Kortisontherapie bei kreisrundem Haarausfall: Eine umfassende Übersicht

Was hilft bei kreisrundem Haarausfall? Diese Frage beschäftigt die Betroffenen wohl am meisten. Der kreisrunde Haarausfall, auch bekannt als Alopecia areata, ist eine weit verbreitete Erkrankung, von der in Deutschland über eine Million Menschen betroffen sind. Erkennbar ist er an dem meist sehr charakteristischen Verteilungsmuster des Haarverlusts. Da die genaue Ursache von Alopecia areata nicht bekannt ist, gibt es auch keine ursächliche Therapie.

Die ehrliche und ernüchternde Erkenntnis zu Alopecia Areata ist leider, dass es derzeit keine Heilung gibt. Obwohl die Krankheit weltweit bekannt ist und enorme Anstrengungen unternommen werden, die Ursachen zu erforschen, wurde noch keine Therapie gefunden, die die Krankheit ursächlich heilen kann. Autoimmunerkrankungen wie die Alopecia areata (AA), der kreisrunde Haarausfall, kann man bis heute nicht heilen.

Es gibt allerdings verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die darauf abzielen, neues Haarwachstum anzuregen. Manchmal helfen sie, oftmals sind sie aber auch erfolglos. Die verschiedenen Therapien entfalten ihre Wirkung entweder lokal (vor Ort) oder systemisch (im ganzen Körper) und sollen das Haarwachstum wieder anregen:

Meist wenden sich Betroffene mit ihren Symptomen zuerst an den Hausarzt oder Dermatologen. Das typische Muster des Haarausfalls macht die Diagnose einfach. Bei einer Alopecia areata zeigen sich hier in meisten Fällen die typischen kreisrunden haarlosen Areale an der Kopfhaut. Sie kann sich aber auch durch teilweisen oder kompletten Verlust der Augenbrauen, Wimpern oder Barthaare, oder auch an anderen behaarten Arealen zeigen.

Die Stellen jucken nicht, sind nicht gerötet oder schuppig belegt. Der Arzt kann sich mit einem Dermatoskop die Kopfhaut genau anschauen. Dort kann er an den kahlen Stellen die Poren der Haarfollikel erkennen, was ein Zeichen dafür ist, dass die Haare prinzipiell nachwachsen können.

Glukokortikoide ("Kortison") gegen kreisrunden Haarausfall

Kreisrunder Haarausfall wird heute vielfach mit Glukokortikoiden (kortison-artigen Wirkstoffen) in Form von Cremes oder Lösungen behandelt. Die Langzeiterfolge variieren, und es kommt häufig zu Rückfällen. In maximal der Hälfte aller Fälle lässt diese lokale Behandlungsmethode die Haare wieder wachsen. Zwar hat eine Glukokortikoid-Therapie auf der Haut wenig Nebenwirkungen, jedoch spielt sich das Entzündungsgeschehen zwei bis drei Millimeter unter der Hautoberfläche ab - bis hierhin dringen die Wirkstoffe meist nicht gut vor.

Daher wird Kortison häufig mit kleinen Spritzen in die kahlen Hautstellen injiziert. Solche Kortison-Spritzen setzt der Arzt jeweils im Abstand von etwa einem Zentimeter auf die betroffenen Hautstellen. Er geht beim Einspritzen vorsichtig vor und beachtet die Gesamtdosis an injizierten Glukokortikoiden. Andernfalls gerät der Wirkstoff möglicherweise in relevanten Mengen in die Blutbahn und löst somit unerwünschte Effekte im ganzen Körper aus (systemische Nebenwirkungen). Für eine anhaltende Wirkung ist es jedoch oft nötig, die Therapie alle vier bis sechs Wochen zu wiederholen.

Eine sogenannte systemische Kortisontherapie - zum Beispiel in Form von Tabletten - kommt nur in schweren, ausgedehnten Fällen von kreisrundem Haarausfall infrage. Zwar lässt sie bei den meisten Patienten tatsächlich die Haare wieder wachsen. Dafür muss Kortison aber längerfristig in einer Dosierung eingenommen werden, die als Nebenwirkungen zum Beispiel das Immunsystem schwächt, Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) und Menstruationsstörungen begünstigt.

Manche Hautkliniken bieten eine sogenannte Pulstherapie an, bei der Patienten mit kreisrundem Haarausfall an drei aufeinander folgenden Tagen eine hohe Dosis eines Glukokortikoids direkt als Infusion in die Vene erhalten. Die Therapie ist zwar mit einem recht hohen Aufwand verbunden und bedarf engmaschiger Überwachung, hat aber deutlich weniger Nebenwirkungen als eine systemische Kortisontherapie mit Tabletten.

In einigen Fällen können Kortison Spritzen direkt in die betroffenen Stellen injiziert werden. Autoimmunerkrankungen wie Alopecia Areata oder Alopecia Universalis führen dazu, dass das Immunsystem die eigenen Haarfollikel angreift. Dies führt zu kahlen Stellen auf der Kopfhaut. In manchen Fällen kann Cortison helfen, diese Angriffe zu unterdrücken. Doch es gibt auch andere Behandlungen wie die topische Immuntherapie , die in Betracht gezogen werden können.

Die Wirkung äußerlich aufgebrachter Glukokortikoid-Präparate ist bei der Alopecia Areata allerdings wegen eingeschränkter Eindringtiefe in die Haut sehr begrenzt. Zusätzlich gibt es auch noch die Kortison-Injektionen in die Kopfhaut, sowie intravenöse Infusion (Pulstherapie).

Haarausfall durch Kortison?.

Weitere Therapieansätze bei kreisrundem Haarausfall

Neben der Kortisontherapie gibt es eine Reihe weiterer Behandlungsansätze, die bei kreisrundem Haarausfall in Betracht gezogen werden können. Dazu gehören:

  • Hautreizende Stoffe: Die älteste Behandlungsform bei Alopecia areata ist es, hautreizende Substanzen auf die kahlen Stellen aufzutragen - mit der Absicht, dass durch die ausgelöste Hautirritation neue Haare wachsen.
  • Minoxidil: Lösungen mit dem Wirkstoff Minoxidil sind eigentlich für die äußerliche Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall zugelassen. Er fördert das Haarwachstum, indem er die Durchblutung rund um die Haarfollikel anregt.
  • Topische Immuntherapie: Als wissenschaftlich erwiesen gilt die Wirksamkeit einer lokalen Immuntherapie mit dem Wirkstoff Diphencypron (Diphenylcyclopropenon, DPCP) bei kreisrundem Haarausfall.
  • PUVA: Die Abkürzung PUVA steht für Psoralen plus UV-A. Diese photochemische Behandlungsmethode kommt bei verschiedenen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) und Neurodermitis zum Einsatz, und in manchen Fällen auch bei kreisrundem Haarausfall.
  • JAK-Inhibitoren: Für die Behandlung der schweren Alopecia areata stehen mit den Januskinase-Inhibitoren Baricitinib (für Erwachsene) sowie Ritlecitinib (ab dem Alter von zwölf Jahren) neue, zugelassene Therapieoptionen zur Verfügung.

Alternative Heilmethoden

Manchmal wenden Patienten bei kreisrundem Haarausfall Homöopathie, Schüßler-Salze und andere alternative Heilmethoden an. Die Konzepte der Homöopathie und der Schüßler-Salze sowie ihre spezifische Wirksamkeit sind umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt. Auch haben alternativmedizinische Methoden ihre Grenzen. Sprechen Sie deshalb im Vorfeld mit Ihrem Arzt.

Hausmittel helfen gegen die Alopecia areata oft wenig. Da sie aber auch keine Nebenwirkungen haben, kann ein Versuch gestartet werden mit Kopfhautmassagen mit hochwertigen Ölen wie Kokosöl oder Arganöl. In der Homöopathie wird empfohlen, für eine gesunde Darmflora und einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt durch ausgewogene Ernährung zu sorgen.

Selbsthilfegruppen

Eine überraschend erfolgreiche "Therapiemethode" ist die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe: Patienten mit kreisrundem Haarausfall profitieren von der gemeinsamen Aufarbeitung der Krankheit mit anderen Betroffenen. Besonders bei Kindern verzeichnet die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe manchmal größere Erfolge als jede medikamentöse Behandlung.

Wichtige Hinweise

  • Die Alopecia areata ist eine Erkrankung mit einem stark variablen Verlauf.
  • Es gibt Symptomtherapien, unter denen es zu einer teilweisen oder sogar vollständigen Wiederbehaarung kommen kann. Sehr häufig kommt es nach Absetzen der Therapien jedoch erneut zum Haarausfall.
  • Aufgrund der hohen Sichtbarkeit, des unvorhersehbaren klinischen Verlaufs der Erkrankung und des derzeitigen Mangels anhaltend erfolgreicher Therapien ist die AA für viele Betroffene eine große emotionale Belastung.
  • Das therapeutische Vorgehen ist bei jedem Patienten unterschiedlich und abhängig von individuellen Faktoren wie der Ausprägung der Erkrankung und Nebenerkrankungen.

Es ist wichtig, sich von einem Arzt oder Spezialisten beraten zu lassen, um die am besten geeignete Therapie für den individuellen Fall zu finden.

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