Die Geschichte der Rasur ist lang und vielfältig, von den einfachsten Anfängen bis zu den hochentwickelten Geräten von heute. Rasieren ist mehr als nur eine Frage der Körperpflege; es ist ein Spiegelbild von Schönheitsidealen, sozialer Akzeptanz und technologischem Fortschritt.
Ein Gillette Rasierer mit Wechselklingen.
Schon in grauer Vorzeit erkannten die Menschen, dass Haare im Gesicht keinen wirklichen Nutzen haben. Bereits in der Eiszeit rasierten Männer ihre Bärte, um Erfrierungen durch Atemfeuchtigkeit in der Gesichtsbehaarung vorzubeugen. Im alten Ägypten, etwa 10.000 v. Chr., wurde die Rasur aus ästhetischen Gründen praktiziert, wobei ein haarloser Körper als Schönheitsideal galt. Auch die Römer rasierten sich im 1. Jahrhundert, um besser zu riechen und ihren Schönheitsidealen zu entsprechen. In der muslimischen Kultur ist die Rasur seit langem eine Tradition und Teil des Reinlichkeitsgebots.
Frühe Methoden der Haarentfernung waren rudimentär. Anstelle von Pinzetten wurden Muscheln verwendet, um Haare auszuzupfen. Scharfe Kanten von Steinen und Muscheln dienten zum Schaben der Haare, was dem lateinischen Wort "rasura" (schaben oder kratzen) seinen Ursprung gab.
Mit der Entdeckung und Verarbeitung von Metallen wurden die Rasierwerkzeuge immer ausgefeilter. Im 17. Jahrhundert kam das Rasiermesser auf den Markt, das zur Entstehung des Berufs des Barbiers führte. Im Jahr 1874 folgte der erste Rasierhobel, dessen Bauweise den heutigen Modellen ähnelt. In den 1980er Jahren wurden dann die ersten Systemrasierer als Weiterentwicklung des Rasierhobels eingeführt. Die Hersteller begannen, mehr als eine Klinge einzubauen und bewegliche Schwingköpfe, elektrisch angetriebene Rasierer, Gelkissen und Lubrikationsstreifen zu entwickeln, um sich von der Konkurrenz abzuheben.
Ein traditioneller Barbierladen in Jerusalem.
Ein Meilenstein in der Geschichte der Rasur war die Erfindung der Wegwerfklinge durch King Camp Gillette im 19. Jahrhundert. King Camp Gillette wurde am 5. Januar 1855 in Fond du Lac, Wisconsin, geboren. Schon in jungen Jahren beschloss er, Erfinder zu werden. Er arbeitete als Handelsreisender und wollte immer gepflegt aussehen. Die Idee zu einem Rasierer mit auswechselbaren Klingen kam ihm, als er sich mit einem stumpfen Rasiermesser herumärgerte. Gillette erkannte, dass ein dünnes, flaches und extrem scharfes Stahlstück, das nur einmal verwendet und dann ersetzt werden konnte, eine bahnbrechende Erfindung wäre.
Am 3. Dezember 1901 meldete Gillette den ersten Rasierapparat mit einer modernen Rasierklinge zum Patent an. Der ganz große Durchbruch kam für Gillette mit dem Ersten Weltkrieg, als die Regierung der Vereinigten Staaten die gesamte Streitmacht mit Gillettes Sicherheitsrasierer ausstattete. Die einmalige Bestellung belief sich auf 3,5 Millionen Apparate und 36 Millionen Klingen.
Gillette selbst sagte 1926, dass der Gillette-Rasierer sowohl die Industrie als auch den Rasiervorgang selbst revolutioniert und bis zu einem gewissen Grad die Gewohnheiten des männlichen Teils der Menschheit verändert habe.
Obwohl Rasierapparate mit Wechselklingen bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts existierten, lag Gillettes bahnbrechende Innovation im Bereich der Klinge. Bisherige Klingen waren geschmiedete Teile, die wie Rasiermesser geschärft werden mussten. Gillette vermarktete seine Rasierapparate zunächst als Luxusprodukte. Im ersten Jahr nach der Markteinführung im Jahr 1903 verkaufte Gillette jedoch nur 51 Rasierer und 168 Klingen.
King Camp Gillette, der Erfinder des Rasierers mit Wechselklingen.
Neben seiner Erfindung des Rasierers hatte Gillette auch sozialutopische Vorstellungen. Er träumte von einer riesigen Stadt namens Metropolis, in der alle Amerikaner leben sollten und deren Energie von den Niagarafällen geliefert werden sollte. Die weltweite Industrieproduktion sollte von einer einzigen Firma erledigt werden. Obwohl Theodore Roosevelt das Angebot ablehnte, bot Gillette ihm ein Jahresgehalt von 1 Million Dollar an, um diese Firma zu leiten.
Ein weiterer wichtiger Schritt in der Geschichte der Rasur war die Erfindung des Elektrorasierers. Jacob Schick, ein US-amerikanischer Berufsoffizier, verabschiedete sich 1919 aus der Armee, um einen elektrischen Trockenrasierer zu entwickeln. Am 18. März 1931 brachte er sein Modell auf den Markt und feierte damit großen Erfolg.
Die Legende besagt, dass Schick die Idee zum Elektrorasierer während seiner Zeit in Alaska kam. Um sich zu rasieren, musste er jeden Morgen ein Loch in das Eis schlagen, um an das benötigte Wasser zu gelangen. Dies war ihm zu mühsam, und er begann, über eine Alternative nachzudenken.
Schick entwickelte zunächst einen neuen, besonders sicheren Nassrasierer, den "Magazine Repeating Razor", um das Kapital für die Entwicklung eines Trockenrasierers aufzubringen. Als er 1929 mit der Serienproduktion beginnen wollte, fand er jedoch keinen Käufer, da Rasierkopf und Motor zwei getrennte Einheiten bildeten. Erst als er die Technik verfeinert und Motor und Kopf in einem Gehäuse vereint hatte, fand der Trockenrasierer Anklang.
Ein moderner Elektrorasierer.
Bis die Deutschen in den Genuss unblutiger Kinnhygiene kamen, musste erst der Zweite Weltkrieg enden. Zwar versuchte die Firma Scharff, Kober & Co. ab 1935 mit dem "Consul" die hiesigen Männerrituale zu revolutionieren, doch waren die Geräte zu teuer. Erst mit dem Wirtschaftswunder etablierte sich der Trockenrasierer als Symbol für Fortschritt, Erfolg und Effizienz. Griffen 1953 nur 1,5 Prozent der deutschen Männer zum surrenden Stoppelkiller, so waren es 1961 bereits mehr als 50 Prozent.
In den 1950er Jahren waren die Entwickler von Trockenrasierern besonders erfinderisch. Es gab Modelle mit Akkus, Batterien, Federaufzug und sogar mit Wasserkraft. Der Elektrorasierer wurde zum Statussymbol und beliebten Weihnachtsgeschenk.
Trotz des Erfolgs des Elektrorasierers holte die Nassrasur bald wieder auf. Die Elektrorasierer-Lobby versuchte, die Konkurrenz mit absurden Argumenten in Misskredit zu ziehen. So wurde behauptet, die Nassrasur schwäche die Abwehrkräfte der Haut und könne "schwere Nierengeschichten und sogar Herzschäden" hervorrufen.
Rückten 1981 noch 64 Prozent der Deutschen ihrem Bart elektrisch zu Leibe, so waren es 2002 nur noch 49 Prozent - Tendenz sinkend.
Egal wie jeder Einzelne sich nun im Glaubenskrieg zwischen Trocken oder Nass entscheidet: Wichtig scheint nur zu sein, dass man sich rasiert. Denn wer allmorgendlich das Kinn malträtiert, lebt länger, wie britische Forscher der Universität Bristol 2003 herausgefunden haben wollten.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Etappen in der Geschichte der Rasur zusammen:
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 10.000 v. Chr. | Rasur aus ästhetischen Gründen im alten Ägypten |
| 17. Jahrhundert | Einführung des Rasiermessers |
| 1874 | Erster Rasierhobel |
| 1901 | King Camp Gillette meldet den Rasierapparat mit Wechselklinge zum Patent an |
| 1931 | Jacob Schick bringt den ersten Elektrorasierer auf den Markt |
Die Rasur hat sich von ihren bescheidenen Anfängen bis zu den hochentwickelten Methoden von heute weit entwickelt. Ob Nass- oder Trockenrasur, die tägliche Routine der Haarentfernung ist zu einem festen Bestandteil des modernen Lebens geworden.
tags: #wer #hat #den #rasierer #erfunden #geschichte
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.