Die Historie des menschlichen Haars ist eine unendliche Geschichte von Irrungen und Wirrungen, Banalitäten, aber auch Kunstambitionen. Während wir es heute als selbstverständlich betrachten, daß uns zum Haarewaschen Shampoos in jeglicher Form zur Verfügung stehen, war das vor hundert Jahren noch ganz und gar nicht so.
Wer die Kulturgeschichte der Mode studiert, merkt schnell, daß die Haarkosmetik stets die Achillesferse war weil es Jahrtausende kein angemessenes Haarwasch- und -pflegemittel gab. Kleopatra soll eine schöne Frau gewesen sein, doch was empfanden ihre Verehrer, wenn sie sahen, wie der ägyptischen Königin aus kleinen Salbkugeln, die auf ihrem Kopf befestigt waren, parfümiertes Fett auf Haare und Schultern troff? Die Vielumschwärmte badete in Eselsmilch, und die ganze Antike schwärmte von ihrer sanften Haut. Ihre fettigen Strähnen kamen bei den Geschichtsschreibern nicht vor. Dabei wurde in der Antike wie auch in allen anderen Epochen dem weiblichen Haar eine besonders erotische Wirkung attestiert.
Selbst in aristokratischen Hoch-Zeiten waren die Haare ein ungepflegtes Problem. Im Rokoko ließen sich die edlen Damen von ihren Zofen nicht nur in Korsetts einschnüren, in diverse Unterröcke und Kleider stecken, die von vielen Rüschen und Spitzen nur so rauschten. Auch das Haar wurde gekämmt und zu kunstvollen Frisuren aufgebauscht. Das währte noch länger als das Einkleiden, denn beim Frisieren mußte auch dem Ungeziefer vorgebeugt werden. So arbeiteten die Zofen unter anderem kleine Flohfallen in die perfekt aufgezwirbelten Türme ein. Das waren kleine Gefäße, die mit blutgetränkter Watte und Honig gefüllt waren, in denen das Ungeziefer zu Tode kam, während die Dame das Tanzbein schwang.
Tatsächlich machen wir uns heute nur bei seltenen klar, dass regelmäßiges Haarewaschen nicht immer gang und gäbe war. Heißt das, in früheren Zeiten war eine fettige und verschwitze Haartracht die Regel? Zu diesem Schluss kann man durchaus kommen, wenn man sich mit den Berichten über die angeblichen hygienischen Bedingungen etwa im Mittelalter und der frühen Neuzeit befasst - wo bestenfalls einmal in der Woche gebadet wurde und zeitweilig sogar die Angst herrschte, die Berührung mit Wasser könne dem Körper schaden; wo es jedenfalls in den Städten fast immer sehr umständlich war, überhaupt an Wasser heranzukommen, und viele Haushalte zu arm waren, um sich Seife oder gar Öle oder Parfüm leisten zu können, und wo die Kleidung nur an seltenen Waschtagen gereinigt wurde - da dürfte es auch um die Haare nicht gerade reinlich bestellt gewesen sein.
Man benutzte in den meisten Fällen einfach Kernseife, um die Haare von Schmutz, Fett, Schweiß und Gerüchen zu befreien. Das Problem dabei: "Seife trocknet die Haare aus", so Meyer. "Sie sind dann zwar sauber, sehen aber strohig aus und verhaken sich ineinander. Seife allein macht keine schönen Haare."
Schon früh aber hatte man entdeckt, dass saure Spülungen dem Austrocknen entgegenwirken können. Der ehemals berühmte Erfurter Apotheker und Pharmazeut Johann Bartholomäus Trommsdorff (1770-1837) beschreibt in einem seiner Bücher unzählige Rezepte für parfümierte Essige, die, so kann man annehmen, zum großen Teil für das Haarspülen eingesetzt wurden. Seife ist alkalisch und lässt die Haarstruktur aufquellen. Auf diese Weise kann es gut gereinigt werden. Damit das Haar sich wieder glatt und geschützt schließt, muss es nach dem Waschen so behandelt werden, dass das eher saure Klima wieder hergestellt wird - eine durchaus umständliche Prozedur.
Nun ist es natürlich kein sinnloser Zufall der Evolution, dass Haare und Fett in so engem Zusammenhang stehen. Das "Fett", genauer, der Talg, den man "Sebum" nennt und der von Talgdrüsen, die direkt mit der Haarwurzel verbunden sind, produziert wird, dieses Zeug also, was alle unbedingt und schnellstens wieder loswerden wollen, es hat eine schützende und pflegende Funktion für das Haar.
Die schönen Haare, von denen in historischen Zeugnissen über die Jahrtausende hinweg immer wieder die Rede ist, sie sind offensichtlich keine Erfindung und kein bloßes Wunschdenken, auch dann nicht, wenn die Haare eher selten mit Wasser, Reinigungsstoffen und sauren Spülungen in Berührung kamen.
Friseurin Barbara Grosser etwa, die doch ihr Leben lang mit allen nur denkbaren Haarpflegeprodukten zu tun hat, sie wäscht die eigenen Haare nur einmal in der Woche. "Ich habe mich gar nicht speziell darum bemüht", sagt sie.
Als Waschmittel werden Produkte bezeichnet, die beim Hinzufügen von Wasser ihre säubernden Fähigkeiten entfalten. Diese nutzt der Mensch für sich und seine Umgebung. Um Haare und Kopfhaut von Schmutz, Staub, Hautabschilferungen, körpereigenem Fett und Gerüchen zu befreien, stand bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nur Seife zur Verfügung.
Sie reinigte zwar tatsächlich den Schopf, hatte aber erhebliche Nebenwirkungen in Form kalkiger, unschöner Ablagerungen, die das Haar stumpf werden ließen. Deshalb wurden noch bis weit in unser Jahrhundert hinein Benzin, Kamille, Zitrone oder Essig benutzt, pur oder als Zusatz. Das war aufwendig und teuer und hatte trotzdem nicht immer den gewünschten Erfolg.
Erst 1898 nahm sich der Berliner Drogist Hans Schwarzkopf in seiner kleinen "Drogerie- und Parfümeriehandlung" der leidigen Sache an. Systematisch begann er kosmetische Artikel speziell für das Kopfhaar zu entwickeln. Das von ihm gegründete Unternehmen, das bis heute unter seinem Namen firmiert, gehört inzwischen längst zum Düsseldorfer Multi Henkel und ist Europas ältester Haarkosmetikhersteller.
Schwarzkopf experimentierte zunächst mit Hühnereiern und Seifenspiritus, Pottasche, Borax oder Ammoniak und versuchte mit allerlei Duftölen, den strengen Geruch seiner Kreationen zu überlagern. Der Pionier brauchte fünf Jahre, bis es 1903 endlich soweit war, daß er das erste "schonende" Pulver-Haarwaschmittel auf den Markt bringen konnte. Das Tütchen kostete seinerzeit 20 Pfennige und reichte für mehrere Waschungen. Erst damit war häufigere Wäsche möglich. Der Drogist machte auf diese Weise dem Volksleiden Kopfhautjucken und Verschorfung ein Ende und ermöglichte eine optimale Haarhygiene, regelmäßige Anwendung vorausgesetzt. Auch das mußte sich allerdings erst herumsprechen.
Das erste Trocken-Shampoo, das erste Haarspray, weltweit gefeierte Colorationen und eine neue Definition von Schönheit, die ihresgleichen sucht: Die Geschichte von Schwarzkopf ist geprägt von Innovationen. Alles beginnt vor 120 Jahren mit einer kleinen Drogerie in Berlin: Hans Schwarzkopf erfindet die ersten bahnbrechenden Haarpflegeprodukte, die schon bald weltweit gefragt sind.
Im Jahre 1927 fertigte Schwarzkopf dann das erste flüssige Haarwaschmittel an. Bis 1933 benutze man zur Reinigung der Haare nur Seife, welche aber wegen dem alkalischen pH-Wertes für die Kopf-, sowie auch Augenschleimhaut schlecht verträglich war. Außerdem bildet Seife mit den Calciumionen des Wassers eine Kalkseife die dafür sorgt, dass nach dem Waschen das Haar stumpf und glanzlos ist.
Somit wurde nach dem Haarwaschen mit Seife stets eine weitere Prozedur angewandt - eine zweite Spülung aus versetzter Essig- und Zitronensäure. Im Jahre 1932 gab es dann Alkylsulfate zu kaufen - ihr Alkalischer Wert war niedriger und weniger härteempfindlich als bei Seifen.
Eine entscheidende Veränderung trat im Jahr 1933 ein, als schließlich das erste alkalifreie Shampoo auf den Markt kam. Die Grundlagen für Shampoos, wie sie heute im Drogerie- oder Supermarkt zu kaufen sind, wurden aber einige Zeit später, in den 1960er Jahren gelegt.
Als erster internationaler Kosmetik-Hersteller reagiert Schwarzkopf auf gesellschaftlich relevante Themen wie Umweltschutz. Schwarzkopf bringt den neuesten Colorpflege-Hype aus den Friseursalons direkt nach Hause: ColorExpert verbindet aufregende Haarfarben mit intensiver Pflege.
Mit der Erkenntnis, dass jeder Mensch einzigartig ist, arbeitete Schwarzkopf mit dem legendären Modefotografen Armin Morbach zusammen, um eine Serie von "Looks" zu kreieren, die ihre unterschiedlichen Ansichten widerspiegeln sollten.
Jahrelang waren viele Menschen mit Afro-/Coily-/Curly-Haar nicht in der Kosmetikindustrie in Deutschland vertreten, da es ein großes Defizit an Haar- und sogar Körperpflegeprodukten gab. Viele Menschen mussten entweder überteuerte Produkte kaufen oder noch schlimmer, ins Ausland reisen, um sich mit Produkten einzudecken.
In den 1890er Jahren begann Madam C. J. Walker, ursprünglich Sarah Breedlove, ihr Haar zu verlieren, was in hohem Maße auf die scharfe Lauge zurückzuführen war, der sie als Wäscherin ständig ausgesetzt war. Andere afroamerikanische Frauen hatten das gleiche Dilemma und verbargen ihre kahlen Stellen mit Tüchern, was Sarah schließlich dazu inspirierte, ihre eigene Haarpflegeserie zu entwickeln. Ihre Produkte enthielten Kokosnussöl, Bienenwachs und andere gesunde Inhaltsstoffe, die die Heilung förderten und schließlich den Haarausfall heilten.
Madam Walker war eine afroamerikanische Unternehmerin, Philanthropin, Politikerin und Sozialaktivistin. Sie wurde als erste weibliche Selfmade-Millionärin Amerikas in das Guiness-Buch der Rekorde aufgenommen.
Viele der Produkte, die schwarze Frauen zu dieser Zeit verwendeten, wurden aus Rindermark hergestellt, was das Haar und die Schuppen schädigte. Einige Frauen trugen Kopfbedeckungen, um ihre kahlen Stellen zu verbergen, aber Walker wollte diesen Weg nicht gehen. Ihre Kreation wurde "Madam Walkers wunderbares Haarwuchsmittel" genannt.
"Lassen Sie mich den falschen Eindruck korrigieren, den einige haben, dass ich behaupte, das Haar zu glätten", sagte Walker einmal. "Ich bedaure einen solchen Eindruck, denn ich habe mich immer als Haarkultiviererin bezeichnet. Ich lasse Haare wachsen".
Durch diese Erfindung erlangte die Mode Souveränität, denn sie konnte nun quasi ihre Philosophie ändern: Bisher waren Kleider immer nur weitgehend dazu da, das Haargebilde zu überblenden oder von ihm abzulenken. Nun wurde der von der Modeindustrie bescherte Mensch zum Gesamtkunstwerk, dessen haarige Pracht endlich wirklich in das Ensemble einbezogen werden konnte. Ein Zivilisationsfortschritt, der sehr schnell Wirkungen nach sich zog.
Jeder Haar-Look bis zur Erfindung der industriell gefertigten Haarkosmetik war künstlich und, zumindest bei Frauen, stets ein Ablenkungsmanöver. Während die ländliche Bevölkerung im Bewahren ihrer Tugenden von Sittsamkeit, Bescheidenheit und Häuslichkeit auch die Frisur einbezogen und die einfachste und schnellste Lösung wählten, das Zusammenbinden der fettigen Strähnen zu einem Knoten, lösten die Haarwaschmittel in den großen Städten umgehend exaltierte Modeströmungen aus.
Die "Herrenwinker", fransenartige Locken vor den Ohren, die nach dem Ersten Weltkrieg in Mode kamen und die populär wurden durch die Tänzerin Josephine Baker, setzten häufige Haarwäsche voraus, auch die Erfindung der Dauerwelle Ende der zwanziger Jahre und der "Bubikopf", mit dem sich Frauen erstmals mit einer Frisur, die dem Pagen- oder Herrenschnitt entsprach, emanzipierten. Das Haar fiel vom Scheitel kinnlang fast gerade herunter. Ohne regelmäßige Pflege hätte das ein sehr zottliges Bild ergeben.
Auch die schnellebigen Haarmoden unseres Jahrhunderts sind den Pflegemöglichkeiten zu verdanken. Pferdeschwanz und Fransenschnitt, Elvis Presleys mit Brillantine in Form gebrachter "Enten-Po" oder die "Schmachtlocken" eines James Dean, die Cremehaarfärbemittel-Welle der fünfziger Jahre, die hochtoupierten Köpfe und Langhaarfrisuren für Männer in den Sechzigern, der strenge Courrèges-Schnitt des Topmodels Twiggy, der "Afro-Look" der Siebziger und die dekorative Haarkunst der Achtziger all das wäre nicht denkbar gewesen ohne eine entsprechende Entwicklung der Haarkosmetik.
Heute werden an Shampoos jedoch weit höhere Anforderungen gestellt. Sie sollen zu einer optischen Aufbesserung des Haars beitragen. Bedürfnisse verschiedener Haarqualitäten - von fettig oder trocken bis hin zu koloriert - sollen befriedigt werden. Auch das Alter des Verbrauchers spielt eine große Rolle. Für Babys und Kinder gibt es extra milde Shampoos. Die individuellen Waschgewohnheiten wie die Häufigkeit der Haarwäsche ist ein weiteres Kriterium, auf das ein Shampoo zugeschnitten sein soll. Darüber hinaus erhofft sich der Konsument bei spezifischen Problemen der Kopfhaut, z. B.
Das Haar und die Kopfhaut bekommen auf diese Weise heute einen komplexen chemischen Cocktail serviert, der aus 10 bis 20, in einigen Fällen aus bis zu 30 Inhaltsstoffen besteht.
Über alle Moden hinweg hat sich das Ideal des vollen, natürlich wirkenden Haares erhalten. Und noch nie war es so leicht, die Zierde seines Hauptes zu pflegen.
Die Fülle möglicher Inhaltsstoffe und die nicht transparenten botanischen und chemischen Begriffe führen zu der Frage, welche Gesundheits- und Umweltrisiken könnten Haarwaschmittel bergen? Beim nächsten Mal duschen und dem Griff zur Shampoo-Flasche ist es vielleicht sinnvoll, kurz innezuhalten.
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