Jana (5) sitzt in der Badewanne und bekommt von ihrer Mutter die Haare gewaschen. „Aua!“, schreit das Mädchen. „Mama, das brennt!“ Ihr ist der Schaum in die Augen gelaufen. Da hilft nur eins: Die Augen fest zumachen und einen Waschlappen davor drücken. Und für das nächste Haarewaschen kauft Mama ein Shampoo, das nicht brennt.
Viele Menschen verbinden viel Schaum mit einer effektiven Reinigung. Doch was steckt wirklich hinter der Schaumbildung in Shampoos? Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, warum Shampoos manchmal nicht schäumen, welche Rolle Tenside dabei spielen und welche Alternativen es für eine schonende Haarwäsche gibt.
Was Janas Augen reizt, sind Tenside. Sie sorgen dafür, dass Shampoos, Duschgele, Reinigungs- und Spülmittel überhaupt waschen und sauber machen. Mit ihrer Hilfe lösen sich die Fett- und Schmutzteilchen vom Haar. Wasser alleine schafft das nicht. Tenside sind waschaktive Substanzen, die an der Wasseroberfläche eine dünne Schicht bilden und die Oberflächenspannung des Wassers senken.
Es gibt viele verschiedene Tenside: milde und aggressive, viel und wenig Schaum produzierende, teure und billige. Sie alle sind synthetische Stoffe, deren Herstellung chemisch aufwändig ist. Die meisten jedoch verwenden die waschaktiven Substanzen, wenn diese bestimmte Anforderungen erfüllen: Sie sollen aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sein, müssen die Kopfhaut schonend reinigen und im Abwasser vollständig biologisch abbaubar sein. Außerdem sollen sie kräftig schäumen.
Tenside besitzen einen hydrophoben und einen hydrophilen Teil. Der hydrophobe Teil - ein Kohlenwasserstoffrest - kann sich an andere hydrophobe Stoffe (z.B. Öl, Fett) anlagern. Je nach elektrischer Ladung des hydrophilen Molekülteils werden Tenside in vier Gruppen unterschieden:
Es gibt zwei Typen von Tensiden: natürliche und synthetische. Natürliche Tenside werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Synthetische Tenside werden aus Erdöl gewonnen.
Wenn ein Shampoo nicht schäumt, kann das verschiedene Gründe haben:
Schön aufschäumende Shampoos arbeiten oft mit problematischen Tensiden. Dazu gehören die Polyethylenglykole (PEG) und ihre Abkömmlinge. „Produkte, die PEGs enthalten, werten wir in der Regel ab, weil sie die Haut durchlässig für Fremdstoffe machen können“, sagt Kerstin Scheidecker von Ökotest. Außerdem stammt ein Teil der Rohstoffe für diese Tenside aus der Erdölchemie. Erkennbar sind sie in der INCI-Deklaration auf der Verpackung an den Silben „PEG“ oder „eth“ im Namen, zum Beispiel „Sodium Laureth Sulfate“. Auch das Tensid Sodiumlaurylsulfat wertet Ökotest in Anti-Schuppen-Shampoos ab. Denn es ist stark hautreizend.
Viele Naturkosmetik-Hersteller setzen auf Kokos- und Zuckertenside, die ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Sie sind mild und sehr hautverträglich, auch wenn chemische Bezeichnungen wie Sodium Cocoyl Glutamate oder Coco Glucoside sich nicht so anhören. Diese sanften Tenside sind allerdings deutlich teurer als Laurylsulfat. Manche kosten 18 mal mehr. Da die Tenside auch mengenmäßig zu den wichtigsten Zutaten im Shampoo gehören, macht sich das im Preis bemerkbar.
Erkennbar sind Shampoos mit milden Tensiden am Logo „Kontrollierte Naturkosmetik“ des BDIH (Bundesverband deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel e. V.), der Verband lässt nur solche Tenside zu.
Wer seine Haare tensidfrei waschen will, hat eine Möglichkeit: Lavaerde. Trotz des Namens hat sie mit Vulkangestein nichts zu tun. Das Wort kommt aus dem Lateinischen: lavare - waschen. Wascherde ist gemahlener Ton - meist aus dem Atlasgebirge in Marokko. Dort wird sie Rhassoul oder Ghassoul genannt. Lavaerde reinigt nach einem physikalischen Prinzip: Mischt man das Erdpulver mit Wasser, quillt es auf und entwickelt eine gelartige Konsistenz. Ihre feinen Partikel saugen Schmutz und überschüssiges Fett wie ein Löschblatt auf und können dann ganz einfach abgespült werden.
Martina Gebhardt, Geschäftsführerin der nach ihr benannten Naturkosmetik-Firma, will weder Haarwaschmittel noch Duschgel produzieren. Dafür müsste sie chemisch hergestellte Tenside verwenden und das lehnt sie ab. Sie setzt stattdessen auf die Innovationskraft ihrer Forschungsabteilung: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Alternativen zu den üblichen Shampoos zu finden.“
Viele Menschen steigen auf Haarseife um, um synthetische Inhaltsstoffe zu vermeiden. Hier sind einige Tipps für die Anwendung:
Nach der Umstellung auf Haarseife kann es zu einer Übergangsphase kommen, in der das Haar etwas fettiger wirkt. Dies liegt daran, dass sich die Kopfhaut erst an die natürliche Reinigung gewöhnen muss.
Die Physikerin Helen Czerski erklärt, dass es ein Trugschluss sei, gut schäumendes Waschmittel zu kaufen. Grund sei, dass die kleinen Seifenblasen keineswegs dabei helfen, den Schmutz vom Körper oder aus der Wäsche zu entfernen. Doch durch die schnelle Schaumbildung verkürzen viele das Schrubben oder die Einwirkzeit. Das schadet wiederum der Reinigungsleistung.
Viel Schaum gibt uns zwar das Gefühl, dass wir uns gründlicher reinigen können, allerdings ist das nicht immer die bessere Lösung für unsere Haut! Zum Glück gibt es mittlerweile auch schon milde Tenside die eine gute Schaumkraft besitzen.
Auch wenn das Waschen der Haare eine der alltäglichsten Sachen der Welt ist, machen viele dabei haarsträubende Fehler:
Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse der Haare und der Kopfhaut zu berücksichtigen und die richtigen Produkte und Techniken anzuwenden.
| Tensid-Art | Beispiele | Eigenschaften |
|---|---|---|
| Anionische Tenside (mit Sulfaten) | Sodium Laureth Sulfate (SLS), Sodium Lauryl Sulfate (SLeS) | Stark schäumend, potenziell hautreizend, günstig |
| Anionische Tenside (ohne Sulfate) | Sodium Cocoyl Isethionate (SCI) | Mild, gut schäumend, hautverträglich |
| Natürliche Tenside | Kokos- und Zuckertenside (Sodium Cocoyl Glutamate, Coco Glucoside) | Aus nachwachsenden Rohstoffen, mild, teurer |
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