Ablauf einer Haartransplantation: Ein umfassender Überblick

Volles, kräftiges Haar gilt in unserer Gesellschaft als Schönheitsideal. Viele Menschen leiden unter Haarausfall, der oft psychisch belastend ist. Eine Haartransplantation kann hier eine effektive Lösung sein. In diesem Artikel erfahren Sie alles über den Ablauf einer Haartransplantation, von der ersten Beratung bis zum endgültigen Ergebnis.

Die Grundlagen der Haartransplantation

Die Eigenhaartransplantation basiert auf der Tatsache, dass der Haarkranz am Hinterkopf bei genetisch bedingtem Haarausfall in der Regel nicht betroffen ist. Dieser Bereich eignet sich daher optimal als Spenderareal für die Haar-OP.

Haarausfall: Ursachen und Lösungen

Haarausfall kann verschiedene Ursachen haben. Bei Männern ist er meist genetisch bedingt, während bei Frauen hormonelle Schwankungen, Stress oder mangelhafte Ernährung eine Rolle spielen können. Eine Haartransplantation ist oft eine gute Lösung, wenn der Haarausfall gestoppt wurde und ausreichend Spenderhaar vorhanden ist.

Geeignete Kandidaten für eine Haartransplantation

Laut den Leitlinien des Verbands Deutscher Haarchirurgen e.V. (VDHC) eignen sich folgende Arten des Haarausfalls für eine Haartransplantation:

  • Männer: Androgenetische Alopezie (Typ 2-7 nach Norwood-Hamilton)
  • Frauen: Androgenetische oder hormonelle Alopezie (weibliches Muster nach Ludwig II - III oder frontales oder männliches Muster)
  • Hereditäre Alopezieformen / Hypotrichosen
  • Narbige Alopezie

Der Ablauf einer Haartransplantation in 5 Schritten

Der komplette Ablauf einer Haartransplantation lässt sich in fünf Schritten zusammenfassen:

  1. Beratung
  2. Haarentnahme und Techniken
  3. Aufbereitung
  4. Implantation
  5. Nachsorge

1. Beratung vor der Haartransplantation

Patienten, die sich für eine Haartransplantation interessieren, kommen in der Regel ein bis zwei Monate vor dem geplanten Eingriff zu einer Beratung. In einem ausführlichen Gespräch werden die Wünsche des Patienten hinsichtlich des neuen Aussehens und Haarwuchses besprochen. Anhand dieser Eckdaten wird ermittelt, wie viele Haare bzw. Grafts (Follicular Units) benötigt werden, welche Entnahmetechnik geeignet ist und wie viel Zeit für den Eingriff eingeplant werden sollte. Natürlich werden auch die Kosten des Eingriffs besprochen.

Ein besonderes Augenmerk gilt der Beschaffenheit und Menge des Spenderhaars. Das Haar soll hinsichtlich Dicke, Farbe, Struktur und Wuchsrichtung zum Empfängerbereich möglichst gut passen, damit sich das verpflanzte Haar später natürlich in seine neue Umgebung einfügt. Damit das neue Haar nicht ausfällt, wird in der Regel nur Haar vom Hinterkopfkranz transplantiert. Dieser ist gegen den genetisch bedingten Haarausfall auch Jahre danach geschützt, was zur Folge hat, dass von dort versetzte Haare dauerhaft fest und gesund wachsen.

Ein weiteres wichtiges Thema in der Beratung ist die Klärung der Ursache für den Haarausfall, denn nur wenn dieser gestoppt wurde, kann eine Haartransplantation sinnvoll durchgeführt werden. Je nach Art kann die Diagnose des Haarausfalls bereits während der Erstberatung gestellt werden. Mitunter sind aber auch ergänzende Untersuchungen erforderlich, die anschließend durchgeführt werden.

2. Haarentnahme und Techniken

Es gibt verschiedene Methoden der Haarentnahme, die sich hauptsächlich in der Art der Entnahme der Haarfollikel unterscheiden:

FUT-Methode (Follicular Unit Transplantation)

Bei der FUT-Methode wird ein feiner Hautstreifen vom Hinterkopf entnommen, aus dem dann die einzelnen Haarfollikel (Grafts) extrahiert und in die kahlen Kopfhautpartien verpflanzt werden. Der Schnitt wird sorgsam vernäht und hinterlässt nur eine sehr feine Narbe, die unter dem längeren Deckhaar verschwindet. Diese Methode wird vor allem angewendet, wenn kleinere Kopfhautareale oder Bereiche transplantiert werden sollen - beispielsweise Geheimratsecken, Augenbrauen oder der Bart.

FUE-Methode (Follicular Unit Extraction)

Bei der FUE-Variante werden mittels Präzisionswerkzeug die einzelnen Grafts vom Hinterkopf entnommen. Die FUE-Haartransplantation ist daher deutlich narbenärmer. Für größere Flächen, beispielsweise Haarverpflanzung bei Glatze oder Tonsur, hat sich die FUE-Variante als bestes Verfahren bewiesen. Bei dieser Behandlung entnehmen die Haarchirurgen die Grafts einzeln vom Hinterkopf. Es entsteht kein Schnitt und deshalb ist auch keine Naht erforderlich. Durch die spezielle Hohlnadel bleiben lediglich mikrofeine Narben zurück, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind.

Innovative Weiterentwicklungen der FUE-Technik

  • Saphir-FUE Haartransplantation: Bei diesem Verfahren kommen spezielle Saphir-Klingen zum Einsatz, die aufgrund ihrer Härte und Schärfe filigranere Schnitte ermöglichen. Dies führt zu einer besonders präzisen Implantation der Haarfollikel und minimiert Schäden an benachbarten Haarwurzeln.
  • i-FUE (Intermittent Follicular Unit Extraction): Bei dieser Technik wird eine reduzierte Verweildauer der Grafts außerhalb der Kopfhaut angestrebt, indem die Entnahme intermittierend - also mit Unterbrechungen - erfolgt. Der Haarspezialist gewinnt dabei jeweils nur eine begrenzte Anzahl an Grafts und implantiert diese sofort, was Schäden durch lange Lagerzeiten minimiert.

3. Aufbereitung der Grafts

Nach der Entnahme werden die Grafts von den Haartechnikern nach Größe in Gruppen von einem bis vier Haaren eingeteilt und nach Farbe und Wuchsrichtung sortiert. Diese aufwändige Arbeit erfolgt von Hand und dauert mehrere Stunden, denn beim Einsetzen der Haare muss genau darauf geachtet werden, dass das spätere Ergebnis natürlich wirkt und die hierfür entnommenen Haare ausreichen.

4. Implantation der Haare

Im ersten Schritt werden mit einer feinen Kanüle kleine Löcher in die Kopfhaut gebohrt, in die die Haarwurzeln eingesetzt werden. Außerdem sollte die Haarlinie an der Stirn nur mit Grafts bestückt werden, die lediglich ein einzelnes Haar enthalten. So wird der Haaransatz fein und sieht später völlig normal aus.

Etwas anders ist die Situation beispielsweise an kahlen Stellen auf dem oberen Kopf, wo verdichtet werden soll. Hier muss, relativ betrachtet, mit wenig Haaren ein sehr dichtes Ergebnis erzielt werden, damit es nachher vollständig bedeckt aussieht. Hierfür bietet es sich an, die Wuchsrichtung zu variieren und Grafts zu verwenden, die mehrere Haare beinhalten.

5. Nachsorge nach der Haartransplantation

Im Abschlussgespräch erhalten Sie Empfehlungen zur Unterstützung des Heilungsprozesses. In den ersten Tagen sollten Sie die neuen Haare noch nicht waschen und sie nicht mechanisch reizen, wie durch Abrubbeln oder Bürsten. Etwas Ruhe tut ihnen gut, denn die empfindlichen Haarfollikel müssen zuerst gut einwachsen.

Je nach Einsatz der FUE- oder FUT-Technik steht nach ungefähr einer Woche ein zusätzlicher Termin zum Ziehen der Fäden an. Bis zum Endergebnis der Haartransplantation mit vollständig auf dem Kopf dicht gewachsenem Haar dauert es einige Monate. Denn auch nach einer Transplantation wächst das Haar nicht schneller als vorher. Bis zum endgültigen Bild kann also einige Zeit vergehen, in der Geduld erforderlich ist.

Der Heilungsprozess und das Haarwachstum nach der Transplantation

Die wichtigste Information, die Sie zu Ihrer Haartransplantation haben müssen, ist, dass Ihr Aussehen unmittelbar nach dem Eingriff NICHT das endgültige Behandlungsergebnis ist. Ihre Haare werden in den kommenden Wochen und Monaten verschiedene Phasen durchlaufen, und dazu gehört auch, dass die transplantierten Haare wieder ausfallen.

KÖ-HAIR möchte Sie daher an dieser Stelle über die Wachstumsphasen informieren, die Ihre transplantierten Haare nach der Haar-OP durchlaufen werden:

  • Erste Tage: Schmerzen, Rötungen und Schwellungen im Spender- und Empfängerbereich können auftreten. Die Grafts bilden Schorf oder Krusten, die innerhalb der ersten Woche allmählich abfallen.
  • Zwei bis vier Wochen: Die transplantierten Haare durchlaufen eine Shedding Phase (Effluvium), in der die transplantierten Haarschäfte ausfallen. Die Haarfollikel bleiben jedoch unter der Haut intakt.
  • Ruhephase: Nach der Shedding Phase gehen die transplantierten Haarfollikel in eine Ruhephase über.
  • Vier bis sechs Monate: Die transplantierten Haarfollikel beginnen, neue Haare zu produzieren. Anfänglich kann das Haar dünn, fein und spärlich erscheinen.
  • Sechs Monate: Die transplantierten Haare werden dichter und deutlicher sichtbar. Ihre Haare wachsen weiter und bedecken einen größeren Teil des Empfängerbereichs.
  • Ende des ersten Jahres: Ein deutliches Haarwachstum und eine hohe Haardichte sollten feststellbar sein. Das transplantierte Haar sollte Ihrem natürlichen Haar ähneln, und seine Dicke und Qualität wird sich weiter verbessern.

DHI vs FUE Haartransplantation! (Vor- und Nachteile)

Denken Sie daran, dass das Haarwachstum nach einer Transplantation ein allmählicher und kontinuierlicher Prozess ist. Sie können jedoch selbst maßgeblich dazu beitragen, dass Ihre Haartransplantation ein voller Erfolg wird. Dazu gehört neben einem gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, möglichst ohne Nikotin und Alkohol, auch die richtige Haarpflege nach der Haartransplantation. Dazu gehört beispielsweise, die Haare frühestens vier Tage nach der Haar-OP zu waschen, um das Anwachsen der frisch verpflanzten Haare nicht zu gefährden. Zudem sollten Sie in den ersten Nächten nach der Haar-OP mit einem Nackenkissen schlafen, um den Kontakt der Kopfhaut zum Kissen zu vermeiden.

Mögliche Risiken und Komplikationen

Wie jeder operative Eingriff bietet auch eine Eigenhaarverpflanzung gewisse Risiken. Dazu gehören neben einer problematischen Wundheilung auch mögliche Entzündungen oder eine übermäßige Narbenbildung. Zudem kann es passieren, dass die Behandlung einfach nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Daher ist es besonders wichtig, sich für die Haartransplantation in die Hände erfahrener Haarchirurgen zu begeben.

Die Haartransplantation erfolgt grundsätzlich unter lokaler Betäubung, eine Vollnarkose ist nicht erforderlich. Zudem ist die Haar-OP gewebeschonend, sodass Sie am Tag nach der Behandlung bereits wieder gesellschaftsfähig sind. Dennoch wird empfohlen, sich noch einige Tage zu schonen.

Kosten einer Haartransplantation

Die Kosten für eine Haartransplantation richten sich nach der Anzahl der verpflanzten Spenderhaare. Pro Haarwurzelgrüppchen muss der Patient mit Kosten von etwa 1 - 3 Euro rechnen. Insgesamt kostet der Eingriff damit je nach Umfang zwischen 2.000 und 8.000 Euro.

Einige Kliniken bieten online einen Haar-Konfigurator mit integriertem Kostenrechner an. So können Betroffene vorab überprüfen, wie hoch der Preis einer Haartransplantation in ihrem Fall ausfallen würde.

Die Kosten für die Haartransplantation werden im Normalfall nicht von der Krankenkasse übernommen, da Haarausfall nicht als Krankheit gilt und für den Betroffenen keine gesundheitliche Beeinträchtigung darstellt.

Alternativen zur Haartransplantation

Es gibt zahlreiche Ansätze zur Behandlung von Haarausfall. Genetisch bedingter Haarverlust lässt sich in der Regel mit einer Haartransplantation gut versorgen. Weiterhin ist eine alternative oder ergänzende medikamentöse Therapie durch Finasterid und / oder Minoxidil sowie Antiandrogene möglich.

BehandlungsmethodeBeschreibungGeeignet für
HaartransplantationVerpflanzung von gesunden Haarwurzeln in kahle BereicheGenetisch bedingter Haarausfall, androgenetische Alopezie
FinasteridBlockiert die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT)Männer mit androgenetischem Haarausfall
MinoxidilTinktur zur äußerlichen Anwendung, fördert die Durchblutung der KopfhautFrauen und Männer mit erblich bedingtem Haarausfall
AntiandrogeneBesetzen die Andockstellen von DihydrotestosteronFrauen mit genetisch bedingtem Haarausfall

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