kurz seien.
Womit allen geholfen wäre: Wenn wir an einen Punkt kommen, an dem es nicht um ein Entweder-oder geht. Entweder du entfernst alle Haare an den Beinen/unter den Achseln/im Intimbereich oder du bist nicht attraktiv. Entweder du lässt alle Haare stehen oder du unterwirfst dich dem Patriarchat und bist dann keine gute Feministin.
Ein guter Weg für alle wäre: Mach, was du willst mit deinen Körperhaaren. Hauptsache, du tust es für dich. Und nicht, weil dir irgendwelche Magazine suggerieren, dass du dann entweder attraktiver oder eine bessere Feministin bist.
Hört sich ganz gut an. Aber: Wie steht es mit dem freien Willen in einer Gesellschaft wie unserer? Sind die eigenen Motive nicht immer von außen geprägt? Herauszufinden, was man selbst von sich aus will - ohne äußeren Einfluss -, ist harte Denk-Arbeit und erfordert viel Reflektion.
Ein großer Schritt auf dem Weg dahin könnte eine Aktion sein, die die britische Studentin Laura Jackson gestartet hat: Sie hat Anfang 2019 den Monat Januar zum #januhairy erklärt und Frauen auf Instagram aufgerufen, sich den ganzen Monat über nicht zu rasieren und Fotos davon zu posten. Aus einer spontanen Aktion wurde eine echte kleine Bewegung - auch 2020 gab’s wieder einen #januhairy, in dem viele Frauen unter dem Hashtag Fotos ihrer Körperhaare posteten (Januhairy’s Instagram Aufruf).
„Manchmal scheint es, als schabe ein Kartoffelschäler über das Gesicht“, so fasste die Rasiererzunft im Jahrbuch der Barbiere aus dem Jahr 1900 den Komfort einer Nassrasur zusammen. Dabei lagen da schon Jahrhunderte der Evolution hinter dem täglichen Ritual der Männer. Schon in grauer Vorzeit erkannten die, dass so eine Haartracht im Gesicht überhaupt keinen Sinn ergibt, da sie weder die Frauen beglückt noch vor Ungeziefer schützt, ja, nicht einmal nennenswert wärmt.
Doch selbst Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich daran offenbar nicht viel geändert. Auch den Amerikaner Jacob Schick quälte der Haarwuchs im Gesicht. Geboren 1878 in Ottumwa, Iowa, musste er zwar nicht mehr zum Barbier, sondern konnte sich, dank der von Landsmann King Camp Gillette entwickelten Ex-und-Hopp-Klinge, eigenhändig die Stoppeln abhobeln. Trotzdem störte Schick die quälende Prozedur so sehr, dass er beschloss, diesem Leiden ein Ende zu setzen.
Am Ende war allerdings auch die Erfindung des Elektrorasierers nicht gerade ein Spaziergang. Nachdem er schon mit 16 Jahren Leiter einer Eisenbahnlinie gewesen war, erwischte es Schick erstmals Ende 1898 auf den Philippinen, wo er als Berufsoffizier im Spanisch-Amerikanischen Krieg stationiert war. Das tropische Klima bescherte ihm die Ruhr und fesselte ihn ein ganzes Jahr lang ans Bett. In dieser Zeit dachte Schick, so die Überlieferung, zum ersten Mal in seinem Leben daran, einen Trockenrasierer zu entwerfen - zu anstrengend war es für den geschwächten Soldaten, einmal täglich aufzustehen und sich einer Nassrasur zu unterziehen.
Das zweite Mal ereilte es Schick in Alaska. Die Militärärzte hatten dem Offizier aus gesundheitlichen Gründen den Umzug in ein kälteres Klima empfohlen. Hier verlegte Schick zunächst Telegraphenkabel ins eisige Landesinnere und erfand mit dem "General-Jacobs-Boot" ein speziell für seichte Gewässer geeignetes Fahrzeug, bevor er 1910 der Armee den Rücken kehrte, um sein Glück als Goldgräber zu versuchen.
Bei einer seiner Expeditionen verstauchte sich der Abenteurer den Fuß. Und zwar so sehr, dass er nicht, wie sonst am Morgen, zum zugefrorenen See laufen und sich bei Temperaturen von minus 40 Grad ein Loch ins Eis hacken mochte, um das für die Nassrasur nötige Wasser zu ergattern. Erneut war Schick ans Krankenlager gefesselt. Derart gelangweilt, begann er, so die Legende, Rasierklingen zu zerkleinern und auf einer Platte zu befestigen - bis er schließlich einen Rasierkopf entworfen hatte, der über eine flexible Welle von einem separaten Motor angetrieben wurde.
Skizzen dieses E-Rasierers schickte er an verschiedene Firmen, die sich für Schicks visionäre Ideen allerdings nicht erwärmen könnten. Doch der passionierte Tüftler gab nicht auf. Um das nötige Kapital für die Entwicklung eines Trockenrasierers aufzutreiben, entwickelte Schick zunächst einen neuen, besonders sicheren Nassrasierer, den "Magazine Repeating Razor" und investierte die Erträge dieses lukrativen Geschäfts in die Konstruktion eines Trockenrasierers. Doch als Schick 1929 damit erstmals in Serie gehen wollte, fand er keinen Käufer. Der Grund: Rasierkopf und Motor bildeten zwei voneinander getrennte Einheiten, was das Gerät, eine Art Mini-Rasenmäher, mehr als unhandlich machte.
Zusätzlich vereitelten der Börsencrash von 1929 und die darauffolgende Große Depression den Siegeszug des Trockenrasierers. Schick musste eine Hypothek von 10.000 Dollar auf sein Häuschen aufnehmen, um den drohenden Ruin abzuwenden. Erst als er die Technik verfeinert, Motor wie Kopf in einem Gehäuse vereint und das Ganze auf ein passables Format schrumpfte, reagierte die Männerwelt begeistert. Am 18. März 1931 waren die ersten Exemplare des "Schick" in den Läden von New York City erhältlich - und waren sofort ausverkauft.
25 Dollar - das entspricht heute rund 300 Euro - legten die von der täglichen Rasur geplagten Herren für den elektrischen Trockenrasierer hin. Bis auch die Deutschen in den Genuss unblutiger Kinnhygiene kamen, musste erst der Zweite Weltkrieg enden. Zwar versuchte die Firma Scharff, Kober & Co., ab 1935 mit dem "Consul" die hiesigen Männerrituale zu revolutionieren, doch waren die Geräte, ebenso wie die importierten "Schick"-Modelle einfach zu teuer. Erst mit dem Wirtschaftswunder, als alles möglichst schnell gehen musste, etablierte sich der Trockenrasierer - als Symbol für Fortschritt, Erfolg und Effizienz. Griffen 1953 nur 1,5 Prozent der deutschen Männer zum surrenden Stoppelkiller, so waren es 1961 bereits mehr als 50 Prozent.
"Die Zeit der Igel ist vorbei", verkündete eine AEG-Rasiererwerbung, "Unsere Mutti profitiert - Vati ist Dual rasiert!", jubilierte ein Slogan der Marke Dual. Nie wieder waren die Entwickler von Trockenrasierern derart erfinderisch wie in den fünfziger Jahren. Es gab ihn mit Akkus, mit Batterie, mit Federaufzug - und sogar mit Wasserkraft: Per Gummistöpsel wurde das Gerät an den Wasserhahn angeschlossen und der Rasierer dann mit einer kleinen Wasserturbine angetrieben. Der Elektrorasierer geriet zum Statussymbol und beliebten Weihnachtsgeschenk der Damen für die Herren, ganz Eilige rasierten sich gar auf der Autofahrt ins Büro.
"Nach jedem Kreuzungsaufenthalt kann man den Bartscherer abstellen. An der nächsten Kreuzung geht's dann weiter", bewarb das "Hamburger Abendblatt" 1964 den "Cordless" von Philips.
Schon bald jedoch holte die Schaum-Fraktion wieder auf. Da half es wenig, dass die Elektrorasierer-Lobby die Konkurrenz mit absurden Argumenten in Misskredit zu ziehen versuchte. So schrieb etwa ein Braun-Angestellter in einer Fachzeitschrift, die Nassrasur schwäche die Abwehrkräfte der Haut, was "schwere Nierengeschichten und sogar Herzschäden" hervorrufen könne. Zudem habe es Todesfälle durch Rasierpinsel gegeben, deren Borsten von milzbrandkranken Tieren stammten.
Rückten 1981 noch 64 Prozent der Deutschen ihrem Bart elektrisch zu Leibe, so waren dies 2002 nur noch 49 Prozent - Tendenz sinkend.
Egal wie jeder Einzelne sich nun im Glaubenskrieg zwischen Trocken oder Nass entscheidet: Wichtig scheint nur zu sein, dass man sich rasiert. Denn wer allmorgendlich das Kinn malträtiert, lebt länger, wie britische Forscher der Universität Bristol 2003 herausgefunden haben wollten: Bärtige, so ergab die Langzeitstudie, seien kleiner und hätten weniger Sex, dafür jedoch ein höheres Risiko, an Herzerkrankungen und Schlaganfällen zu sterben.
Das wusste anscheinend schon der alte Schick: "Ein gut rasierter Mann", so sein Credo, "kann bis zu 120 Jahre alt werden. Er selbst indes wurde nicht einmal halb so alt - sondern starb mit 59 Jahren an einem Nierenversagen.
Was die längst nicht mehr nur in Schulen, Wäldern und Pfarreien beheimatete Bartträger-Community einmal mehr an dem Ausspruch Woody Allens festhalten lässt: "Wer nicht durch das Schwert oder den Hunger umkommt, der wird durch die Pest sterben.
tags: #wer #hat #das #rasieren #erfunden
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.