Florence Kasumba hat sich nicht nur als Schauspielerin in Deutschland und Hollywood einen Namen gemacht, sondern auch durch ihren einzigartigen Stil und ihre selbstbewusste Ausstrahlung. Ein prägendes Merkmal ist dabei ihre Kurzhaarfrisur, die mehr ist als nur eine modische Entscheidung.
Kaum einer deutschen Musical-Darstellerin gelingt es, sich im Film- und Fernsehgenre zu etablieren. Noch unwahrscheinlicher ist es, mit dem "Background" Musical den Sprung nach Hollywood zu schaffen - und das auch noch ohne überhaupt zu singen. Florence Kasumba ist beides auf wundersame Weise gelungen.
Nicht nur in Marvel-Blockbustern wie "Avengers: Infinity War" ist sie regelmäßig dabei. Damit darf Kasumba für sich verbuchen, erste schwarze "Tatort"-Kommissarin in der Geschichte des seit 1970 ausgestrahlten Krimi-Phänomens zu sein. Die Frau mit der Superheldinnen-Physiognomie spricht über ihren erstaunlichen Lebensweg, den Rollenwandel, den Figuren mit Migrationshintergrund gegenwärtige im deutschen Fernsehen erfahren, sowie über den Vorteil extrem kurzer Haare.
Kasumba spielte in "Captain America: Civil War" und dem viel gelobten "Black Panther", derzeit ist sie außerdem in "Avengers: Infinity War" zu sehen. In den Filmen, die zum Marvel-Comic-Universum gehören, spielt sie Ayo, eine Kriegerin des fiktiven Königreichs Wakanda, die gemeinsam mit einer Leibgarde aus Frauen mit kahlen Schädeln den König T'Challa beschützt. Eine Rolle, wie gemacht für Florence Kasumba, die chinesischen Kampfsport liebt und auch privat die Haare kurz trägt: "Was woanders vielleicht ein Problem ist, kurze Haare, dunkle Hautfarbe, das waren hier die Kriterien, die man brauchte, um mitwirken zu dürfen."
Früher trug Florence lange Haare. Beim Tanzen habe sie sie sich nach hinten gebunden oder geflochtene Zöpfe getragen. 2004 beendete sie in Essen "Aida" und wusste, sie fange ein paar Tage später bei "Cats" an. Da sollte sie ein Jahr lang Perücke tragen. Sie sagte zu ihrem Mann: "Schatzilein, bitte einmal die Haare abrasieren!" So haben wir es gemacht, und seitdem trage ich kurz.
Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich das getraut habe. Mittlerweile bin ich ja ein wenig in der Marvel-Ecke. Als Superheldin habe ich da immer rasierte Haare, und es macht keinen Sinn mehr, sie lange wachsen zu lassen. Ihre Frisur hat eine Menge Vorteile. Im Gegensatz zu anderen Frauen stehe ich morgens auf - und bin bereits fertig (lacht).
Florence Kasumba erzählt von der Bedeutung ihrer Kleiderauswahl, und zeigt die Bedeutsamkeit ihres Stils für ihre Wahrnehmung. Ich mag es manchmal schlicht, manchmal extravagant, manchmal sportlich. Das entscheide ich nach Ort und Funktion. Und mit Funktion meine ich: Manchmal trage ich auch etwas, um Abstand zu schaffen, beispielsweise Kleidung von Esther Perbandt. Sie hat klare Linien, schwarz, ist oft fast so ein bisschen militärisch.
Ich mag Stehkragen, ich mag Blazer, ziehe privat gern robuste, flache Stiefel an, und ich spüre, wie ich damit auf Leute wirke. Das verläuft ganz anders, wenn ich etwas Buntes oder Verspieltes anziehe. Kleidung hat Wirkung, und die Kleidung am Menschen selbst hat noch mal eine ganz andere.
Ich bin wirklich eine Anzugtante. Ich liebe Blazer und Blusen, am besten noch mit einer Krawatte dazu, locker gebunden. Ich liebe außerdem flache Stiefel, ich bin nämlich viel zu Fuß unterwegs, laufe durch Pfützen, Treppen rauf, runter, U-Bahn. Ich finde, es gibt ein paar Dinge im Leben, da musst du auf deinen Körper achten. Deswegen braucht man gute Schuhe, wenn man gesund alt werden möchte.
Dennoch liebe ich es sehr, mich für Anlässe herauszuputzen. Mode macht mir einfach Spaß, alles daran, auch das ganze Drumherum. Für mich war das auch der Grund, warum ich zurück auf die Bühne wollte. Ich liebe es, glamouröse Sachen anzuziehen und zu tanzen, sich zu fühlen wie eine Discokugel.
Mein Stil ist geprägt von ganz vielem. Ich habe ja Gesang, Tanz und Schauspiel studiert. Das war ein geschützter Raum und dort vollkommen üblich, sich herzurichten, zu feiern. Im Studium, und in all den Shows, in denen ich gespielt habe, waren viele queere Menschen präsent. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese queeren Menschen in meinem Umfeld immer etwas extravaganter waren, crazy und bunt. Großartig! Genau das habe ich selbst auch schon von klein auf gelernt: dass es toll ist, sich schön zu machen und Dinge auszuprobieren.
Als Kind habe ich zu Hause nie gehört: "Mach das nicht. Kombinier das nicht." Es gibt da diese Plattform: "stylelikeu". Gegründet von einem Mutter Tochter Duo, die keine Fans des Mainstream Looks sind und ganz unterschiedliche Leute interviewen, die stilistisch nicht der Norm entsprechen. Das inspiriert mich total. Ich bin jetzt 49 Jahre alt, und ich lerne immer noch gern dazu und bin offen für Neues.
Bei unserem VOGUE Covershoot 2023 wurden meine Augenbrauen weggeschminkt, und ich fand das so cool, dass ich danach privat die Augenbrauen rasiert habe. Ich lerne so viel durch die Arbeit, die ich mache, und durch die Menschen, die ich treffe. Wenn ich mit Stylist:innen arbeite, die dann richtig tolle Sachen hervorzaubern, finde ich es spannend zu erforschen, wie sich das anfühlt und wie ich damit klarkomme.
In diesem Jahr war ich Gast in Spanien bei einer Paneldiskussion, es ging unter anderem um das Thema Empowerment. An dem Tag war ich auch in Schulen und habe mich mit Kindern in Pflegefamilien unterhalten. Natürlich achte ich dann darauf, wie ich auftrete - sicher nicht in Full Glam. Ich trug an dem Tag dann etwas Helles, denn gerade wenn kleine Kinder dabeisitzen, macht das viel aus. Die Leute trauen sich dann viel eher, mich anzusprechen.
Bei allem, was sich um "Black Panther" dreht, arbeite ich gern mit afrikanischen Künstler:innen zusammen. Man promotet ja auch, wofür die jeweilige Produktion steht, Stichwort Kontext. Ich habe Kinder und möchte, dass sie wissen, dass es Kontexte gibt, denen passt man sich an; und es gibt Räume, da kannst du so sein, wie du bist. Wenn ich zum Beispiel einen Ort besuche, an dem es einen besonderen Dresscode gibt, um die Kultur zu respektieren, dann halte ich mich daran.
Sich gewissen Kontexten anzupassen, halte ich für wichtig. Das hat aber nichts mit Schönheitsidealen zu tun. Wie oft bekam ich den Ratschlag: "Lass dir mal die Haare etwas wachsen, das sieht hübscher aus …" Ich verstehe, dass ich kein typisches Schönheitsideal bin. Aber man darf eben nicht vergessen, dass meine Familie aus Uganda stammt. Dort ist mein Erscheinungsbild gar nicht so ungewöhnlich, im Gegenteil. Am Ende muss man einfach nur eine Antwort auf die Frage haben: Wer bin ich? Und dann bei sich bleiben.
Kasumba, die in Essen aufgewachsen ist, in den Niederlanden studierte und ihre Karriere als Musicaldarstellerin begann, ist seit mehr als zwanzig Jahren immer wieder im Fernsehen und im Kino zu sehen. Durch die Verpflichtung beim "Tatort" dürfte ihre Bekanntheit in Deutschland jedoch noch einmal einen ordentlichen Schub bekommen.
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