Kreisrunder Haarausfall: Ursachen und Behandlung

Kreisrunder Haarausfall, in der Fachsprache als Alopecia areata bezeichnet, ist eine Autoimmunerkrankung, die gegen die in der Haut liegenden Haarbestandteile gerichtet ist. Er tritt stellenweise am Kopf oder am ganzen Körper auf. Die Ursache dafür ist noch nicht eindeutig geklärt. Obwohl in Deutschland über eine Million Menschen davon betroffen sind, ist die Ursache noch nicht völlig geklärt.

Was ist kreisrunder Haarausfall?

Die sogenannte Alopecia areata oder auch kreisrunder Haarausfall setzt sich aus dem griechischen Wort alopekia für „krankhaften Haarausfall“ und dem lateinischen Wort area für „freier Platz“ zusammen.

Bei der Erkrankung mit Alopecia areata entstehen meist plötzlich runde kahle Stellen auf dem Kopf. Der Begriff bezeichnet vereinfacht ausgedrückt das Auftreten mehrerer kreisrunder haarloser Bereiche, zumeist an der Kopfhaut. Manchmal tritt kreisrunder Haarausfall außerdem im Gesicht auf, wie an den Wimpern, den Augenbrauen, im Bart oder an der Behaarung des Körpers. Prinzipiell kann die Erkrankung allerdings an allen behaarten Körperstellen auftreten.

Typisch für den kreisrunden Haarausfall ist, dass in diesen Bereichen Entzündungsreaktionen nachgewiesen werden können. Die Erkrankung kann allerdings auch in Schüben verlaufen. Man spricht in diesem Zusammenhang von sogenannten follikulären Entzündungen, da sie Strukturen betreffen, die die Haarwurzeln umgeben.

Der kreisrunde Haarausfall wird zu den nicht-vernarbenden Formen des Haarausfalls gezählt. Das bedeutet, die Haarwurzeln selbst werden nicht zerstört und ein erneutes Wachsen der Haare ist möglich.

Alopecia areata (AA) tritt zu 80 Prozent der Fälle im Kopfbereich auf. Bei Männern kann zusätzlich der Bartwuchs betroffen sein. Der entzündliche Haarausfall beginnt häufig im Kindes- und jungen Erwachsenalter, kann aber prinzipiell in jedem Alter auftreten.

Verschiedene Formen des kreisrunden Haarausfalls:

  • Alopecia areata: Kreisartiger Haarausfall. Wimpern, Augenbrauen und restliche Körperbehaarung meist normal vorhanden.
  • Alopecia ophiasis: Kranzartiges Fehlen der Haare im Ohren- und Nackenbereich. Augenbrauen, Haare oben und seitlich am Kopf sowie die restliche Körperbehaarung sind nicht betroffen.
  • Alopecia totalis: Fehlen der gesamten Kopfbehaarung, inklusive Augenbrauen und Wimpern. Diese Form tritt eher selten auf.
  • Alopecia universalis: Komplette Körperbehaarung fällt aus, inklusive Augenbrauen, Wimpern und Nasenhaare.

Ursachen des kreisrunden Haarausfalls

Die genauen Ursachen sind für diese Form des Haarverlustes nicht geklärt, Forschende gehen von genetischen und Umweltfaktoren aus. Als Ursache für den kreisrunden Haarausfall werden Autoimmunreaktionen vermutet. Das bedeutet, dass mehrere Faktoren bei der Entstehung eine Rolle spielen. Dies bedeutet vereinfacht, dass der Erkrankung eine Störung des Immunsystems zugrunde liegt.

Außerdem wird vermutet, dass die Haarfollikel von einer Autoimmunreaktion betroffen sind. Bei der Autoimmunreaktion, die zum Haarverlust führt, bildet der Körper Antikörper, die sich gegen körpereigenes Gewebe richten. Die genauen genetischen Hintergründe sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht. Der Körper bildet Antikörper gegen eigene Strukturen und ruft so eine Entzündung hervor. Dieser Abwehrmechanismus richtet sich in diesem Fall gegen die Haarfollikel, welche zwar nicht zerstört, aber am Wachstum gehindert werden.

Die genetischen Zusammenhänge werden derzeit genauer untersucht. Forschende gehen von einer genetisch komplexen Vererbung aus, an der viele Gene beteiligt sind. Daher ist das Erkrankungsrisiko von Verwandten eines Betroffenen erhöht. So ist das Erkrankungsrisiko von Verwandten eines Betroffenen erhöht. Es liegt für Geschwister von Betroffenen bei etwa sieben Prozent und für Kinder bei circa sechs Prozent.

Zusätzlich zu genetischen Ursachen werden äußere Einflüsse wie Umweltfaktoren (unter anderem Infektionen) und psychischer Stress als Auslöser in Betracht gezogen. Ein Zusammenhang besteht ebenfalls mit dem Maß an Stress der betroffenen Person. So kann sich kreisrunder Haarausfall zum Beispiel im Rahmen von besonderen Belastungen, wie Prüfungen oder nach Trauerfällen entwickeln.

Kreisrunder Haarausfall tritt oft zusammen mit anderen Erkrankungen auf. Dazu zählen etwa Autoimmunerkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion und die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), aber auch atopische Erkrankungen, also mit Allergieneigung wie Neurodermitis und Heuschnupfen. Neben diesen können auch ein Vitamin D-Mangel sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen vorliegen.

Alopecia areata - Ursachen, Symptome und Behandlung | dermanostic Hautlexikon

Gegenstand der Forschung ist zudem bei Frauen die Frage, ob eine Schwangerschaft das Auftreten oder den Verlauf des kreisrunden Haarausfalls beeinflusst. Über Umwelteinflüsse wie Schadstoffe als mögliche Ursache gibt es bisher kaum Erkenntnisse.

Symptome des kreisrunden Haarausfalls

Der Haarausfall beginnt plötzlich und oftmals mit einer Stelle oder wenigen etwa münzgroßen kahlen Stellen. Innerhalb weniger Wochen werden diese Areale größer. Bei Frauen mit kreisrundem Haarausfall scheint es jedoch so zu sein, dass die Immunzellen die Haarwurzeln angreifen. Diese entzünden sich, was zu einer Störung des Haarwachstums führt.

Betroffen sind zumeist die Kopfhaut oder die Körperbehaarung, aber auch Augenbrauen oder Bart können diese Form des Haarausfalls aufweisen. Am Rand der haarlosen Stellen befinden sich meist kurze, abgebrochene Haare. Häufig befinden sich noch sehr kurze Haare in diesen Bereichen. Die Haut sieht nicht verändert oder entzündet aus.

In einigen Fällen haben Betroffene zusätzliche Veränderungen der Fingernägel mit Dellen, Rillen oder schleifpapierartigen rauen Stellen. An den betroffenen Stellen befinden sich viele Haarfollikel in einer Art Schlafzustand. Sie sind jedoch nicht komplett zerstört. Sobald der Angriff durch die Immunzellen nachlässt, ist es möglich, dass an derselben Stelle das Haar ganz normal wieder nachwächst.

Typisch für den kreisrunden Haarausfall bei Frauen ist ein wellenförmiger Verlauf, bei dem die Symptome kommen und gehen.

Diagnose des kreisrunden Haarausfalls

In der Regel reicht bereits das klinische Bild - die typischen runden kahlen Stellen -für die Diagnose des kreisrunden Haarausfalls aus. Um den kreisrunden Haarausfall zu diagnostizieren, dient einem Haarspezialisten in erster Linie eine ausführliche Anamnese sowie das individuelle klinische Erscheinungsbild als Anhaltspunkt.

„Zunächst schaue ich mir die Haare am Kopf, im Gesicht und an Körper an, danach untersuche ich die Kopfhaut genauer. Zur tiefergehenden Diagnostik & Haaranalyse bei Haarausfall kann außerdem eine Probe aus den haarlosen Bereichen entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden. Auf diese Weise kann ein Entzündungsgeschehen nachgewiesen werden.

Behandlungsmöglichkeiten des kreisrunden Haarausfalls

Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen bildet sich der Haarausfall nach sechs bis zwölf Monaten von selbst wieder zurück. Da die genaue Ursache von Alopecia areata nicht bekannt ist, gibt es auch keine ursächliche Therapie. Daher ist es sinnvoll, mit einer aktiven Behandlung abzuwarten.

Aktuell gibt es noch keine Möglichkeit, den kreisrunden Haarausfall ursächlich zu heilen. Daher haben die Therapiemöglichkeiten vor allem das Ziel, die Symptome der Krankheit zu lindern, also den Haarausfall zu bekämpfen. Nach Absetzen der Therapie kann es daher häufig zu einem erneuten Haarverlust kommen.

Es gibt einige Therapieansätze, die Menschen mit Alopecia areata individuell ausprobieren können. Allerdings ist die Datenlage noch nicht ausreichend, um abschließend die Wirksamkeit zu beurteilen. Es stehen aber auch einige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über die verschiedenen Optionen beraten.

Lokale Behandlungen:

  • Kortisonhaltige Mittel: Eine häufig angewandte Methode ist das Einreiben der haarlosen Stelle mit kortisonhaltigen Mitteln. Alternativ ist auch eine lokale Injektion von Kortison in die Haut möglich.
  • Minoxidil: Der Wirkstoff verstärkt die Durchblutung um die Haarfollikel und fördert so das Haarwachstum.
  • Hautreizende Stoffe: Die älteste Behandlungsform bei Alopecia areata ist es, hautreizende Substanzen auf die kahlen Stellen aufzutragen - mit der Absicht, dass durch die ausgelöste Hautirritation neue Haare wachsen.

Systemische Behandlungen:

  • Kortisonsteroide: Das Kortison kann auch oral durch Kortisonsteroide aufgenommen werden. Diese sogenannte systemische Therapie erfolgt täglich für etwa eine Woche über einen Gesamtzeitraum von mindestens drei Monaten, unterbrochen durch einnahmefreie Intervalle.
  • JAK-Inhibitoren: Jakunkinase (JAK) Inhibitoren können als Entzündungshemmer entzündliche Prozesse unterdrücken, wodurch es wieder zum Haarwachstum kommen kann. Der Wirkstoff Baricitinib ist das erste zugelassene Medikament zur Behandlung der Alopecia areata.

Weitere Therapieansätze:

  • Lichttherapie: Auch speziellen Lichttherapien wird eine Wirksamkeit nachgesagt.
  • Topische Immuntherapie: Als wissenschaftlich erwiesen gilt die Wirksamkeit einer lokalen Immuntherapie mit dem Wirkstoff Diphencypron (Diphenylcyclopropenon, DPCP) bei kreisrundem Haarausfall.
  • PUVA: Die Abkürzung PUVA steht für Psoralen plus UV-A. Diese photochemische Behandlungsmethode kommt bei verschiedenen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) und Neurodermitis zum Einsatz, und in manchen Fällen auch bei kreisrundem Haarausfall.

Laut aktuellem Forschungsstand kann jedoch keine allgemeingültige Empfehlung für eine der genannten Therapien gegeben werden.

Verlauf des kreisrunden Haarausfalls

Der zeitliche Verlauf ist unterschiedlich. Bei manchen Betroffenen fallen über einen kurzen oder einen längeren Zeitraum nur wenige Haare aus. Bei anderen Menschen werden schon nach wenigen Wochen deutliche Lücken sichtbar. Bei mehr als der Hälfte der Patientinnen und Patienten wachsen die Haare innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wieder nach.

Insbesondere wenn nicht der Haaransatz betroffen ist und die kahlen Stellen in der Mitte der Kopfhaut liegen, sind die Chancen für eine spontane Heilung gut. Haarausfall, der nach einer Infektionskrankheit oder einer Geburt einsetzt, bessert sich ebenfalls häufig spontan innerhalb von wenigen Monaten. Sind die Haare wieder nachgewachsen, hinterlässt die Erkrankung keine Narben auf der Haut.

In der Regel dauert das vollständige Nachwachsen der Haare mehrere Monate. Mitunter weist das nachgewachsene Haar eine veränderte Pigmentierung auf, die Haarfarbe hat sich also verändert. Der Verlauf einer Alopecia areata ist schwer vorherzusagen und individuell sehr unterschiedlich. Bei einigen Betroffenen, die nur eine leichte Ausprägung haben, kommt es oft zu einer spontanen Rückbildung. Die kahlen Stellen wachsen wieder zu und kommen nicht mehr zurück.

Der stellenweise auftretende Haarverlust kann auch erneut vorkommen oder einen chronischen Verlauf nehmen, sodass die Haare nicht mehr vollständig nachwachsen. Bei kreisrundem Haarausfall, der länger als ein Jahr andauert, vor der Pubertät einsetzt oder sehr stark ausgebreitet ist, sind die Aussichten auf eine Besserung geringer. Außerdem erleben insgesamt etwa 30 bis 50 Prozent der zunächst geheilten Personen einen Rückfall. Mitunter haben einige Betroffene für mehrere Jahre haarlose Stellen.

Faktoren, die Rückfälle begünstigen:

  • Beginn der Erkrankung im Kindesalter
  • Dauer des Haarausfalls länger als ein Jahr
  • Bandartiger Haarausfall am Hinterkopf und Nacken
  • Schwere Verläufe mit komplettem Haarverlust
  • Erkrankungen der Nägel
  • Neigung zu Allergien (Atopie)
  • Auftreten von kreisrundem Haarausfall in der Familie

Umgang mit der Erkrankung

Für Betroffene kann es zudem hilfreich sein, sich mit anderen Erkrankten über Strategien zur Bewältigung auszutauschen, etwa über Selbsthilfegruppen. Regionale Gruppen können Sie auf der Seite der NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen) suchen.

Falls Sie stark von Haarausfall betroffen sind, kann es unter Umständen hilfreich sein, vorübergehend zu einer Perücke oder Haarersatz zu greifen.

Jeder Mensch geht unterschiedlich damit um, Haare zu verlieren. Manche kommen gut damit klar, für andere ist es ein einschneidendes Erlebnis. Kreisrunder Haarausfall fällt leicht auf und kann dazu führen, dass sich Betroffene unwohl fühlen.

Tritt der Haarverlust sehr plötzlich auf oder ist er sehr stark ausgeprägt, kann das emotional enorm belasten. Mitunter passiert es, dass Menschen aufgrund des Haarausfalls gemobbt und sozial ausgegrenzt werden - vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist dieses Risiko groß.

In solchen Fällen lässt sich einiges tun, um den Leidensdruck zu mindern.

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