Deutsche Drogerien verdienen sich dumm und dusselig mit Haarfarbe und Blondierung. Viele Frauenzeitschriften werben mit „Profitipps“, wie man seine Haare zu Hause richtig blondiert und färbt. Während man bei Haarfarbe noch belächeln kann, dass jemand mutig ist, es auf einen fleckigen Kopf anzulegen, hört für Friseure spätestens bei Blondierung der Spaß auf. Denn hier befindet man sich direkt tief in der Chemiestunde.
Bestimmt hast du dir schon mal eine Coloration oder Blondierung in der Drogerie gekauft, statt zum Friseur zu gehen. Das Ergebnis bei solchen Selbstversuchen ist leider nicht immer sehr zufriedenstellend. Wenn du auf die Profi-Ebene umsteigen willst, kannst du es auch mal mit Blondierpulver und Entwickler probieren, die du selbst mischen kannst. Und das ist gar nicht schwer.
Ein wichtiger Punkt ist die Pflege danach. Manche Haarfarben haben Conditioner dabei, andere Pflegeshampoos. Pflegeshampoos haben aber immer noch die vorsätzliche Aufgabe zu reinigen. Das reicht NICHT! Weder um das Haar nach einer Färbung wieder zu schließen und die Farbe damit im Haar zu fixieren, noch um die Beanspruchung einer Blondierung auszugleichen.
Eine Blondierung ist ein chemischer Vorgang, der die Haare stark strapazieren kann. Das solltest du vor dem Selbstfärben deiner Haare unbedingt beachten! Dabei wird Blondierpulver mit einem Oxidationsmittel gemischt, in der Regel Wasserstoffperoxid (H₂O₂). Dieses erhältst du in Form eines Entwicklers, in welchem das Oxid entweder zu 2 Prozent, zu 6 Prozent, zu 9 Prozent oder zu 12 Prozent enthalten ist. Nur mithilfe dieses Entwicklers kann das Blondierpulver in die Haarstruktur eindringen und das dort enthaltene Melanin chemisch so verändern, dass eine hellere Haarfarbe entsteht. Damit die Haare beim Blondieren keinen unerwünschten Gelb- oder Orangestich enthalten, sind dem Blondierpulver heutzutage häufig blaue oder violette Pigmente beigemischt.
Durch das Zusammenwirken von Bleichverstärkern (so genannte Persulfate) mit dem Oxidationsmittel - meist Wasserstoffperoxid - werden die farbgebenden Naturpigmente der Haare, die Melanine, abgebaut und ausgewaschen: Zunächst die dunklen Farbpigmente (Eumelanine) und langsamer die hell-rötlichen Farbpigmente (Phäomelanine). Während der Einwirkzeit kann so der Eindruck entstehen, dass das Haar orange wird. Die Anwendung sollte in diesem Fall nicht unterbrochen werden, da dann der „karottige“ Farbstich im Haar erhalten bleibt. Dieser Farbstich kann allerdings vom Fachmann auch durch eine färberische Nachbehandlung mit einem leicht grün-bläulichen Ton kompensiert werden. Die Kombination aus gelb-orange und grün-blau ergibt dann ebenfalls ein natürliches Hellblond.
In den Längen und Spitzen sind es bis max. 12%. Beide Angaben sind so genau festgelegt, um den Gesundheitsschutz der Kunden zu gewährleisten. Wenn höhervolumige Blondierung auf die Kopfhaut gerät, kann es zu Verätzungen und Haarausfall kommen. Teilweise als bleibende Schäden!
Leider wird die Haarpflege in den Anleitungen von Drogerieprodukten schändlich vernachlässigt. Dabei ist sie wichtiger Bestandteil jedes Haarfärbe- und Blondierungsprozesses! Auch in vielen Salons wird zu wenig auf den Aufwand eingegangen, den behandeltes Haar auch nach dem Friseurbesuch verursacht.
Eine Blondierung besteht im Wesentlichen aus folgenden Komponenten:
Je nachdem, wie intensiv die Aufhellung werden soll, wird mit verschiedenen Konzentrationen von Wasserstoffperoxid (3 bis 12 Prozent) gearbeitet.
Weitere Inhaltsstoffe von Blondiermitteln sind Stabilisatoren, z. B. Phosphorsäure (Formel: H3PO4) und Natriumbenzoat (Natriumsalz der Benzoesäure, Lebensmittelzusatzstoff E 211 zur Konservierung von Lebensmitteln, Summenformel: C7H5NaO2). Alkalisierungsmittel, wie z. B. Ammoniak, fördern die Quellung des Haares. Als Netzmittel sind Tenside für die gleichmäßige Verteilung der Blondiermasse verantwortlich. Zur Schonung des Keratins während des Bleichvorgangs werden Schutzstoffe wie Lanolin, Lecithin oder Stearin eingesetzt, als Verdickungsmittel beispielsweise Cellulose-Derivate. Lecithine wirken rückfettend. Im Organismus sind diese Phospholipide (spezielle Fette) am Aufbau der Biomembranen beteiligt. Stearin heißt ein Gemisch aus den gesättigten Fettsäuren Stearin- und Palmitinsäure. Es ist Bestandteil von Kerzen. Cellulose ist ein langkettiger Vielfachzucker (Polysaccharid), der aus hunderten bis tausenden von Glukosemolekülen (Traubenzucker) besteht; die Summenformel lautet (C6H1O5). Dieses Makromolekül bildet den Hauptbestandteil der pflanzlichen Zellwände und ist Grundstoff z.B. für die Papierindustrie.
Wenn du weißt, wie stark du deine Haare aufhellen willst, kannst du dir den entsprechenden Entwickler und das Blondierpulver deiner Wahl besorgen. Hier kannst du ruhig auf sogenanntes staubfreies Pulver zurückgreifen, denn dieses ist nicht so leicht einzuatmen und verursacht so keinen Husten. Außerdem brauchst du:
Sollte dies nicht der Fall sein, kannst du es immer im Verhältnis von 1:2 mischen (ja, Bruchrechnung ist angesagt!). Ein Beispiel: Du verwendest 30 Gramm Pulver (1 Teil) und dazu 60 Gramm Entwickler (2 Teile, also das doppelte).
Die mit dem Blondieren erzielte Farbveränderung ist dauerhaft; das Haar benötigt allerdings Pflege. Bei einer kompletten Blondierung werden die Melaninteilchen vollständig aufgelöst, und an ihrer Stelle finden sich nach der Bleiche winzige Löcher. Um das Haar beim Blondieren zu schonen, sollte daher bei regelmäßiger Anwendung lediglich eine Ansatzbehandlung durchgeführt werden.
Das „Was ist was?“ in Blondierungen:
Eigentlich ist das gar nicht so schwierig. Trage die Blondierung mit einem Färbepinsel aber auf jeden Fall Strähne für Strähne auf. Beginnen dabei unbedingt bei den Spitzen und arbeite dich bis zum Haaransatz vor. Das Haar hellt sich im Bereich der Kopfhaut nämlich viel schneller auf und sollte hier für ein gleichmäßiges Ergebnis daher zuletzt gefärbt werden.
Bei sehr dunklen Haaren kann Blondierung problematisch sein. Hast du schwarzes, dunkelbraunes oder besonders dickes Haar, solltest du darauf verzichten - ebenso bei Dauerwellen oder brüchigem Haar. Auch bereits dunkel gefärbtes Haar reagiert unvorhersehbar auf Aufheller. Besonders riskant: Henna! Die chemische Reaktion kann einen unerwünschten Grünstich erzeugen. Lass die Farbe daher besser herauswachsen, bevor du blondierst.
Die Expert*innen von Syoss sagen: „Am besten lassen sich Haare aufhellen, die von Natur aus nicht dunkler als mittelbraun sind. Wenn du also dunkelblonde, graue oder hellbraune Haare hast, sind das die besten Voraussetzungen, um sie problemlos zu blondieren und ein perfektes Blond zu erhalten.“
Ja, das ist möglich! Bei Ansätzen solltest du besonders vorsichtig vorgehen und die Blondierung nur auf den nachgewachsenen Bereich auftragen. Verwende hierfür einen Färbepinsel mit dünner Spitze für präzises Arbeiten. Beachte, dass die Kopfhautwärme die Oxidation beschleunigt, daher die Einwirkzeit entsprechend anpassen und regelmäßig kontrollieren.
Nach einer Blondierung solltest du deinem Haar mindestens 4-6 Wochen Erholungszeit gönnen. Die Haarstruktur wird durch das Blondierpulver und den Entwickler stark beansprucht. In der Zwischenzeit kannst du deine Haare mit speziellen Haarkuren und Pflegeprodukten für blondiertes Haar wieder aufbauen und stärken.
Bei einem Gelbstich helfen spezielle Silber- oder Violettshampoos, die dem unerwünschten Gelbton entgegenwirken. Bei stark ungleichmäßigen Ergebnissen solltest du einen Friseur aufsuchen. Kleinere Unregelmäßigkeiten kannst du mit einer Blondierwäsche ausgleichen - hierfür mischst du Blondierpulver mit einem 2%-Entwickler und lässt die Mischung nur kurz einwirken.
Blondierte Haare benötigen besondere Pflege. Verwende spezielle Shampoos und Spülungen für blondiertes oder strapaziertes Haar. Wöchentliche Haarkuren und Ölbehandlungen können die Haarstruktur wieder aufbauen. Reduziere außerdem Hitzeeinwirkung durch Föhn, Glätteisen oder Lockenstab und schütze deine Haare im Sommer mit UV-Schutzprodukten.
Um zu starke Schäden beim Aufhellen zu vermeiden, kannst du zusätzlich Olaplex, ein Friseur-Produkt, beim Blondieren hinzugeben. Wir erklären dir in einem weiteren Artikel, wie man Olaplex zuhause anwendet.
Wichtig auch: Lasst euch nicht von den Bildern auf der Packung oder genialen Versprechen täuschen! Was ein professioneller Meisterfriseur nicht kann, kann ein Drogerieprodukt erst recht nicht!
Abschließende Gedanken:
Liebe Kunden, liebe Leser, wir sind ehrliche Menschen, die Stolz auf ihr Handwerk sind, Haare lieben und ihre Kunden wirklich gerne haben. Natürliche freuen wir uns NICHT, kreuzunglückliche Kunden im Laden zu haben, denen wir in stundenlangen Sessions teuer die Haare retten müssen. Und es vielleicht auch gar nicht können! Nein, so was macht keinen echten Friseur glücklich, weil immer nur eine möglichst gute Rettung, kein wirklich glücklicher, sich schön fühlender Kunde da bei herauskommt. Und das ist doch traurig. ☹
Wir Friseursalons sind dafür da, euch zum Entspannen und glücklich sein zu bringen!
In diesem Sinne, freuen wir uns euch vor dem Eigenexperiment in unseren Salons begrüßen zu dürfen.
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