Wenn meine Haare sprechen könnten: Bedeutung und Hintergründe

Das Buch „Wenn meine Haare sprechen könnten“ erzählt die Geschichte der Hauptfigur Akoma, einem jungen Mädchen of Color. Es erzählt, wie Akoma lernt, sich zu wehren und sich dabei von ihrer Familie, ihrer Lehrerin und ihren Freund:innen Unterstützung zu holen. Gleichzeitig feiert es die Schönheit und Pracht Schwarzer Haare und die Vielgestalt und Bedeutung Schwarzer Frisuren. Das ist besonders empowernd für Schwarze Kinder.

Autorin Dayan Kodua möchte Kindern, die nicht stereotypisch deutsch aussehen, eine Stimme geben. Sie schreibt darum über Themen, die für BIPoC (Schwarze, Indigene und People of Color) Kinder wichtig sind.

Die Geschichte von Akoma

Die 7-jährige Akoma ist ein Mädchen mit wunderschönen Haaren und lebt mit ihren Eltern in einem kleinen Ort bei Hamburg. Auf Twi - einer Sprache, die man in Ghana spricht - bedeutet Akoma „Herz“. Und ihr Vater sagt oft zu ihr: „Mit deinem Akoma steht dir die Welt offen.“

Doch bei einem Klassenausflug zu einem Bauernhof passiert es: Die Besitzerin, Frau Schröder, fasst ungefragt ihre Haare an. Und Akoma mag das überhaupt nicht. Ihre Freunde merken sofort, dass sie sich unwohl fühlt.

Im Laufe der Geschichte erfahren wir, wie sie mit Unterstützung ihrer Familie, ihrer Lehrerin und ihrer Freund:innen lernt für sich einzustehen. Das wunderschön illustrierte Bilderbuch vermittelt eine wichtige Botschaft über Selbstbestimmung, Respekt und den Wert, eigene Grenzen zu setzen - eine Geschichte, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen berührt.

Das Buch beschreibt, welche negativen Gefühle dieses Verhalten bei Akoma auslöst und greift damit eine Situation auf, mit der viele Schwarze Menschen insbesondere in weißen Mehrheitsgesellschaften regelmäßig konfrontiert werden. Nach dem Erlebnis auf dem Bauernhof entwickelt Akoma eine ablehnende Haltung gegenüber ihren Haaren. Durch ein empowerndes Gespräch mit ihrer Mutter und durch das Verständnis ihrer Klassenlehrerin wird Akoma ermutigt, beim nächsten Mal ihre Grenzen aufzuzeigen. Dabei wird sie von ihrer Familie unterstützt und Frau Schröder versteht, dass ihr Verhalten übergriffig war.

Das Buch feiert Afrohaare als Bestandteil Schwarzer Lebensrealitäten und ermutigt Schwarze Kinder zu einem kreativen Umgang mit den vielfältigen Hairstyles. Gleichzeitig wird für die Notwendigkeit sensibilisiert, die Grenzen anderer zu achten. Auch wenn es in aller Regel nicht so gemeint sein dürfte, wird mit dem ungefragten In-die-Haare-fassen zum Ausdruck gebracht, dass diese Haare fremd oder exotisch sind. Insofern ist das eine Form des Othering und damit als rassistische Praxis zu kritisieren.

Es passiert der 7-jährigen Akoma dauernd, dass ihr andere Menschen ins Haar fassen. Die Erwachsenen meinen, weil sie ihre Haare so schön finden, hätten sie auch das Recht dazu. Mit diesem übergriffigen Verhalten räumt dieses anschauliche Bilderbuch gründlich auf.

Die 7-jährige Akoma ist ein Mädchen mit wunderschönen Haaren und lebt mit ihren Eltern in einem kleinen Ort bei Hamburg. Auf Twi - einer Sprache, die man in Ghana spricht - bedeutet Akoma „Herz“. Ihr Herz stößt an seine Grenzen, wenn fremde Leute ungefragt in ihre Haare fassen.

An die Geschichte schließt ein Informationsteil für Erwachsene an, in dem die Geschichte verschiedener Black Hairstyles, die verschiedenen Haartypen und Haarpflege-Tipps beschrieben werden. Es erzählt im Anhang von den sehr langen Traditionen und Bedeutungen afrikanischer Frisuren und beschreibt verschiedenste Afro-Styles.

Die Bedeutung von Haaren in afrikanischen Kulturen

Denn Haare sind in afrikanischen Kulturen mehr als nur Haare. Haare haben eine kulturelle und soziale Bedeutung, die auch durch die verschiedenen Frisuren, die man mit den Haaren machen kann, unterstrichen wird.

Viele Menschen, die mit der Geschichte rassistischer Ungerechtigkeiten vertraut sind, wären vielleicht immer noch überrascht, wenn sie von der Geschichte der „Haardiskriminierung“ in Nordamerika hörten, die bis ins späte 18. Jahrhundert zurückreicht, als der spanische Gouverneur von Florida und Louisiana ein Gesetz erließ, dass Frauen of Color das Tragen einer turbanartigen Kopfbedeckung vorschrieb. Und heute haben nur 23 US-Bundesstaaten Gesetze, die eine Diskriminierung aufgrund der Frisur verbieten.

Oberflächlich betrachtet könnte dieses Buch eines von Dutzenden Büchern sein, die Kindern etwas über ihre körperliche Autonomie beibringen und wie sie sich gegen jede*n wehren können, die*der sie unerlaubt berührt. Aber angesichts der Geschichten von PoC-Haaren und der vielen persönlichen Geschichten wird es zu einer Geschichte mit einer tieferen Bedeutung für Erwachsene, die sensibler für die rassistischen Probleme hinter solchen Geschichten sind. Für Erwachsene enthält auch das Buch am Ende eine „Hair Story“, eine Anspielung auf das englische Wort „Herstory“, d. h. Geschichte (History) aus der Sicht von Frauen.

Über die Autorinnen

Dayan Kodua ist Schauspielerin, Sprecherin, Autorin und Gründerin des Gratitude Verlags. Geboren in Ghana und aufgewachsen in Kiel, folgte Dayan nach einem Abschluss als Wirtschaftsassistentin ihrem Herzen und studierte Schauspiel in Berlin und Los Angeles. ⁠Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin und Sprecherin ist es ihr ein Anliegen, People of Color zu empowern und als Vorbilder sichtbarer zu machen. 2014 veröffentlichte sie deshalb den Bildband »My Black Skin: Schwarz. Erfolgreich. Deutsch« und rief dazu eine Wanderausstellung sowie entsprechende Workshops ins Leben. Besonders wichtig ist es Dayan, Kinder auf ihre innere Stärke aufmerksam machen. Diesem Thema widmet sie sich u. a. in ihren 2019 und 2021 erschienenen Bilderbüchern »Odo« und »Odo und der Beginn einer großen Reise«.

Nicole Gebel ist Illustratorin und Grafikdesignerin. Geboren und aufgewachsen in Mecklenburg-Vorpommern, brachte sie ihre Leidenschaft für Gestaltung 2007 nach Kiel. Hier studierte sie an der Muthesius Kunsthochschule und schloss 2009 mit einem Bachelor of Arts in Kommunikationsdesign ab. Seitdem arbeitet sie von Kiel aus als freiberufliche Illustratorin und Designerin für eine vielfältige Kundengruppe. Kunst und Illustration waren schon immer ein großer Teil ihres Lebens. Sie wurde von allem und jedem in ihrem Leben beeinflusst und inspiriert. Vor allem durch ihre Kindheit an der Ostsee.

Stimmen zum Buch

  • „Für Schwarze Kinder spielt die Beziehung zum eigenen Haar eine besondere Rolle. Ich freue mich, dass sich viele Kinder in der Geschichte von Akoma wiedererkennen werden und sich so in Gänze wertvoll und wertgeschätzt fühlen“. Nana Addison, Gründerin & CEO der CURL Agency und CURL CON
  • „Akomas Geschichte hat meinen Jungs ganz deutlich gezeigt: Es ist okay, 'Nein' zu sagen, wenn andere Menschen ihre Haare anfassen wollen. Ich wünschte, ich hätte dieses Buch gehabt, als ich noch ein kleines Mädchen war“.

Afro-Frisuren sind mehr als nur Haare – Der verborgene Ursprung enthüllt

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