Warum Naturvölker keinen Haarausfall haben: Ursachen und Lebensweise

In Deutschland leiden circa 40% aller Männer und 25% aller Frauen früher oder später unter dem Verlust ihrer Haare. Alleine in Deutschland sind somit etwa 8 Millionen Menschen betroffen. Es ist ein wirkliches Ärgernis.

Der Haarzyklus

Es ist vollkommen normal, dass wir Menschen Haare verlieren. Ein normaler Mensch hat zwischen 90.000 und 150.000 einzelne Haare. Das hängt übrigens auch mit der Haarfarbe zusammen. Blonde Menschen haben mit durchschnittlich 150.000 Haaren den dichtesten Haarwuchs. Rothaarige haben dagegen durchschnittlich nur 90.000 Stück. Braun- und Schwarzhaarige liegen dazwischen. Aber auch 90.000 Haare reichen vollkommen aus, um von einem dichten Haarwuchs zu sprechen.

Die einzelnen Haare wachsen nicht dauerhaft konstant, sondern in einem Zyklus. Der Zyklus besteht aus Phasen des Wachstums, der Ruhe und der Rückbildung. Dabei hat jeder einzelne Haarfollikel seinen eigenen Zyklus, der zeitlich versetzt von den Nachbar-Follikeln stattfindet. Das garantiert dem Menschen einen dauerhaften und gleichmäßigen Haarbestand.

Haarausfall bei Frauen: Welche Medikamente und Behandlungen helfen? | ARD GESUND

Die Phasen des Haarzyklus

  1. Anagenphase (Wachstumsphase): Dauer: ca. 1. Bis zu 90% unserer Haare befinden sich gleichzeitig in der Wachstumsphase. Zu dieser Zeit nennt man sie Papillarhaare. Dabei wachsen sie währenddessen 0,3 - 0,5 Millimeter pro Tag. Das macht im Jahr etwa 12 bis 15 Zentimeter.
  2. Katagenphase (Übergangsphase): Nach der Wachstumsphase beginnt die Übergangsphase. In dieser Phase produziert die Zellmatrix keine weiteren Zellen mehr. Die Folge davon ist, dass sich die Haarfollikel unten verengen.
  3. Telogenphase (Ruhephase): Die Telogenphase ist die letzte Phase des Haarzyklus. Sie dauert zwei bis sechs Monate. Bis zu 18% der Haare befinden sich gleichzeitig in dieser Phase. Das Haarfollikel ruht nun. Die Haare sitzen nicht mehr so fest und lassen sich beispielsweise durch Kämmen und waschen leicht von der Kopfhaut lösen. Mit dem Ende der Telogenphase beginnt die Zellmatrix wieder zu produzieren. Ein neues Haar gelangt wieder in die Anagenphase.

Der Haarzyklus ist ein Kreislauf: Die Katagenphase wechselt sich mit der Telogen und der Anagenphase ab. Du siehst also, es ist völlig normal, dass wir täglich zwischen 50 und 100 Haare verlieren. Denn sie erneuern sich permanent genauso wie unsere Zellen und unser Blut. Es kann auch passieren, dass an einem einzelnen Tag mal mehr als 100 Haare ausfallen. Das ist völlig normal.

Krankhaft wird das Ganze erst, wenn über einen längeren Zeitraum mehr als 100 Haare ausfallen. Oder aber einzelne Stellen kahl werden. Die erste Maßnahme sollte der Gang zum Arzt sein. Es ist zwar selten, aber Haarausfall kann auch die Folge von ernsthafteren Stoffwechselerkrankungen oder Hormonveränderungen sein.

Arten von Haarausfall

Es gibt drei unterschiedliche Arten von krankhaftem Haarausfall:

  • Androgenetische Alopezie: Mit circa 95% ist dies ist die häufigste Form der Alopezie. In der Umgangssprache wird hierbei oft vom erblich bedingten Haarausfall gesprochen. Typischerweise beginnt der Haarverlust zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Er beginnt im Bereich der Stirn, mit den typischen „Geheimratsecken“. Nachdem die kahlen Flächen der Stirn immer weiter wachsen, beginnt auch der Hinterkopf lichter zu werden. Schließlich verbinden sich Geheimratsecken über den Scheitel mit der kahlen Stelle des Hinterkopfs. Es bleiben nur noch an den Seiten und dem unteren Bereich des Hinterkopfs Haare übrig. Schließlich bekommt Mann eine komplette Glatze. Schuld daran ist bei den Männern das Sexualhormon Dehydrotestosteron welches aus dem Körpereigenen Hormon Testosteron stammt. Dieses Hormon schrumpft die Haarfollikel, wodurch sie schlechter produzieren können. Die Haare wachsen dadurch bedeutend langsamer oder sogar gar nicht mehr. Gleichzeitig bilden sich mehr Talgdrüsen auf dem Kopf, wodurch die noch vorhandenen Haare schneller ausfallen.
  • Alopecia areata (Kreisrunder Haarausfall): Am Kreisrunden Haarausfall erkranken in etwa eine Millionen Menschen allein in Deutschland. Wie der Name schon vermuten lässt, bilden sich am Körper Flecken oder Kreise, an denen keinerlei Haare mehr wachsen. Diese Variante von Haarausfall tritt meist absolut plötzlich und sehr schnell ein. Die Ursache der Alopecia areata ist noch nicht abschließend geklärt. Da die Krankheit häufig von hohen Entzündungswerten begleitet ist, geht man davon aus, dass sich das eigene Immunsystem gegen die eigenen Haarfolikel wendet. Auch ein genetischer Grund wird vermutet, da Kreisrunder Haarausfall in einigen Familien gehäuft auftritt. Abgesehen davon ist es sehr schwierig den Verlauf der Krankheit hervorzusehen. Sehr häufig wachsen Monate später plötzlich wieder Haare an den betroffenen Stellen. Bei einigen Menschen tritt der kreisrunde Haarausfall auch mehrmals im Leben auf.
  • Diffuser Haarausfall: Der diffuse Haarausfall unterscheidet sich deutlich von den anderen beiden Formen des Haarausfalls. Hier sind nämlich nicht nur bestimmte Stellen betroffen, sondern der gesamte Kopf. Manchmal sogar der ganze Körper. Die diffuse Alopezie kann sehr viele Ursachen haben, deshalb ist es hier besonders wichtig einen Arzt aufzusuchen.

Erblich bedingter Haarausfall und Lebensweise

Viele Betroffene geben sofort auf, wenn sie die Diagnose „erblich bedingter Haarausfall“ bekommen. Dabei ist das gar nicht nötig. Es gibt kein „Haarausfallgen“, welches bestimmt in welchem Alter uns die Haare ausfallen. Oder uns die Haare ausfallen, nur weil dem Vater die Haare ausfallen. Vielmehr geht es um die genetische Veranlagung. Das bedeutet, dass die äußeren Einflüsse wie Stress, Medikamente etc. sich schneller auf den Haarwuchs auswirken.

Wenn man sich die Naturvölker anschaut, so kann man feststellen, dass diese bis ins hohe Alter kräftiges und dichtes Haar haben. Das hat allerdings nichts mit ihren Erbanlagen zu tun, sondern mit ihrer gesunden Lebensweise. Wenn diese nämlich ihr natürliches Leben verlassen um in der „Zivilisation“ zu leben, fallen ihnen genauso die Haare aus, wie uns Europäern.

Wir erben also nicht das „Haarausfall-Gen“ von unseren Eltern, sondern wir übernehmen ihre schlechte Lebensgewohnheiten. Was ist also das beste Mittel gegen erblich bedingten Haarausfall?

Faktoren, die Haarausfall beeinflussen

  • Stress: Stress wird als häufigster Auslöser für Haarausfall angesehen. Befindet sich der Körper in einer Stresssituation, werden körpereigene Stoffe, zum Beispiel Adrenalin, ausgeschüttet. Zu den Folgen davon zählen beispielsweise Erkrankung von Herz und Magen, sowie eben Haarausfall.
  • Falsche Ernährung: Die Übersäuerung des Körpers kann langfristig nur durch eine Ernährungsumstellung geheilt werden. Um schneller eine Wirkung zu erzielen, helfen spezielle Entschlackungskuren. Der Mineralstoff- und Vitaminmangel reguliert sich auch durch die Ernährungsumstellung. Kurzfristig können hier auch Mineralstoffpräparate helfen.
  • Haarpflege: Die Haare sind die meiste Zeit vollkommen den Umweltbedingungen ausgesetzt. Als wäre das nicht schon schwer genug, frisieren, bürsten, stylen und färben wir unsere Haare auch noch. Das greift natürlich die Kopfhaut, Haarwurzeln und Haare stark an. Außerdem werden der Kopfhaut so die benötigten Mineralstoffe entzogen.
  • Rauchen: Gewisse Stoffe in den Zigaretten verlangsamen das Haarwachstum oder stoppen es sogar ganz.

Nährstoffe und Haarausfall

Ein guter Ernährungszustand, bei dem der Körper ausreichend mit Mikro- und Makronährstoffen versorgt wird, ist die Grundlage für gesundes Haar. So werden in Studien beispielsweise nach sogenannten „Crash-Diäten“ Haarausfall und -veränderungen beobachtet, da die Haarfollikel durch die radikale Nahrungsrestriktion unzureichend versorgt wurden. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um erblich bedingten, sondern diffusen Haarausfall (telogenes Effluvium).

Weiterhin identifizierte das BfR Studien, die eine Assoziation zwischen einer mediterranen Ernährung und einem verringerten Risiko für die Entwicklung und das Fortschreiten der androgenetischen Alopezie nahelegen.

Auch wiesen von einem Haarausfall Betroffene in mehreren Studien erniedrigte Vitamin-D-Spiegel auf. Für Personen, die unter Haarausfall leiden, kann eine Abklärung des Vitamin-D-Spiegels sinnvoll sein - und bei festgestelltem Mangel eine Supplementierung.

Auch zu Eisen lagen einzelne Studien vor - mit widersprüchlichen Ergebnissen. Hier schlussfolgert das BfR, dass keine Supplementierung erfolgen sollte, wenn kein Mangel vorliegt.

Alternative Therapieverfahren gegen Haarausfall

In einer Studie analysierten US-Forscher den aktuellen Wissensstand zu alternativen Therapieverfahren gegen Haarausfall. Das Team um Anna-Marie Hosking von der University of California betont zwar in seinem Resümee, dass fast alle Methoden noch einen Nachholbedarf an klinischen Wirkungsbelegen hätten. Doch bei einigen fand man durchaus ernst zu nehmende Hinweise darauf, dass sie das eine oder andere Nachwuchsproblem auf männlichen Köpfen lösen könnten.

Hier einige Optionen:

  • Extrakt à la Inuit: Proteinkomplexe, die in der Haut für mehr Papillenzellen sorgen, und diese regulieren wiederum die Bildung der Follikel, aus denen das Haar wächst.
  • Melatonin: Es schützt die Haarfabriken vor dem Rostfraß aggressiver Sauerstoffverbindungen.
  • Koffein: Es hemmt angeblich den Einfluss von Testosteron an den Follikeln.
  • Zwiebeln und Knoblauch: Sie helfen beim kreisrunden Haarausfall, der Alopecia areata.
  • Rosmarin-Lotion: Sie verbessert die Durchblutung an den Follikeln.
  • Öle von Kürbissamen und Sägepalmenfrüchten: Sie befreien die Haarfollikel vom hemmenden Einfluss männlicher Hormone.
  • Gesunder Lebensstil: Wer mindestens dreimal wöchentlich frisches Obst und Gemüse in seinem Speiseplan hat, halbiert sein Risiko für genetisch bedingten Haarausfall.

Medikamentöse Behandlung von Haarausfall

Tatsächlich gibt es zwei erprobte Medikamente, die tatsächlich helfen: Finasterid und Minoxidil. Beide sind effektiv, obwohl sie unterschiedlich wirken.

  • Finasterid: Es hemmt die sogenannte „5-Alpha-Reduktase“ - das Enzym, das Testosteron in DHT umwandelt.
  • Minoxidil: Die Tinktur muss täglich auf der Kopfhaut einmassiert werden. Das wirkt genauso gut wie Finasterid - nur wieso, das weiß noch keiner so genau.

Ob Finasterid oder Minoxidil, für beide gilt: Je früher, desto besser. Intakte Haarwurzeln lassen sich fast immer retten, bereits kaputte bei der Hälfte der Behandelten.

Ein anderer Ansatz wird mit der Entwicklung von Prostaglandinpräparaten verfolgt. Die Gewebshormone sollen entscheidend am Haarausfall beteiligt sein. Forscher vermuten, dass sie sowohl wachstumsfördernd als auch -hemmend wirken.

Thiocyn gegen Haarausfall

Thiocyn enthält das Molekül Thiocynat. Es ist im menschlichen Körper vorhanden und regt die Zelltätigkeit an. Dadurch wird beispielsweise die Wundheilung verbessert und auch das Haarwachstum angeregt. Beim Haarewaschen wird das körpereigene Thiocynat herunter rausgespült und kann durch Verwendung des Präparats wieder aufgefüllt werden.

Der Vorteil gegenüber Minoxidil und Finasterid besteht besteht darin, dass es keine bekannten Nebenwirkungen besitzt. Allerdings müssen für die Anwendung noch Haare vorhanden sein, da das Mittel keine verlorenen Haare ersetzt.

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