Weiße Perücken im Adel: Mehr als nur ein Statussymbol

Perücken haben eine lange und bewegte Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Im Laufe der Zeit entwickelten sie sich von praktischen Hilfsmitteln zu modischen Accessoires und Statussymbolen. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert erlebten weiße Perücken im Adel eine Blütezeit. Doch warum trugen die Menschen damals weiße Perücken mit Locken, und was hatte das zu bedeuten? Dieser Frage soll im Folgenden nachgegangen werden.

Ludwig XIV mit Perücke

Ursprünge und praktische Gründe

Schon im alten Ägypten trugen Menschen Perücken, um ihre natürlichen Haare vor der Sonne zu schützen und zugleich ihren sozialen Status zu demonstrieren. Auch die Römer griffen auf Perücken zurück, insbesondere, um Alter oder Haarausfall zu kaschieren. Im Mittelalter verdeckten Hauben und Hüte die Fransen.

Im 17. und 18. Jahrhundert gab es jedoch noch einen weiteren, sehr praktischen Grund für das Tragen von Perücken. Damals wusch man sich nicht regelmäßig, was schnell zu Läusen und ähnlichen Problemen führte. Um dem entgegenzuwirken, schnitten sich viele Menschen die Haare ab und trugen stattdessen eine Perücke, um nicht mit einer Glatze herumlaufen zu müssen.

Der Aufstieg der Perücke im 17. Jahrhundert

Den großen Auftritt hatten Perücken um 1650. Der Trendsetter hieß König Ludwig XIII. Er hatte extrem schütteres Haar, wollte aber aussehen wie ein Löwe. Also ließ er sich kurzerhand eine wallende Lockenpracht machen. Als dann der andere Ludwig, der Sonnenkönig, auch noch zur Perücke griff, gab es endgültig kein Halten mehr unter den Adligen.

Die Perücken sollten kahle Stellen verdecken und waren oft grau oder weiß gepudert. Damit wollte man sich als Teil der Oberschicht zu erkennen geben und Macht und Würde demonstrieren. Dabei hatte das mit Würde im heutigen Sinne gar nichts zu tun. Die Dinger wurden nie gewaschen, geschweige denn der Kopf darunter.

Weiße Perücken als Zeichen von Würde heute

Noch heute tragen Menschen als Zeichen von Würde weiße Perücken. Richterinnen und Richter im Vereinigten Königreich zum Beispiel. Berichten zufolge werden die Dinger dort gern gebraucht gekauft. Einmal, weil die echt teuer sind. Und dann, weil die sichtbar benutzte Perücke so wirkt, als sei ihre Trägerin oder ihr Träger irre erfahren. Manche sollen aus diesem Grund ihre nagelneuen Modelle sogar vor dem ersten Gebrauch als Wischmopp nutzen.

Übrigens: Wir hatten ja auch mal einen König, König Friedrich I. von Preußen. Der trug auch gern Perücke und war zudem öfter mal knapp bei Kasse. Also hat er einfach eine Perückensteuer eingeführt. Alle mit falschem Haar auf dem Kopf sollten in die Staatskasse löhnen.

Wie entsteht eine Perücke? | Die Maus | WDR

Rote Perücken: Ein Symbol für Individualität und Ausdruck

Neben den weißen Perücken haben auch rote Perücken eine faszinierende Geschichte. Sie sind ein Symbol für Individualität, Stil und Ausdruck und haben im Laufe der Zeit immer wieder besondere Bedeutung erlangt.

Rote Perücken im 16. und 17. Jahrhundert

Die ikonischste Figur, die einem in den Sinn kommt, wenn man an rote Perücken denkt, ist wahrscheinlich Königin Elizabeth I. von England. Ihre leuchtend rote Haarpracht wurde zu einem Symbol für Macht und Individualität. Rotes Haar galt als besonders exotisch, und viele Adlige wollten diese Besonderheit durch das Tragen von roten Perücken nachahmen.

Rote Perücken im Theater des 18. und 19. Jahrhunderts

Im 18. und 19. Jahrhundert, vor allem im Theater und in der Oper, wurden rote Perücken gezielt eingesetzt, um auffällige und markante Charaktere darzustellen. Oftmals symbolisierten rote Haare Leidenschaft, Zorn oder sogar übernatürliche Kräfte. Schauspieler und Darsteller nutzten rote Perücken, um ihre Charaktere zu verstärken und ihnen mehr Präsenz zu verleihen.

Die Renaissance der Perücke im 20. Jahrhundert

Mit dem Aufkommen des Films in den 1920er Jahren erlebte die rote Perücke eine neue Renaissance. Stars wie Lucille Ball, die in den 1950er Jahren durch ihre Show „I Love Lucy“ berühmt wurde, machten rote Haare zu einem Symbol für Charme und Komik. In der Popkultur wurden Perücken zu einem wichtigen Accessoire. In den 1970er Jahren, als Glam Rock und ausgefallene Bühnenkostüme aufkamen, griffen Musiker wie David Bowie zu knalligen, oft roten Perücken, um ihren Stil zu betonen.

Rote Perücke

Rote Perücken heute

Heute sind rote Perücken nicht mehr nur ein Teil von Kostümen oder Bühnenoutfits. Sie haben ihren Weg in die Alltagsmode gefunden. Prominente wie Rihanna oder Lady Gaga haben in den letzten Jahren den Trend aufgegriffen und setzen immer wieder auf auffällige Perücken, darunter auch in leuchtenden Rottönen.

Ob für besondere Anlässe, die Bühne oder einfach nur, um einen auffälligen Look zu kreieren - die rote Perücke wird uns noch lange als aufregendes Accessoire begleiten.

Perückenfarbe Bedeutung/Verwendung
Weiß Statussymbol im Adel (17./18. Jahrhundert), Zeichen von Würde (z.B. bei Richtern)
Rot Symbol für Individualität, Leidenschaft, Zorn (Theater), Charme und Komik (Film), modisches Accessoire

tags: #weiße #Perücke #Adel

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