Warum haben Fische Schuppen?

Fast alle Fische haben Schuppen. Aussehen und Design des Schuppenkleids sind aber höchst verschieden. Manche Fische haben große Schuppen, andere winzig kleine. Hier erfährst du, warum das so ist.

Die Funktion der Schuppen

Die Funktion der Schuppen ist bei allen Fischen dieselbe: Die Schuppen dienen dem Schutz. Die kleinen Knochenplatten sitzen auf der Haut, schützen vor Bissen anderer Fische, verhindern, dass sich Parasiten festsetzen können und bilden eine wirksame Barriere gegen Krankheitserreger.

Aufbau der Schuppen

Schuppen bestehen aus einer knöchernen, mit knorpeligen Fasern verstärkten, biegsamen Grundschicht und einer darüber liegenden durchsichtigen Deckschicht. Die kleinen Knochenplatten, die in der Haut eingebettet sind, werden von einer dünnen Hautschicht - der Oberhaut - bedeckt. Zellen in der Oberhaut produzieren Schleim, der sich auf der Epidermis absetzt.

Sind die Schuppen - wie bei Aalen oder Schleien - sehr klein, ist die darüber liegende Schleimschicht stärker ausgeprägt. Diese Schleimschicht bietet einen zusätzlichen Schutz gegen Parasiten und Krankheitserreger. Gegen Außenparasiten und Krankheitserreger sind spezielle Abwehrstoffe in der Schleimschicht enthalten. (Manche Menschen reagieren allergisch auf Fischschleim.) Durch die Schleimhaut wird auch der Reibungswiderstand im Wasser verringert.

Eine unversehrte Oberhaut ist sehr wichtig. Fische deshalb nie mit trockenen Händen oder Gegenständen berühren. Angeordnet sind sie dachziegelartig übereinander, vom Kopf bis zur Schwanzwurzel. Nicht nur links und rechts auf den Körperflanken, sondern auch auf der Rückenkante und um die Flossen und an der Bauchseite. Kopf und Flossen sind nicht beschuppt.

Verschiedene Arten von Schuppen

Es gibt verschiedene Arten von Schuppen, die sich in ihrer Struktur und ihrem Aufbau unterscheiden:

Elasmoidschuppen

Elasmoidschuppen sind die Schuppen der Echten Knochenfische (Teleostei), zu denen unter anderem nahezu alle in den Binnengewässern Mitteleuropas lebenden Fischarten gehören. Es gibt zwei Grundformen von Elasmoidschuppen:

  • Rundschuppe: Zum Beispiel bei Hering, Forelle, Hecht und Aal. Rundschuppen sind nahezu kreisförmig und haben einen glatten Rand. Rundschuppen sind mehr oder weniger kreisrund, bis oval. Namensgebend ist die Außenkante der Schuppen die runde, glatte Ränder aufweist. Rundschuppen können bis zu 3 - 6 cm Durchmesser haben.
  • Kammschuppe: Zum Beispiel bei Zander und Barsch. Die fester sitzenden Kammschuppen erinnern am hinteren Ende an einen kleinen Kamm. Kammschuppen sind mehr oder weniger kreisrund, jedoch am Hinterrand kammartig gezahnt. Dadurch fühlen sich die Fische wie Sandpapier an.

Placoidschuppen

Der Schuppenpanzer der Knorpelfische (Chondrichthyes) - zu ihnen zählen zum Beispiel Haie und Rochen und insgesamt etwa vier Prozent der heute lebenden Fischarten - besteht aus Placoidschuppen. Sie unterscheiden sich von den Elasmoidschuppen der Knochenfische. Eine Placoidschuppe besteht aus Knochenmaterial, das durch Knochenfasern in der Lederhaut verankert ist.

Bei den Haien bilden sie ein geschlossenes Exoskelett oder Außenskelett, das der Haut eine extreme Festigkeit verleiht. Die Schuppen der Haie sehen nicht nur aus wie Zähne, sie sind sogar welche. An ihrer Oberfläche, der Krone, sind sie mit einer dem Zahnschmelz ähnlichen Substanz überzogen. Die Zahnspitzen weisen nach hinten. Streicht man mit der Hand nach hinten über die Hai-Haut, fühlt sie sich glatt an; streicht man in Gegenrichtung, ist die Haut rau und scharf wie Schmirgelpapier.

Die besondere Struktur des Schuppenzähnchen-Kleids bietet nicht nur Schutz, sondern verringert auch den Strömungswiderstand.

Schuppenlose Fische

Einige Fische haben gar keine Schuppen. Bei manchen ist das von Natur aus so, bei anderen wurden sie weggezüchtet. Schuppenlose Fische gibt es nicht viele. Der Wels oder Waller ist schuppenlos, ebenso sein amerikanischer Verwandter der Zwergwels. Auch die Stichlinge sind schuppenfrei. Dafür haben sie flache Knochenplatten als Schutz. Fast schuppenlos ist die Koppe, nur entlang der Seitenlinie gibt es einige Schuppen.

So ist der Flusswels (Silurus glanis) durch eine besonders dicke und zähe Schleimschicht gegen Verletzungen und Parasiten geschützt. Der Nacktkarpfen, ein Speisefisch, hat nur ganz wenige Schuppen.

Wachstum und Alter der Fische

Die Beschuppung wird im jugendlichen Alter der Fische angelegt. Die Schuppen wachsen im jahreszeitlichen Wechsel mit dem Fisch mit - im Sommer schneller als im Winter - und bleiben in Anordnung und Anzahl lebenslang erhalten. Verändert sich durch den Abwuchs des Fisches die Anzahl der Schuppen? Im Sommer wachsen die Fische schneller. Im Winter langsamer. Das erkennt man auch an den Schuppen. Die Sommerzonen auf den Schuppen sind heller, die Winterzonen dunkler.

Dabei bilden sich auf den Schuppen Jahresringe, die - vergleichbar mit den Jahresringen einer Baumscheibe - bei der Art- und Altersbestimmung helfen können. Verlorene Schuppen können nachgebildet werden.

Fische: äußerer Bau – Schuppen & Flossen einfach erklärt!

Weitere interessante Fakten

Hier sind noch einige interessante Fakten über Fischschuppen:

  • Anhand der Schuppenformel können Biologen die eindeutige Artbestimmung bei Fischen durchführen. Z. B. Schuppen auf der Seitenlinie sind mit einer kleinen Öffnung versehen.
  • Vorsicht beim Fischtransport: nie Rundbeschuppte und Kammschupperfische in einem Behälter transportieren.
  • Welche Fische muss man vor dem Essen von ihren Schuppen befreien? Forellen und Schleien braucht man z. B. Fische mit einem Schupper von ihren Schuppen befreien geht am leichtesten, wenn man den frisch, geschlachteten Fisch (der Bauch sollte noch nicht aufgeschnitten sein) entschuppt. Die Schleimhaut darf nicht schon eingetrocknet sein.
  • Schuppen vom Weihnachtskarpfen gelten mancherorts traditionell als Glücksbringer. Eine Fischschuppe, gewaschen, getrocknet, gepresst, z. B. vom Weihnachtskarpfen ist bei vielen als Glücksbringer bekannt.
Vergleich verschiedener Schuppenarten
Schuppenart Vorkommen Eigenschaften
Elasmoidschuppen (Rundschuppen) Hering, Forelle, Hecht, Aal Kreisförmig, glatter Rand
Elasmoidschuppen (Kammschuppen) Zander, Barsch Kreisförmig, kammartig gezahnt
Placoidschuppen Haie, Rochen Bestehen aus Knochenmaterial, ähneln Zähnen

Unsere Bäche sind wertvolle Biotope, in denen sich nicht nur Fische tummeln. In den Bachläufen unserer Heimat kann man jede Menge spannende Natur erleben.

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